Pflegestufe beantragen – Teil 1: Gravierende Fehler vermeiden

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Wie beantrage ich eine Pflegestufe? Wer kann mich beraten? Tritt ein Pflegefall ein, treten auch viele Fragen auf. Nichts ist schlimmer als pflegebedürftig zu sein, aber keine Hilfe zu bekommen. Der Pflegefall kann schneller eintreten als man glaubt. Ein Unfall, eine plötzlich auftretende Krankheit oder Erkrankungen des Alters.

Ist der Betroffene auf Hilfe angewiesen, ist es ganz wichtig, beim Antrag auf eine Pflegestufe richtig eingestuft zu werden. Fehler beim Ausfüllen des Pflegestufenantrags können dafür verantwortlich sein, dass die Pflegestufe abgelehnt wird. 

Wie schnell Fehler beim Ausfüllen des Antrags gemacht werden, lesen Sie weiter unten in meinem Praxisbeispiel sowie in Teil 2 dieser Serie. Wie Sie gravierende Fehler vermeiden können und auf was Sie achten sollten, lesen Sie in dieser Serie.

Mein Buchtipp zu diesem Thema

Bezüglich der richtigen Einstufung in die Pflegestufe möchte ich Ihnen das Buch100 Fehler bei der Einstufung von Pflegebedürftigenempfehlen.

Wann sollte über die Beantragung einer Pflegestufe nachgedacht werden?

Wenn Tätigkeiten, die früher unproblematisch oder ohne fremde Hilfe ausgeführt werden konnten, plötzlich nicht mehr alleine erledigt werden können. Hierzu zählt:  

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  • das An- und Ausziehen: Kann das wirklich alles ohne fremde Hilfe erledigt werden?
  • Morgentoilette oder Duschen: Wer hilft hier mit? Wer wäscht die Beine oder den Rücken? Wird dem Patienten vielleicht schwindelig? Wer kämmt die Haare? Können die Zähne noch selbst geputzt werden?
  • das Gehen innerhalb der Wohnung: Ist hier fremde Hilfe nötig? Wird vielleicht schon ein Rollator, ein Rollstuhl oder ein E-Mobil benötigt?
  • das Kochen: Wer kocht? Oder wird sogar Essen auf Rädern angeliefert? (Anmerkung: Wer Essen auf Rädern bezieht und ein geringes Einkommen hat, kann vom Sozialamt einen Zuschuss erhalten.
  • das Essen: Kann noch alleine gegessen werden? Muss das Essen mundgerecht zubereitet werden? Wer stellt das Trinken bereit?
  • das Einkaufen oder der Gang zum Arzt und Behörden: Ist dies vollständig ohne fremde Hilfe möglich? Wird die Unterstützung des Partners, eines Bekannten oder Verwandten benötigt?
  • die Wohnung: Wer putzt die Wohnung? Wer wäscht die Kleidung? Wer spült, deckt den Tisch und räumt auf?

Was Sie beachten müssen, wenn der Gutachter des Medizinischen Dienstes kommt, erfahren Sie hier

Praxisbeispiel

Mir ist ein Fall persönlich bekannt, wo eine Pflegestufe abgelehnt wurde, weil die Patientin sich selbst überschätzt hatte und der Gutachter sie dadurch komplett falsch einstufte. Die Patientin hatte eine schwere COPD IV (chronische Lungenerkrankung) im Endstadium und musste rund um die Uhr mit Sauerstoff beatmet werden.

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Das Gehen fiel ihr sehr schwer, das Treppensteigen war ihr überhaupt nicht mehr möglich, weil sie keine Luft mehr bekam. Kleine Arbeiten im Haushalt und die Körperpflege konnte sie nur unter allergrößten Anstrengungen ausführen, benötigte aber sehr viel Hilfe. Kochen konnte sie auch nicht mehr. Um wenigstens im Haus mobil zu sein, wollte sie einen Treppenlift einbauen lassen und beantragte einen Zuschuss bei der Pflegekasse.

Der Zuschuss wurde abgelehnt, weil laut Gutachter kein Grund für eine Einordnung in eine Pflegestufe vorlag und somit auch kein Treppenlift notwendig sei. Ein Zuschuss für einen Treppenlift wird nur genehmigt, wenn eine Pflegestufe vorliegt. 

Erst als die Patientin wieder ins Krankenhaus musste, wurde direkt von der Sozialstation des Krankenhauses erneut ein Antrag auf Pflegestufe gestellt, diesmal aber richtig. Die Patientin bekam dann aufgrund dieses Antrags tatsächlich eine Pflegestufenzuweisung, allerdings zu spät. Die Genehmigung kam eine Woche, nachdem die Patientin an ihrer Krankheit verstorben war. 

