Pflege durch Angehörige

Pflegestufe beantragen – Teil 2: Gravierende Fehler vermeiden

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Wie beantrage ich eine Pflegestufe richtig, fragen Sie sich vielleicht. Kann ich Fehler machen oder besser: Fehler vermeiden? Damit Sie auch wirklich die Ihnen zustehende Pflegestufe bekommen, müssen Sie einiges beachten.

Worauf Sie beim Beantragen der Pflegestufe wirklich achten müssen, habe ich Ihnen in Teil 1 bereits beschrieben. Im 2. Teil möchte ich Ihnen aufzeigen, welche Fehler Sie bei der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst vermeiden können.

Wenn der Gutachter des Medizinischen Dienstes den Pflegebedürftigen zu Hause begutachtet, bekommt er nur eine Momentaufnahme, einen kurzen Einblick von ein paar Minuten in das Leben eines Menschen. Er weiß nicht, sind das gute Minuten oder schlechte Minuten des Pflegebedürftigen.

Was der Pflegebedürftige tatsächlich noch kann oder viel wichtiger, nicht mehr kann, ist in einem kurzen Gespräch nicht immer möglich zu erörtern. Häufig reißen sich die Pflegebedürftigen  vor dem Gutachter auch ganz besonders zusammen, um sich nicht zu blamieren. Dementsprechend fällt natürlich auch das Pflegegutachten aus. Deshalb ist es wichtig, sich im Vorfeld auf die Begutachtung vorzubereiten. Einige Aspekte wären:

 

Bei der Begutachtung nicht alle Unterlagen vorgelegt

Falls Sie bei der Beantragung der Pflegestufe noch keine Unterlagen beigefügt haben, legen Sie spätestens jetzt alle Befunde, Röntgenbilder, Atteste, Krankenhaus- Reha- und Arztberichte vor. Falls Sie schon einen Pflegedienst eingeschaltet haben, legen Sie auch den Pflegevertrag vor.

 

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Den Pflegebedürftigen nicht alleine begutachten lassen

Es ist ganz wichtig, dass der Pflegebedürftige nicht alleine mit dem Gutachter ist. Sinnvoll ist es, wenn Sie selbst mit anwesend sind. Haben Sie den Antrag auf Pflegestufe über den Sozialdienst eines Pflegedienstes eingereicht, bitten Sie den Sozialdienstmitarbeiter, ob er zur Begutachtung mit anwesend sein könnte. Sozialdienstmitarbeiter können die Problematik des Pflegebedürftigen meistens fachlich versiert vermitteln.

 

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Erbrachte Leistungen der Pflegeperson werden vergessen

Welche Leistungen eine Pflegeperson tatsächlich erbringt, wird oft erst deutlich, wenn alles aufgeschrieben wird. Gerade den vielen Kleinigkeiten wie zum Beispiel

  • das Anreichen von Getränken,
  • das mundgerechte Zuschneiden des Essens oder
  • der Hilfe beim Aufstehen,

wird oft keine Beachtung geschenkt. Aber gerade auch diese Arbeiten summieren sich von der Zeit her und sind letztendlich ausschlaggebend dafür, dass die richtige Pflegestufe zugeteilt wird. Denn die Pflegestufeneinordnung beruht darauf, wie viel Zeit für die Pflege aufgebracht werden muss.

Auch nicht jeder Mensch isst gleich schnell. Schreiben Sie die tatsächliche Zeit auf und nicht nur die Zeit, die man brauchen könnte. Vergessen sie auch nicht die Zeit aufzuschreiben, die Sie für die Motivation des Pflegebedürftigen benötigen, dass er überhaupt sein Essen zu sich nimmt. Oder das mehrfache schnelle Wechseln von Kleidung, die während dem Essen verschmutzt wird, ist mit anzuführen.

Wenn Sie einen Antrag auf Hilfe zur Pflege beantragt haben, sollten Sie unbedingt ein Pflegetagebuch führen, das Sie dem Gutachter vorlegen. Schreiben Sie alle Tätigkeiten der häuslichen Pflege in das Pflegetagebuch, unabhängig davon, ob diese Tätigkeiten eine gewisse Peinlichkeit für den zu Pflegenden haben oder nicht. Das Pflegetagebuch können Sie über die Verbraucherzentrale Nordrheinwestfalen hier abrufen.

Beim Führen eines Pflegetagebuches sind diese Orientierungswerte für die Zeiten einer Pflegehandlung sehr hilfreich.

 

Defizite des Pflegebedürftigen aufzeigen

Zeigen Sie dem Gutachter, was der Pflegebedürftige nicht mehr kann. Stellen Sie auch Essen und Trinken nicht weg, damit sich der Pflegebedürftige nicht schmutzig machen kann. Das hat nichts mit Vorführen zu tun. Aber nur so kann sich der Gutachter ein Bild davon machen, wie sehr der Pflegebedürftige auf Hilfe angewiesen ist.

