Hätten Sie gewußt, dass die Krankenkassen per Gesetz dazu verpflichtet sind, Ihre Stromkosten für sämtliche verordneten elektrischen/technischen Hilfsmittel zu übernehmen?

Dies betrifft nicht nur Geräte für die Heimbeatmung von Patienten sondern zum Beispiel auch Elektromobile oder Elektrorollstühle usw.

Je mehr Geräte in der häuslichen Pflege benötigt werden, umso höher ist der Stromverbrauch, den die Patienten zu bezahlen haben. Die wenigsten Krankenkassen klären ihre Patienten jedoch darüber auf, welche Ansprüche sie haben.

Fazit: Die meisten Patienten und Pflegebedürftigen bezahlen ihren erhöhten Strombedarf unnötigerweise selbst.

 

 

Auf welchem Gesetz beruht diese Entscheidung

Der 3. Senat des Bundessozialgerichts hat bereits im Februar 1997 entschieden, dass der Anspruch auf Versorgung mit einem Hilfsmittel nach § 33 Abs.1 S1 SGB 5 auch die Versorgung mit der zum Betrieb des Hilfsmittels erforderlichen Energie (BSG, Az. 3 RK 12/96) umfaßt.

Somit müssen die Krankenkassen nicht nur die Anschaffung und die Wartung von Hilfsmitteln bezahlen, sondern auch den Strom, der zum Betreiben dieser Hilfsmittel notwendig ist. Den Link inkl. Sprachausgabe zu diesem Urteil finden Sie hier.

Unter Umständen wehren sich die Krankenkassen dagegen, die Stromkosten zu übernehmen. Dies ist nicht in Ordnung, ja gesetzeswidrig. Berufen Sie sich auf die Rechtsprechung und legen Sie dann sofort Widerspruch ein.

 

Voraussetzung der Kostenübernahme für den Strom

Es muss sich um ein vom Arzt verordnetes Hilfsmittel handeln, das die Kasse bezahlt hat. Wer sich zum Beispiel ein Elektromobil auf eigene Rechnung gekauft hat, weil die Krankenkasse die Kosten dafür nicht übernommen bzw. der Arzt keine Verordnung ausgestellt hatte, kann auch keine Stromkosten geltend machen. 

 

 Meine Empfehlung:   Unterstützung für die Betreuung im eigenen Zuhause durch polnische 24h-Pflegehilfen. Hier kostenlos und unverbindlich anfragen.
 

 

Was tun, wenn man von der Stromkostenerstattung nichts wusste

Es gibt die Möglichkeit, bis zu 4 Jahre rückwirkend die Stromkosten geltend zu machen. 

 

Welche Hilfsmittel betrifft diese Regelung

Alle Hilfsmittel die Strom benötigen, wie zum Beispiel:

 

Meine Buchempfehlungen zum Thema Pflege

 

Wie erfolgt die Erstattung der Stromkosten

Leider gibt es von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedliche Regelungen. Es gibt Krankenkassen, die ein eigenes Formular haben, bei anderen reicht ein formloser Antrag. Die einen Krankenkassen bezahlen eine Pauschale, bei anderen wird nach Verbrauch abgerechnet. Es bleibt nichts anderes übrig, als bei der eigenen Krankenkasse nachzufragen, wie die Regelungen sind. 

 

Wie werden die Stromkosten berechnet

  • Wieviel Stunden am Tag wird das Gerät mit Strom betrieben?
  • Die Stromkosten lassen sich einfach berechnen. Folgende Daten werden benötigt:
  • Wieviel Watt benötigt das Gerät pro Stunde (steht in der Betriebsanleitung oder auf dem Etikett am Gerät)
  • Wieviel Tage im Jahr läuft das Gerät
  • Wieviel bezahlen Sie für ein Kilowatt Strom (steht auf Ihrer Stromrechnung)

Ein Beispiel:

  • Herr Mustermann hat ein Hilfsmittel, das am Tag 8 Stunden mit Strom versorgt wird
  • Das Gerät benötigt pro Stunde 300 Watt
  • Das Gerät wird jeden Tag benutzt
  • Herr Mustermann bezahlt pro Kilowatt Strom 0,25 Euro 

Die Rechnung lautet dann

8 Stunden x 300 Watt x 365 Tage x 0,25 Euro/Kilowatt
1000   (1.000 Watt = 1 Kilowatt)

Herr Mustermann hat somit für das Hilfsmittel einen Mehraufwand für Strom von jährlich 219 €uro. Das ist ein beachtlicher Betrag (für nur 1 Gerät!!), der geltend gemacht werden sollte. Wer mehrere Geräte hat, muss für jedes Gerät eine Aufstellung machen. 

