Sturzprophylaxe: Niederflurbetten als Alternative für Bettgitter und Fixierung

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Hochgezogene Bettgitter bei zu pflegenden Personen gehört zu den freiheitseinschränkenden Maßnahmen und sind deshalb nur unter ganz eingeschränkten Bedingungen erlaubt.

Ebenso ist es nicht erlaubt, Menschen mit Gurten im Bett zu fixieren.

Welche Möglichkeiten gibt es dann, um den Pflegebedürftigen einerseits nicht in seinen Freiheiten einzuschränken, andererseits aber optimal vor Unfällen zu schützen?

In diesem Beitrag möchte ich Ihnen die Möglichkeit des Niederflurbettes vorstellen.

Es hat sich gezeigt, dass diese Art der Sturzprophylaxe bei den pflegenden Angehörigen noch wenig bekannt ist und auch noch nicht immer unbedingt eine Selbstverständlichkeit in einem Pflegeheim ist.

Was ist ein Niederflurbett

Ein Niederflurbett oder auch Niederbett ist ein Pflegebett mit der Besonderheit, dass es – im Gegensatz zu den regulären Pflege- und Krankenhausbetten – sehr weit nach unten auf den Boden abgesenkt werden kann.

Je nach Ausführung kann ein Niederflurbett sogar bis auf eine Tiefe von 13 cm heruntergefahren werden. Üblich sind jedoch ca. 20 bis 25 cm. Ansonsten entspricht es dem regulären Pflegebett und kann auch genauso auf die normale Pflegebetthöhe hochgefahren werden..

Warum soll ein Niederflurbett zum Einsatz kommen?

Alternative zur Fixierung von pflegebedürftigen Menschen

Bei pflegebedürftigen Menschen kann es dazu kommen, dass sie entweder aus dem Bett fallen oder selbstständig das Bett verlassen wollen, obwohl sie dazu körperlich nicht mehr in der Lage sind. Schwere Stürze sind dann vorprogrammiert.

Um den Patienten vor sich selbst zu schützen, wurde er früher so im Bett angebunden (fixiert), dass es ihm nicht mehr möglich war, alleine das Bett zu verlassen. Was damals gang und gäbe war, ist heute glücklicherweise nicht mehr so einfach möglich. Es verletzt die Menschenwürde, in einem Bett mit Fixiergurten angebunden zu sein.

Wie bereits erwähnt, ist es nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen erlaubt, ohne richterlichen Beschluss freiheitsentziehende Maßnahmen (FEM) anzuwenden. Zu den freiheitsentziehenden Maßnahmen gehört aber nicht nur das Fixieren mit Gurten im Bett oder im Rollstuhl sondern auch das Hochziehen von Bettgittern und noch vieles mehr.

Um aber den Pflegebedürftigen den größtmöglichen Schutz zu geben, müssen Alternativen geschaffen werden. Im Bereich sicheres Ein- und Aussteigen aus dem Bett ist eine Möglichkeit das Niederflurbett, das gegenüber dem Standard-Pflegebett einige Vorteile hat.

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Die Problematik mit den Standard-Pflegebetten…

… bei Menschen mit Demenz

Bei Menschen mit Demenz kommt es relativ häufig vor, dass sie irgendwann einmal bettflüchtig werden. Das heißt, sie verlassen nachts das Bett weil sie glauben, irgend etwas dringend erledigen zu müssen.

Leider sind viele dieser Menschen jedoch nicht mehr in der Lage, das Bett ohne fremde Hilfe zu verlassen geschweige denn ohne Unterstützung alleine zu gehen. Weil die Betten viel zu hoch eingestellt sind, ist ein Sturz aus dem Bett vorprogrammiert. Mit diesem Sturz geht auch schnell eine schlimme Verletzung wie zum Beispiel ein Oberschenkelhalsbruch einher.

Das Problem der Bettflucht darf aber nicht damit gelöst werden, dass die Patienten mit Fixiergurten im Bett angebunden werden. Für die Vermeidung einer Fixierung können deshalb unter anderem Niederflurbetten in Betracht kommen.

… bei Rollstuhlfahrern

Auch für Rollstuhlfahrer ist ein Standard-Pflegebett oft eine Qual. Standardbetten können im Normalfall bis auf ungefähr 50 cm abgesenkt werden. Kommt dann noch eine Matratze oben drauf, ist die Höhe gleich mal bei über 60 cm. Ein Rollstuhl oder ein Toilettenstuhl hat jedoch lediglich eine Sitzhöhe von ca. 51 cm. Die Differenz zwischen Rollstuhl und Oberkante Bett/Matratze muss dann mit viel Kraftaufwand vom Pflegepersonal oder vom Rollstuhlfahrer selbst überwunden werden. Auch hier ist ein weit absenkbares Niedrigbett-Modell von unglaublichem Vorteil.

