Reform der Pflegeversicherung 2017 – das müssen Angehörige wissen

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2017 kommt das neue Pflegestärkungsgesetz (PSG II). Anhand dieser Neuregelung werden die bisherigen drei Pflegestufen durch fünf -Grade ersetzt.

Hintergedanke ist eine Berücksichtigung der Personen, die unter Demenz oder anderen psychischen Erkrankungen leiden, da diese in dem bisherigen System kaum Erwähnung finden. Allerdings gibt es, so die Befürchtungen, viele Menschen, die aufgrund der Reform mit Nachteilen zu rechnen haben.

Folgender Artikel stellt die neue Reform vor und zeigt die Unterschiede auf, die sich im Vergleich mit der alten Regelung ergeben. Grundlage ist eine Studie, welche von dem Pflege-Wissenschaftler der Universität Bremen Heinz Rothgang auf Initiative der Bundesregierung sowie der Krankenkassen durchgeführt wurde.

Um die Unterschiede aufzeigen zu können, stehen zunächst eine Definition des Begriffes „Pflegebedürftigkeit“ sowie eine Erläuterung des vorherrschenden Systems im Vordergrund.

 

Auf einen Blick: Diese Vorteile bringt die Reform:

  • Neue Kriterien zur Begutachtung
  • Höhere Ausgaben für Pflege
  • Größere Berücksichtigung geistiger Erkrankungen
  • Durchschnittlich höhere Leistungen
  • Angleichung der Leistung an die Preisentwicklung

Definition: Wer ist überhaupt pflegebedürftig?

Pflegebedürftigkeit betrifft nicht nur alte Menschen. Personen jeden Alters können unter Umständen auf Pflege angewiesen sein. Wer in Frage kommt und die staatlichen Unterstützungen in Anspruch nehmen kann, wird im Sozialgesetzbuch SGB XI festgeschrieben.

Heutzutage gibt es eine Kategorisierung in drei unterschiedliche Pflegestufen, die alle mit der finanziellen, materiellen sowie menschlichen Unterstützung der Betroffenen in Verbindung stehen. Die Definition der Pflegebedürftigkeit ist vielfältig.

Jene, die aufgrund körperlicher, geistiger oder auch seelischer Krankheiten nicht mehr den alltäglichen Tätigkeiten nachkommen können und aufgrund dessen längerfristig auf Hilfe angewiesen sind, fallen in diese Kategorien. Der Abhängigkeit entsprechend werden die Betroffenen schließlich in die unterschiedlichen Pflegestufen eingeteilt.

Aktuelle Zahlen – die Anzahl der Leistungsbezieher steigt kontinuierlich

Auswertungen des Bundesministeriums für Gesundheit haben ergeben, dass die Menge der Leistungsbezieher seit 2003 kontinuierlich steigt. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob stationär in einem Pflegeheim oder ambulant zu Hause.

Während zu Beginn des Jahrtausends noch 1.888.969 Millionen Menschen dies in Anspruch nahmen, sind es heutzutage erheblich mehr. Um rund 700.000 stieg die Zahl auf 2.568.936 Millionen an. Die Nachfrage wird jedoch in den kommenden Jahren noch wachsen, schließlich erhöht sich die Lebenserwartung, so die Berechnung von Experten, bis 2050 um sechs Jahre auf 87 Jahren bei Frauen und 81 Jahren bei Männern.

 

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In Verbindung mit der niedrigen Geburtenrate, die in Deutschland momentan vorherrscht, wird die Relevanz einer konsequenten und zuverlässigen Pflegeversicherung deutlich. Dass das Altern nicht mit Pflegebedürftigkeit gleichzusetzen ist, liegt auf der Hand, nichtsdestotrotz basieren die Berechnungen der Nachfrage nach Pflege auf der demographischen Entwicklung, die eine Alterung der Gesellschaft Deutschlands vorsieht.

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Bisherige Situation – Die drei Pflegestufen

Auftrag Juni 2015 - 01Die herkömmliche Einteilung gibt es, so ergodirekt.de, seit 1995. Im gleichen Jahr wurde auch die gesetzliche Pflegeversicherung eingeführt. Hintergedanke war die Minimierung des Verwaltungsaufwands und die Einschränkung der Zahlungen.

Verantwortlich für eine Einteilung in eine Pflegestufe ist einerseits die Beauftragung seitens der Pflegekasse und andererseits  die Prüfung und Zulassung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen. Durch die Pflegestufen werden die Betroffenen in Klassen unterteilt, die sich an der vorliegenden Einschränkung orientieren.

Der Einteilung entsprechend erhalten die Personen schließlich Zuwendungen, die verhindern sollen, dass der Pflegeaufwand zu große finanzielle Lücken reißt. Hier finden Sie eine Checkliste über die häusliche Pflege.