 


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Erklären Sie dem Gutachter, welche besonderen Schwierigkeiten der Pflegebedürftige zum Beispiel beim Anziehen seiner Kleidung, beim Aufstehen oder zu Bett gehen, beim Waschen des Körpers oder seiner Füße hat. Weisen Sie aber auch darauf hin, welche Schwierigkeiten Sie bei der Pflege haben. Dies können zum Beispiel gewisse Berührungsängste, Schwerhörigkeit oder Übergewicht des Pflegebedürftigen sein, die das Pflegen erschweren und auch mehr Zeit in Anspruch nehmen. Zeigen Sie den Pflegealltag so wie er tatsächlich ist, ohne etwas zu beschönigen.

 

Rückversicherung der Gutachter

Für einen Gutachter ist es nicht immer ganz leicht herauszufinden, ob seine Einschätzung über den zu Begutachtenden auch tatsächlich stimmt. Unter Umständen greift er deshalb zu kleinen Tricks, um zu sehen, was der Pflegebedürftige tatsächlich noch kann.

  • Vielleicht lässt der Gutachter einen Stift fallen in der Hoffnung, dass sich der Pflegebedürftige danach bückt,
  • vielleicht bittet er den Pflegebedürftigen um ein Glas Wasser oder
  • er möchte, dass sich der Pflegebedürftige den Pullover für eine Untersuchung auszieht.

Kann der Pflegebedürftige jetzt plötzlich all diese Dinge, was vorher als „geht nicht mehr“ deklariert wurde, können Sie leicht in Erklärungsnot geraten.

 

Prüfungsangst des Pflegebedürftigen

Oftmals haben die Pflegebedürftigen aber auch eine Art Prüfungsangst vor dem Gutachter. Sie glauben, jetzt alles besonders gut machen zu müssen und strengen sich ganz besonders an und mühen sich furchtbar ab. Das ist nicht Sinn und Zweck der Begutachtung, es soll der reale Alltag wiedergegeben werden und der sieht dann eben so aus, dass vieles nicht mehr geht, zu was sich der Pflegebedürftige vor dem Gutachter zwingt.

Zeigen Sie dem Gutachter das reale Leben des Pflegebedürftigen. Putzen Sie ihn für diesen Tag auch nicht besonders heraus. Gerade bei Demenzkranken ist es oft der Fall, dass sie sich nicht anfassen oder helfen lassen wollen. Wenn deshalb die Haare nicht gekämmt oder die Zähne nicht geputzt sind, dann sollten sie das dem Gutachter auch zeigen.

 

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Weitere Erkrankungen nicht erwähnt

Konzentrieren Sie sich nicht ausschließlich auf die Hauptproblematik oder die Haupterkrankung. Ein Pflegebedürftiger mit einem Schlaganfall und zusätzlicher Diabetes zum Beispiel hat einen höheren Pflegebedarf wie ohne Diabetes. Es muss Insulin gespritzt, vielleicht eine andere Nahrung gekocht werden, die medizinische Fußpflege muss in Anspruch genommen werden und vieles mehr. Es gibt viele Nebenerkrankungen, die zur primären Pflegebedürftigkeit noch mehr Pflegeaufwand bringen. Deshalb unbedingt auch auf diese Nebenerkrankungen hinweisen und den zeitlichen Mehraufwand angeben.

 

Falsche Vorstellungen von der Pflegeleistung

Zur Beantragung einer Pflegestufe ist es nicht relevant, ob jemand noch den Rasen mähen oder mit dem Fahrrad zum Einkaufen fahren kann. Oftmals wird auch auf den Bereich der hauswirtschaftlichen Verrichtungen (Kehrwoche, Wohnung putzen, Essen selbst zubereiten) von den Angehörigen zu viel Wert gelegt. Für den Gutachter ist entscheidend, welche Dinge der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung, Mobilität) noch selbst ausgeführt werden können und welche nicht. Einen guten Überblick, welche Verrichtungen zeitlich angerechnet werden und für den Gutachter relevant sind, können Sie auch dem Pflegetagebuch entnehmen.

 

Fazit

Sie sehen, es ist sehr vieles zu beachten. Deshalb plädiere ich immer wieder dafür, dass Sie sich unbedingt professionelle Hilfe mit ins Boot nehmen. Ihr Hausarzt, Pflegestützpunkte, die Krankenkasse und vor allem der Sozialdienst des Pflegedienstes können Ihnen weiter helfen. Scheuen Sie sich nicht, dort um Unterstützung anzufragen.

TIPP

Aus meinem Beitrag “PSG II: Die neuen Pflegeleistungen auf einen Blick mit Vergleich Pflegestufe zu Pflegegrad” können Sie die Pflegeleistungen ab 2017 ersehen.

 

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