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Was war geschehen? Warum wurde diese Patientin beim ersten Antrag falsch eingestuft mit solch fatalen Auswirkungen?

  • Sie wusste nicht, dass für eine Bezuschussung des Treppenlifts eine Pflegestufe nötig war.
  • Als der Gutachter des Medizinischen Dienstes der Pflegeversicherung kam, ging die Patientin davon aus, es gehe lediglich um den Zuschuss für den Treppenlift und nicht um eine Einstufung in die Pflegestufe.
  • Der Gutachter der Pflegeversicherung beschritt den richtigen Weg und überprüfte, ob überhaupt eine Einstufung für die Pflegestufe möglich ist. Die Patientin, gewohnt nicht zu jammern und mit der Situation völlig überfordert, gab an, dass sie ihren Haushalt noch einigermaßen führen würde und die Körperpflege auch noch irgendwie selbst erledige. Dass sie mit diesen Aufgaben jedoch komplett überfordert war, wollte sie nicht zugeben. Auch dass sie mehr Hilfe durch Angehörige bekam, als ihr überhaupt bewusst war, kam nie zur Sprache.
  • Der Gutachter beurteilte die Patientin nach ihren Aussagen und kam zu dem Schluss, dass keine Pflegestufe vorliegt. Somit wurde weder die Pflegestufe noch der Zuschuss für den Treppenlift genehmigt.

 

Das Beantragen einer Pflegestufe hat Tücken und Fallstricke, die es von vornherein zu vermeiden gilt. Am obigen Beispiel lässt sich sehr gut erkenne, dass die Genehmigung der Pflegestufe sehr stark vom Inhalt des Antrags abhängig ist.

Und hier sitzt der Teufel im Detail, vieles muss beachtet und richtig aufgeführt werden. Das Ausfüllen des Antrages auf eine Pflegestufe ist für einen Laien nicht ganz einfach, weil dieser oftmals nicht weiß, was sich hinter den Fragen verbirgt. Oft überschätzt der Pflegebedürftige sich selbst und seine Aktivitäten und gibt deshalb unwissentlich ganz falsche Werte bei den gestellten Fragen, was er noch selbst erledigen kann, an. Hinzu kommt, dass man ja nicht jammern möchte. Man ist es gewohnt, sich zusammen zu reißen.

Außerdem hilft ja auch noch die Frau oder der Mann mit. Auch Angehörige können oftmals das Befinden des Pflegebedürftigen nicht richtig einschätzen. Es ist für Außenstehende und Laien sehr schwer zu entscheiden, was auf Dauer dem Pflegebedürftigen zugemutet werden kann. Deshalb ist es wichtig, sich beim Ausfüllen des Antrags Zeit zu nehmen und möglichst professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, so wie ich es weiter unten beschrieben habe.

Was Sie wissen sollten

Der Medizinische Dienst der Pflegeversicherung entscheidet nicht immer durch persönliche Begutachtung, sondern auch nach Aktenlage. Dazu muss ein umfassender Krankenbericht vorliegen. Nur wer bei der Pflegeversicherung richtig „katalogisiert“ ist, kann auch richtig eingestuft werden.

Dazu müssen aber alle Krankenberichte, Röntgenbilder, Gutachten, Befunde usw. vorliegen und alle Krankheiten von ihrer Schwere, Dauer und den daraus resultierenden Beeinträchtigungen richtig erfasst sein. Deshalb ist es wichtig, beim Einreichen des Antrags auf Pflegestufe alle Unterlagen gleich mit einzureichen. Wenn vorhanden, sogar den Pflegevertrag mit einem mobilen Pflegedienst.

Prinzipiell haben sie fünf Möglichkeiten, einen Antrag auf Pflegestufe auszufüllen:

  • Sie füllen das Antragsformular alleine aus:

Bitte lesen Sie sorgfältig durch, welche Voraussetzungen der zu Pflegende erfüllen muss und füllen Sie dementsprechend den Antrag aus. Am besten ist es, Sie führen über einen gewissen Zeitraum ein Pflegetagebuch aus dem ersichtlich ist, wie viel Zeit die Pflege in Anspruch nimmt. Die Verbraucherzentrale Nordrheinwestfalen stellt hier ein kostenloses Pflegetagebuch zum Download bereit. 

