24h-Pflege-Check

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Wenn Menschen mit Demenz WEGLAUFEN, möchten Sie meistens an einen ganz bestimmten Ort HINLAUFEN. Denn: Sie haben ein Ziel, zu dem sie HINgehen möchten.

Menschen mit Demenz wollen nicht im klassischen Sinne abhauen, ausbüxen oder durchbrennen. Nein, sie haben etwas zu erledigen. Sie wollen vielleicht die (schon längst verstorbenen) Eltern besuchen, wollen pflichtbewusst zur Arbeit oder dringend noch etwas einkaufen gehen.

Für Außenstehende ist dieses Verhalten schwer nachvollziehbar. Warum will Herr X immer bei seiner Tochter abhauen? Sie tut doch alles für ihn!? Er hat es doch so gut bei ihr! Er könnte noch so ein schönes Leben haben.

Fragt man Herrn X, dann wohnt er gar nicht bei seiner Tochter. Vielleicht weiß er nicht einmal mehr, dass er überhaupt eine Tochter hat.

Extra-Tipp: Wer einen Pflegegrad hat und zu Hause gepflegt wird, hat jeden Monat Anspruch auf kostenlose Pflegehilfsmittel. Diese können Sie hier einfach bestellen.

 

Warum wollen Menschen mit Demenz weglaufen

Wenn Menschen mit Demenz plötzlich weglaufen, ist das keine Boshaftigkeit. Es hat seinen Grund. Doch die Beweggründe können ganz unterschiedlicher Natur sein:

  • Einigen Demenzpatienten ist langweilig, oder sie sind gereizt, irritiert, verängstigt oder auf der Suche nach etwas. Sie beginnen dann zu laufen. Sie laufen in der Wohnung umher, im Garten. Oder sie haben etwas zu erledigen und „laufen weg“. Sie haben also ein Ziel.
  • Demenzpatienten haben irgendwann kein Gefühl mehr für die Zeit. Sie leben im „Damals“. Deshalb „wohnen“ Menschen mit über 80 Jahren plötzlich wieder bei ihren Eltern oder haben gerade erst geheiratet. Sie wollen heim zu Mutter und Vater oder zur Frau.
  • Läuft der Mensch mit Demenz weg, liegt sein Ziel meist dort, wo er sich zeitlich gerade befindet. So kann es zum Beispiel sein, dass der demente Mensch meint er werde gerade Vater und befindet sich deshalb auf dem Weg ins Krankenhaus. Für die Angehörigen sind die Ziele aber nicht immer nachvollziehbar, da sich der Erkrankte mit der Zeit immer schlechter verständigen kann und damit die Kommunikation schwieriger wird. Den Pflegenden fehlen dann oftmals die Anhaltspunkte, wohin der Demenzerkrankte gegangen sein könnte.
  • Ein weiteres Problem ist, dass ihnen auch die Orientierung fehlt. Der Patient konnte bisher immer noch selbst zum Friseur gehen, aber plötzlich findet er sich nicht mehr zurecht. Er würde ja gerne wieder nach Hause gehen, ist aber desorientiert und verwirrt und findet nicht mehr Heim.
  • Und ist der Mensch mit Demenz erst einmal unterwegs, kann es sein, dass er auf seiner Tour schlicht und ergreifend vergisst, wo er eigentlich hin wollte, was er erledigen oder besorgen wollte.
Extra-TIPP: Bei vielen Menschen mit Demenz hilft es, wenn Sie tagsüber ausreichend beschäftigt werden  wie z.B. in alltägliche Aufgaben wie Kochen oder Tisch decken mit eingebunden werden. Es gibt auch eine Vielzahl von Spielen, die speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz ausgelegt sind.

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Wo beginnt die Suche nach einer vermissten Person

Ist der demente Mensch weggelaufen, stehen die Angehörigen vor dem Problem, wohin er gegangen sein könnte.

  • Hilfsreich ist es, eine Liste zu führen, an welchen Orten der Mensch mit Demenz schon gefunden wurde, welche Orte ihm geläufig aus früheren Zeiten sind und die ihn geprägt haben. Er wird vielleicht wieder an diese Orte – vielleicht seine Lieblingsorte – zurückkehren.
  • Unterhaltungen mit dem verwirrten Menschen lassen oft Rückschlüsse zu, was ihn in der letzten Zeit bewegte, an wen oder was er dachte. Aufgrund dieser Gespräche kommen ebenfalls wieder verschiedene Orte in Frage, an denen gesucht werden kann.
  • Wird die verschwundene Person nicht innerhalb einer angemessenen Zeitspanne gefunden, ist auf alle Fälle die Polizei einzuschalten.

