Burnout vermeiden – Angehörige schützen

Neueste Statistiken ergeben ein recht differenziertes Bild dazu, wie stark der Einfluss naher Verwandter auf die Pflege von Angehörigen mittlerweile ist. Etwa 2,6 Millionen Menschen gelten in Deutschland als „pflegebedürftig“.

Die Pflege von Angehörigen ist ein großer Einschnitt im eigenen Leben. Damit dieser keine gesundheitlichen Auswirkungen bis hin zum Burnout hat, sollte die Arbeit durchaus auf mehrere Schultern verteilt werden.

Die Pflege von Angehörigen ist ein großer Einschnitt im eigenen Leben. Damit dieser keine gesundheitlichen Auswirkungen bis hin zum Burnout hat, sollte die Arbeit durchaus auf mehrere Schultern verteilt werden.

Mehr als zwei Drittel werden innerhalb der eigenen Wohnung betreut. Etwa 47,4 Prozent aller Pflegebedürftigen, also knapp 1.232.000 Menschen, befinden sich dabei ausschließlich in der Obhut eines Angehörigen. Diese Menschen sind tagtäglich enormen Stresssituationen und persönlichen Belastungen ausgesetzt, die selbst krankmachen können.

Dieser Beitrag widmet sich den wesentlichen Punkten und gibt Betroffenen Hilfestellungen zu Präventivmaßnahmen und Behandlungsalternativen.

Die häusliche Pflege von Angehörigen ist ein großer Einschnitt im eigenen Leben. Damit dieser keine gesundheitlichen Auswirkungen bis hin zum Burnout hat, sollte die Arbeit durchaus auf mehrere Schultern verteilt werden.

Wenn Hilfestellungen zur persönlichen Belastung werden

Lange Zeit lag der Fokus der Politik auf einer einheitlichen, skalierbaren und möglichst „planbaren“ Pflege von Angehörigen. Dass dies bei Weitem nicht alle Aspekte der Thematik abdeckt, wurde von Anfang an bemängelt.

Seit kurzem stehen sogenannte Pflegestärkungsgesetze auf der Agenda, wovon das erste bereits Anfang 2015 in Kraft trat. Seitdem erhalten pflegende Angehörige ein höheres Pflegegeld, zudem erhöht sich der Anteil von sogenannten „Pflegesachleistungen“ bei einer kombinierten Betreuung mit einem ambulanten Pflegedienst.

Und doch liegen die wirklichen Probleme woanders, sie beziehen sich auf die Psyche des in die Pflege mit eingebundenen Angehörigen. Bereits 2013 wurde im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) eine Umfrage durch das Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt, wonach 40 Prozent der pflegenden Angehörigen unter Dauerdruck stehen.

Damit liegt die Quote doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt. Auch andere Leiden, wie physische Erkrankungen (Rückenleiden, Schlafstörungen, etc.), treten teils deutlich häufiger auf. 

Geistige, körperliche und emotionale Erschöpfung – Symptome des Burnout-Syndroms

Die Vermutung, dass gerade jene Bevölkerungsgruppe weit häufiger mit Symptomen des Burnout-Syndroms in Verbindung gebracht wird, liegt nahe. Umso schwieriger ist es, hier eine genaue Abgrenzung vorzunehmen. Denn meist verläuft dieses Krankheitsbild schleichend, bis es in Zusammenbrüchen und starken Depressionen mündet. Im Folgenden werden Symptome aufgelistet, die bei der Identifizierung von Burnout-Gefährdeten helfen sollen.

  • Gefühl tiefer, anhaltender Erschöpfung
  • Abschalten nach der Arbeit nicht mehr möglich
  • Erholungsphasen werden immer kürzer
  • Immer mehr Energie wird in dieselben Aufgaben investiert
  • Hyperaktives Verhalten
  • Eigene Bedürfnisse werden zurückgesteckt
  • Soziale Kontakte beschränken sich auf das Nötigste
  • Gefühl, nie ausreichend Zeit zu haben
  • Schlafmangel, einhergehend mit Rastlosigkeit

Diese Symptome deuten auf eine frühe Phase des Burnout-Syndroms hin, sie steigern sich in ihrer Intensität häufig und stehen wechselseitig mit anderen Symptomen. Im Verlauf verändert sich die Anspruchshaltung – mehr und mehr wird eine Gegenleistung für erbrachte Leistung verlangt. Bleibt diese aus, wird häufig nur noch das Nötigste im privaten und geschäftlichen Rahmen geleistet.

Es entsteht ein Kreislauf, der mit einer Entfremdung oder Abwertung von persönlichen Beziehungen oder Leistungen einhergeht. 

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Hinweise auf ein fortgeschrittenes Burnout-Syndrom

Aus Untersuchungen weiß man, dass Betroffene häufig eine verstärkt negative, abweisende Geisteshaltung gegenüber ihren Tätigkeiten einnehmen. Diese Merkmale einer „inneren Kündigung“ zeigen sich etwa in dem Gefühl, nur mangelnde Wertschätzung zu erfahren oder gar persönlich ausgebeutet zu werden.

Es fällt schwer, sich in die Gefühlslage naher Verwandter hineinzuversetzen. Zunehmend entsteht eine emotionale Distanz, die in ausgeprägter Form gar zu emotionaler Kälte in Verbindung mit zynischem Verhalten führen kann.

