Pflege durch Angehörige

Nächtliche Unruhe bei Demenz: Ursache und Abhilfe

 

Püreemenüs von Winvitalis

Püreemenüs

Bei Menschen mit Demenz/Alzheimer kann es sehr leicht passieren, dass sie das Zeitgefühl verlieren und damit der Tag-Nacht-Rhythmus gestört ist.

Das hat zur Folge, dass die Person mit Demenz nachtaktiv wird. Sie kann nicht mehr einschlafen, wird nervös und unruhig, steht auf, ist gelangweilt, einsam und sucht eine Beschäftigung oder verlässt gar die Wohnung.

Die nächtliche Aktivität führt jedoch dazu, dass der demenziell veränderte Mensch tagsüber müde wird und öfter mal einschläft. Doch diese Zeit, die er tagsüber „verschläft“, benötigt er in der Nacht nicht mehr und wird deshalb aktiv.

Eine der vielen weiteren Ursachen für die Tag-Nacht-Umkehr liegt auch darin, dass die Betroffenen tagsüber nicht mehr genügend ausgelastet und zu wenig körperlich aktiv sind, ihnen langweilig ist und auch deshalb einfach mal einnicken.

 

 

Was kann gegen die nächtliche Unruhe bei dementen Menschen unternommen werden?

Es ist wichtig, dass sowohl der dementiell veränderte Mensch als auch die im häuslichen Umfeld lebenden Angehörigen nachts wieder durchschlafen können.

Die Ursachen für die nächtliche Unruhe können sehr unterschiedlich sein und sind auch abhängig vom Grad der Demenz und der Person selbst.

Ich möchte Ihnen mit diesem Beitrag einige Ursachen aufzeigen und Lösungsmöglichkeiten anbieten. In der Demenzbetreuung sollte immer darauf geachtet werden, dass es keine universelle Lösung gibt, sondern einfach ausprobiert werden muss, was dem Betroffenen gut tut und ihn beruhigt.

 

Durch Beschäftigung den Schlaf-Wach-Rhythmus verändern

Demente Menschen sollten nicht als klassisch „krank“ angesehen werden, denen man alle Arbeiten abnehmen muss. Gerade Menschen mit Demenz brauchen eine Tagesstruktur und eine Beschäftigung.

Menschen mit Alzheimer fallen oftmals aus Langeweile und Unterforderung tagsüber in einen Dämmerschlaf und benötigen somit nachts weniger Schlaf. Werden die Betroffenen am Tage ausreichend gefordert und beschäftigt, kann dafür gesorgt werden, dass sie tagsüber nicht mehr und dafür nachts besser und länger schlafen.

Es gibt viele Möglichkeiten, demente Menschen zu beschäftigen. Die Beschäftigungsart ist jedoch auch immer abhängig vom Grad der Demenz:

  • Spaziergänge an der frischen Luft sind sehr gut geeignet. Zum einen sind die Pflegebedürftigen körperlich aktiv und zum anderen wird mit dem Tageslicht die Tageszeit signalisiert.
  • Je ausgelasteter ein Mensch mit Demenz ist, umso eher wird er zur Ruhe kommen. Dazu zählen auch Spiele und Gedächtnistraining. Mittlerweile gibt es viele Spiele, speziell um Menschen mit Demenz zu aktivieren und zu fördern. Eine schöne Idee sind auch die Gelingt-immer-Puzzle, die ein frustrationsfreies Spielen gewähren, da die Puzzleteile immer passen, egal wie sie gelegt werden. So können Erfolgserlebnisse erzeugt werden.
  • Demenziell veränderte Frauen können noch in viele Hausarbeiten mit eingebunden werden. Kartoffeln schälen, Staub saugen, Servietten falten, beim Kochen oder Backen helfen. Männer mit Demenz können vielleicht bei technischen Arbeiten mithelfen. Hier ist immer wichtig herauszufinden, was dem Betroffenen Spaß macht, wo er sich engagieren kann. Menschen die ohne Demenz schon keinen Spaß an Bastelarbeiten hatten, werden es mit Demenz vermutlich auch nicht mehr bekommen.
  • Menschen mit Demenz suchen nach Berührung, wollen ertasten. Mit Nesteldecken oder Haptiprodukten erhalten die Betroffenen wieder ganz unterschiedliche Anreize für die Sinne, was beruhigend wirkt.