Für wen sind Niederflurbetten geeignet

Im Prinzip sind Niedrigflurbetten für alle Pflegebedürftigen geeignet, da sie sich auf Bodenniveau absenken lassen. Ob es jeder Pflegebedürftige braucht, ist wieder eine ganz andere Sache, denn meistens sind sie teurer als Standard-Pflegebetten.

Geeignet sind die niedrigen Pflegebetten – wie schon oben beschrieben – aber ganz besonders für

Niederflurbetten werden jedoch nicht nur in der häuslichen Pflege eingesetzt, sondern auch in Krankenhäusern und Pflegeheimen.

 

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Weitere Beiträge rund um das Thema Pflege

Niederflurbetten im Pflegeheim

Auch – bzw. gerade – Pflegeeinrichtungen und Altenheime dürfen keine freiheitsentziehenden Maßnahmen ohne gerichtlichen Beschluss ausüben. Trotzdem muss der Schutz des Heimbewohners vor Verletzungen gewährleistet sein.

Deshalb hat das Verwaltungsgericht Würzburg entschieden, dass Niederflurbetten zur Grundausstattung eines Heims gehören!!

Hier finden Sie den Beschluss des VG Würzburg vom 01.09.2014

Das bedeutet, Pflegeheime müssen neben dem klassischen Pflege-/Krankenhausbett auch Niederflurbetten in ausreichendem Maß für die Heimbewohner zur Verfügung stellen.

Ein Überblick über Niederflurbetten

Ich habe mich mal erkundigt, was so die gängigsten und praktischsten Modelle sind. Dabei kam folgendes heraus.

Ein günstiges Niederflurbett

Das Pflegebett „Dali Low Entry“ ist ein sehr günstiges Niederflurbett, das bereits unter 900 Euro im Versandhandel zu haben ist. Dieses Seniorenbett ist ideal für kleine Menschen und Rollstuhlfahrer.

Ein robustes und überbreites Niederflur-Pflegebett

Das niedrige Pflegebett Allura ist in einer Liegefläche bis zu 120 cm Breite erhältlich und die Arbeitslast beträgt 225 Kilogramm.

Die beliebtesten Niederflurbetten

Das Niedrig-Einstiegsbett Westfalia Care hat wohl das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Es ist komfortabel, robust und hat ein ansprechendes Design.

Aber auch das Niedrigflurbett Inovia besticht durch Belastbarkeit, Stabilität und behagliche Atmosphäre. Das Inovia ist auch mit geteilten Seitengittern erhältlich.

Das komfortable Niedrigbett

Das Niederflur-Pflegebett Regia Burmeier lässt keine Wünsche offen. Es bietet jeden erdenklichen Komfort und ist optional mit jeder Menge Zubehör nachrüstbar.

 

 

Meine Buchempfehlungen

Wer übernimmt die Kosten für ein Niederbett

Ein Pflegebett ist ein Hilfsmittel oder ein Pflegehilfsmittel, je nach Kostenträger. Wird das Pflegebett von der KRANKENKASSE bezahlt, ist es ein Hilfsmittel. Wird das Bett jedoch von der PFLEGEKASSE (bei Menschen mit einer Pflegestufe) bezahlt, ist es ein Pflegehilfsmittel.

Ob die Krankenversicherung/Pflegeversicherung das Niederflurbett genehmigt und damit die Kosten übernimmt, hängt von der Krankheit bzw. Pflegebedürftigkeit ab. Nicht jeder Pflegebedürftige mit einer Pflegestufe bekommt auch ein Pflegebett gestellt, obwohl es für den Betroffenen selbst und für die Angehörigen eine Erleichterung bei der häuslichen Pflege wäre.

Wird der Antrag abgelehnt, sollte innerhalb der vorgegebenen Frist ein Widerspruch eingelegt werden. Wird auch der Widerspruch abgelehnt, besteht noch die Möglichkeit gegen den Versicherungsträger zu klagen.

Wird das Pflegebett genehmigt, besteht kein Anspruch auf ein neues Bett. Meist wird aus einem vorhandenen Bettenpool ein gebrauchtes Pflegebett zur Verfügung gestellt, das vorher entsprechend aufgearbeitet wurde. Es handelt sich also um ein Leihbett / eine Leihgabe. Wird das Bett nicht mehr benötigt, muss es an den Versicherungsträger zurückgegeben werden.

 

 

Lediglich die Matratze ist neu. Wird keine Spezialmatratze benötigt, ist davon auszugehen, dass es sich hier nicht um ein Komfortmodell von Matratze handelt. Ich habe in unserer Familie die Erfahrung gemacht, dass die Matratzen sehr dünn und äußerst unbequem sind und bei den Betroffenen schnell Schmerzen entstehen.

