So summieren sich die Kosten im Pflegefall

Pflegekosten können die Betroffenen schnell in den finanziellen Ruin treiben
Pflegekosten können mitunter den Geldbeutel sehr stark belasten

Die Pflegekosten werden von der Bevölkerung stark unterschÀtzt.

4 von 10 Personen glauben, dass die Pflegekasse fĂŒr alle Kosten aufkommt und keine Eigenleistungen erbracht werden mĂŒssen. Das ist ein fataler Irrtum. Darum sind die wenigsten auf einen Pflegefall finanziell richtig vorbereitet. Hinzu kommt, dass viele Angehörige zeitlich die Pflege eines Angehörigen zu Hause nicht mehr leisten können, da das Aufgeben des Jobs schon aus finanziellen GrĂŒnden nicht möglich ist.

Laut PKV-Pflegedatenbank belaufen sich die Eigenanteile fĂŒr die Pflegeheimkosten auf monatlich 2.068 Euro im Bundesdurchschnitt. Wohlgemerkt: EIGENANTEIL von 2.860 Euro. Von diesen Kosten ĂŒbernimmt die Pflegekasse nichts mehr. Da muss jeder fĂŒr sich selbst vorsorgen.

Aber nicht nur die Kosten fĂŒr die Pflege im Heim werden stark unterschĂ€tzt, sondern auch die Kosten fĂŒr die Pflege zu Hause.

Die Pflegekasse deckt nicht alle Pflegekosten.

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Über die Pflegeversicherung können nicht alle Pflegekosten abgedeckt werden. Wer einen Pflegegrad hat, bekommt von der Pflegekasse gewisse Pflegeleistungen je Pflegegrad.

Das Pflegegeld deckt oft nur einen Teil der Kosten fĂŒr die Pflege ab, und wenn die Rente und das Vermögen der pflegebedĂŒrftigen Person nicht ausreichend sind, wird geprĂŒft, ob das Sozialamt oder die Kinder fĂŒr die Pflege aufkommen mĂŒssen. Lesen Sie dazu meinen Beitrag: Kinder mĂŒssen nicht zwingend fĂŒr Pflegeheimkosten der Eltern aufkommen.

Die Kosten im deutschen Pflegesystem sind schnell auf einen Nenner gebracht.

Entstandene Pflegekosten

abzĂŒglich Leistungen Pflegekasse

= PflegelĂŒcke

Diese PflegelĂŒcke mĂŒssen die Betroffenen selbst bestreiten.


Hinweis: Wer einen Pflegegrad hat und zu Hause gepflegt wird hat jeden Monat Anspruch auf kostenlose Pflegehilfsmittel. Diese können Sie hier einfach bestellen.


Kosten hÀusliche Pflege

Bei der ambulanten Pflege im hĂ€uslichen Umfeld sowie der stationĂ€ren Pflege im Pflegeheim mĂŒssen sich die Angehörigen auf hohe Pflegekosten gefasst machen. Dies gilt vor allem, wenn sehr viel fremde Hilfe – wie zum Beispiel ein Pflegedienst – in Anspruch genommen werden muss.

Oftmals reichen Pflegegeld und Pflegesachleistungen dann nicht mehr aus und es muss dann selbst dazu bezahlt werden. Das bedeutet in der Regel: Je höher der Pflegeaufwand umso höher die Pflegekosten.

Mit welchen Kosten ist nun fĂŒr die Pflege zu rechnen:

  • Kosten fĂŒr den Pflegedienst, welche ĂŒber die von der Pflegekasse bezahlten Pflegesachleistungen hinausgehen.
  • Kosten fĂŒr Pflegehilfen aus Osteuropa oder Deutschland.
  • Wer seine Wohnung aufgibt und in ein barrierefreies, betreutes Wohnen umzieht, hat in der Regel höhere Kosten als vorher.
  • Wer einen erhöhten Bedarf an Inkontinenzmaterial hat, wird leider oft mit zur Kasse gebeten.
  • Zuzahlungen fĂŒr Medikamente und Therapien.
  • Kosten fĂŒr Medikamente und Therapien, die von der Krankenkasse nicht bezahlt werden.
  • Kosten fĂŒr Hilfsmittel bzw. Pflegehilfsmittel die nicht von der Krankenkasse bezahlt werden.
  • Mehrkosten fĂŒr Hilfsmittel, fĂŒr die die Krankenkasse nicht den vollen Betrag ĂŒbernimmt (zum Beispiel fĂŒr höherwertigere Elektromobile, RollstĂŒhle, Pflegebetten usw.).
  • Wenn pflegende Angehörige die Pflegezeit oder Familienpflegezeit in Anspruch nehmen und ihren ihren Beruf aufgeben, fehlt ein weiteres Einkommen. Somit kommen zu den eigentlichen Pflegekosten noch hinzu, dass die Angehörigen nur noch in Teilzeit arbeiten oder fĂŒr die Pflege den Job ganz aufgeben mĂŒssen und dann mit einem niedrigeren Gehalt/Lohn zurechtkommen mĂŒssen.
  • Wer nicht mehr arbeitet, bekommt von der Pflegekasse zwar Sozialleistungen wie z.B. RentenbeitrĂ€ge bezahlt, diese sind aber so gering, dass die pflegenden Angehörigen damit große finanzielle Einbußen erleiden. Lassen Sie hier Ihre Rente berechnen.
  • Einkommensverluste durch Krankheit, das heißt Einbußen beim Gehalt (ErwerbsausfĂ€lle).
  • Unter UmstĂ€nden muss auch der eigene PKW behindertengerecht umgebaut werden.