 

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Rituale und Tagesstruktur bei demenziell veränderten Menschen

Für demente Menschen ist eine geordnete Tagesstruktur ganz wichtig. Sie können sich daran orientieren.

  • Deshalb sollten zum Beispiel die Mahlzeiten immer zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden.
  • Rituale wie zum Beispiel ein Tischgebet signalisieren, dass jetzt gegessen wird.
  • Zur Tagesstruktur kann auch das tägliche gemeinsame Kochen gehören.
  • Die Betreuungsperson sollte darauf achten, dass aufregende Aktivitäten nicht mehr am Abend durchgeführt werden. Der Abend sollte ruhig und entspannt eingeleitet werden, so dass auch der Mensch mit Alzheimer herunterfahren kann.
  • Zu frühes Ins-Bett-gehen kann auch wiederum dazu führen, dass der Betroffene nachts wieder viel zu früh aufwacht. Hier muss ausgelotet werden, was die ideale Schlafenszeit ist, um ein Durchschlafen zu erlangen.
  • Beruhigende Gespräche am Abend können ebenfalls für einen besseren Schlaf sorgen.

 

Richtiger Zeitpunkt für Getränke

Auch über die Getränke kann viel gesteuert werden.

Koffeinhaltiger Kaffee und Tee sollten nicht zu spät am Nachmittag gegeben werden. Sie würden den Kreislauf des dementen Menschen eher anregen.

Auch abends sollte nicht zu viel Flüssigkeit verabreicht werden, damit der Betroffene nachts nicht unnötig oft zur Toilette gehen muss.

Manchen dementiell Veränderten hilft auch ein kleiner Schlaftrunk, wie zum Beispiel heiße Milch mit Honig.

Alkohol kann auch zur Störung des Nachtschlafs beitragen.

 

Auswirkungen von Medikamenten auf Demenz

Auch Medikamente können dazu beitragen, dass es zu nächtlichen Schlafstörungen kommt. Andererseits kann mit dem Einsatz von Medikamenten dafür gesorgt werden, dass der Betroffene nachts besser schlafen kann.

Klären Sie beide Varianten mit dem Hausarzt/Facharzt ab.

 

Bett und Matratze können ebenfalls für nächtliche Unruhe sorgen

Menschen mit Demenz müssen sich selbst spüren. Leider geht dieses Gefühl nachts oftmals verloren, der Mensch mit dem dementiellen Syndrom wird ängstlich, nervös und unruhig, da er sich selbst nicht mehr richtig spürt. Er „sucht nach sich“, sucht nach Berührung, will sich wahrnehmen.

Um sich besser spüren zu können, hilft bei manchen Betroffenen schon eine schwerere Bettdecke.

Auch auf die richtige Matratze kommt es an. Sie sollte nicht zu weich sein, da auch hier das Körpergefühl verloren gehen kann. Außerdem ist bei zu weichen Matratzen das Drehen im Bett viel schwerer und mit viel mehr Eigenaufwand verbunden, als bei etwas härteren Matratzen. Bei weichen Matratzen liegt es sich manchmal wie in einer Kuhle, das mag zwar angenehm sein, aber die demenziell veränderten Menschen haben eben oft nicht mehr die Kraft, um selbst die Position zu verändern und werden damit automatisch wach. Und ist der Betroffene erst einmal wach, kann es dauern, bis er wieder einschläft.

Bei Menschen die nachts unbeaufsichtigt das Bett verlassen und sich damit selbst gefährden, sollten Sie ein Niederflurbett beantragen, das so weit heruntergefahren werden kann, dass für den Betroffenen ein nahezu gefahrloses Verlassen des Betts möglich ist.

Hilfreich sind auch Matratzen, die vor das Bett gelegt werden, dass sich der pflegebedürftige Mensch nicht verletzt, wenn er aus dem Bett aussteigt und dabei unglücklich fällt.

 

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Wärme und Körperhygiene bei Menschen mit Demenz

Wer kalte Füße hat, kann schlechter einschlafen. Mit Bettsocken kann da nachgeholfen werden.

Überhaupt sorgt Kälte eher für ein ungutes Gefühl. Eine Wärmflasche im Bett kann deshalb beruhigend und entspannend wirken.

