Demenz verstehen – Teil 6: Fingerfood – die Ernährungs-Alternative bei Demenz

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 Essen mit den Fingern ist in unserem Kulturkreis nicht unbedingt angesagt. Früh haben wir gelernt, korrekt mit Messer und Gabel zu essen.

Aber was machen Menschen, die das Besteck aus physischen Gründen nicht mehr greifen und halten können? Was machen Demenzpatienten, die vielleicht den Umgang mit dem Besteck verlernt haben?

Was ist Fingerfood

Fingerfood bedeutet „von der Hand in den Mund“. Gegessen wird mit den Fingern und ohne Besteck. Es handelt sich also um Happen oder Canapés.

Um auf diese Weise essen zu können, muss das Essen portionsgerecht gerichtet sein, so dass es einfach mit den Fingern aufgenommen und in den Mund geschoben werden kann.

Bei welchen Problemen ist Fingerfood geeignet

Prinzipiell sollte das Essen am Tisch zu gewohnten Tageszeiten so lange wie möglich beibehalten werden, denn das Essen sollte zum festen Tagesrhythmus gehören. Manchmal reichen schon kleine Tricks, um die Patienten zum Essen zu animieren.

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Bei Menschen mit einer demenziellen Erkrankung muss jedoch in Punkto Essen irgendwann umgedacht und sich von gewohnten Konventionen verabschiedet werden. Vieles wird mit dieser Krankheit anders.

  1. Physische Probleme

Viele Menschen mit Demenz haben Probleme mit der Koordination und das Essen mit Messer und Gabel ist deshalb nicht mehr oder nur noch mit Mühe möglich. Auch die Gelenke und die schlechter werdende Feinmotorik machen oft Probleme, was das Halten des Bestecks fast unmöglich macht.

Dem Patienten muss also das Essen angereicht werden. Dieses „Füttern“ – wie es leider noch viel zu oft heißt – ist vielfach sehr entwürdigend für die Erkrankten.

  1. Psychische Einflüsse

Ein weiteres Problem kann sein, dass die Patienten sich von Messer und Gabel bedroht fühlen. Wenn die Patienten das Besteck verweigern, nützt auch gutes Zureden nichts.

Solange noch mit dem Löffel gegessen werden kann, eignen sich zusätzlich auch hochkalorische Suppen und Speisen, um den Energiebedarf leichter zu decken.

  1. Vergessen

So wie Demenzpatienten vergessen, dass sie vielleicht einmal einen Ehepartner, Kinder oder Geschwister hatten, so können sie auch vergessen, warum sie essen sollen. Sie können Hunger nicht mehr mit essen in Verbindung bringen. Oder die andere Variante: Sie erinnern sich nicht mehr daran, dass sie bereits gegessen haben und essen mehrfach am Tag zu Mittag oder zu Abend.

  1. Bewegungsdrang

Menschen mit Demenz haben oft einen starken Bewegungsdrang. Still am Tisch sitzen ist für sie fast unmöglich.

Der hohe Bewegungsdrang geht automatisch mit einem viel höheren Kalorienverbrauch einher als bei Menschen mit normaler Bewegung. Oftmals nehmen die Patienten zu wenig Nahrung und lebensnotwendige Nährstoffe auf, was zu Unterernährung und damit auch zur Mangelernährung führen kann.

Bei all diesen Problemen muss dann umgedacht und die Form der Ernährung angepasst werden.

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Welche Speisen eignen sich für Fingerfood

Mit etwas Phantasie und Routine wird sicherlich bald festgestellt, dass viele Speisen auch als Fingerfood angerichtet werden können.

Geeignet für Fingerfood sind portionsweise Häppchen, die mit maximal 2 Bissen gegessen werden können und gut zu greifen sind. Viele Nahrungsmittel und Speisen sind gut geeignet, in Stücke oder Würfel geschnitten zu werden.

Für Fingerfood eignen sich unter anderem:

  • Käsewürfel, Wurstscheiben, Fleischbällchen, gebratene Hähnchenstücke, weiche Fleischstücke, Schnitzelstückchen, Sandwich, belegtes Brot, Fischstäbchen, Maultaschenstreifen, kleine Pastetchen, Waffeln, Mini-Quiches
  • Obst- und Gemüsestücke, kleine Tomaten, Gurkenscheiben, gebratenes und in Stückchen geschnittenes Gemüse (z.B. gebratene Champignons)
  • Gefüllte und gerollte Pfannkuchen in Stückchen, Kroketten, Pommes, Pizza, Kartoffeln, Nudeln, gekochte Eier, gebratene Polentaschnitten
  • Kuchen, Gebäck, Muffins
  • Knabbereien, Kekse, Schokolade

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Was ist bei der Zubereitung der Speisen noch zu beachten

  • Im Vordergrund steht aber, dass nur Nahrungsmittel und Speisen angeboten werden, die dem Patienten schmecken. Hier ist auch zu berücksichtigen, dass sich das Geschmacksempfinden des Alzheimerpatienten ändern kann.
  • Die Häppchen sollten auf keinen Fall mit Spießchen zusammengesteckt werden, da die Patienten diese unter Umständen nicht erkennen und versuchen, diese zu essen.
  • Patienten mit Schluckstörungen kann auch auf Löffeln in kleinen Häppchen ein Püree-Menü angeboten werden.
  • Bei der Zusammenstellung der Speisen müssen natürlich auch immer andere vorhandene Krankheiten (wie z.B. Diabetes, Dysphagie) berücksichtigt werden.
  • Das Essen sollte gut sichtbar platziert werden.
  • Die Fingerfoodstücke sollten sich vom Teller und der Umgebung farblich gut abheben, damit die Patienten das Essen auch erkennen können.
  • Nicht nur die Zwischenmahlzeiten, sondern alle Mahlzeiten können durch Fingerfood ersetzt werden.
  • Fingerfood kann in kleinen Portionen auf Tellern, in Gläsern oder kleinen Schälchen, aber auch auf Portionslöffeln angerichtet werden.
  • Hochkalorische Suppen können auch als Getränk angeboten werden.

Wo wird Fingerfood serviert

Auch hier kann man der Phantasie freien Lauf lassen.

  1. Personen, die noch am Tisch essen aber Probleme mit dem Besteck haben, kann das Fingerfood zu den Mahlzeiten auf einem Teller serviert werden.
  2. Für Personen, die am Tisch bei den Mahlzeiten nicht genügend Nahrung zu sich nehmen und sehr viel laufen, kann das Essen während dem Laufen angeboten werden (Eat-by-Walking).
  3. Oder über sogenannte Imbiss-Stationen. In der Wohnung werden an gut erreichbaren Stellen (Sideboard, Stehtisch, Tisch, Regal usw.) Teller mit kleinen Fingerfood-Häppchen aufgestellt

Natürlich darf das Augenmerk nicht nur auf das Essen gelenkt werden. Auch das Trinken muss überwacht werden, denn Dehydrierung ist ebenfalls ein Problem bei älteren Menschen und auch bei Menschen mit Demenz.

Quelle:

Dieser Beitrag entstand mit tatkräftiger Unterstützung der Ernährungsberaterinnen der Firma Apetito. An dieser Stelle möchte ich mich für die hilfreichen Tipps nochmals recht herzlich bedanken.

Für alle die es interessiert: Die Firma Apetito hat das DemenzkonzeptDemenz is(s)t andersentwickelt und Ende letzten Jahres vorgestellt.

 

Dieser Beitrag ist Teil unserer Demenz-Serie. Weitere Beiträge:

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