Psychische Erkrankungen: So beantragen Sie einen Pflegegrad

Psychische Erkrankungen: So beantragen Sie einen Pflegegrad
Psychische Erkrankungen kann jeden durch einen Schicksalsschlag treffen

Ist man mit einer Depression tatsĂ€chlich pflegebedĂŒrftig? Gibt es einen Pflegegrad fĂŒr psychische Erkrankungen?

Seit der EinfĂŒhrung des PflegestĂ€rkungsgesetzes II zum 01.01.2017 werden bei der Beurteilung der PflegebedĂŒrftigkeit nicht mehr nur physische (körperliche) Erkrankungen, sondern auch psychische Erkrankungen (seelische Krankheiten) gleichermaßen berĂŒcksichtigt.

Unter gewissen Voraussetzungen kann deshalb auch bei psychischen Erkrankungen wie z.B. bei Depressionen, autistischen Persönlichkeitsstörungen, Asperger-Syndrom, ADHS, Borderline, Demenz usw. ein Antrag auf einen Pflegegrad gestellt werden.

Wir zeigen Ihnen in unserem Beitrag, worauf Sie achten mĂŒssen und welche Fehler Sie vermeiden sollten.

Welche psychischen Erkrankungen gibt es?

So erhalten Sie Pflegehilfsmittel monatlich im Wert von 40 Euro

Zuerst einmal möchten wir klÀren, was die Definition einer psychischen Erkrankung ist.

Definition psychische Erkrankungen: Menschen mit einer psychischen Störung haben im Verhalten deutliche Abweichungen zu psychisch gesunden Menschen. Dies bezieht sich vor allem auf das Denken, Wahrnehmen, FĂŒhlen und Handeln. Ob eine psychische Erkrankung vorliegt, kann nur ein Arzt nach einer umfassenden Untersuchung beurteilen.

Wichtig zu wissen: Es gibt nicht DIE EINE psychische Erkrankung, sondern es gibt viele psychische Erkrankungen mit ganz unterschiedlichen Symptomen.

Hier nur mal ein Auszug aus den unterschiedlichen psychischen Störungen:

ADHSEssstörungenMultiple Persönlichkeit
BurnoutBorderlineDemenz
AlzheimerDepressionenAngststörungen
HerzneurosenHypochondrieZwangsstörungen
PhobienTourettesyndromPosttraumatische Belastungsstörungen
Narzistische PersönlichkeitsstörungPanikattackenuvm.
HĂ€ufige psychische Erkrankungen

Doch nicht jede dieser Erkrankungen fĂŒhrt automatisch zu einem Pflegegrad. Ob ein Pflegegrad genehmigt wird, ist davon abhĂ€ngig, wie viel UnterstĂŒtzung die erkrankte Person benötigt, um ihr tĂ€gliches Leben zu bewĂ€ltigen.

Psychische Erkrankungen - Wann kann ein Pflegegrad beantragt werden
Quelle: Statista. HĂ€ufigste psychische Erkrankungen in der deutschen Bevölkerung – Stand 2020

Wie wird die PflegebedĂŒrftigkeit bei psychischen Erkrankungen definiert?

Hier finden Sie die allgemeine Definition von PflegebedĂŒrftigkeit. Die PflegebedĂŒrftigkeit muss auf Dauer – jedoch voraussichtlich fĂŒr mindestens sechs Monate – und mindestens in der in § 15 SGB XI festgelegten Schwere bestehen.

Liegen psychische Erkrankungen vor, fĂ€llt die Pflege meist ganz anders aus. Die betroffenen Personen benötigen oftmals keine klassischen pflegerischen Maßnahmen, wie wir das von Menschen mit körperlichen EinschrĂ€nkungen kennen. D.h. der PflegebedĂŒrftige kann sich vielleicht noch selbstĂ€ndig waschen, essen und trinken und ist auch noch in der Lage ohne Hilfsmittel zu gehen.

Doch was macht diesen Menschen dann pflegebedĂŒrftig?


GemĂ€ĂŸ der Definition im Sozialgesetzbuch gelten Menschen mit psychischen Erkrankungen als pflegebedĂŒrftig, wenn sie nicht in der Lage sind, ihren Alltag eigenstĂ€ndig und ohne tĂ€gliche Betreuung und Begleitung zu gestalten.

Den Pflegenden fallen also die Aufgaben der Betreuung und Begleitung zu. Damit sollen die Betroffenen in der Lage sein, ein weitgehend selbstĂ€ndiges Alltagsleben zu fĂŒhren.

Sobald die „Pflege“ so umfangreich wird, dass eine regelmĂ€ĂŸige Hilfe im Alltag notwendig ist, kann ein Pflegegrad (und damit verbunden ein Pflegegeld) beantragt werden.

