Pflegegrad beantragen – Alles was wichtig ist und worauf Sie achten müssen.

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Wer physische oder psychische Einschränkungen hat, die so beachtlich sind, dass Hilfe und Unterstützung von anderen Personen notwendig ist, sollte einen Pflegegrad beantragen.

Die Erteilung eines Pflegegrades ist jedoch von verschieden Faktoren abhängig. In diesem Beitrag möchte ich deshalb sehr ausführlich darauf eingehen, wie ein Pflegegrad beantragt wird und auf was beim Beantragen eines Pflegegrades geachtet werden muss.

Es ist wichtig, Fehler zu vermeiden. Denn eine falsche Bewertung bei der Begutachtung kann dazu führen, dass kein Pflegegrad oder ein zu niedriger erteilt wird. Von der Höhe des Pflegegrades sind jedoch Ihre Pflegeleistungen abhängig.

 

Wer hat Anspruch auf einen Pflegegrad

Das Pflegegesetz definiert sehr genau, wer pflegebedürftig ist:

Pflegebedürftig im Sinne der Pflegeversicherung (Sozialgesetzbuch SGB XI) sind Personen, die

  • körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder
  • gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen

nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen können.

Mehr Infos: Wer ist per Definition pflegebedürftig.

 

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Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie oder Ihr Angehöriger Anspruch auf einen Pflegegrad (eine Pflegestufe) haben, können Sie sich mit meinem kostenlosen Pflegegradrechner online einen Überblick verschaffen.

Bedenken Sie jedoch, dass dies nur eine grobe Einschätzung sein kann. Letztendlich sind nur die Bewertung des Medizinischen Dienstes (MDK) und die Zusage der Pflegekasse ausschlaggebend.

 

Wie wird der Pflegegrad beantragt

Wenn Sie einen Antrag auf Pflegeleistung stellen, sollten Sie einiges beachten und auch unbedingt Hilfe in Anspruch nehmen. Ich verweise hier an den entsprechenden Stellen, wo Sie zusätzliche Hilfe in Anspruch nehmen können und was Sie beachten sollten.

Ausserdem sollten Sie dazu meinen Beitrag über Anlaufstellen und Ansprechpartner für pflegebedürftige Menschen lesen.

In 7 Schritten einen Pflegegrad beantragen und erhalten.

 

1. Pflegebedürftigkeit abklären

Wer erkennt eigentlich eine Pflegebedürftigkeit?

Leider wird eine Pflegebedürftigkeit oft viel zu spät erkannt oder akzeptiert. Die wenigsten Menschen möchten als Pflegefall angesehen werden, schämen sich gar ihrer körperlichen oder geistigen Defizite.

Aber nur wer einen Pflegegrad hat, kann auch entsprechende Pflegeleistungen empfangen. Denn Pflegebedürftigkeit ist teuer. Falsche Scham ist deshalb fehl am Platz. Bei den meisten Pflegebedürftigen entsteht eine finanzielle Versorgungslücke im Pflegefall.

Es gibt Pflegefälle, die von einem Tag auf den anderen eintreten, wie zum Beispiel nach einem Unfall.

 

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Bei Krankheiten oder Pflegebedürftigkeit im Alter kann es aber auch ein schleichender Prozess sein. Oftmals wird den Familienangehörigen bewusst, dass der Angehörige immer mehr Unterstützung benötigt, um die Verrichtungen des täglichen Lebens erledigen zu können.

Wenn eine Person im Krankenhaus oder einer Reha-Einrichtung ist, kann schon dort vom Sozialdienst eine Einschätzung erfolgen, ob der kranke Mensch pflegebedürftig sein wird. Auch der Hausarzt kann feststellen, ob eine Pflegebedürftigkeit vorliegt.

 

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2. Antrag auf Pflegeleistung stellen

Wer darf einen Antrag auf die Erteilung eines Pflegegrades stellen?

Den Antrag auf Pflegeleistung muss der Pflegebedürftige stellen und unterschreiben. Pflegende dürfen keinen Antrag stellen. Nur wenn die pflegebedürftige Person selbst keinen Antrag mehr stellen kann, können vertretungsberechtigte Personen, die über eine entsprechende Vollmacht verfügen, einen Antrag stellen. Legen Sie die Vollmacht dann bitte dem Antrag bei.

