Der große Rollentausch: Wann brauchen die Eltern Hilfe und Pflege?

Der Rollentausch zwischen den Generationen: Plötzlich sind die Kinder für die Eltern verantwortlich. Doch wie sagt man den Eltern, dass Sie Pflege brauchen?

Pflegebedürftigkeit tritt manchmal von einem Tag auf den anderen ein. Und zwar dann, wenn z.B. durch einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder Unfall von heute auf morgen nichts mehr ohne fremde Hilfe geht. Pflegebedürftigkeit im Alter kommt aber eher schleichend daher. Und da ergibt sich die Frage für die Angehörigen: Wann muss ich eingreifen?

Wenn man älter wird, ändert sich vieles. Noch vor kurzem waren stundenlange Fahrradtouren kein Problem, auf einmal weigern sich die Knie in die Pedale zu treten.

Und auch im Alltag tauchen überall kleine Hürden auf – den Rasen mähen, Einkaufstaschen schleppen und den Haushalt machen fallen immer schwerer.

An dieser Stelle können und wollen die eigenen Kinder meist helfen. Doch wie bietet man den Eltern diese Hilfe an und wieso fällt es diesen oft schwer die Hilfe anzunehmen?

Warum wollen Eltern nicht zugeben, dass sie Hilfe benötigen?

Umbau an nur einem Tag

Schon lange bevor es andere sehen, merken Alternde, dass vermeintlich leichte Aufgaben gar nicht mehr so leicht fallen. Anstatt nach Hilfe zu fragen, mühen sie sich lange ab, um die Anstrengung zu verstecken. Häufig führt das dann zu altersbedingten Unfällen und Stürzen.

Was bewegt die Eltern? Warum wollen Sie nicht zugeben, dass sie das alles nicht mehr alleine schaffen?

Das hat nichts mit Eitelkeit zu tun, sondern eher mit Angst.

Die Angst vor dem Alt werden, die Angst vor Abhängigkeit, die Angst davor, anderen zur Last zu fallen. Das Fragen nach Hilfe wirkt wie das Akzeptieren dieser Ängste. Und genau dazu fühlen sie sich oft nicht bereit.

Woran erkennt man, dass die Eltern Hilfe benötigen?

Dass die Eltern Hilfe benötigen, fällt irgendwann auch den Kindern auf.

  • Haben die Eltern Schmerzen oder andere Beschwerden bei alltäglichen Bewegungen?
  • Werden sie immer vergesslicher und unbeholfener?
  • Haben sie weniger Appetit als gewohnt?
  • Mangelnde Körperhygiene: Werden ungekämmte Haare, unordentliche Bekleidung und auffälliger Körpergeruch immer mehr zur Normalität?
  • Auch das Wohnumfeld gibt Hinweise, dass sie mit dem Haushalt überfordert sind. Wird kaum noch Staub gewischt und –gesaugt, die Fenster geputzt und Chaos beseitigt?
  • Oder liegen Briefe und Dokumente ungeordnet und ungeöffnet herum?
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Solche Vorkommnisse sind nicht nur das Ergebnis einer stressigen Woche.
Jetzt ist es höchste Zeit für Hilfe.

Wie sagt man den Eltern, dass Unterstützung notwendig ist?

Viele Versuche über Hilfsangebote zu sprechen, werden abgewiesen. Häufig folgt eine wütende und gekränkte Reaktion und aus der gut gemeinten Handlung wird eine Streitsituation.

Pflegende Angehörige dürfen dies nicht persönlich nehmen. Es hilft, das Gespräch zu planen und das heikle Thema nicht spontan beim Kaffeekränzchen anzuschneiden.

Wichtig ist vor allem die Gesprächsatmosphäre. Es geht nicht darum, die Eltern in großer Runde zur Rede zu stellen, sondern sich mit vertrauten Personen zusammenzusetzen und zu erklären, dass auffällt, dass Unterstützung im Alltag eine Entlastung wäre.

Einer der häufigsten Fehler dabei ist der Tonfall. Eine strenge Stimme wirkt vorwurfsvoll. Noch schlimmer ist es jedoch zu sprechen, als sei der Gegenüber ein ahnungsloses Kleinkind.


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Welche Arten von Unterstützung gibt es?

Gemeinsam kann man sich über verschiedene Hilfsmöglichkeiten informieren.

Die Angebote für die Elternpflege sind vielfältig und bieten für jeden eine passende Möglichkeit. Prinzipiell wird unterschieden in häusliche Pflege und stationäre Pflege.