Ein Beispiel

  • Herr Fink ist 42 Jahre alt und leidet an Despressionen.
  • Seine Frau muss ihn mehrfach motivieren, morgens aufzustehen, zu duschen und zu frĂŒhstĂŒcken. Nur wenn seine Frau ihn darauf hinweist, nimmt er seine Medikamente.
  • Durch seine krankheitsbedingte Antriebslosigkeit wĂŒrde er am liebsten zu Hause bleiben. Der Job ist fĂŒr ihn der blanke Stress. Er kann sich auf nichts mehr konzentrieren und ist auch hier auf die UnterstĂŒtzung der Kollegen angewiesen.
  • Seine Freizeit kann er nicht sinnvoll strukturieren. Anstehende Reparaturarbeiten am Haus werden so lange von einem Tag auf den anderen verschoben, bis Frau Fink einen Handwerker bestellt.
  • Das WegrĂ€umen seiner schmutzigen WĂ€sche, die regelmĂ€ĂŸige Körperpflege, kleine Erledigungen im Haushalt usw. werden nur erledigt, wenn Frau Fink ihren Mann mehrfach dazu auffordert.
  • Musik hört er keine mehr. Sogar den Kontakt zum Gesangsverein pflegt er schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Die Wochenenden wĂŒrde er am liebsten im Bett oder auf dem Sofa im abgedunkelten Wohnzimmer verbringen. Wenn seine Ehefrau die sozialen Kontakte nicht pflegen und ihren Mann zu gemeinsamen AktivitĂ€ten mitnehmen wĂŒrde, hĂ€tte das Paar bald ĂŒberhaupt keine sozialen Kontakte mehr.
  • Bei den Treffen mit Freunden sitzt Herr Fink teilnahmslos daneben und beteiligt sich kaum an den GesprĂ€chen.

Nur zur Klarstellung: Herr Fink ist nicht FAUL, er ist KRANK. Herr Fink wÀre ohne die Hilfe seiner Frau nicht in der Lage, seinen Alltag zu gestalten. Eine Betreuung durch seine Frau ist erforderlich und er braucht Anleitung durch sie. Der Antrag auf einen Pflegegrad kann gestellt werden.


 icon-hand-o-rightNĂŒtzliche Alltagshilfen:
icon-plus  Kostenlose Pflegehilfsmittel fĂŒr bis zu 40 Euro pro Monat !
icon-plus  Treppenlifte – Mit Pflegegrad bis 4.000 Euro Zuschuss !
icon-plus  NachtrĂ€glicher Einbau BadewannentĂŒre – Innerhalb weniger Stunden !
icon-plus  Rollator-Rollstuhl - 3in1-Lösung wenn die Beine schwach werden. Auf Rezept


Psychische Erkrankungen – Wann ist es Zeit, einen Pflegegrad zu beantragen?

Hat eine Person körperliche BeeintrĂ€chtigungen, sieht man das hĂ€ufig schon auf den ersten Blick. Psychische Erkrankungen hingegen sind oft nur schwer zu erkennen. Die Betroffenen haben keine sichtbaren Verletzungen, keine fehlenden Gliedmaßen oder andere offensichtlichen Merkmale.

Das Umfeld bemerkt nicht, unter welchem Leidensdruck die Betroffenen stehen. Am Anfang einer psychischen Erkrankung können die Symptome oftmals von den Angehörigen nicht richtig eingeordnet werden, da die Krankheitsanzeichen noch nicht in voller AusprÀgung auftreten.

Das kann viele Ursachen haben:

  • Die Kinder haben nicht so hĂ€ufig Kontakt zum alleinlebenden Vater und bemerken die WesensverĂ€nderung nicht.
  • Der Krankheitsverlauf kam schleichend, keiner hat’s so richtig bemerkt.
  • Die Symptome sind noch nicht so ausgeprĂ€gt oder diffus.
  • Auch das VerdrĂ€ngen, dass eine schwerwiegende psychische Erkrankung Ursache fĂŒr das verĂ€nderte Verhalten sein könnte, ist möglich. Psychische Erkrankungen sind hĂ€ufig auch mit Scham besetzt und sind deshalb ein Tabuthema.

Man wundert sich zunĂ€chst darĂŒber, warum sich der Betroffene zurĂŒckzieht, sich plötzlich nicht mehr wie gewohnt verhĂ€lt, Termine nicht wahrnimmt, nicht ans Telefon geht.

HĂ€ufige erste Anzeichen fĂŒr psychische Erkrankungen sind

  • Angst
  • Antriebslosigkeit
  • GedĂ€chtnisstörungen
  • Innere Unruhe
  • Interessenverlust
  • Konzentrationsstörungen
  • NervositĂ€t
  • Niedergeschlagenheit
  • Schlafstörungen
  • Selbstverletzung
  • Stimmungsschwankungen
  • Stress
  • Übererregtheit
  • Undefinierbare Schmerzen
  • Wahnvorstellungen

Je weiter psychische Erkrankungen fortschreiten und je mehr sie die GemĂŒtslage des Betroffenen beeintrĂ€chtigen, desto belastender kann die Erkrankung auch fĂŒr die pflegenden Angehörigen und das familiĂ€re Umfeld werden.