Entspannungsbäder am Abend sorgen gleichzeitig für Ruhe und für Wärme.

Demente Menschen, bei denen Inkontinenzmaterial verwendet wird, werden oft unruhig, wenn die Windeln feucht und nass sind. Auch hier hilft es wieder, abends und nachts die Trinkmenge so anzupassen, daß der Betroffene nicht unnötig nass liegt. Wichtiges dazu lesen Sie in meinem Beitrag Demenz verstehen – Teil 9: Tipps für demente Menschen mit Inkontinenz.

Extra-Tipp: Wer einen Pflegegrad hat und zu Hause gepflegt wird, hat jeden Monat Anspruch auf kostenlose Pflegehilfsmittel. Diese können Sie hier einfach bestellen.

 

Demente Menschen können oft keinen Schmerz mehr äußern

Schmerzen jeglicher Art können ebenfalls für Unruhe sorgen. Bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz ist es meist sehr schwierig herauszufinden, ob der Betroffene Schmerzen hat und wo diese sind. Mehr dazu lesen Sie bitte in meinem Beitrag Demenz verstehen – Teil 5: Wenn demente Menschen Schmerzen äußern

 

Geeignete Therapien für demente Menschen

Menschen mit Demenz haben zusätzlich oft auch Depressionen. Depressionen wiederum können ebenso dafür verantwortlich sein, dass die Betroffenen nachts nicht schlafen können und sich ständig hin und her drehen, die Gedanken nicht zur Ruhe kommen und ein Einschlafen schwierig wird. Auch hier kann ein Facharzt Auskunft geben, ob eine entsprechende Psychotherapie angebracht ist.

Unter Umständen helfen auch Lichttherapien. Denn Licht und Dunkelheit signalisieren Tag und Nacht, und sind damit ein natürliche Zeitgeber. Halten Sie den dementiell veränderten Menschen mit Licht vom Schlafen ab. Dafür gibt es spezielle Tageslichtlampen, um den Schlaf-Wach-Rhythmus wieder ins Lot zu bringen.

 

Sicherheit für den Menschen mit Demenz

Bei sturzgefährdeten Menschen ist für optimale Sicherheit zu sorgen, wenn sie nachts desorientiert das Bett oder den geschützten Raum verlassen. Hier leisten Trittmatten oder ein Bettkantenalarm gute Dienste. Diese Hilfsmittel signalisieren den Pflegepersonen, dass der demente Mensch dabei ist, das Bett oder Haus zu verlassen.

 

Problematik für die pflegenden Angehörigen

Mit der nächtlichen Unruhe ist nicht nur bei der dementen Person der Schlaf gestört, sondern auch bei den Angehörigen, die mit im Haushalt leben. Die ständige Angst, dass der Angehörige nachts stürzt und sich verletzt, vielleicht den Herd anschaltet oder gar das Haus verlässt, sorgt für einen unruhigen Schlaf bei den Pflegenden.

Der Schlafmangel kann bei den Angehörigen zu Nervosität, Gereiztheit, Aggressionen und Müdigkeit führen. Schnell kann in solch einer Situation das harmonische Miteinander empfindlich gestört werden.

Auf Dauer ist das für niemanden eine befriedigende Lösung und es muss Abhilfe geschaffen werden.

Wenn die Gefahr besteht, dass pflegende Angehörige darunter leiden, dass der demente Mensch Tag und Nacht durcheinander bringt und deshalb selbst nicht mehr richtig schlafen, sollte daran gedacht werden, selbst eine Auszeit zu nehmen. Niemand kann auf Dauer sinnvoll pflegen, wenn ein permanenter Schlafentzug vorherrscht.

  • Denken Sie daran, andere Familienangehörige immer wieder zu bitten, die häusliche Pflege aushilfsweise für Sie zu übernehmen.
  • Außerdem kann eine Tagespflege in Anspruch genommen werden, um wenigstens tagsüber mal für sich selbst Ruhe zu finden.
  • Die Nachtpflege soll ab 2017 weiter ausgebaut werden. Damit haben Angehörige die Möglichkeit, den Pflegebedürftigen immer wieder über Nacht in eine Pflegeeinrichtung zu übergeben, um selbst regenerieren zu können.

 

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