  • Essen auf Rädern: Wer beispielsweise nur bei der Essenssituation Unterstützung braucht, kann sich an Dienste wie „Essen auf Rädern“ wenden und erhält dann regelmäßig, wie von einem Lieferdienst, frische und ausgewogene Speisen nach Hause gebracht.
  • Hilfe durch Angehörige: Wer das tägliche Leben nicht mehr selbst bestreiten kann, bekommt Hilfe durch Angehörige oder Freunde. Sie pflegen die Betroffenen dann stundenweise oder nehmen den Angehörigen sogar bei sich selbst in der Wohnung auf.
  • Ambulante Pflegedienste kommen ebenfalls nach Hause, helfen aber auch bei der Körperpflege, Medikamenteneinnahme oder im Haushalt. Auch für den Fall, wenn eine häusliche Krankenpflege nötig wird, sind die Pflegedienste zur Stelle.
  • 24-Stunden-Pflege durch osteuropäische Pflegekräfte ist eine weitere Alternative, die immer häufiger in Anspruch genommen wird. Die Eltern wohnen dann nicht mehr alleine, es ist immer jemand da und die Kinder müssen sich nicht immer Sorgen machen, dass vielleicht etwas passiert sein könnte.
  • Betreutes Wohnen: Eine selbstständigere Alternative dazu ist das sogenannte „Betreute Wohnen“. Das bedeutet, anders als in einem Pflegeheim, dass der Alltag nicht vom Heim vorgegeben wird und auch die Wohnsituation eher der einer eigenen Wohnung entspricht. Betreutes Wohnen wird auch gerne als “Wohnen mit Service” bezeichnet, da die Bewohner unterschiedliche Dienstleistungen zubuchen können oder auch nicht.
  • Pflegeheim: In Pflegeheimen oder Seniorenresidenzen hingegen, ist rund um die Uhr eine vollständige Betreuung und Pflege gegeben.

Was die Pflegedienste und die stationären Pflegeangebote gemeinsam haben, sind erfahrene Pflegekräfte, die jederzeit erreichbar sind und auch in kritischen Situationen schnell wissen, was zu tun ist. Denn seit kurzem wird nicht mehr in Kranken-, Kinder-, und Altenpfleger unterschieden, sondern all deren beruflichen Fähigkeiten werden in der generalistischen Pflegeausbildung zusammengefasst. Das ermöglicht wiederum eine rundum kompetente Pflege durch Personal, das Wissen und Möglichkeiten hat, das den pflegenden Angehörigen oft fehlt.

Die Angst, den Eltern nicht ausreichend helfen zu können, etwas falsch zu machen oder zu weit weg zu sein, wenn etwas passiert, kann dadurch maßgeblich gemindert werden und für weniger Anspannung und Unwohlsein sowohl auf Seiten der Kinder als auch der Eltern, führen.

Was tun, wenn die Eltern die Hilfe verweigern?

Sogar wenn die Eltern zunächst mitspielen, kommt es vor, dass die angebotene Hilfe am Ende dennoch verweigert wird. Wenn Unterstützung jeglicher Art abgelehnt wird, macht es die Situation für alle komplizierter.

Vorwürfe und Konfrontation verschlimmern die Lage jedoch nur.

Geduld und Verständnis helfen den Eltern, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Genaues Nachfragen und gezielte Problemlösung, Vorschläge machen und sich vor allem auf das Positive konzentrieren, führt zum Erfolg.

Manchmal ist auch einfach der Prophet im eigenen Land nicht erwünscht. Häufig sind Gespräche mit Freunden oder Bekannten viel erfolgreicher, als die lieb gemeinten Empfehlungen der eigenen Familie.


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Auch wir haben das in der eigenen Familie erlebt: Meine Schwiegereltern hatten sich konsequent geweigert, eine Vorsorgevollmacht anfertigen zu lassen. Weder meine Frau noch ich kamen mit logischen Argumenten weiter. Erst als eine Nachbarin – quasi im Vorbeigehen – meinen Schwiegereltern erzählte, dass sie jetzt eine Vorsorgevollmacht lassen macht, weil das so wichtig wäre, konnte es den Eltern meiner Frau nun plötzlich nicht mehr schnell genug gehen, auch so ein Dokument zu bekommen.

Mein Tipp: Vergessen Sie nicht, den behandelnden Hausarzt mit ins Boot zu nehmen. Auch er kann da sicherlich hilfreich argumentieren.

Pflegegrad beantragen: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Erfahrungsgemäß wird ein Pflegegrad viel zu spät beantragt. Wenn sich der Lebenszustand der Eltern verschlechtert ist es Zeit einen Pflegegrad zu beantragen.

Dabei gilt: So früh wie möglich, bestenfalls sobald andere Unterstützungsmaßnahmen beginnen, auch wenn es „nur“ die Hilfe der Kinder ist.

Aber auch hier ist wieder Vorsicht geboten: Den Eltern vorzuschlagen, einen Pflegegrad zu beantragen, ist ein zweischneidiges Schwert. Pflegebedürftig zu sein und einen Pflegegrad zu haben, wird auch hier wieder von vielen damit gleichgesetzt, dass sie zum alten Eisen gehören und zu nichts mehr zu gebrauchen sind. Wer will das schon.

Wenn Sie mit Ihren Eltern über die Beantragung eines Pflegegrades sprechen, sollten sie vor allem auch auf die Vorteile hinweisen. Pflege ist teuer: Ein Pflegegrad ermöglicht finanzielle Unterstützung  – das bedeutet eine Sorge weniger!

