Pflegezeit und Beruf – Tipps für Betroffene

Ein Pflegefall in der Familie ist heute keine Seltenheit mehr. Nach Informationen des Statistischen Bundesamtes waren im Dezember 2013 über 2,6 Millionen Menschen pflegebedürftig. Davon wurden ca. 1,25 Millionen allein von Angehörigen gepflegt und erhielten Pflegegeld.

Wer sich als Angehöriger für einen solchen Schritt entscheidet und dabei auch weiterhin seinem Job nachgeht, unterliegt einer Doppelbelastung, die nicht allzu lang zu stemmen ist. Vor allem lässt sich so keine intensive Pflege umsetzen.

Mit der Pflegezeit und der Familienpflegezeit hat der Gesetzgeber für Mitarbeiter jedoch die Möglichkeit geschaffen, sich die nötige Zeit zu nehmen. Doch wie sollen Arbeitnehmer dies umsetzen und wer ist der richtige Ansprechpartner?

Pflegezeit 1

Häusliche Pflege durch Angehörige ist keine Seltenheit – ein großer Anteil der Pflegebedürftigen in Deutschland lebt weiterhin mit den Angehörigen zusammen. 

Welche Möglichkeiten der Freistellung gibt es?

In Bezug auf die häusliche Pflege von Angehörigen existieren vier verschiedene Optionen, die sich vor allem bezüglich des Zeitraums und der Bedingungen unterscheiden. Im Folgenden sollen diese vier Möglichkeiten kurz skizziert werden, um Betroffenen einen Überblick zu verschaffen:

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1. Kurzzeitige Arbeitsverhinderung wegen Pflege

Eine kurzzeitige Arbeitsverhinderung wegen Pflege ist auf 10 Tage begrenzt und dient hauptsächlich der Organisation von Pflegemaßnahmen. Der Arbeitgeber ist für diesen Zeitraum nur dann zur Zahlung verpflichtet, wenn sich dies aus einer Betriebsvereinbarung oder einen Tarifvertrag ergibt.

2. Pflegezeit

Die Pflegezeit stellt einen Zeitraum von bis zu 6 Monate (pro Pflegefall) dar, innerhalb dessen jemand seine Angehörigen pflegen kann. Diese Pflegezeit ist laut jurion.de im Pflegezeitgesetz (§3 PflegeZG) festgelegt. Während dieses Zeitraums ist der Arbeitgeber nicht zu einer Entgeltfortzahlung verpflichtet.

3. Familienpflegezeit

Die Familienpflegezeit umfasst einen Zeitraum von bis zu 24 Monaten, der für die Pflege genutzt werden kann. Neben einer vollständigen Pause der Arbeit besteht auch die Möglichkeit, den eigenen Job in Teilzeit mit bis zu 15 Stunden pro Woche fortzuführen.

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4. Begleitung in der letzten Lebensphase

Im Pflegezeitgesetz ist ebenfalls eine Freistellung von bis zu drei Monaten möglich, wenn die Erkrankung eines pflegebedürftigen Angehörigen weit fortgeschritten ist und die Lebenserwartung nur noch Wochen oder einige Monate umfasst. Auch in diesem Fall kann sich ein Arbeitnehmer komplett oder teilweise von der Arbeit freistellen lassen.

An wen können Betroffene sich im Betrieb wenden?

Das Gesetz erlaubt Angehörigen, sich für eine Pflegezeit oder eine Familienpflegezeitung komplett oder teilweise freistellen zu lassen.

Das Gesetz erlaubt Angehörigen, sich für eine Pflegezeit oder eine Familienpflegezeitung komplett oder teilweise freistellen zu lassen.

In größeren Betrieben ist der richtige Ansprechpartner für eine Pflegezeit ganz klar der Betriebsrat. Die Beschäftigten eines Unternehmens dürfen ab einer Belegschaft von fünf Mitarbeitern einen Betriebsrat wählen.

Da die Pflegezeit erst in Betrieben ab 16 Beschäftigten und die Familienpflegezeit erst ab 26 Beschäftigten möglich ist, sollte in vielen passenden Betrieben ein Betriebsrat zu Stelle sein.

Dieser kann die Mitarbeiter unter anderem über folgende Aspekte aufklären:

  • Wie funktioniert die Pflegezeit?
  • Welche Teilzeitmodelle sind im Betrieb möglich?
  • Gibt es Betriebsvereinbarungen oder Passagen im Tarifvertrag, die die Entgeltfortzahlung bei einer Pflegezeit regeln?

