Tipps und Hilfsmittel für die Demenzbetreuung zu Hause

Sowohl für den Erkrankten als auch für die Pflegenden ist das Krankheitsbild Demenz eine große Bürde, die mit vielen Einschränkungen und Problemen einhergeht.

Um den Krankheitsverlauf dennoch so angenehm und hilfreich wie möglich zu gestalten, können Sie verschiedene Tipps und Tricks nutzen, die die Betreuung erleichtern.

Demenz gehört zu den häufigsten Erkrankungen im Alter und beschreibt den Abbau des Gedächtnisses – gleichzeitig gehen aber auch geistige, emotionale und soziale Fähigkeiten Stück für Stück verloren.

Dementsprechend wird die Pflege einer an Demenz erkrankten Person mit dem Fortschreiten der Erkrankung immer wichtiger und umfangreicher. Alltägliches wie etwa das Baden, das Gehen, die Toilettennutzung oder das Essen und Anziehen sind für die Betroffenen teilweise nicht mehr eigenständig zu bewältigen.

Zudem kann es der betroffenen Person immer schwerer fallen, ihre Beschwerden und Wünsche zu äußern.

Wer sich dafür entscheidet, Angehörige Zuhause zu pflegen, der muss dafür viel Geduld und Zeit einplanen und nimmt meist große persönliche Einschränkungen in Kauf. Gerade deshalb ist es wichtig, sich bei der Pflege auf die richtigen Hilfsmittel, Ratschläge und Behandlungsmethoden zu verlassen, die den Alltag erleichtern und sowohl den Betroffenen als auch den Pflegern helfen können.

Richtiges Reagieren im Ernstfall ist deshalb gefragt. Dazu finden Sie hier auf meinem Blog eine ganze Serie von Demenzbeiträgen mit vielen weiteren hilfreichen Tipps und Tricks.

Extra-Tipp: Wer einen Pflegegrad hat und zu Hause gepflegt wird, hat jeden Monat Anspruch auf kostenlose Pflegehilfsmittel. Diese können Sie hier einfach bestellen.

 

 

Aggression und Wut

Aggression und Wut sind bei Demenzpatienten nicht selten und können durch Worte oder auch Taten ausgelöst werden, hierbei kann bereits eine unbedeutende Nichtigkeit genügen, um den Kranken aufzuregen.

Dieses Symptom kann der Betroffene nicht aufhalten und oft verschwindet es genauso schnell, wie es gekommen ist. Pfleger sollten in einem solchen Moment die Ruhe bewahren und das Verhalten des Patienten keinesfalls persönlich nehmen.

Hilfreich kann es sein, dem Betroffenen etwas vorzuschlagen, was er normalerweise gerne tut. Auch eine ausreichende Beschäftigung bringt viel und beruhigt den Betroffenen.

 

Hilfsmittel zur Beschäftigung von demenziell veränderten Menschen

Hapti Muff

Menschen mit Demenz sind sehr häufig unruhig und wissen nichts mit sich anzufangen oder es hat zumindest für uns diesen Anschein.

Der Hapti Muff regt bei den dementen Menschen die Sinne an, da er aus unterschiedlichen Materialien besteht und so zum Erkunden und Betasten anregt. Immer wieder gibt es etwas Neues zu sehen oder auch zu Verstecken.

Bezugsquelle: Hapti Muff brombeer – Geschenk für Demenzkranke und Alzheimer-Patienten – Zur Beschäftigung und Aktivierung

 

Nestel-Decke

Mit der Nesteldecke wird die Motorik geschult und Handgriffe des täglichen Lebens können trainiert werden. Die Farben sind so gewählt, dass sie Menschen mit Demenz besonders gut ansprechen. Aufgrund der Vielfalt von Möglichkeiten welche die Nesteldecke bietet, dienst sie als Therapie, Beschäftigung und Aktivierung von demenziell veränderten Menschen.

Die Nesteldecke ist auch ganz besonders als Geschenk geeignet. Denn oftmals ergibt sich die Frage, was schenkt man denn der dementen Oma zum Geburtstag. Daran hätte sie sicherlich eine Freude und ganz nebenbei werden noch die Sinne geschult und aktiviert.

Bezugsquelle: Nestel-Therapie-Decke – Aktivierung und Beschäftigung für Demenz-Kranke, Demenz Spiele (Nesteldecke – 70 x 70 cm, Dicke 0,5 cm)

 

Buchempfehlungen rund um das Thema Demenz:

 

Wahnvorstellungen und Halluzinationen

Auch Sinnestäuschungen sind bei Demenzkranken nicht selten. Sie sehen, hören oder riechen in diesem Fall etwas, das in Wirklichkeit nicht da ist.

So kann es beispielsweise passieren, dass die Kranken Bekannte oder Verwandte für Fremde halten oder sich sogar vor ihrem eigenen Spiegelbild erschrecken. Das wiederum löst verständlicherweise Angst aus, die wiederum zu Aggressionen führen kann.

Auch hier sollten Pflegende ruhig bleiben und dem Patienten erklären, dass alles in Ordnung ist.