Wie können die Kinder mit den Veränderungen der Eltern umgehen?

Auch für die Kinder ist der Rollentausch nicht einfach. Vor allem sind die Kinder oft ratlos, wenn die sonst unterstützenden Eltern nun diejenigen sind, die Hilfe brauchen.

Um diese Veränderungen zu akzeptieren und über Sorgen und Ängste zu sprechen, kann der Besuch einer Gesprächsgruppe für pflegende Angehörige dienen. Alternativ sollte sich auf jeden Fall an Freunde und Verwandte gewandt werden, um die Last nicht alleine tragen zu müssen. Übrigens: auch die Eltern wissen es zu schätzen, wenn solche Gedanken mit ihnen geteilt werden!

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Der Rollentausch ist vollzogen. 7 Schritte wie es weiter geht

  • Wenn Sie merken, dass Ihre Eltern nicht mehr so können, sollten Sie prüfen, ob vielleicht schon ein Pflegegrad beantragt werden kann. Einen ersten Überblick dazu können sie sich über unseren kostenlosen Pflegegradrechner verschaffen. Denn eines ist ganz wichtig zu wissen: Pflegebedürftig ist man nicht erst, wenn man nur noch im Bett liegt. Das fängt schon sehr viel früher an.
  • Danach sollte ein Pflegegrad beantragt werden.
  • Der Medizinische Dienst (MDK) wird dann zur Begutachtung kommen. Auf diese Begutachtung sollten Sie gut vorbereitet sein. Man kann sehr viel falsch machen. Lesen Sie deshalb die Tipps zur MDK-Begutachtung.
  • Auf Basis des Gutachtens des MDKs wird der Pflegegrad anerkannt oder abgelehnt. Ist der Pflegegrad zu niedrig oder wurde er sogar ganz abgelehnt, sollten Sie Widerspruch gegen die Pflegegradeinstufung einlegen.
  • Wenn der Pflegegrad genehmigt wurde, zahlt die Pflegekasse sogenannte Pflegeleistungen. Manche Leistungen müssen Sie beantragen.
  • Eine wichtige Pflegeleistung sind auch die Zuschüsse von bis zu 4.000 Euro für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Dazu gehören z.B. ein behindertengerechter Badumbau, der Einbau eines Treppenlifts, Verbreiterung von Türrahmen oder auch der Einbau von rollstuhlgerechten Türschwellen uvm.
  • Sind Hilfsmittel wie z.B. ein Pflegebett, Rollstuhl, Rollator usw. nötig, können Sie diese dann über eine Verordnung beantragen. Auch hier können Sie wieder einen Widerspruch einlegen, wenn das Hilfsmittel abgelehnt wurde.
  • Kann die Pflege nicht zu Hause erfolgen, sollten Sie sich nach einer passenden Pflegeeinrichtung umschauen. Hierzu sollten Sie wissen, dass in vielen Pflegeheimen ein Probewohnen möglich ist. Anhand unserer Checkliste für die Pflegeheimsuche können Sie das passende Pflegeheim finden.

Unsere Erfahrungen zum Rollentausch bei der Pflege der Eltern

Auch wir sahen bei unseren Eltern die innere Zerrissenheit. Sie waren mit sich selbst unzufrieden, weil sie nicht mehr so konnten wie früher, wollten sich aber nicht helfen lassen. Im gleichen Atemzug waren sie aber verärgert, dass wir keine Hilfe anboten. Das war nicht immer einfach. Und da fielen auch manchmal sehr unschöne Worte.

Aber letztendlich wussten wir, dass diese Attacken nicht gegen uns, sondern gegen die eigene Person gingen. Es dauert lange, bis die Eltern akzeptieren können, dass nichts mehr ist wie früher. Dass die Rollen getauscht wurden. Die Kinder schon lang erwachsen und eigenständig sind, die Eltern hingegen immer hilfebedürftiger und abhängiger werden.

Uns wurde auch bewusst: Wir werden immer älter. 80, 90 oder gar 100 Jahre alt zu werden, ist heute keine Utopie mehr. Für die heutige Generation 75+ ist jedoch das Thema Pflege und Pflegebedürftigkeit Neuland. Sie sind in den meisten Fällen nicht mit hilfebedürftigen Angehörigen aufgewachsen, da ihre eigenen Eltern und Großeltern viel früher starben, als das heute der Fall ist.

Fazit

Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem die Eltern auf Unterstützung durch die Kinder angewiesen sind. Damit keiner von der Pflegebedürftigkeit und den damit verbundenen Veränderungen überrascht wird, sollten im Vorfeld – also zu guten Zeiten – schon die wichtigsten Fakten gemeinsam geklärt werden. Es ist dann auch wichtig, die Eltern darauf anzusprechen, dass alle wichtigen Vollmachten für den Ernstfall erstellt werden. Dazu zählen z.B. die Vorsorge- und Generalvollmacht, die Betreuungsvollmacht, die Patientenverfügung usw.

 


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