Nach Informationen von Poko werden Betriebsräte für solche Situationen geschult und können somit oftmals die richtigen Antworten präsentieren. Alternativ können Betroffene allerdings auch einfach einen Antrag auf Freistellung beim Arbeitgeber einreichen. Dabei sollten folgende Fristen eingehalten werden:

  • Pflegezeit: 10 Tage vor Beginn
  • Familienpflegezeit: 8 Wochen vor Beginn
  • Familienpflegezeit als Folge der Pflegezeit: 3 Monate von Beginn

Sollten Betroffene eine Teilzeitregelung während dieser Phase wünschen, muss über die Arbeitszeiten eine schriftliche Vereinbarung getroffen werden. Auf diese Weise sichern sich beide Parteien entsprechend ab. 12 Wochen vor Beginn der Freistellung und bis zum Ende der Pflegezeit genießt der Arbeitnehmer zudem Kündigungsschutz. Arbeitnehmer können nach der Freistellung ihre Arbeitsstelle also wieder antreten.

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Was ist bei einer Pflegezeit außerdem noch zu beachten?

Wer aufgrund eines Pflegefalls in der Familie Pflegezeit oder Familienpflegezeit beantragen möchte, sollte sich vorher einige wichtige Fakten klarmachen:

  1. Im Normalfall erfolgt während der Pflegezeit und auch der Familienpflegezeit keine Entgeltfortzahlung. Eine komplette Pause wäre demnach also mit finanziellen Einbußen verbunden. Eine verträgliche Teilzeitregelung kann hier oftmals für große Entlastung sorgen.
  1. Nach §3 Familienpflegezeitgesetz (FPfZG) ist für die Zeit der Familienpflegezeit und Pflegezeit ein zinsloses Darlehen möglich, welches sich am letzten Nettoentgelt orientiert und monatlich ausgezahlt wird. Die Rückzahlung des Darlehens wird bis zum Ende der Pflegezeit ausgesetzt, sollte allerdings spätestens 48 Monate nach Beginn der Freistellung erfolgt sein. In Härtefällen kann eine Stundung beantragt werden.
  1. Die Pflegebedürftigkeit des Angehörigen muss durch eine Bescheinigung der Pflegekasse oder medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) nachgewiesen werden. Auch private Pflegeversicherungen können entsprechende Nachweise erbringen.
  1. Es ist unter Umständen möglich, eine Familienpflegezeit auch vorzeitig zu beenden, wenn dies gewünscht wird. Hier ist allerdings eine Einigung mit dem Arbeitgeber erforderlich.
  1. Pro Pflegefall in der Familie darf eine Pflegezeit und eine Familienpflegezeit nur einmal in Anspruch genommen werden. Danach müssen Betroffene sich Alternativen überlegen oder ihre Arbeitsstelle räumen, wenn sie weiterhin der häuslichen Pflege nachgehen möchten.

Wer diese Punkte in Bezug auf die Pflegezeit und die Familienpflegezeit beachtet, erlebt nach dem Antrag keine böse Überraschung und kann sich auch finanziell entsprechend darauf vorbereiten. Ein solcher Schritt sollte also immer mit guter Planung erfolgen.

 

Pflegebedürftige Menschen fühlen sich im Kreise ihrer Familie meistens deutlich wohler als in einem Pflegeheim! Ein klares Argument für die Pflege durch Angehörige.

Grundsätzlich besteht für Mitarbeiter eines Betriebs ab 16 (Pflegezeit) oder 26 (Familienpflegezeit) Beschäftigten die Möglichkeit, sich für die häusliche Pflege von nahen Angehörigen zeitweise komplett oder teilweise von der Arbeit freistellen zu lassen.

Während dieser Zeit besteht ein Sonderkündigungsschutz, jedoch erfolgt im Normalfall keinerlei Entgeltfortzahlung.

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, sich finanziell auf einen solchen Schritt vorzubereiten. Der Staat bietet mitunter zinslose Darlehen an, die jedoch irgendwann trotzdem zurückgezahlt werden müssen. Wer die häusliche Pflege seiner Angehörigen also selbst in die Hand nehmen möchte, braucht einen starken Willen und einen längeren finanziellen Atem.

Sollte dies beachtet werden, kann eine solche Freistellung für die Betroffenen insgesamt sehr hilfreich sein.

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Bildquellen:
Abbildung 1: © geralt (CC0-Lizenz)/ pixabay.com
Abbildung 2: © geralt (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

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