Darf Cannabis zu therapeutischen Zwecken legal angebaut werden

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Cannabis wird gerne als Wundermittel bei Schmerzen und gegen die unterschiedlichsten Arten von Krankheiten von der Presse hochgelobt. Auch dass der Anbau von Cannabis unter speziellen Voraussetzungen für eine bestimmte Patientengruppe legalisiert worden sei, wird in der Presse immer wieder beschrieben.

Doch was ist von diesen Gerüchten wahr? Vieles wird erzählt.

Deshalb habe ich mich direkt bei der Stelle erkundigt, die für die Fragen rund um die Legalität von Cannabis zuständig ist, dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Bereich Bundesopiumstelle.

Anmerkung: Dieser Beitrag bezieht sich auf Cannabis für therapeutische Zwecke als Blüten bzw. als Extrakt und nicht auf cannabishaltige Medikamente und entspricht dem Stand Januar 2015.

Legaler Anbau von Cannabis

Viele chronisch kranke Menschen versprechen sich von Cannabis eine große Hilfe oder Erleichterung. Bei Cannabis für medizinische Therapien muss grundsätzlich unterschieden werden zwischen „legalem Anbau von Cannabis“ und „legalem Erwerb von Cannabis“.

Entgegen vieler Meinungen und Pressemitteilungen ist es nicht erlaubt, Cannabis für therapeutische Zwecke selbst anzubauen.

Es gibt das Gerichtsurteil aus dem Jahr 2014, in dem einer Handvoll Kläger genehmigt wurde, unter gewissen Auflagen Cannabis für medizinische Zwecke (z. B. bei chronischen Schmerzen) anzubauen.

ABER: Dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da Berufung gegen dieses Urteil eingelegt wurde – die Entscheidung ist somit noch offen und nicht rechtskräftig. Stand Januar 2015

Fazit: Es gibt im Moment für Privatpersonen keinen legalen Anbau von Cannabis. Anbau von Cannabis ist somit strafbar.

Erwerb von Cannabis über die Apotheke

Der Erwerb von Cannabis (Cannabis-Extrakt bzw. Medizinal-Cannabisblüten) für therapeutische Zwecke über die Apotheke ist für eine bestimmte Patientengruppe zugelassen. Doch hier gelten strenge Auflagen und es muss ein Antrag gestellt werden.

Der Nachteil beim Bezug des Cannabis über die Apotheke liegt klar auf der Hand. Cannabis aus der Apotheke ist unglaublich teuer und muss in der Regel selbst bezahlt werden, da die gesetzlichen Krankenkassen im Normalfall die Kosten nicht übernehmen.

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Patienten, denen Cannabis nachweislich hilft, stehen somit häufig vor einem Dilemma: Einerseits hätten Sie die Genehmigung, Cannabis legal über die Apotheke zu beziehen, andererseits sind für sie die hohen finanziellen Belastungen nicht tragbar. Cannabis steht ihnen also nur „rein theoretisch“ zur Verfügung.

Pflege und schwerwiegende Krankheiten kosten sowieso schon viel Geld und auf Medikamente müssen noch Zuzahlungen geleistet werden. Es trifft die Patienten dann in mehrfacher Weise finanziell sehr hart.

Wer jedoch nachweisen kann, dass ihm die Behandlung mit Cannabis hilft, sollte sich in einem persönlichen Gespräch mit dem zuständigen Sachbearbeiter seiner Krankenkasse in Verbindung setzen und anfragen, ob eine Kostenübernahme nicht doch möglich ist. Voraussetzung ist natürlich auch hier zuerst wieder die Genehmigung zum Erwerb von Cannabis.

