Pflegegrad 1 – Chance für finanzielle Unterstützung bei geringer Pflegebedürftigkeit

Viele Menschen mit einer geringeren Pflegebedürftigkeit denen bislang eine Pflegestufe abgelehnt wurde, werden ab Januar 2017 zumindest den Pflegegrad 1 erhalten können.

Man schätzt, dass dies in den nächsten Jahren circa eine halbe Million Menschen in Deutschland betreffen wird.

Auch wenn der Pflegegrad 1 kein vollwertiger Pflegegrad mit allen Leistungen wie die anderen Pflegegrade ist, sollten Menschen mit einer geringeren Pflegebedürftigkeit den Pflegegrad 1 beantragen, um zumindest einige finanzielle Zuschüsse und Vorteile zu erhalten.

Welche Leistungen gibt es bei Pflegegrad 1

Aus der Tabelle ist ganz genau zu ersehen, welche Leistungen es mit dem  Pflegegrad 1 und welche Leistungen es erst ab Pflegegrad 2 gibt.

Leistungsbeschreibung Ab 2017 in €
Pflegegeld nein
Pflegesachleistung nein
Tages- und Nachtpflege nein
Kurzzeitpflege nein
Verhinderungspflege nein
Betreuungs- und Entlastungsleistungen 125 €
Stationäre Pflege, z.B. in einem Pflegeheim 125 €
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel 40 €
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen wie Zuschuss Badumbau, Türverbreiterungen, Treppenlift, usw. 4.000 €
Wohngruppenzuschlag für ambulante WGs ja
Zusätzliche Leistungen für Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen nach § 38a SGB XI 125 €
Anschubfinanzierung Wohngruppe ja
Pflegeberatung nach § 7a SGB XI Ja
Beratungsgutschein nach § 7b SGB XI Ja
Pflegekurse nach § 45b SGB XI ja

Welche Vorteile bringt mir der Pflegegrad 1

Mit dem Pflegegrad 1 ist es mehr Menschen möglich, als pflegebedürftig eingestuft zu werden. Dies bringt gewisse finanzielle Hilfen und beratende Unterstützungen, wie bereits oben in der Tabelle beschrieben.

Finanzielle Erleichterungen. Auch wenn die finanziellen Leistungen nicht zu vergleichen sind mit den Pflegegraden 2 bis 5, so sollen diese Leistungen doch eine Erleichterung darstellen. Sei es nun, daß damit eine Haushaltshilfe oder eine Beschäftigungstherapie oder einfach eine Alltagsbegleitung für ein paar Stunden im Monat finanziert wird. 

 

 

Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Pro Maßnahme stehen Ihnen bis zu 4.000 Euro zu. Das ist ein nicht zu verachtender Anteil, wenn eine Wohnraumsanierung ansteht. Gerade behindertengerechte Badumbauten oder der Einbau eines Treppenlifts können sehr viel Geld kosten.

Aber nicht nur die großen Umbauten können damit finanziell unterstützt werden, sondern auch kleinere Umbaumaßnahmen, sogar ein Umzug in eine behindertengerechte Wohnung, falls dies erforderlich ist.

Pflegehilfsmittel. Zu den Pflegehilfsmitteln gehören Bettschutzeinlagen, Desinfektionsmittel für die Hände und Gegenstände, Mundschutz, Fingerlinge, Schutzschürzen. Die kostenlosen Pflegehilfsmittel können Sie sich auch bequem per Abo ins Haus liefern lassen.

Regelmäßige Beratungen und Pflegekurse. Sie erhalten umfassende Pflegeberatung durch Pflegedienste oder Pflegeberater, auch in der häuslichen Umgebung. Ebenso können die Angehörigen an kostenlosen Pflegekursen teilnehmen. 

Meine Buchempfehlungen

Die Eckdaten zum Pflegegrad 1 in Kürze

  • Personen, denen bis Ende 2016 die Pflegestufe 0 abgelehnt wurde, haben nun unter bestimmten Voraussetzungen die Chance, den Pflegegrad 1 zu erhalten.
  • Menschen mit einer geringen Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und daraus resultierend einem geringen Pflegeaufwand können den Pflegegrad 1 beantragen. Man spricht auch von einem „vorbeugenden Pflegegrad“, da es den Pflegebedürftigen mit diesen Leistungen ermöglicht werden soll, eine Verschlechterung ihrer gesundheitlichen Situation zu vermeiden.
  • Voraussetzung für den Pflegegrad 1 ist nach dem Neuen Begutachtungsassessment (NBA) eine Punktezahl von 12,5 bis 27.
  • Personen, die in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt sind, werden nicht in den Pflegegrad 1 eingestuft, sondern höher.
  • Der Pflegegrad 1 ist neu und mit keiner Pflegestufe zu vergleichen. Wer bisher Pflegestufe 0 hatte, wird automatisch in Pflegegrad 2 übergeleitet und nicht in Pflegegrad 1.
  • Menschen mit dem Pflegegrad 1 sind insoweit eigenständig, dass Sie keine nächtlichen Hilfen und tagsüber keine Präsenz von Pflegepersonen benötigen.

