Buchbesprechung: Gute Tochter – Böse Tochter?


Wenn die eigene Mutter dement wird, beginnt für die meisten Töchter eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Aggression und Ängste wechseln sich mit Überforderung, Selbstvorwürfen aber auch mit Wut und Mitleid.

Vom Erkennen der Demenz bis zur Akzeptanz und daraus resultierend dem friedlichen Umgang mit dem dementen Menschen, ist es oft ein langer Weg.

Warum sich gerade Töchter so schwer tun, wenn die Mutter dement wird, erklärt die Autorin Edith Marmon in ihrem Buch Gute Tochter – Böse Tochter?: Die Mutter-Tochter-Beziehung im Spannungsfeld der Demenz

Ich persönlich fand an diesem Buch sehr spannend, dass es nicht primär um die Demenz, ihre Ursachen, Auswirkungen oder Heilungschancen geht.

Zentraler Mittelpunkt dieses Buches ist die gestörte Mutter-Tochter-Beziehung, ausgelöst durch die Demenz. Plötzlich ist nichts mehr wie vorher.

Die Mutter, die der Tochter von Geburt an Schutz und Liebe gibt, die verantwortlich für deren Persönlichkeitsentwicklung ist, die sie prägt und formt, entspricht plötzlich nicht mehr dem Bild, das die Tochter all die Jahre von der Mutter in sich trug.

Edith Marmon zeigt anhand von anschaulichen Beispielen, wie die fragile Mutter-Tochter-Beziehung von Geburt an Schritt für Schritt aufgebaut, geprägt und beeinflusst und letztendlich durch die Demenz gestört wird.

Gute Tochter – Böse Tochter? will den pflegenden Töchtern zeigen, wie es zu diesen unerklärlichen Gefühlen wie Aggression oder Wut auf die eigene, hilflose, demenziell veränderte Mutter kommt. Die Autorin will aber auch den Töchtern Mut machen, zu ihren Gefühlen zu stehen und vor allem, diese zu verstehen.

Denn nichts ist für Pflegende schlimmer, als sich Selbstvorwürfe zu machen.

Die Autorin setzt auf die Weisheit von Märchen und Mythen und nimmt die Leserinnen und Leser mit auf eine große Entdeckungsreise, die dabei helfen kann, die Zeit der Pflege auch als eine persönliche Entwicklungschance zu begreifen und eine Rückkehr in die gemeinsame Bezogenheit ermöglicht.

Mein ganz persönliches Fazit zu diesem Buch

Die Autorin geht hier explizit auf die Beziehung zwischen Tochter und Mutter ein. Doch beim Lesen dieses Buches wird es den Männern hier vielleicht genauso gehen wie mir – denn: Ich habe mich an vielen Passagen selbst wiedergefunden.

Plötzlich ist man nicht mehr der Sohn. Von Knall auf Fall ist man der Verantwortliche für die eigenen Eltern, derjenige, der für die Eltern einschneidende Entscheidungen treffen und zu deren Wohl handeln muss. Darauf wird man nirgendswo vorbereitet, dafür gibt es keine Schule.

Auch nicht auf die zwiespältigen Gefühle, die daraus entstehen. Obwohl die Eltern handlungsunfähig sind, fühlt man sich, als hätte man sie entmündigt. Dabei führt man Entscheidungen lediglich so aus, wie sie es selbst auch getan hätten.

Für beide Parteien – die Eltern wie die erwachsenen Kinder – keine einfache Situation, wenn plötzlich der Spieß umgedreht wird.

Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie viele gute Anregungen in diesem Buch finden werden.

Weitere Beiträge zum Thema Demenz

 

Sie möchten immer die neuesten Beiträge dieses Blogs lesen?
Hier können Sie sich in unseren kostenlosen Newsletter eintragen

© by www.Pflege-durch-Angehoerige.de

Mit Angebotsvergleich bis zu 30 % sparen

Mit Angebotsvergleich bis zu 30 % sparen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*