Der Antrag kann entweder

  • formlos schriftlich oder
  • telefonisch oder
  • persönlich

gestellt werden.

Wo wird der Antrag auf einen Pflegegrad gestellt?

Der Antrag wird bei der Pflegekasse gestellt. Die Pflegekasse/Pflegeversicherung ist im Prinzip Ihre Krankenkasse/Krankenversicherung und hat somit meist auch die gleiche Anschrift wie Ihre Krankenkasse.

ExtraTIPP: Stellen Sie den Antrag am besten schriftlich. Damit vermeiden Sie unter Umständen viel Ärger, denn: Wird der Pflegegrad genehmigt, erhalten Sie ab dem Tag der Antragstellung Pflegeleistungen. Dies lässt sich am einfachsten mit einem schriftlichen Antrag belegen.

Musterbrief: Formloses Schreiben zum Beantragen einer Pflegeleistung

 

3. Formular ausfüllen

Nachdem Sie mit der Pflegekasse Kontakt aufgenommen haben, werden Sie unter Umständen (nicht zwingend) ein Formular erhalten. Bitte füllen Sie dieses sorgfältig aus und schicken es an Ihre Pflegekasse zurück.

Neben einigen Daten zur Person, werden in dem Fragebogen auch noch andere Fragen gestellt.

1. Sie werden über das Formular gefragt, ob Sie Pflegegeld, Sachleistungen (also die Dienstleistung eines Pflegedienstes) oder Kombipflege in Anspruch nehmen möchten. Wenn Sie einen Pflegedienst mit beauftragen möchten, empfehle ich Ihnen, gleich im Antrag Kombipflege anzukreuzen. Pflegen Sie selbst, erhalten Sie das volle Pflegegeld. Nehmen Sie ständig oder ausnahmsweise einen Pflegedienst hinzu, erhalten Sie nur noch einen prozentualen Anteil am Pflegegeld.

2. Haben Sie nur Pflegegeld angekreuzt und wollen später auf Kombipflege umsteigen, müssen Sie das nochmals separat der Pflegekasse mitteilen und beantragen. DENN: Kombipflege muss beantragt werden und erfolgt nicht automatisch.

3. Eine weitere Frage ist, wer die Pflegepersonen sind. Tragen Sie hier die Namen der pflegenden Personen ein. Wer länger als 10 Stunden pro Woche pflegt, erhält die Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt. Dies gilt seit dem 01.07.2017 auch für pflegende Rentner, die einen Angehörigen pflegen. Pflegen Sie mehrere Personen (zum Beispiel den Vater und die Mutter, beide mit Pflegegrad) können Sie die Pflegezeiten addieren und erhalten für das Pflegen von mehreren Personen die Rentenbeitäge bezahlt – die sogenannte Additionspflege.

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Pflegen mehrere Personen, bekommen nur die Personen die Rentenversicherungsbeiträge bezahlt, die auch tatsächlich über 10 Stunden/Woche pflegen.

4. Außerdem wird man Sie fragen, wer noch über die MDK-Begutachtung benachrichtigt werden soll. Lassen Sie die pflegebedürftige Person nie alleine begutachten. Tragen Sie deshalb die Personen ein, die bei der Begutachtung mit anwesend sein werden (pflegende Familienangehörige, Mitarbeiter Pflegedienst oder Pflegestützpunkt usw.).

 

Wer hilft beim Ausfüllen des Antrags auf Pflegeleistungen

Wenn Sie unsicher beim Ausfüllen des Formulars für den Pflegegradantrag sind, können Sie sich professionelle Hilfe nehmen. Unter anderem können Sie bei den Pflegestützpunkten Hilfe erhalten. Wenn Sie bereits einen Pflegedienst haben oder wissen, dass Sie einen Pflegedienst benötigen, können Sie auch dort den Sozialdienst in Anspruch nehmen. Außerdem gibt es kostenpflichtige Pflegeberater, die Ihnen helfen können.

Zur Info: Ein Pflegegrad kann nicht rückwirkend beantragt werden.

 

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Wie geht es weiter?