  • Sie nehmen die Hilfe eines Pflegestützpunktes in Anspruch Pflegestützpunkte arbeiten kostenlos und neutral. Außerdem sind Ihnen die Pflegestützpunkte noch in vielen anderen Bereichen rund um das Thema Pflege behilflich.
  • Das Antragsformular wird über den Sozialdienst eines Krankenhauses ausgefüllt

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Mein TIPP: Lassen Sie sich beraten, ob eine
Kostenübernahme durch Krankenkasse möglich ist
 

Ist der Antragsteller in stationärer Krankenhaus-Behandlung ist es möglich, den Antrag auf Pflegestufe über den Sozialdienst des Krankenhauses ausfüllen zu lassen. Vereinbaren sie einen Termin mit einem Sozialdienstmitarbeiter, um gemeinsam den Antrag auszufüllen. Das gemeinsame Ausfüllen hat den Vorteil, dass Sie den Gesundheitszustand, die häusliche Umgebung und die Notwendigkeiten der zu pflegenden Person kennen. Die Sozialdienstmitarbeiter hingegen sind fachlich sehr versiert und wissen, worauf es im Einzelnen beim Ausfüllen des Antrags ankommt.

  •  Sie füllen das Antragsformular über den Sozialdienst eines Pflegedienstes aus

Wenn Sie vorhaben, zum Beispiel einen ambulanten Pflegedienst zur Pflege des Angehörigen einzusetzen, dann sprechen Sie auch hier die Mitarbeiter vom Sozialdienst des ambulanten Pflegedienstes an. Ein guter Pflegedienst füllt für Sie das Formular aus und ist Ihnen bei der Beschaffung der nötigen Unterlagen behilflich.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass ich mit dieser Art der Pflegestufenbeantragung über einen erfahrenen Pflegedienst sehr gut gefahren bin. Ich habe das für mich auch als Kriterium bei der Auswahl des Pflegedienstes hinzugenommen.

Wir haben den vorläufigen Pflegevertrag mit dem Antrag auf Pflegestufe bei der Pflegeversicherung gleich mit eingereicht. Das hat den Vorteil, dass der Medizinische Dienst sofort erkennen kann, dass eine Pflegebedürftigkeit vorliegt, in welchem Umfang die Pflege erforderlich ist und dass die Pflege von einem professionellen Dienst ausgeführt wird.

Deshalb kann es in einem solchen Fall besser sein, das Ausfüllen des Antragsformulars einem professionellen Pflegedienst zu überlassen, der später dann auch die Pflege übernehmen soll. Mobile Pflegedienste oder auch Pflegeheime verfügen über eine Sozialstation.

Die Mitarbeiter dieser Sozialstationen haben tagtäglich mit behinderten oder pflegebedürftigen Menschen zu tun. Sie wissen genau, was diese noch leisten können und was nicht. Sie haben auch den Weitblick, wie sich eine Krankheit entwickeln kann oder wird. Worauf zu achten ist und wie schwerwiegend die Krankheit ist. Im Regelfall haben die Sozialdienstmitarbeiter eine gute Einschätzung für die Krankheit und den einzelnen Pflegefall und das weitaus größere Know-how im Umgang mit Behörden und dem Ausfüllen von Anträgen.

  • Sie füllen das Antragsformular gemeinsam mit Ihrem Arzt aus

Leider sind die Ärzte heutzutage schon sehr überlastet mit Ausfüllen von Formularen. Vielleicht haben Sie aber einen Arzt, der Ihnen behilflich sein kann. Fragen Sie ihn, ob er Sie unterstützt.

Es ist ganz wichtig, dass alle Krankheiten und Gebrechen angegeben werden. Nur dann kann die Pflegeversicherung richtig einstufen. Und es geht nicht nur um die Einstufung der Pflegestufe – es geht ja auch noch weiter.

Unter Umständen wird ein Rollstuhl – oder gar ein elektrischer Antrieb für einen Rollstuhl -, ein Pflegebett, der Umbau eines Badezimmers, ein Toilettensitz usw. benötigt. Die Entscheidung über die Notwendigkeit dieser Hilfen ist oftmals abhängig von der Pflegestufe. Deshalb lieber gleich von Anfang an professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, das kann im Nachhinein viel Ärger ersparen.

Extra-Tipp:

TIPP

Aus meinem Beitrag “PSG II: Die neuen Pflegeleistungen auf einen Blick mit Vergleich Pflegestufe zu Pflegegrad” können Sie die Pflegeleistungen ab 2017 ersehen

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