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Pflege ist teuer und häufig können die Pflegekosten nicht mit den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung gedeckt werden. Eine zusätzliche private Pflegeversicherung (PPV) ermöglicht mehr Freiheiten in der Gestaltung der Pflege und sichert Patienten und unterhaltspflichtige Angehörige finanziell ab. Zur Absicherung dieses finanziellen Risikos bieten die Versicherungen drei unterschiedliche Lösungen an.

 

 

Die drei verschiedenen Pflegeversicherungen

Durch die vielen Absicherungsmöglichkeiten bei den privaten Pflegezusatzversicherungen ist es für den Verbraucher relativ schwer, die Versicherungen miteinander zu vergleichen und für den persönlichen Bedarf die optimale Zusatzversicherung zu finden. Deshalb erläutern wir die drei Möglichkeiten mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen der

  1. Pflegetagegeld-Versicherung
  2. Pflegerentenversicherung
  3. Pflegekostenversicherung

An dieser Stelle möchte ich noch klären, was eine private Pflegeversicherung kostet. Durch die verschiedenen Modelle und unterschiedlichen Anbieter ist es unmöglich zu sagen, was eine private Pflegeversicherung kostet. Bei allen drei Varianten ist jedoch die Höhe des zu zahlenden Beitrages grundsätzlich von 3 Faktoren abhängig:

  • Das Alter: Je jünger Sie sind, desto niedriger der Beitrag.
  • Der Gesundheitszustand: Je gesünder Sie sind, desto niedriger der Beitrag.
  • Die Leistungen: Je geringer die Leistungen, desto niedriger der Beitrag.

Übrigens: Wenn Sie sich ausrechnen möchten, wie viel Sie im Pflegefall selbst dazuzahlen müssen, können Sie dies gerne über unseren kostenlosen Pflegelückenrechner machen.

 

Pflegelücke schließen mit Pflegezusatzversicherung

 

1.) Pflegetagegeld-Versicherung

Die am häufigsten genutzte Lösung ist die Pflegetagegeld-Versicherung (auch Pflege-Bahr genannt). Hier legt der Versicherungsnehmer die Höhe des Tagessatzes selbst fest. Das Tagegeld wird ausbezahlt, wenn die versicherte Person pflegebedürftig wird.

Die Tagessätze bewegen sich meist zwischen 10 Euro bis 100 Euro. Der Tagessatz wird dann mit 30 multipliziert und man erhält dann die Höhe des monatlich auszuzahlenden Pflegegeldes.

Das volle Pflegegeld wird bei den meisten Anbietern eines Pflegetagegeldes erst bei einer Pflegebedürftigkeit ab Pflegegrad 5 ausbezahlt oder nur bei stationärer Pflege.

Bei den Pflegegraden 1, 2, 3 und 4 werden in der Regel nur anteilige Leistungen von der privaten Pflegezusatzversicherung ausbezahlt. Es gibt jedoch auch Tarife, die frei wählbare Tagegelder in allen Pflegegraden erlauben.

 

Vor- und Nachteile der Pflegetagegeldversicherung

Vorteile der PflegetagegeldversicherungNachteile der Pflegetagegeldversicherung
  • Günstig.
  • Die Höhe der Pflegeleistungen ist flexibel wählbar.
  • Die Leistungen sind garantiert.
  • Die Auszahlungen sind nicht zweckgebunden, sondern stehen zur freien Verfügung.
  • Viele Anbieter mit unterschiedlichen Schwerpunkten
  • Risikotarif – wenn die versicherte Person nicht pflegebedürftig wird, ist das Geld weg.

Unter “Pflege-Bahr“ versteht man die staatlich geförderten Pflegezusatzversicherungen. Diese Verträge können einen staatlichen Zuschuss erhalten, wobei der Versicherte einen monatlichen Mindestbetrag selbst einzahlen muss. Diese Variante lohnt sich vor allem, wenn der Vertrag sehr früh abgeschlossen wird.