  • Nachdem die Pflegekasse Ihren Antrag erhalten hat, wird dieser bearbeitet.
  • Der Medizinische Dienst der Krankenkasse wird sich mit Ihnen in Verbindung setzen und – in der Regel – schriftlich einen Termin für die Begutachtung bei Ihnen zu Hause vereinbaren.
  • Sollten Sie den Termin nicht wahrnehmen können, vereinbaren Sie bitte einen Alternativtermin mit dem Gutachter.

 

4. Vorbereitung für die Begutachtung durch den Gutachter des MDKs

Die MDK-Begutachtung ist der schwierigste Teil bei der Beantragung eines Pflegegrades. Bei der MDK-Begutachtung kann sehr viel falsch gemacht werden.

Bereiten Sie sich deshalb gut vor:

  • Führen Sie über einen Zeitraum von 1 bis 2 Wochen ein Pflegetagebuch. In meinem Beitrag „Warum es wichtig ist, ein Pflegetagebuch zu führen“ finden Sie einen Link auf ein Pflegetagebuch, aktuell für die MDK-Begutachtung ab 2017 nach Pflegemodulen. Vermerken Sie in dem Pflege-Tagebuch auch, wo besonders viel zusätzliche oder aufwändige Unterstützung benötigt wird.
  • Richten Sie alle notwendigen Krankenhaus-, Arzt-, Rehaberichte usw. zusammen. Am besten gleich in Kopie – dann kann der Gutachter diese mitnehmen.
  • Bereiten Sie auch die zu begutachtende Person auf die Begutachtung vor. Mehr dazu in meinem Beitrag „Tipps, wie Sie Fehler bei der MDK-Begutachtung vermeiden“.
  • Für den Begutachtungstermin sollten Sie sich fachliche Unterstützung hinzunehmen. Es sollte ein Mitarbeiter des Pflegestützpunktes oder eines Pflegedienstes bei der MDK-Begutachtung mit anwesend sein. Diese Personen sind meist viel versierter als wir pflegenden Angehörigen und können dem Gutachter die Pflegesituation genau erläutern.

 


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5. Begutachtung des Antragstellers

Der Gutachter des MDKs kommt zum vereinbarten Zeitpunkt zu Ihnen nach Hause um die pflegebedürftige Person zu begutachten. Das nennt sich: Verfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit. Stellen Sie dabei den Alltag so dar wie er tatsächlich ist. Beschönigen Sie nichts und dramatisieren Sie auch nicht Dinge, die so nicht vorhanden sind.

Die Begutachtung erfolgt nach dem Neuen Begutachtungsassessment (NBA) über 6 Module des täglichen Lebens. Es wird die Selbstständigkeit des Antragstellers bewertet. Das heißt, in das Gutachten fließt ein, was der Antragsteller noch selbst machen kann und wo und in welchem Umfang er Hilfe benötigt.

Folgende Lebensbereiche werden begutachtet

  • Modul 1 – Mobilität
  • Modul 2 – Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Modul 3 – Verhalten und psychische Problemlagen
  • Modul 4 – Selbstversorgung
  • Modul 5 – Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Modul 6 – Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

 

 

Mehr dazu finden Sie in meinem Beitrag Die neuen Pflegegrade: So erfolgt die MDK-Prüfung mit den neuen Modulen

 

Was ist, wenn die zu begutachtende Person im Krankenhaus ist?

Was ist eine Entscheidung auf Aktenlage?
Was ist, wenn der Pflegebedürftige die Begutachtung verweigert?

Wie geht es nun weiter

Der Gutachter des Medizinischen Dienstes erstellt aufgrund seiner Befragungen und seiner Begutachtung ein Gutachten. Das Gutachten enthält eine Empfehlung für eine Einstufung in einen Pflegegrad.

Dieses Gutachten geht an die Pflegekasse. Die Pflegekasse kann sich an die Empfehlung des MDKs halten, muss aber nicht. Das bedeutet, dass letztendlich die Pflegekasse über den Pflegegrad entscheidet.

 

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Sie erhalten dann von der Pflegekasse einen Bescheid über die Eingruppierung in den Pflegegrad, die Ablehnung des Pflegegrades oder die Höherstufung des Pflegegrades.

 

6. Bescheid über Erteilung oder Ablehnung eines Pflegegrades

Die Pflegekasse ist verpflichtet, Ihnen innerhalb von 25 Arbeitstagen einen Bescheid über Ihren Antrag zukommen zu lasen. Wird die Frist überschritten, haben Sie das Recht, 70 Euro pro angefangene Woche für die Fristüberschreitung zu verlangen.