Da eine Pflege zu Hause meist gĂŒnstiger ist als die Pflege im Heim, muss dann oftmals noch die Wohnung oder das Haus umgebaut werden, um ein behindertengerechtes Wohnen fĂŒr den PflegebedĂŒrftigen zu ermöglichen.


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Kosten fĂŒr Wohnraumanpassung:

Die Anschaffung und Installation von speziellen Hilfsmitteln, sowie die Renovierung der WohnrĂ€ume, können sehr teuer werden. Ich habe hier einmal die hĂ€ufigsten Umbaumaßnahmen aufgelistet. Mit diesen Werten kann gerechnet werden:

  • Der Einbau eines Treppenlifts kostet – je nach LĂ€nge des Lifts und der zu ĂŒberwindenden Etagen – zwischen 4.000 und 25.000 Euro.
  • FĂŒr den Umbau eines behindertengerechten Badezimmers (zum Beispiel Umbau Badewanne zur Dusche, ebenerdiger Zugang zur Dusche, usw.) können ab 3.000 Euro veranschlagt werden – nach oben keine Grenzen.
  • Eine TĂŒrverbreiterung fĂŒr den Rollstuhl oder den Rollator kostet schnell mal 300 Euro pro TĂŒre und mehr.
  • Wird eine neue, mit dem Rollstuhl unterfahrbare KĂŒche benötigt, kommen auch hier schnell einige tausend Euro zusammen.
  • Meist werden von Rollstuhlfahrern auch Rampen benötigt, die mit einigen hundert Euro pro Rampe zu Buche schlagen.

KostenĂŒbernahme fĂŒr wohnumfeldverbessernde Maßnahmen

Wer einen Pflegegrad hat,

  • kann bei der Pflegekasse einen Zuschuss fĂŒr wohnumfeldverbessernde Maßnahmen von 4.000 Euro pro Maßnahme und Person beantragen. Wie aus den zu erwartenden Kosten zu ersehen ist, reicht diese Summe jedoch oftmals nicht aus, und man muss fĂŒr den Differenzbetrag selber aufkommen.
  • Unter UmstĂ€nden kann ein zinsgĂŒnstiges Darlehen oder ein Zuschuss bei der KfW-Bank beantragt werden. Lassen Sie die Voraussetzungen dazu prĂŒfen.
  • Bei grĂ¶ĂŸeren Umbaumaßnahmen sollten Sie sich nach einer soliden Baufinanzierung umschauen.

Da sind große Investitionen fĂŒr den behindertengerechten Umbau einer Wohnung oder eines Fahrzeugs eine weitere Last, die große Sorgen bereiten kann.


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Kosten Pflegeheim

Auch hier geht ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung davon aus, dass die Pflegeheimkosten von der Pflegeversicherung komplett ĂŒbernommen werden. Das ist leider ein teurer Irrtum. Je nach Bundesland kostet ein Pflegeheimplatz die Angehörigen im Monat zwischen 1.100 und 2.300 Euro. Das ist der Eigenanteil, den die Betroffenen selbst bezahlen mĂŒssen. Der Anteil der Pflegekasse ist hier schon abgerechnet.

Zu den Eigenanteilen gehören der Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil (EEE), Kost und Logis, Investitionskosten sowie Ausbildungskosten.

Nicht mit eingerechnet sind hier das Taschengeld fĂŒr den Heimbewohner, Kosten fĂŒr den Friseur oder die Fußpflege, ein neues Gebiss oder eine neue Brille, einfach mal eine Zeitung aus der Cafeteria, ein neuer Schlafanzug oder ein Geburtstagsgeschenk fĂŒr die Kinder oder Enkel. Eben die kleineren und grĂ¶ĂŸeren Ausgaben, die man so nebenher hat. Rechnet man diese Kosten dann noch zum Bundesdurchschnitt der Kosten fĂŒr einen Pflegeheimplatz von 1.830 Euro hinzu, kommt man locker auf 2.000 Euro und mehr im Monat.

Fazit zu den Pflegekosten

Leider mĂŒssen sich die Familien in Deutschland fĂŒr die Pflege oftmals stark verschulden.

  • Deshalb sollten zuerst alle Möglichkeiten fĂŒr Fördermittel und finanzielle ZuschĂŒsse sorgfĂ€ltig geprĂŒft und ausgeschöpft werden. 
  • Auch die steuerlichen Abschreibungen fĂŒr Krankheitskosten wie Medikamenten- und Therapiezuzahlungen, nötige Anschaffungen von Hilfsmitteln, dem Einbau eines Treppenlifts usw. dĂŒrfen nicht vergessen werden. Es lohnt sich, jede Rechnung aufzuheben und diese dann mit der SteuererklĂ€rung einzureichen. 
  • Leider können die selbst erbrachten Pflegeleistungen nicht von der Steuer abgesetzt werden.
  • Mit einer privaten Pflegeversicherung können Sie die selbst zu tragenden Kosten stark eindĂ€mmen.

 

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Quelle Bildmaterial: Pixabay AlexasPhotos 02
Quelle Bildmaterial:#Canva-Member Â© for free – DAPA Images

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