Mehr darüber, wie ein Pflegebett beantragt wird, lesen Sie in meinem Beitrag „Wie wird ein Pflegebett beantragt“.

Wer nicht auf ein Standardbett von der Pflegekasse zurückgreifen möchte, weil es nicht zum Wohn- bzw. Wohlfühlambiente passt oder weil es unangenehm ist zu wissen, dass in diesem Bett vielleicht schon mal jemand gestorben sein könnte, hat auch die Möglichkeit, sich selbst nach seinen eigenen Vorstellungen ein Niederflur- oder Pflegebett zu kaufen.

Pflegebett auf eigene Kosten anschaffen. Was kostet ein Niederflurbett

Wie Sie an den Beispielen in der Rubrik „Ein Überblick über Niederflurbetten“ gesehen haben, gibt es im Sanitäts-Versandhandel bereits unter 900 Euro passable Niederflurbetten. Für ein Komfortbett bezahlt man schnell 2.000 Euro und mehr, je nach Ausstattung.

Wenn Sie sich dafür entscheiden, ein Bett nach Ihren eigenen Vorstellungen und Wünschen anzuschaffen, können Sie bei der Krankenversicherung bzw. Pflegeversicherung einen Zuschuss beantragen.

Hierfür lassen Sie sich beim Arzt eine Verordnung für ein Pflegebett ausstellen und lassen dieses von der Kasse genehmigen. Mit der genehmigten Verordnung können Sie sich bei einem ortsansässigen Sanitätshaus oder Online-Sanitätshaus ein Pflegebett nach Ihren Vorstellungen aussuchen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass das Bett eine Hilfsmittelnummer hat.

Die Kosten, die Sie selbst aufzahlen müssen, können Sie selbstverständlich wieder als „außergewöhnliche Belastung“ steuerlich geltend machen.

Mein TIPP:

Wer das Pflegebett auf eigene Kosten anschafft, sollte sich überlegen, ob es in seiner persönlichen Situation nicht Sinn macht, etwas mehr zu investieren und gleich ein Niederflurbett zu kaufen. Die persönliche Situation und die Art der Pflegebedürftigkeit ändern sich manchmal sehr schnell und mit einem Niederflurbett ist eine größere Nutzbarkeit abgedeckt.

Pflegebetten online kaufen – macht das Sinn?

Zusammenfassend sei nochmals gesagt, dass Sie folgende Möglichkeiten für die Anschaffung eines Pflegebettes haben.

  1. Auf Verordnung über die Krankenkasse. Sie erhalten ein Standardmodell und zahlen maximal 10 Euro zu. Das Bett ist eine Leihgabe.
  2. Sie kaufen ein Pflegebett Ihrer Wahl bei einem ortsansässigen Sanitätshaus.
  3. Sie kaufen ein Pflegebett übers Internet bei einem Online-Sanitätshaus.

WICHTIG BEIM KAUF eines Niederflurbettes / Pflegebettes ist, dass Sie gut beraten werden. Das Bett muss auf Ihre persönlichen Pflegeanforderungen ausgerichtet sein. Der Berater muss sich auskennen und muss wissen, welches Bett er Ihnen empfehlen kann und welches für Sie überhaupt nicht in Frage kommt.

Denn jede Pflegesituation ist anders und jeder Pflegebedürftige hat aufgrund seiner Erkrankung andere Ansprüche und Anforderungen!

Eine fachmännische Beratung ist aber immer von der beratenden Person abhängig! Sie können im Internetfachhandel ebenso gut oder schlecht beraten werden wie in einem Fachhandel vor Ort.

Ein weiterer Aspekt beim Kauf eines Pflegebettes ist das fachgerechte Aufstellen. Nicht jeder ist in der Lage, ein Pflegebett selbst zu montieren. Ein guter Online-Fachhändler bietet deshalb einen Aufstellservice an.

Was macht nun aber den Unterschied zwischen Internet und Fachhandel vor Ort aus?

Ganz klar: Die Kosten. Das Sanitätshaus vor Ort muss nicht nur die Pflegebetten sondern auch noch jede Menge andere Hilfsmittel einkaufen, vorfinanzieren und vorhalten. Außerdem muss er Miete für seine Ausstellungs- und Büroräume bezahlen und geeignetes Fachpersonal für die Beratung der Kunden und Interessenten einstellen. Das bedeutet hohe Lager- und Verwaltungskosten.

Der Internet-Fachhändler wird die Betten direkt beim Hersteller ordern und von dort aus an den Endkunden ausliefern lassen. Damit entstehen ihm keine Lager- und Vorfinanzierungskosten und wesentlich geringere Verwaltungskosten. Dies kann schnell zu Preisnachlässen von 30 % und mehr führen. Hier lohnt es sich, Angebote einzuholen und zu vergleichen.

 

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