Diese Regelung wurde jedoch für den Zeitraum vom 01.01 bis 31.12.2017 aufgehoben, da mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz zu rechnen ist, dass die Anträge nicht so schnell abgearbeitet werden können, wie es das Gesetz vorgibt.

Gesetzestext-Auszug: § 18 Abs. 3b Satz 5 SGB XI.

 

7. Anerkennung oder Widerspruch über die Einteilung in einen Pflegegrad

Sie haben von der Pflegekasse nun einen Bescheid über die Einstufung in einen Pflegegrad erhalten – ODER eine Ablehnung für einen Pflegegrad erhalten.

Wichtig ist auf alle Fälle, dass Sie mit dem Bescheid der Pflegekasse auch das Gutachten des MDKs erhalten. Auf Basis dieses Gutachtens können Sie (oder ein fachkundiger Berater wie zum Beispiel ein Mitarbeiter eines Pflegestützpunktes) erkennen, ob alle Werte richtig erfasst wurden. Wenn Sie das Gutachten nicht erhalten haben, fordern Sie es bitte umgehend an, denn Sie haben ein Recht auf das Gutachten.

Wenn Sie mit der Eingruppierung einverstanden sind, müssen Sie nichts unternehmen und erhalten die Pflegeleistungen der Pflegeversicherung.

Wenn Sie nicht einverstanden sind mit der Eingruppierung in den Pflegegrad, müssen Sie innerhalb von 4 Wochen einen Widerspruch einlegen. (siehe dazu MDK)

 

Was sagen die Pflegegrade aus

Wenn Sie einen Pflegegrad beantragen, werden Sie nach Ihrer Selbstständigkeit und was Sie selbst noch erledigen können bzw. wobei Sie Hilfe benötigen, bewertet. Diese Bewertung wird dann in Punkte umgerechnet. Je mehr Punkte, umso höher der Pflegegrad.

 

Pflegegrad 1

  • bedeutet eine geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • Der Pflegegrad 1 ist nicht zu vergleichen mit irgendeiner Pflegestufe, wie es vor dem 01.01.2017 gab. Der Pflegegrad 1 enthält deutlich weniger Pflegeleistungen als die Pflegegrade 2 bis 5.
  • In Pflegegrad 1 wird eingestuft, wer im Gutachten 12,5 bis unter 27 Punkte erreichte.

 

Pflegegrad 2

  • bedeutet eine erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • In Pflegegrad 2 wird eingestuft, wer im Gutachten 27 bis unter 47,5 Punkte erreichte.

 

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Pflegegrad 3

  • bedeutet schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • In Pflegegrad 3 wird eingestuft, wer im Gutachten 47,5 bis unter 70 Punkte erreichte.

 

Pflegegrad 4

  • bedeutet schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • In Pflegegrad 4 wird eingestuft, wer im Gutachten 70 bis unter 90 Punkte erreichte.

 

Pflegegrad 5

  • bedeutet schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die Versorgung
  • In Pflegegrad 5 wird eingestuft, wer im Gutachten 90 bis 100 Punkte erreichte.

 

Wie läuft das Widerspruchsverfahren ab

Wenn Sie mit der Entscheidung der Pflegekasse nicht einverstanden sind, können Sie Widerspruch einlegen.

ExtraTIPP: In Deutschland werden jährlich ca. 30 % der Anträge auf Pflegeleistungen (bzw. Höherstufung) abgelehnt. Manche Ablehnungen sind mit Sicherheit berechtigt.

Andererseits ist es jedoch so, dass es sehr schwer für einen Gutachter ist, innerhalb von 1 – 2 Stunden die Gesamtsituation eines Antragstellers richtig zu erfassen. Die Begutachtung kann aufgrund des Zeitdrucks unter Umständen deshalb zu oberflächlich und unzureichend erfolgen.

Eine falsche Einschätzung kann aber die Einstufung in einen Pflegegrad kosten.