Im Pflegegrad I werden Personen eingestuft, die geringfügige Hilfe und Unterstützung benötigen z.B. bei der:

 

Alltagsbegleiter ab 15 Euro die Stunde

 

Welche Leistungen können mit dem Entlastungsbetrag verrechnet werden

Was bis Ende 2016 Betreuungs- und Entlastungsleistungen hieß, heißt ab 2017 Entlastungsbetrag.

Prinzipiell erhalten Personen mit Pflegegrad 1 keine Pflegesachleistungen, Kurzzeit- oder Verhinderungspflege, allerdings kann ausnahmsweise der Entlastungsbetrag dazu herangezogen werden.

Somit können mit dem Entlastungsbetrag folgende Leistungen in der häuslichen Pflege verrechnet werden:

Können die Gelder für den Entlastungsbetrag auch gesammelt werden

Der Entlastungsbetrag muss nicht monatlich verbraucht werden. Nicht aufgebrauchte Leistungen können in die Folgemonate des laufenden Kalenderjahres übertragen werden.

Wird der für das laufende Jahr zustehende Entlastungsbetrag nicht gesamt aufgebraucht, kann er sogar ins Folgejahr mit übertragen werden. Allerdings verfallen die Ansprüche, wenn diese nicht bis spätestens zum 30.06. des Folgejahres in Anspruch genommen wurden.

Die Übertragung der Ansprüche auf die nächsten 6 Monate des Folgejahres ist gesetzlich geregelt und muss nicht beantragt werden.

Rentenbeitragszahlung für Pflegepersonen

Auch ein ganz wichtiger Punkt beim Pflegegrad 1 ist, dass die Pflegepersonen von der Pflegekasse keine Rentenbeitragszahlungen zur Rentenversicherung erhalten. Dies ist erst ab dem Pflegegrad 2 möglich.

Mehr über Rentenbeitragszahlungen für Pflegepersonen lesen Sie in meinen Beiträgen

 

 

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Mein Tipp

1. Auch die pflegenden Angehörigen sind oft nicht mehr so gesund wie sie es glauben oder wünschen. Steht doch der pflegebedürftige Mensch meist mehr im Blickpunkt der Pflege.

2. Schauen Sie nach sich selbst. Prüfen Sie, ob für Sie nicht wenigstens der Pflegegrad 1 in Frage kommt und Sie die finanziellen Hilfen auch für sich in Anspruch nehmen können.

3. Stehen wohnumfeldverbessernde Maßnahmen an? Diese werden nicht PRO Haushalt von der Pflegekasse übernommen, sondern pro pflegebedürftiger Person IN einem Haushalt. Die Genehmigung der Zuschüsse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen ist von der Notwendigkeit der Umbaumaßnahme abhängig.

Fazit

Viele Menschen glauben, eine Pflegebedürftigkeit würde erst bestehen, wenn der Betroffene das Bett nicht mehr verlassen kann. In diesem Zustand ist dann wahrscheinlich schon der Pflegegrad 4 erforderlich.

Prüfen Sie deshalb, inwieweit bei Ihnen oder Ihrem Angehörigen nicht doch eine Einstufung in einen Pflegegrad erforderlich und möglich wäre.

Nehmen Sie die kostenlose Beratung in einem Pflegestützpunkt in Anspruch.

Gesetzestexte

Pflegeberatung nach § 7a SGB XI
Beratungsgutschein nach § 7b SGB XI
Beratung in der eigenen Häuslichkeit nach § 37 Absatz 3 SGB XI
Zusätzliche Leistungen für Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen nach § 38a SGB XI
Pflegekurse nach § 45 SGB XI
Zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen (Betreuungsgeld) nach § 45 SBB XI

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Bildquelle: Fotolia 123201793

 

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1 comment for “Pflegegrad 1 – Chance für finanzielle Unterstützung bei geringer Pflegebedürftigkeit

  1. Nora Zimmermann
    4. Dezember 2016 at 0:10

    Ihre Beiträge waren mir eine große Hilfe. Sehr verständlich geschrieben! Ich bekam auf alle Fragen eine Antwort. Danke..

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