Wichtig ist es nun, ihm ein Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln und ihn mit etwas Positivem abzulenken. Das Dialog- und Transferzentrum Demenz hat einen Artikel zum Umgang mit Wahn und Halluzinationen veröffentlicht, der die Empfehlungen aus der Wissenschaft aufgreift.

 

 

Wandern und Ruhelosigkeit

Für Demenzkranke ist das ruhelose Umherwandern ein typisches Symptom, bei dem sie entweder einfach im Haus umhergehen oder nach draußen wollen. Zwar gibt es meist einen Grund für das Wandern, etwa Langeweile oder das Gefühl, an einem falschen Ort zu sein, andererseits weiß der Betroffene oftmals nicht, warum er losgeht oder wohin er gehen möchte.

Für Pflegende ist es daher sehr wichtig, ihre Patienten stets im Auge zu behalten. Körperlicher Zwang oder gar ein Ausschimpfen sollten aber unbedingt vermieden werden. Auch sollte in der Wohnung des Kranken möglichst nichts verändert werden, damit er sich nach wie vor Zuhause fühlt und sich noch zurechtfinden kann. Auch hier kann eine Beschäftigung des dementen Menschen die Ruhelosigkeit lindern.

 

Depression und Niedergeschlagenheit

Das ernsthafte Krankheitsbild der Depression bringt es leider oftmals mit sich, dass die Betroffenen sich selbst aufgeben und Aussagen wie „mir ist alles egal“ oder “ich bin am Ende“ ausrufen, teilweise werden auch Selbstmordgedanken geäußert.

Das Pflegepersonal sollte in diesen Momenten unbedingt hellhörig werden und reagieren, da es sich hierbei um eine Depression handeln könnte – weitere Anzeichen dafür wären beispielsweise Appetit- und Schlaflosigkeit sowie fehlender Antrieb.

Wenn möglich, sollte mit dem Patienten über seine Probleme geredet werden, auch kann er zu Tätigkeiten motiviert werden, die er früher gerne getan hat. Auch Musik oder Kunsttherapien sind mitunter wirksam. In jedem Fall sollte aber der Arzt aufgesucht werden, der die Behandlung von Depressionen professionell durchführen kann.

 

Technische Hilfen und Pflegeerleichterungen

Personenortungsgeräte

Damit auch desorientierte Menschen eine gewisse Möglichkeit der Bewegung haben, bieten sich Ortungsgeräte an, durch die im Notfall der Aufenthaltsort der Person festgestellt werden kann. Es gibt Anbieter die speziell für diesen Fall kleine Sender entwickelt haben, die den Aufenthaltsort einer Person punktgenau mithilfe eines GPS-Systems ermitteln können und diesen über ein Portal für den Pflegenden visuell sichtbar machen. Hat der Demenzerkrankte außerdem ein Problem und möchte sich selbst bemerkbar machen, so verfügt das Ortungsgerät über einen leicht erreichbaren Alarmknopf, der automatisch eine SMS oder E-Mail an die betreuende Person versendet, wenn er gedrückt wird.

Ortungsgerät Easy-Finder

Trägt die Person den Easy-Finder, kann sie weltweit mittels GPS geortet werden. Der Easy-Finder kann mittels eines Clips am Gürtel oder der Kleidung befestigt werden. Der Akku hat eine Laufzeit von bis zu 7 Tagen. Über einen großen SOS-Knopf kann der demente Mensch, wenn er dazu noch in der Lage ist, Hilfe anfordern.

Ein weiterer Vorteil des Trackers ist, dass er sich leicht einrichten und bedienten läßt.

Bezugsquelle: EASY Finder 2.0 – bis 7 Tage Akkulaufzeit

 

Vidimension GPS-Tracker-Uhr

Eine weitere Alternative ist die Ortungs- und Notfalluhr. Auch hier ist es den Betroffenen möglich, einen Notruf abzusetzen. Der Vorteil ist, dass eine Uhr sowieso von den meisten Menschen getragen wird und die Betroffenen müssen nicht erst daran erinnert werden, den Tracker mitzunehmen.

Auch hier ist weltweit eine aktuelle Live-Bestimmung der Person möglich. Die Bedienungsanleitung ist in deutsch. Bedienung über Ihren Wunsch-Netzbetreiber. Damit sind Sie nicht auf vorgegebene Anbieter angewiesen. Die  Uhr ist in verschieden Farben erhältlich.

Bezugsquelle: VIDIMENSIO® GPS-Tracker-Uhr „Protector-II – blau“ / Schutz für Erwachsene und für hilfsbedürftige / ältere Menschen

 

Sicherungen und Bewegungsmelder

Für den Haushalt gibt es etliche Formen der Sicherung. Bei Elektroherden bietet sich beispielsweise der Einbau einer zeitgesteuerten Abschalt-Automatik an, um eine Brandgefahr durch überhitzte Herdplatten zu vermeiden. Ebenso gibt es Bügeleisen, die sich selbst abschalten, sobald sie für kurze Zeit nicht mehr bewegt werden. Auch können verschiedenste Bewegungsmelder und Meldesysteme eine sinnvolle Lösung sein – hier kann schon eine Alarmtrittmatte genügen, die vor das Bett gelegt wird und ein Signal weiterleitet, wenn der Kranke aufsteht oder an der Haustür ankommt, um beispielsweise aufgrund von Desorientierung das Haus zu verlassen. Eine weitere Möglichkeit wäre ein System mit Lichtschranke, bei dem ein Infrarotlichtstahl über der Bettkante beim Aufstehen unterbrochen wird. Solche und noch weitere Hilfsmittel für ältere Personen bietet beispielsweise der Seniorenhandel.