So funktioniert das Widerspruchsverfahren:

  1. Nach Erhalt des Bescheids der Pflegekasse müssen Sie innerhalb von 4 Wochen Widerspruch einlegen. Sie müssen den Widerspruch sehr gut vorbereiten. Mehr dazu lesen Sie in diesem Beitrag. Ein Formular für den Widerspruch erhalten Sie hier.
  2. Die Pflegekasse prüft aufgrund der Aktenlage und Ihrer fundierten Widerspruchserklärung den Fall.
  3. Die Pflegekasse kann entweder auf Aktenlage Ihren Widerspruch anerkennen oder sie schickt erneut einen Gutachter vom MDK für ein Zweitgutachten.
  4. Wird mit dem Zweitgutachten der Widerspruch abgelehnt, kann vor dem Sozialgericht geklagt werden.

 

Ab wann werden die Leistungen bezahlt

Wurde der Pflegegrad bzw. die Höherstufung genehmigt, werden die Pflegeleistungen rückwirkend ab dem Monat der Antragstellung gewährt und bezahlt.

Hierzu ein Beispiel

Herr Müller hat am

⇒ 29.03.2017 telefonisch bei der Pflegekasse ein Antragsformular auf Pflegeleistungen angefordert. Am
⇒ 31.03.2017 hat Herr Müller das ausgefüllte Antragsformular bei der Pflegekasse abgegeben. Die Begutachtung durch den MDK fand am
⇒ 15.04.2017 statt. Den Bescheid über die Einstufung in einen Pflegegrad erhielt er am
⇒ 02.05.2017.

Herr Müller erhält somit ab März 2017 Pflegeleistungen.

 

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Welche Leistungen erhalten Pflegebedürftige

Sobald der Pflegegrad genehmigt wurde, erhalten die Pflegebedürftigen der Pflegegrade 2, 3, 4 und 5 die nachfolgend aufgeführten Pflege-Leistungen.

Personen mit Pflegegrad 1 erhalten weniger Leistungen – siehe dazu mein Beitrag „Pflegegrad 1 – Chance für finanzielle Unterstützung bei geringer Pflegebedürftigkeit

Diese Leistungen erhalten Sie von der Pflegekasse

  1. Pflegegeld
  2. Pflegesachleistungen (z.B. für einen Pflegedienst).
  3. Kombination von Pflegegeld und Pflegesachleistung. Die Höhe des Pflegegeldes können Sie sich mit meinem kostenlosen Pflegegeldrechner errechnen lassen.
  4. Tagespflege / Nachtpflege
  5. Kurzzeitpflege
  6. Verhinderungspflege
  7. Pflegeleistungen für vollstationäre Pflege
  8. Zuschuss zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen in Höhe von 4.000 Euro pro Maßnahme. Diese Gelder können für einen behindertengerechten Badumbau genauso beantragt werden wie für den Einbau eines Treppenlifts.
  9. Zusätzliche Betreuung und Aktivierung in stationären Pflegeeinrichtungen
  10. Entlastungsbetrag (bei häuslicher Pflege und bei teilstationärer Pflege) in Höhe von 125 Euro pro Monat
  11. Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel im Wert von 40 Euro pro Monat
  12. Hilfsmittel wie zum Beispiel Pflegebetten, Rollatoren oder Elektromobile usw.
  13. Beitragszahlung für die Pflegeperson(en) zur Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung sowie zur Unfallversicherung (unter gewissen Voraussetzungen)
  14. Pflegezeit und Familienpflegezeit
  15. Pflegekurse und Pflegeberatung
  16. Beratungseinsätze
  17. Leistungen des Persönlichen Budgets
  18. Anschubfinanzierung zur Gründung einer ambulanten Wohngruppe

* Bei den Positionen 1 – 4 ist die Höhe der Pflegeleistung abhängig vom Pflegegrad.

 

Höherstufung in einen anderen Pflegegrad

Der Grad der Selbstständigkeit kann sich im Laufe der Pflegebedürftigkeit verändern und es muss dann eine Höherstufung erfolgen. Die Einstufung in einen höheren Pflegegrad erfolgt im Prinzip genauso wie die Erstbeantragung eines Pflegegrades.