 

Bitte nicht vergessen
Mit einem Pflegegrad haben Sie Anrecht auf monatliche Pflegehilfsmittel

 

Wie müssen die erhöhten Stromkosten bei der Krankenkasse eingereicht werden

Wie bereits gesagt, wird das Prozedere von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich gehandhabt. Hat Ihre Krankenkasse keinen Vordruck, können Sie die Kostenaufstellung mit einem formlosen Schreiben an die Krankenkasse schicken.

Eine Kopie der Stromkostenabrechnung ist beizulegen, damit die Krankenkasse die Richtigkeit der Stromkosten nachprüfen kann.

 

Gibt es Musterschreiben für die Krankenkasse

Für Krankenkassen, denen ein formloses Anschreiben reicht, habe ich einen Musterbrief verfasst.

 

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Comments

  • Klaus 11. November 2016 at 18:32

    Hallo,
    ich habe dieses mit einem großen interesse glesen.
    Was mir aber aufgefallen ist das das Thema Krankheitsbedingten Mehrbedarf – nur auf die Stromkosten beziehen.
    Mich würde doch einmal interessieren, wer denn die entstehenden Mehrkosten unterstüzt die Krankheitsbeding anfallen zb. der mehrbedarf an Heizöel usw., weil die meissten Haushalte über eine Oelheizung verfügen, womit ja auch die Tägliche Hygienemaßnahmen verbunden sind. Also über die mehrkosten an Heizöel die man braucht zum Waschen und Heizen?
    Darüber findet man leider keine Hinweise.
    Angenommen bei 6 Infarkten, starker PAVK, Diabetis usw.
    Bei 100% aG,B,G Schwerbehinderung mit Pflegestufe 1.

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  • Gerhard Kreuter Patientenschutz e.V. 21. November 2014 at 18:02

    Was Hörgerätebatterien angeht, muss man die Kirche im Dorf lassen. Die Kosten wirklich nicht die Welt und eine Packung hält bei mir bei starken Verbrauch, nahezu 2 Monate. Ein Hinweis noch zu Elektromobilen. Hier im Emsland ist die kostenlose Beschaffung der Mobile mit mittlerweile 16 km/h gängige Praxis
    http://www.facebook.com/patientenrechteschutz.emsland.ostfriesland

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  • Otto Beier 1. September 2014 at 8:59

    Die Batterien müssen wohl selbst bezahlt werden. Auch für mich steht das nicht in einem logischen Zusammenhang. Zumal die Batterien für Hörgeräte meist schnell verbraucht und auch recht teuer sind. Trotzdem empfehle ich, bei der Krankenkasse nachzufragen. Wer Sozialhilfe bekommt, sollte unbedingt mit dem Sozialamt die Kostenübernahme abklären.
    Ansonsten bleibt nur eines übrig. Die Belege aufheben und zumindest bei der Steuer mit einreichen.

  • elke.mi@arcor.de 1. September 2014 at 2:34

    Und wie ist das denn aber mit BATTERIE-betriebenen, ärztlich verordneten Hilfsmitteln, so wie z.B. Hörgeräte?? Deren Stromverbrauch wird halt nicht aus der Steckdose, sondern via Batterien gespeist!
    Das heißt doch, auch BATTERIEN müßten dieser Rechtssprechungslogik nach genauso auch von den Krankenkassen finanziert werden!
    Werden sie aber – angeblich! – nicht!!

    Wie erklärt sich denn das?
    Oder bin ich da nur – seit Jahren – ebenso falsch informiert?

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