PflegelĂŒcke: Gesetzliche Pflegeversicherung ist nur Grundversicherung

Pflege ist teuer und die gesetzliche Pflegeversicherung ist nur eine Grundversicherung
Pflege ist teuer und die gesetzliche Pflegeversicherung ist nur eine Grundversicherung

Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt – und damit auch die Zahl der PflegebedĂŒrftigen in Deutschland. Allein aus der gesetzlichen Pflegeversicherung sind die Kosten fĂŒr die Pflege schon jetzt nicht mehr zu bewĂ€ltigen. Zwar bringt das neue PflegestĂ€rkungsgesetz II Verbesserungen, die sogenannte PflegelĂŒcke bleibt aber erheblich – und es gibt große Unterschiede zwischen den einzelnen BundeslĂ€ndern.

Beitragsentwicklung zur sozialen Pflegeversicherung

Durch das Ansteigen der Zahl der pflegebedĂŒrftigen Menschen steigt auch die Höhe des Pflegeversicherungsbeitrages kontinuierlich. Mit EinfĂŒhrung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 lag der Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung bei 1 % PLUS der Wegfall eines gesetzlichen Feiertags.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich die BeitrÀge zur Pflegeversicherung rasant, was die nachfolgende Tabelle zeigt:

JahrBeitragssatz
1995 – fĂŒr Beitragszahler mit und ohne Kinder1,00 %
1996 bis 2004 – fĂŒr Beitragszahler mit und ohne Kinder1,70 %
2005 bis 2007 – fĂŒr Beitragszahler mit Kinder1,70 %
2005 bis 2007 – fĂŒr Beitragszahler ohne Kinder*1,95 %
2008 bis 2012 – fĂŒr Beitragszahler mit Kinder1,95 %
2008 bis 2012 – fĂŒr Beitragszahler ohne Kinder*2,20 %
2013 bis 2014 – fĂŒr Beitragszahler mit Kinder2,05 %
2013 bis 2014 – fĂŒr Beitragszahler ohne Kinder*2,30 %
2015 bis 2016 – fĂŒr Beitragszahler mit Kinder2,35 %
2015 bis 2016 – fĂŒr Beitragszahler ohne Kinder*2,60 %
2017 bis 2018 – fĂŒr Beitragszahler mit Kinder2,55 %
2017 bis 2018 – fĂŒr Beitragszahler ohne Kinder*2,80 %
Ab 2018 – fĂŒr Beitragszahler mit Kinder3,05 %
Ab 2018 fĂŒr Beitragszahler ohne Kinder*3,30 %
Ab 2022 fĂŒr Beitragszahler ohne Kinder*3,40 %

​*GĂŒltig fĂŒr Kinderlose ab 23 Jahren, die ab dem 1. Januar 1940 geboren wurden.

Diese Entwicklung der Beitragssteigerungen zeigt eindeutig, wie im Umkehrschluss dazu auch stark die Pflegekosten in die Höhe gehen.

 


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Finanzierung des Pflegeversicherungsbeitrags

  • Der Pflegeversicherungsbeitrag wird ab 01.01.2019 jeweils zu 50 % von den Arbeitnehmern und den Arbeitgebern getragen.
  • SelbststĂ€ndige und Rentner mĂŒssen den Pflegeversicherungsbeitrag in voller Höhe selbst bezahlen.
  • Der Kinderlosenzuschlag von 0,25 % ist von den Versicherten zu tragen, das bedeutet, der Arbeitgeber beteiligt sich nicht am ZUSCHLAG.
  • Gesetzliche Regelung zum Beitragssatz der Sozialen Pflegeversicherung ist der § 55 SGB XI (Sozialgesetzbuch)
  • In Sachsen ĂŒbernehmen die Arbeitgeber lediglich 1,025 %. Die Arbeitnehmer mĂŒssen selbst 2,025 % tragen. Grund dafĂŒr ist, dass in Sachsen KEIN Feiertag gestrichen wurde. In allen anderen BundeslĂ€ndern wurde ein Feiertag zur Finanzierung der Pflegeversicherung gestrichen.

Neu ab 2019

Der Beitragssatz von 3,05 Prozent wird gemeinsam getragen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, jeweils zu 50 Prozent.