Unter welchen Voraussetzungen wird der Bezug von Cannabis über eine Apotheke genehmigt

Wie bereits erwähnt, gibt es Auflagen. Diese wären:

  • Es muss über einen Arzt nachgewiesen werden, dass herkömmliche Medikamente/Therapieformen nicht ausreichend wirksam sind
  • Um eine Genehmigung für Cannabis zu bekommen, muss das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bereich Bundesopiumstelle) aufgrund der eingereichten Arztberichte sowie einer qualifizierten Plausibilitätskontrolle zu dem Ergebnis kommen, dass eine Behandlung mit dem beanspruchten Betäubungsmittel mangels geeigneter und verfügbarer Therapiealternativen erforderlich ist.
  • Der Arzt muss die Therapie medizinisch betreuen und begleiten
  • Jede Genehmigung ist nur eine Einzelfallentscheidung

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Wo muss der Antrag auf Bezug von Cannabis gestellt werden

Um Cannabis (Cannabis-Extrakt bzw. Medizinal-Cannabisblüten) über die Apotheke zu bekommen, muss ein Antrag gestellt werden. Hierzu reicht ein formloser Antrag. Es kann auch das Antragsformular des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Bereich Bundesopiumstelle benutzt werden. 

Dem Antrag sind folgende Unterlagen beizulegen

  • Arztbericht mit differenzierter Darstellung des Krankheitsbildes und der aktuell bestehenden Symptomatik (z.B. chronisches Schmerzsyndrom mit Darstellung der unterschiedlichen Schmerzkomponenten oder Multiple Sklerose mit therapieresistenter schmerzhafter Spastik)
  • Die Erklärung des begleitenden/betreuenden Arztes inkl. Vorgaben zur Dosierung
  • Die Erklärung des für den Betäubungsmittelverkehr Verantwortlichen
  • Kopie des Personalausweises des Antragstellers
  • Kopie des Personalausweises des für den Betäubungsmittelverkehr Verantwortlichen
  • Erklärung, wie das Betäubungsmittel vor unberechtigtem Zugriff Dritter geschützt werden soll
  • Ggf. das Original der Vollmacht (wird bei Erteilung der Erlaubnis mit der Erlaubnis zurückgesandt.) 

Die Formulare können hier heruntergeladen werden. 

Eine weitere ausführliche Beschreibung über den Ablauf der Antragstellung finden Sie hier.

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Welche Krankheiten können mit Cannabis behandelt werden

Cannabis wird weniger für eine Heilung sondern eher für eine Linderung der Beschwerden/Krankheiten eingesetzt. Die Wirksamkeit von Cannabis ist bei vielen Krankheiten nur ungenügend nachgewiesen, da Cannabis noch nicht ausreichend erforscht ist. Deshalb ist es sehr schwer zu sagen, wem Cannabis bei welchen Krankheitsbildern helfen bzw. Erleichterung verschaffen kann. 

Unter anderem wird bei den nachfolgenden Krankheitsbildern von einer Besserung/Linderung der Symptome und somit einer Unterstützung bei der Behandlung ausgegangen

  • Arthritis
  • Rheuma
  • Grüner Star
  • Einige verschiedene Krebsarten
  • Aids
  • Multiple Sklerose
  • Nervenschmerzen
  • Darmerkrankungen
  • Parkinson
  • Schlaganfall
  • Übelkeit bei Krebspatienten im Zusammenhang mit Chemotherapie/Strahlentherapie
  • Chronischen Schmerzen
  • Tourette-Syndrom
  • In der palliativmedizinischen Betreuung von AIDS- und Krebspatienten
  • u.a.

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Nebenwirkungen

Nebenwirkungen und Suchtrisiken sind mit dem behandelnden Arzt genau abzuklären. Auch wenn Cannabis eine Pflanze, also ein Naturprodukt ist, heiß das nicht, dass es ungefährlich und nebenwirkungsfrei ist. Im Gegenteil. Ein Knollenblätterpilz ist auch ein Naturprodukt, läßt sich aber in der Regel nur einmal essen, da hoch giftig.

Was ist der Unterschied zwischen Cannabis und Hanf

Es gibt keinen Unterschied, denn Cannabis ist die lateinische Bezeichnung für Hanf. Meist werden nur Bestandteile der weiblichen Cannabispflanze für medizinische (und berauschende) Zwecke verwendet. 

In der Drogenszene werden für die unterschiedlichen Cannabisprodukte auch die Bezeichnungen: Gras, Marihuana, Haschisch oder Hasch, Piece, Dope, Joint, Tüte, Spliff, Heu, Kiff, Pott, Shit usw. verwendet.

Extra-Empfehlungen

Quellenangabe für einige Bereiche dieses Berichts:

Bundesopiumstelle
Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3
53175 Bonn
Telefon 0228 / 99307 5132
Email: btm@bfarm.de  
 

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