 

Was ist, wenn schon vor Erteilung eines Pflegegrades Hilfe benötigt wird

Es ist durchaus möglich, dass Sie bereits vor Erteilung und Genehmigung eines Pflegegrades Kurzzeitpflege, Pflege in einer vollstationären Einrichtung oder einen Pflegedienst in Anspruch nehmen müssen. Oft tritt bei einem Unfall die Pflegebedürftigkeit von einem auf den anderen Tag ein und es wird dann auch meist sehr schnell fremde Hilfe benötigt.

In diesem Fall müssen Sie in Vorleistung gehen und die Kosten für die Pflege selbst übernehmen. Nach Genehmigung des Pflegegrades übernimmt die Pflegekasse rückwirkend die Kosten für die Pflege ab dem Monat der Antragsstellung. Wird kein Pflegegrad genehmigt, werden auch keine Kosten übernommen.

Können Sie aus finanziellen Gründen nicht in Vorleistung gehen, können Sie unter gewissen Voraussetzungen Unterstützung beim Sozialamt beantragen.

 

Warum es wichtig ist, den richtigen Pflegegrad zu erhalten

Was für Vorteile hat ein Pflegegrad?

Bei Pflegebedürftigkeit von Vorteilen zu sprechen, ist eigentlich sehr unpassend. Trotzdem ist es so: Wer tatsächlich pflegebedürftig ist, sollte auch einen Pflegegrad beantragen. Denn Pflege ist sehr teuer und mit dem genehmigten Pflegegrad erhalten Sie auch finanzielle Leistungen wie Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Zuschüsse zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen usw.

Bei der häuslichen Pflege ist es besonders wichtig, in den richtigen Pflegegrad eingestuft zu werden, da zwischen einem höheren oder niedrigeren Pflegegrad sehr hohe finanzielle Unterschiede liegen können.

Bei der Pflege in einer Pflegeeinrichtung (Pflegeheim, Altenheim) spielt die Einordnung ab Pflegegrad 2 nicht mehr so eine große Rolle, da alle Bewohner eines Pflegeheimes einen einrichtungseinheitlichen Beitrag zahlen. Das heißt, jeder Bewohner zahlt den gleichen Betrag für die Pflege, unabhängig vom Pflegegrad.

Wie es sich finanziell auswirkt, wenn Sie in einen zu geringen Pflegegrad eingeteilt werden, entnehmen Sie bitte dieser Leistungstabelle.

 

Schnellüberblick

Leistungsbeschreibung PG 1 PG 2 PG 3 PG 4 PG 5
Pflegegeld für ambulante Pflege 0 € 316 € 545 € 728 € 901 €
Sachleistungen für ambulante Pflege 0 € 689 € 1.298 € 1.612 € 1.995 €
Tages- und Nachtpflege 0 € 689 € 1.298 € 1.612 € 1.995 €
Kurzzeitpflege 0 € 1.612 € 1.612 € 1.612 € 1.612 €
Verhinderungspflege 0 € 1.612 € 1.612 € 1.612 € 1.612 €
Betreuungs- und Entlastungsbetrag ambulant 125 € 125 € 125 € 125 € 125 €
Leistungen für stationäre Unterbringung, z.B. im Pflegeheim 125 € 770 € 1.262 € 1.775 € 2.005 €
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel 40 € 40 € 40 € 40 € 40 €
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen wie Zuschuss Badumbau, Türverbreiterungen, Treppenlift, usw. 4.000 € 4.000 € 4.000 € 4.000 € 4.000 €
Bundesdurchschnittlicher pflegebedingter Eigenanteil 0 € 580 € 580 € 580 € 580 €
Wohngruppenzuschlag für ambulante WGs 0 € 214 € 214 € 214 € 214 €

 

Leider ist es immer noch so, dass viele Menschen sich nicht trauen, einen Pflegegrad zu beantragen. Das kann folgende Gründe haben:

Entweder haben die Betroffenen das Gefühl, noch lange nicht pflegebedürftig zu sein, was oftmals eine Fehleinschätzung ist. Denn nicht erst, wenn man nur noch im Bett liegt, ist man pflegebedürftig. Pflegebedürftig können auch Menschen sein, die schwerere psychische Probleme haben.

Oder sie möchten noch nicht als pflegebedürftig gelten, weil sie dies vielleicht als persönliche Schwäche ansehen. Der langjährige Freund und Wegbegleiter kommt noch gut daher und selbst hat man körperliche Probleme. Vielen Personen fällt es schwer, das zuzugeben.

 

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