Gesetzliche Pflegeversicherung reicht nicht aus

Auf die klaffende PflegelĂŒcke weisen auch zahlreiche mit der Materie vertraute Experten und Unternehmen hin. Da es sich bei der Pflegeversicherung um eine Teilleistungsversicherung handelt, ist von vornherein einkalkuliert, dass sie nicht die kompletten Kosten deckt. Laut einer Untersuchung des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV) liegt der durchschnittliche Eigenanteil in Deutschland bei 1.697 Euro im Monat. Der Eigenanteil ist die Summe, die PflegebedĂŒrftige oder ihre Angehörigen beisteuern mĂŒssen, um die tatsĂ€chlich anfallenden Pflegekosten zu decken.

Die Unterschiede zwischen den verschiedenen BundeslĂ€ndern sind dabei zum Teil beachtlich. In Nordrhein-Westfalen und dem Saarland ist der Eigenanteil rund doppelt so hoch wie etwa in Mecklenburg-Vorpommern, wie dieser Überblick ĂŒber den durchschnittlichen Eigenanteil je Bundesland zeigt:

Eigenanteil der Pflegeheimkosten als Tabelle
Eigenanteil der Pflegeheimkosten als Tabelle

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Wie hoch sind die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung?

Im Gegensatz zur Krankenversicherung, die auf eine nahezu volle Kostendeckung ausgelegt ist, ist die gesetzliche Pflegeversicherung keine Vollversicherung. Sie deckt in Form von ZuschĂŒssen nur einen Teil der tatsĂ€chlich entstehenden Pflegekosten ab. Deshalb ist die gesetzliche Pflegeversicherung nur eine soziale Grundversicherung.


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Die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung sind abhĂ€ngig vom Pflegegrad. Mit EinfĂŒhrung des neuen Pflegegesetzes 2017 gilt hĂ€usliche Pflege vor stationĂ€rer Pflege. Aus diesem Grund wurden das Pflegegeld und die Pflegesachleistungen fĂŒr die hĂ€usliche Pflege auch umfassend angehoben. Das lĂ€ĂŸt sich auch aus dieser Tabelle gut ersehen: PflegestĂ€rkungsgesetz – Die neuen Pflegeleistungen ab 2017 auf einen Blick als Tabelle.

Welche Kosten kommen auf die PflegebedĂŒrftigen zu?

Wie bereits erwĂ€hnt, ist die gesetzliche Pflegeversicherung keine Vollversicherung. Leider bleibt mit der momentanen gesetzlichen Regelung noch ein großer Eigenanteil an den Pflegekosten bei den PflegebedĂŒrftigen und ihren Angehörigen hĂ€ngen.

  • Wird der ErnĂ€hrer der Familie pflegebedĂŒrftig, fĂ€llt das Gehalt weg. Das Krankengeld entspricht nicht dem vollen Gehalt und wird auch nur zeitlich begrenzt bezahlt.
  • Gibt ein Angehöriger den Job ganz oder teilweise fĂŒr die Pflege auf, fehlt auch hier das Gehalt. Mehr dazu lesen Sie auch hier „Pflegezeit und Familienpflegezeit: Freistellung vom Beruf fĂŒr die Pflege„.
  • Viele Ă€ltere Menschen beschĂ€ftigen eine 24-Stunden-Pflegekraft, um den Angehörigen nicht in ein Pflegeheim geben zu mĂŒssen. Was ein Pflegeheim kostet, erfahren Sie hier: Was kostet ein Pflegeheim.
  • Wird eine Kurzzeitpflege oder Tagespflege in Anspruch genommen, entstehen in der vollstationĂ€ren/teilstationĂ€ren Einrichtung Kosten in Form von Kost und Logis sowie unter UmstĂ€nden Investitionskosten.
  • Wird ein Pflegedienst benötigt, wird das Pflegegeld entsprechend gekĂŒrzt bzw. kommt gar nicht mehr zum Tragen. Man spricht dann von Kombinationspflege. Mehr dazu lesen Sie bitte hier Kombinationspflege: Pflegegeld und Pflegesachleistung als Kombinationsleistung beantragen.
  • Wer sich in einem Pflegeheim pflegen lĂ€ĂŸt, hat – je nach Pflegeheim und Region – eigene Zuzahlungen von schnell mal 2.000 oder 3.000 Euro.
  • Menschen mit geringer PflegebedĂŒrftigkeit (Pflegegrad 1), erhalten wesentlich weniger Pflegeleistungen als PflegebedĂŒrftige in den Pflegegraden 2 bis 4.
  • Je nach Schwere der PflegebedĂŒrftigkeit muss das Haus oder die Wohnung behindertengerecht umgebaut werden. DafĂŒr können Sie zwar einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro als wohnumfeldverbessernde Maßnahmen erhalten, aber das reicht oft nicht aus.