Diese Leistungen stehen Betroffenen momentan zu:

Seit Januar 2015 sind die Zuwendungen für betroffene Personen höher geworden. Das Pflegestärkungsgesetz erwirkt, dass in jeder Pflegestufe mehr Geld für Sachleistungen zur Verfügung stehen.

A) Pflegestufe 1 – erheblich Pflegebedürftigkeit

In der ersten Gruppe bekommt der Hilfsbedürftige durchschnittlich 90 Minuten Unterstützung täglich. Davon fallen 46 Minuten auf die Grundpflege. Diese beinhaltet Ernährung, Körperpflege sowie Mobilität. In diese Pflegestufe fallen Personen, die mindestens zwei der genannten grundlegenden Tätigkeiten nicht mehr selbstständig ausführen können.

Finanziell ist mit einem Pflegegeld von monatlich 244 Euro oder 468 Euro in Form von Sachleistungen zu rechnen. Die mehrmalige Unterstützung bei der hauswirtschaftlichen Versorgung gehört ebenfalls dazu. Diese umfasst Tätigkeiten wie Einkaufen, Kochen, Putzen, Spülen oder das Waschen der Wäsche. Die Grundpflege ist im Sozialgesetzbuch verankert und wird von der Pflegekasse gezahlt.

B) Pflegestufe 2 – Schwerpflegebedürftigkeit

Anders als bei der ersten Stufe beträgt die tägliche Versorgung hier bereits drei Stunden. Erneut liegt eine festgeschriebene Zeit für die Grundpflege, in diesem Fall zwei Stunden, vor. Ähnlich wie in der ersten Stufe muss auch in diesem Fall die hauswirtschaftliche Hilfe erheblich unterstützt werden, da der Bedürftige nicht in der Lage ist, diese selbst zu stemmen. Der monatliche Pflegebetrag beläuft sich auf 458 Euro, die Sachleistungen liegen bei 1144 Euro.

C) Pflegestufe 3 – Schwerstpflegebedürftigkeit

Tag und Nacht muss in dieser Stufe der Bedarf nachgewiesen werden. Konkrete Hilfe muss mindestens fünf Stunden pro Tag in Anspruch genommen werden und die Grundpflege beläuft sich auf vier Stunden täglich. Da es jedoch Menschen gibt, die einen noch größeren Pflegebedarf haben, gibt es zusätzliche Härtefallregelungen, etwa wenn der tägliche Aufwand größer ist als vorgesehen. Finanziell ist die Bezuschussung seitens der Krankenkassen in dieser Stufe am höchsten und beläuft sich entweder auf 728 Euro im Monat beziehungsweise auf 1612 Euro in Form von Sachleistungen.

 

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Der Kern der Reform: Pflegegrade lösen die Pflegestufen ab

Ab 2017 soll dieses System jedoch reformiert werden. Wie bei jeder Neuerung gibt es Gewinner und Verlierer. So behauptet das Nachrichtenmagazin Die Süddeutsche, dass rund 28 Prozent aller Menschen, die in einem Heim leben oder der Pflegestufe I oder II angehören, in Zukunft weniger Geld erhalten werden. Neun Prozent aus der dritten Stufe leiden ebenfalls unter den Kürzungen. Diese Zahlen beruhen auf der Studie von Rothgang.

 

  • Zum jetzigen Zeitpunkt liegt der Fokus der Pflegeversicherung auf Menschen mit körperlichem Handicap. Geistige Probleme, wie etwa Alzheimer-Demenz finden jedoch nur am Rande Erwähnung und können daher die Leistungen nicht in vollem Umfang in Anspruch nehmen.

Das Ergebnis: Personen, die nach der Etablierung der Reform die Hilfe in Anspruch nehmen müssen, erhalten weniger Hilfe, als Patienten, die durch das jetzige System versorgt werden. Dennoch gibt es auch Gewinner. So würden 31 Prozent von Stufe eins und 38 Prozent von Stufe zwei mehr Zuschüsse erhalten als im Moment.

Setzt sich das neue System durch, kostet dies jährlich rund 2,4 Milliarden Euro mehr, so die offizielle Rechnung. Inoffizielle Stimmen gehen jedoch von vier Millionen Euro aus.

Im Kern werden fünf Pflegegrade die bisherigen drei Pflegestufen ablösen, um auf diese Weise alle Krankheitsformen in das System zu integrieren. Vertreter der Reform bekräftigen überdies, dass es keine Reduzierung der Leistungen geben wird. Niemand, der heute Geld aufgrund der Pflegeversicherung erhält, werde in Zukunft weniger Zuwendungen bekommen, so die Sprecherin des Gesundheitsministeriums.