 

2.) Pflegerentenversicherung

Die Pflege-Rentenversicherung ist eine Kombination aus Pflegeabsicherung und Sparanteil. Daher sind die Beiträge in Relation zur Pflegetagegeldversicherung auch wesentlich höher.

 

 

Der Versicherungsnehmer legt nicht die Höhe der Leistung in den einzelnen Pflegegraden fest, sondern die zu zahlende Monatsprämie. Auf dieser Grundlage erhält die versicherte Person bei einer Pflegebedürftigkeit eine lebenslange monatliche Rente ausbezahlt.

Dabei ist jedoch nur ein Teil der Rente garantiert – der Rest ist von der zukünftigen Zins- und Kapitalmarktentwicklung abhängig. Die Pflegerente steht den Pflegebedürftigen zur freien Verfügung.

 

Vor- und Nachteile der Pflegerentenversicherung

Vorteile der PflegerentenversicherungNachteile der Pflegerentenversicherung
  • Wenn die versicherte Person nicht pflegebedürftig wird, erhält man zumindest einen Teil des Geldes zurück.
  • Die Auszahlungen sind nicht zweckgebunden, sondern stehen zur freien Verfügung.
  • Viele Anbieter mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
  • Wesentlich teurer als Pflegetagegeldversicherung, da ein Sparanteil integriert ist.
  • Nur ein Teil der Pflegeleistungen ist garantiert.

 

3.) Pflegekostenversicherung

Die dritte Variante zur finanziellen Absicherung im Pflegefall ist die Pflegekostenversicherung. Hier übernimmt der Versicherer im Pflegefall einen vorher festgelegten Prozentsatz der tatsächlichen Pflegekosten. Das könnten beispielsweise 70 Prozent sein.

Der Pflegebedürftige kann über das versicherte Geld also nicht selber bestimmen, sondern es besteht gegenüber der Versicherung lediglich ein so genannter Sachleistungsanspruch. Die Versicherung erstattet die Kosten für die benötigte Pflege zum entsprechenden Prozentsatz.

 

Vorteile der Pflegekostenversicherung

Vorteile der PflegekostenversicherungNachteile der Pflegekostenversicherung
  • Die Höhe der Leistungen erhöhen sich automatisch mit den Kosten im Pflegebereich.
  • Hohe Beitragssteigerungen wahrscheinlich.
  • Die Auszahlung ist zweckgebunden – hoher administrativer Aufwand.
  • Nur wenig Anbieter.

 

Die private Pflegeversicherung trägt auch dazu bei, die Pflegeheimkosten zu finanzieren

Je nach Vertrag, kann die private Pflegeversicherung zur Deckung der Pflegeheimkosten oder zur Finanzierung einer 24h-Pflegekraft verwendet werden.

 

Ist eine private Pflegeversicherung sinnvoll oder doch eher überflüssig?

Wenn man in die Zukunft schauen könnte, dann wäre die Beantwortung dieser Frage einfach: Könnte man sicher sein, dass man nie pflegebedürftig wird, dann wäre eine private Pflegezusatzversicherung völlig sinnlos. Aber wir wissen es halt alle nicht, ob wir einmal pflegebedürftig werden und wir wissen auch nicht, in welchem Alter. Man darf nie vergessen. Pflegebedürftigkeit ist keine Frage des Alters.

Ob man eine private Pflegeversicherung abschließen möchte, muss letztendlich jeder für sich selbst anhand seines ganz persönlichen Kosten – Nutzen – Faktors entscheiden. Die Formel ist einfach: Was kostet mich die Pflegeversicherung? Was habe ich davon? Kann oder will ich mir das leisten? 

Pro Pflegeversicherung

  • Statistisch gesehen, kommt es in jeder Familie zu einem Pflegefall.
  • Die Gesetzliche Pflegeversicherung deckt nur etwa die Hälfte der tatsächlichen Pflegekosten.
  • Die eigenen Kinder sollten nicht für die Pflegekosten der Eltern aufkommen müssen.
  • Ein Pflegefall sollte die Betroffenen nicht in die Armut treiben.
  • Das eigene Vermögen kann gesichert werden.
  • Mit der richtigen Absicherung kann auch z.B. eine 24h-Pflegekraft finanziert werden.