Mehr ĂŒber die Kosten, die bei PflegebedĂŒrftigkeit entstehen können, lesen Sie bitte hier Mit diesen Kosten ist bei PflegebedĂŒrftigkeit zu rechnen.

Um drohende PflegelĂŒcken zu schließen, empfehlen nicht nur die Versicherungsexperten von Swiss Life Select, eine Zusatzversicherung abzuschließen.

Was ist eine PflegelĂŒcke?

Unter einer PflegelĂŒcke bezeichnet man den Differenzbetrag zwischen den Leistungen, welche die Pflegekasse bezahlt und den Leistungen, die der PflegebedĂŒrftige letztendlich selbst bezahlen muss.

Ein Beispiel:

Herr Maurer hat Pflegegrad 3 und lebt im Pflegeheim. Das Pflegeheim kostet monatlich 3.200 Euro. Daraus ergibt sich folgende PflegelĂŒcke:

Kosten Pflegeheim bei Pflegegrad 3 monatlich3.200 Euro
Kostenerstattung vollstationÀre Pflege durch Pflegekasse./. 1.262 Euro
= PflegelĂŒcke1.938 Euro

Welche Zusatzversicherung ist die richtige?

Wer seinen gewohnten Lebensstandard im Alter oder bei PflegebedĂŒrftigkeit erhalten möchte, sollte prĂŒfen, ob fĂŒr ihn eine private Pflege-Zusatzversicherung sinnvoll ist. GrundsĂ€tzlich bestehen drei Möglichkeiten, sich fĂŒr den Pflegefall zusĂ€tzlich abzusichern. Wie hoch Ihre persönliche PflegelĂŒcke sein kann, können Sie auch mit meinem kostenlosen PflegelĂŒckenrechner berechnen lassen.

  • Pflegetagegeldversicherung: Ähnlich wie beim Krankentagegeld erhalten Betroffene eine tĂ€gliche Zahlung. Die Höhe hĂ€ngt im Wesentlichen vom Pflegegrad ab, aber auch davon, ob es sich um stationĂ€re, ambulante oder hĂ€usliche Pflege handelt.
  • Pflegerentenversicherung: Die BeitrĂ€ge sind erheblich höher als bei der Pflegetagegeldversicherung. DafĂŒr wird im Pflegefall monatlich ein vertraglich festgelegter Rentenbetrag ausgezahlt – unabhĂ€ngig vom ambulanten oder stationĂ€ren Charakter der Pflege. Ein Nachweis ĂŒber die tatsĂ€chlichen Pflegekosten muss nicht erbracht werden.
  • Pflegekostenversicherung: Die Zahlungen im Pflegefall richten sich nach den konkret anfallenden Pflegekosten, die Versicherung ist also bei professioneller Betreuung eines PflegebedĂŒrftigen besonders geeignet.
  • Pflege-Bahr: Eine staatlich geförderte Zusatzversicherung ist ĂŒber den Pflege-Bahr möglich. Die Zahlungen erhalten Versicherte, wenn sie von Angehörigen gepflegt werden, aber auch hier ist der Kostenvergleich wichtig. Ein Vorteil ist, dass diese Alternative ohne GesundheitsprĂŒfung abgeschlossen werden kann.

Die Höhe der Beitragskosten hĂ€ngt zudem vom jeweiligen Alter bei Vertragsabschluss ab. Je jĂŒnger der Versicherungsnehmer zu diesem Zeitpunkt ist, umso gĂŒnstiger sind die BeitrĂ€ge. Frauen mĂŒssen wegen ihrer höheren Lebenserwartung in der Regel höhere BeitrĂ€ge zahlen als MĂ€nner. Um herauszufinden, welche Pflegezusatzversicherung am besten geeignet ist, sollte man sich unbedingt kompetent und unabhĂ€ngig beraten lassen.

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Quelle Bildmaterial: Fotolia #83708571 © bluedesign

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