 

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Welche Schutzmaßnahmen können ergriffen werden

Laufen Menschen mit Demenz weg, gefährden sie sich vorrangig selbst, aber unter Umständen auch andere. Oftmals sind sie mit dem Verkehr und der Umgebung überfordert und finden sich überhaupt nicht mehr zurecht. Schnell kann es zu einem Unfall kommen.

Findet der Patient längere Zeit nicht mehr nach Hause, kann er bei schlechter Witterung durch Nässe und Kälte leicht Erkältungen oder Erfrierungen bekommen. Außerdem besteht erhöhte Gefahr bei Menschen die regelmäßig Medikamente nehmen müssen, wie z.B. Diabetiker.

Manchmal kommt auch leider jede Hilfe zu spät.

Um den Menschen mit Demenz zu schützen, kann zu Vorsichtsmaßnahmen gegriffen werden.

  • Der Erkrankte sollte ein SOS-Band / einen SOS-Anhänger / in die Kleidung eingenähte Adressetiketten oder andere Schilder mit seinem Namen und der Telefonnummer der Angehörigen bei sich haben.
  • Nachbarn, Bekannte, Verwandte, Geschäftsinhaber, Busfahrer usw. sollten über die Erkrankung informiert werden. Sie geben dann besser Acht und bringen den Patienten auch wieder nach Hause.
  • Achten Sie darauf, welche Kleidung der Patient trägt. Falls die Person länger vermisst wird, ist die Kleidung sehr wichtig für die Vermisstenmeldung. Für eine Vermisstenmeldung benötigen Sie auch aktuelle Bilder.
  • Man könnte meinen, dass der beste Schutz vor dem Weglaufen das Abschließen von Fenstern und Türen wäre. Doch diese Maßnahmen lösen bei vielen Demenzkranken Panik oder Aggression aus. Deshalb ist diese Vorsichtsmaßnahme nur bedingt anwendbar.
  • Ist der Patienten unruhig und versucht, das Haus zu verlassen, bietet es sich an, ihn zu begleiten. Dies kommt seinem Bewegungsdrang entgegen und außerdem kann aus dem „Ausflug“ erkannt werden, was den Erkrankten gerade umtreibt, wo er hin möchte.

 

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  • Bei einigen Demenzpatienten hilft es, wenn sie beschäftigt werden und damit keine Langeweile mehr haben. Eingebunden sein in das tägliche Leben lässt sie im günstigsten Fall vergessen, dass sie eigentlich etwas ganz anderes „erledigen“ wollten.
  • Es gibt diverse Produkte um Menschen mit Demenz mehr Sicherheit zu geben. Dazu gehören zum Beispiel Sensortrittmatten, Druckmatten, Bettkantenalarm, GPS-Sender/Ortungsgeräte, Weglaufschutzsysteme usw.

Weglaufschutzsysteme

Es gibt unterschiedliche Arten von Weglaufschutzsystemen. Diese Meldesysteme sollen dem Patienten einerseits einen größtmöglichen Bewegungsfreiraum geben, andererseits Sicherheit und somit dafür sorgen, dass ihm kein körperlicher Schaden entsteht.

Am Beispiel des Christofferus-Weglaufschutzsystems möchte ich zeigen, wie ein solches Gerät eingesetzt werden kann:

  • Das System besteht aus einem Sendergerät (z.B. am Handgelenk wie eine Uhr getragen oder lose in der Tasche) und einem wasserdichten Empfängergerät, welches an der Türe installiert ist, über die der Patient gewöhnlich die Wohnung verlässt.
  • Verlässt die Person die Wohnung, schickt der Sender ein Signal an das Empfangsgerät.
  • Das Empfängergerät sendet sofort einen „stillen Alarm“ zum Telefon oder Handy der Betreuungsperson. Über diesen Alarm weiß die Betreuungsperson, dass sich der Mensch mit Demenz aus dem Haus begeben möchte und kann nun entsprechend reagieren.
  • Da der Alarm „still“ ausgelöst wird, entsteht bei dem Alzheimerpatienten nicht das Gefühl der Überwachung.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen sollte doch darauf geachtet werden, dass der demenziell erkrankte Mensch so viel Bewegungsfreiheit wie möglich hat.

Weitere Beiträge zum Thema Demenz

 

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    Vielen Dank, Frau Wellnitz.
    Viele Grüße und noch eine schönes Wochenende.

  • brita Wellnitz 5. März 2016 at 20:27

    Ein sehr gelungener Beitrag!! Sehr gut!!