Herdüberwachung mit Präsenzmelder


Menschen mit Demenz fällt oft ein, dass sie sich eine Mahlzeit zubereiten möchten und schalten den Herd ein. Die Gefahr ist sehr groß, dass die demente Person während des Kochens wegläuft und dann vergisst, dass die Herdplatte noch an ist. Die Präsenzüberwachung arbeitet vollautomatisch. Die Herdüberwachung erkennt automatisch die Anwesenheit einer Person und gibt dann die Stromzufuhr zum Herd frei.

Die Abschaltung der Stromzufuhr erfolgt ebenfalls automatisch. Das Gerät kann diskret installiert werden.

Bezugsquelle: PIC-TEC Herdüberwachung HA2 mit Präsenzmelder

 

Alarmtrittmatten

Die Alarmtrittmatten sind ideal für Menschen mit Hinlauf-/ Weglauftendenzen. Die Matten können unter einem Teppich, einer Fußmatte vor dem Bett usw. ausgelegt werden. Betritt der demente Mensch die Matte, löst diese einen Funkalarm aus. Die Pflegeperson wird darüber informiert, dass der Hilfebedürftige entweder gerade das Haus verlassen hat oder vom Bett aufgestanden ist usw.

Diese Variante hat den Vorteil, dass sie um bis zu 4 Zusatzsender und Empfänger erweitert werden kann. Damit können mehrere Personen benachrichtigt werden. Die Matten sind sofort einsatzbereit

Bezugsquelle: Set Funk Alarm Trittmatte Pflegehilfe „Wegläuferschutz“ Eingangsalarm

 

Aufstehhilfen, Protektoren und elektrische Mechanik zur Unterstützung

Um den Alltag leichter zu gestalten, können viele kleine, aber wichtige Hilfen genutzt werden. Bei Aufstehproblemen kann beispielsweise ein Stehhocker Abhilfe schaffen, aber auch Aufstehhilfen mit Elektromotor sind eine Möglichkeit. Gerade bei älteren Menschen sind die Knochen außerdem zerbrechlicher und die Gangunsicherheit nimmt zu – wer hier vorsorgen möchte, der kann zu sogenannten Protektoren greifen, die das Risiko eines Oberschenkelhalsbruchs – die häufigste Form des Knochenbruchs bei älteren Menschen – durch einen Sturz um bis zu 80 % reduzieren können.

Weiterhin gibt es etliche Formen von elektrischen Mechaniken, um etwa das Bett anzuheben und die dortige Pflege oder das Aufstehen zu erleichtern. Je nach eingestufter Pflegestufe werden unterstützende Hilfen auch von den Krankenkassen übernommen.

Hüftschutzprotektoren

Leider sind bei älteren Menschen Stürze oftmals schon vorprogrammiert. Ein gute Hilfe, Brüchen vorzubeugen sind spezielle Gymnastikübungen, falls diese noch durchführbar sind. Um die Hüften bei einem Sturz zu schützen, können auch Hüftschutzprotektoren eingesetzt werden. Sie vermeiden zwar nicht die Stürze, können aber das Risiko eines Bruchs minimieren. Die Hüftschutzprotektoren werden in die Hüftschutzhosen gesteckt. Die Sets gibt es in unterschiedlichen Größen und Farben.

Bezugsquelle: Suprima Hüftschutzprotektoren + Slip im Set – jeweils 2 Stück

Aufstehhilfe: Katapultsitz

Katapultsitze können auf einen Stuhl oder Sessel gelegt werden und helfen den mobilitätseingeschränkten Personen beim Aufstehen. Es gibt unterschiedliche Ausführungen von sehr einfach bis hin zum elektrischen Katapultsitz. Damit ist zum einen ein sicheres Aufstehen gewährleistet, zum anderen verleihen diese Hilfsmittel jedoch auch mehr Lebensqualität und Mobilität, da die Betroffenen unabhängiger sind und zum Aufstehen keine fremde Hilfe mehr benötigen. Der Katapultsitz ist transportabel und somit nicht an ein einziges Sitzmöbel gebunden. Katapultsitze die nicht elektrisch betrieben sind, benötigen nicht einmal eine Steckdose in der Nähe.

Bezugsquelle: Uplift – Elektrische Aufstehhilfe/Aufrichtehilfe/Sitzhilfe

 

Weitere Beiträge rund um das Thema Pflege

 

Sie möchten immer die neuesten Beiträge dieses Blogs lesen?
© Otto Beier - www.Pflege-durch-Angehoerige.de
 

Quelle Bildmaterial: Fotolia #57854388  © Robert Kneschke

Related

KOMMENTARE ZU DIESEM BEITRAG