 

Kontra Pflegeversicherung

  • Eine Pflegeversicherung ist teuer.
  • Wer genügend Eigenkapital hat, braucht nicht zwingend eine private Pflegeversicherung.
  • Zu alt oder zu krank um noch einen vernünftigen Tarif zu bekommen.

 

Private Pflegeversicherung – Kostenlos Tarife vergleichen

 

Unterschied zwischen gesetzlicher Pflegeversicherung und privater Pflegezusatzversicherung

 

Gesetzliche Pflegeversicherung Private Pflegeversicherung
Wer gesetzlich krankenversichert ist, der ist automatisch auch gesetzlich pflegeversichert. Wer zum Beispiel bei der AOK gesetzlich krankenversichert ist, ist gleichzeitig in der AOK pflegeversichert. Die private Pflegeversicherung ist freiwillig, die gesetzliche Pflegeversicherung (GPV) erfolgt zwangsläufig über die Krankenkasse.
Die gesetzliche Pflegeversicherung ist nur eine Grundversicherung. Die Leistungen reichen meist nicht aus, um alle Pflegekosten zu decken. Wer mehr Leistungen haben möchte, als die gesetzliche Pflegekasse erbringt, kann freiwillig eine private Pflegezusatzversicherung abschließen um damit die Versorgungslücke zu reduzieren oder zu schließen.
Der Beitrag der gesetzlichen Pflegeversicherung wird prozentual vom Bruttogehalt berechnet. Die Beiträge der privaten Pflegeversicherung sind abhängig von der Leistung, des Tarifs, Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen usw.

 

Meine eigenen Erfahrungen über die private Pflegeversicherung

Weder meine Eltern noch meine Schwiegereltern hatten eine private Pflegeversicherung. Pflegebedürftigkeit war in deren jüngeren Jahren gar kein Thema. Damit ist diese Generation einfach nicht aufgewachsen.

Meine Eltern waren im Betreuten Wohnen, mein Schwiegervater in der letzten Phase seiner Pflegebedürftigkeit im Pflegeheim. Für die Pflege, Unterbringung und Verpflegung im Pflegeheim waren zum Schluss knapp 3.000 Euro als Eigenleistung zu zahlen. Das waren im Jahr 35.000 Euro. Und wir sprechen hier von einem ganz normalen Pflegeheim und keiner Luxus-Seniorenresidenz mit jedem Schnick-Schnack.

Das Betreute Wohnen meiner Eltern kostete mit der Pflege und Unterkunft monatlich über 4.000 Euro für 2 Personen. Da geht vieles, was sich die Eltern im Leben zusammengespart hatten, einfach so mir nichts dir nichts für die Pflege drauf.

Leider ist es bei uns in Deutschland immer noch so: Wer sich die Pflege nicht leisten kann, ist auf die finanzielle Unterstützung der Kinder angewiesen oder wird zum Sozialfall.

 

Kann man die Pflegeversicherung bei der Steuer absetzen?

Ja, die Pflegeversicherung kann bei der Steuer abgesetzt werden. Allerdings bestehen für Versicherungen Grenzen in der Höhe der absetzbaren Beträge und diese absetzbaren Höchstbeträge sind eher gering. Eine Pflegeversicherung sollte deshalb nicht abgeschlossen werden, um die Steuerlast zu senken, sondern um sich finanziell für den Pflegefall abzusichern.

 

Private Pflegeversicherung – Mein Fazit

Die Absicherung im Pflegefall durch eine private Pflegezusatzversicherung ist in den meisten Fällen notwendig und sinnvoll, vorausgesetzt, man kann es sich finanziell leisten. Bei der Höhe der Absicherung empfiehlt der Verbraucherschutz zumindest die Verdoppelung der gesetzlichen Leistung, um die Pflegelücke so gering wie möglich zu halten.

 

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