Auftrag Juni 2015 - 02

Die veränderte Philosophie – Das neue Begutachtungsassessment (NBA)

Der Grad der Pflegebedürftigkeit wird anhand eines neuen Begutachtungsassessments gemessen. Dieses beinhaltet alle Faktoren, unabhängig davon, ob physisch oder psychisch/kognitiv. Dabei werden unterschiedliche Aspekte in die Bewertung mit einbezogen, die bisher noch keine Berücksichtigung fanden, wie etwa die Teilnahme an einem sozialen Leben oder außerhäuslichen Aktivitäten.

Während bisher lediglich die Unterstützung bei der Grundpflege in die Bewertung mit einfließt, berücksichtigt das neue System also alle Bereiche, die im täglichen Leben zu meistern sind.

Die fünf Pflegegrade – folgende Dinge werden sich für Betroffene ändern

In diesem Dokument werden die neuen Reformen, die Gesundheitsminister Hermann Gröhe vorsieht, näher erläutert. Der demographische Wandel, so die Meinung der Verantwortlichen, lasse keine andere Alternative zu. Mit Hilfe der neuen Pflegegrade wird eine bessere Differenzierbarkeit gewährleistet. Momentan ist die endgültige Einteilung der Pflegestufen in die Pflegegrade noch Spekulation, allerdings gehen viele Experten von folgender Zusammensetzung aus:

Alte Pflegestufe Neuer Pflegegrad
Pflegestufe 0 Pflegegrad 2
Pflegestufe 1 Pflegegrad 2
Pflegestufe 1 m. eingeschränkter Alltagskompetenz Pflegegrad 3
Pflegestufe 2 Pflegegrad 3
Pflegestufe 2 m. eingeschränkter Alltagskompetenz Pflegegrad 4
Pflegestufe 3 Pflegegrad 4
Pflegestufe 3 m. eingeschränkter Alltagskompetenz Pflegegrad 5
Härtefall Pflegegrad 5

 

Folgende Beurteilungskriterien spielen in Zukunft eine größere Rolle:

  1. Nächtliche Pflege (Wie viel Hilfe und Unterstützung benötigen die Betroffenen in der Nacht?)
  2. Hilfe bei der Verrichtung des Alltags (Wie viel Zeit brauchen die Menschen, um täglich anfallende Alltagsaufgaben zu bewältigen?)
  3. Betreuung tagsüber (Welche Aufmerksamkeit benötigt der Betroffene über den Tag verteilt?)
  4. Hilfe bei Anforderungen, die eine Krankheit betreffen (medizinische Beratung und Verordnung von Medikamenten sowie das Wechseln von Verbänden)
  5. Unterstützung im psychosozialen Bereich (Besteht akuter psychosozialer Handlungsbedarf?)
  6. Organisation von Hilfen (Muss eine externe Hilfskraft in Anspruch genommen werden oder besteht die Möglichkeit einer innerfamiliären Pflege?)

Entsprechend dieser Kriterien werden schließlich die Unterteilungen in die Grade unternommen. Diese Eigenschaften dienen Krankenkassen als Indikator, ob mehrmals täglich eine Pflegekraft kommen muss, ob auch in der Nacht eine Person auf den Betroffenen aufzupassen hat und wieviel Zeit für die Grundpflege aufzuwenden ist.

Der Übergang und das Antragsverfahren

In einem Interview erläutert der Leiter der Abteilung Pflege des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbands wie die Übergangsphase und der Verlauf in der nächsten Zeit aussehen werden.

Zunächst wird es eine Überleitungsregel geben, sodass, wie in der Tabelle bereits aufgezeigt, Pflegestufen in –Grade übergeleitet werden.

Die medizinische, grundlegende Pflege gehört ebenfalls zu den neuen Pflegegraden

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Unterschiede ergeben sich also erst, wenn ein Antrag auf Höherstufung eingereicht wird, denn ab diesem Zeitpunkt wird auch nach den neuen Regeln begutachtet. Allerdings ändert sich nicht der Weg der Antragsstellung, dieser bleibt weiterhin der gleiche, indem der Versicherte einen Antrag bei der Kasse stellt und dieser von einem Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung überprüft wird.

In der aktuellen sowie der zukünftigen Reform existiert weiterhin die Möglichkeit, einen Widerspruch einzulegen, wenn die Beteiligten nicht mit der Einteilung übereinstimmen.

 

Bildquellen:

  1. Pixabay © TesaPhotography (CC0 Public Domain 1.0)
  2. Pixabay © dawnfu (CC0 Public Domain 1.0)
  3. Pixabay © eliola (CC0 Public Domain 1.0)

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2 comments for “Reform der Pflegeversicherung 2017 – das müssen Angehörige wissen

  1. Tanja R.
    28. Juni 2015 at 22:13

    Unterschiede ergeben sich doch nicht nur bei Antrag auf Höherstufung, sondern ebenso bei Wiederholungsbegutachtung ab 2017, oder?
    Wir erwarten den MDK im Januar 2017 wieder…

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