Eigene Schuldzuweisungen (internale Attribution) Der Umwelt zugerichtet (externale Attribution)
Pessimistische Grundeinstellung Anforderungen an sich selbst werden immer geringer
Niedrigeres Selbstwertgefühl Konflikt mit anderen Beteiligten
Angstzustände Intolerante Haltung („So und nicht anders!“)
Niedergeschlagenheit Leichte Reizbarkeit
Antriebslosigkeit

Probleme erkennen und entsprechend handeln

Angehörige stehen vielen Aspekten des Pflegesystems skeptisch gegenüber. Sie sehen zuerst die Persönlichkeit und den Charakter des Verwandten, häufig Mutter oder Vater. So verläuft die Pflege häufig einseitig, eben auf dem basierend, was der oder die Angehörige für „richtig“ hält.

Gleichzeitig gibt es zwangsläufig Bereiche in der Pflege, welche die Intimbereiche berühren. Der Pflegebedürftige entwickelt nicht selten eine ablehnende, gar stark reizbare oder etwa feindliche Haltung gegenüber dem Pflegenden.

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Erschwerend kommt hinzu, dass „Feedback“ in Form von Rückmeldungen nur selten gegeben ist. Kritik, Maßregelungen und dergleichen werden dann jedoch ungleich höher eingeschätzt, was auf die Psyche und die ohnehin belastende Situation wirkt.

Ratschläge, um effektiv gegen Burnout-Symptome vorzugehen und präventiv zu handeln:

  • Eigene Grenzen und Probleme genau benennen und versuchen, Konflikte zielgerichtet zu lösen. Als Entspannungstechniken eignet sich Progressive Muskelentspannung, häufig in Verbindung mit Autogenem Training.
  • Verhaltensmuster aufschlüsseln und entzerren, bspw. mittels einer kognitiven Verhaltenstherapie. Ziel sollte es sein, Tätigkeit und eigene Anspruchshaltung jeweils im Gesamtkontext zu sehen.
  • Immer häufiger werden Selbsthilfegruppen gegründet, die auf einer gemeinsamen Problemlösung und der Diskussion von Lösungsansätzen basieren. Entlastung wird bereits durch den Austausch mit anderen Betroffenen erreicht. 

Das direkte Umfeld mit einbeziehen

Die Situation, einen nahen Verwandten pflegen zu müssen, ist für alle Seiten neu und schwierig. Das eigene Leben, die Familie, die Kinder – zu viel leidet darunter, wenn alles plötzlich nur auf einen Punkt fixiert ist. Es ist daher wichtig, nicht ausschließlich in Eigenregie vorzugehen und Dritte ohne Absprache mit einzubeziehen. Die Möglichkeiten innerhalb einer Familie sind vielfältig, nicht eine Person muss die ganze Last tragen:

  • Frühzeitig planen, wie der folgende Lebensabschnitt aussehen kann und welche persönlichen Ansprüche damit einhergehen. Veränderungen in der Pflege sind nicht so schnell möglich, daher muss jeder Beteiligte zu Wort kommen. Eine Arbeitsteilung innerhalb der Familie, eventuell mit ambulantem Pflegedienst, lässt ein starkes Gemeinschaftsgefühl entstehen.
  • Ärzte und Psychotherapeuten können Auskunft zu Pflegeverhalten und dergleichen geben. Wenn etwas unklar ist, sollte detailliert nachgefragt werden. Vielfach sind Hilfsmittel eine Option.
  • Gegenüber Kindern und dem Partner ehrlich und offen darstellen, was zu leisten man imstande ist und welche Hilfe jeder Einzelne leisten kann. Vielerorts gibt es Pflegekurse, angeboten von Pflegeversicherungen oder Wohlfahrtsverbänden, die praktische Aspekte lehren. Gerade Burnout bei Pflegenden hat auch für die Angehörigen schwere Konsequenzen.

Ein Burnout aufgrund des Pflegestresses ist für Betroffene wie auch Angehörige sehr belastend. 

Beitragsbild Burnout 22.03.16

Fazit

In der Pflege eines Angehörigen profitieren immer beide Seiten, auch wenn nicht auf Anhieb sichtbar. Eine sachgerechte Planung, die Dritte ebenso wie Externe miteinschließt, ist ein mögliches Mittel gegen Überlastung. Aufgaben sind nicht fix verteilt – je nach Ausgangslage sollte innerhalb der Familie für einen Ausgleich gesorgt werden.

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Bildquellen:

Abbildung 1: © geralt (CC0-Lizenz)/ pixabay.com
Abbildung 2: © geralt (CC0-Lizenz)/ pixabay.com
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2 comments for “Burnout vermeiden – Angehörige schützen

  1. Christian
    29. März 2016 at 14:20

    Ich glaube, gerade der Punkt „Offene Kommunikation“ ist unfassbar wichtig. Ehrliche Gespräche mit Freunden und Familienmitgliedern über die eigene Situation können Wunder wirken.
    Der nächste Schritt ist dann, Hilfe anzunehmen, wenn sie angeboten wird. Viele pflegende Angehörige müssen erst lernen, sich eine Auszeit zu gönnen. Lernen, Rücksicht auf eigene Bedürfnisse zu nehmen und das nicht als Schwäche oder Vernachlässigung der Fürsorgepflicht wahrzunehmen.

    Auch der Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen kann stärken. In den sozialen Netzwerken haben sich verschiedene Gruppen gebildet, in denen sich Betroffene austauschen, gegenseitig stützen und gemeinsam politisch aktiv werden, um die soziale Situation von pflegenden Angehörigen zu verbessern.

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