Einen Antrag auf Pflegeleistungen (Pflegegradantrag) wegen einer psychischen Erkrankung soll/kann unter anderem gestellt werden, wenn:

  • Der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, allein zu wohnen oder seinen Alltag zu meistern.
  • Die Betreuung und Anleitung durch pflegende Angehörige notwendig wird.
  • Das Fortschreiten der Erkrankung konkrete Auswirkungen auf die Pflege des Betroffenen hat. Dieser z.B. plötzlich das Essen verweigert, die Körperpflege stark vernachlĂ€ssigt oder auch die Kommunikation untereinander nicht mehr möglich ist.

So beantragen Sie einen Pflegegrad fĂŒr psychische Erkrankungen

Bei der Einstufung in einen Pflegegrad ist nicht wichtig, WELCHE KRANKHEIT Sie haben, oder WELCHE DIAGNOSE gestellt wurde. Entscheidend bei der Einstufung in einen Pflegegrad ist der Grad der SelbstÀndigkeit und die daraus resultierenden BeeintrÀchtigungen. Die Beantragung eines Pflegegrades bei psychischen Erkrankungen ist genau gleich wie bei jeder anderen Erkrankung.

Ablauf Pflegegrad beantragen
RegulÀrer Ablauf der Beantragung eines Pflegegrades

Die Herausforderung beim Pflegegradantrag fĂŒr psychische Erkrankungen liegt jedoch darin, dass die Symptome und Problematiken dieser Erkrankung richtig herausgearbeitet und bei der Begutachtung dargelegt werden.

Und genau hier liegt das Problem: Wir als Angehörige wollen doch, dass es dem pflegebedĂŒrftigen Menschen gut geht. Wir sehen die Hilfe und UnterstĂŒtzung die wir geben als „selbstverstĂ€ndlich“ an. „Das ist doch selbstverstĂ€ndlich, dass ich meinen Eltern helfe“, hört man dann hĂ€ufig.

24h-Pflege in hÀuslicher Gemeinschaft durch Pflegekraft aus Osteuropa

ABER: Wenn Sie die zusĂ€tzlich notwendige Hilfe und UnterstĂŒtzung, die Sie dem pflegebedĂŒrftigen Menschen geben, nicht berĂŒcksichtigen und bei der Begutachtung nicht angeben, wird Ihr Angehöriger NIE einen Pflegegrad erhalten. WEIL: Er kann ja alles selbst und braucht keine UnterstĂŒtzung.

Hier nur ein paar Beispiele, die Ihnen zeigen sollen, wo der erhöhte pflegerische Mehraufwand liegt.

  • Menschen mit AngstzustĂ€nden brauchen mehr Zusprache. MĂŒssen vielleicht mĂŒhsam ĂŒberredet werden, ihre Angst zu ĂŒberwinden und Dinge zu machen, die fĂŒr sie angsteinflĂ¶ĂŸend sind.
  • Menschen mit Demenz benötigen UnterstĂŒtzung bei der Auswahl ihrer Bekleidung. Sie wissen nicht, ob es Sommer oder Winter ist und ziehen sich bei EiseskĂ€lte ein Sommerkleid an.
  • Depressiven Menschen tut es gut, soziale Kontakte zu pflegen. Alleine machen sie das aber nicht. Somit mĂŒssen sie als Pflegeperson alles koordinieren und den Angehörigen begleiten.
  • Menschen mit Suizidgedanken denken ans Sterbefasten und lehnen das Essen und Trinken ab. Auch hier ist viel Betreuungsarbeit notwendig.
  • Depressiven Menschen fehlt oftmals jegliche Tagesstruktur. Das Aufstehen fĂ€llt ihnen schwer, das Planen und Einhalten des Tagesablaufs ist oft gar nicht möglich. Auch die Körperhygiene wird dann gerne vernachlĂ€ssigt. Hier ist ein stĂ€ndiges Kontrollieren und Auffordern durch die Pflegeperson notwendig.
  • Werden Medikamente von den Betroffenen selbst verwaltet, kann es sein, dass die Medikamente in einer falschen Dosis oder gar nicht eingenommen werden. Auch hier muss stĂ€ndig kontrolliert werden.
  • Wenn die Patienten (aus unterschiedlichen GrĂŒnden) die Pflege verweigern, ist mit einem viel höheren Zeitaufwand zu rechnen.
  • Auch Autisten können – je nach Schweregrad der Erkrankung – einen Pflegegrad erhalten. Das trifft zu, wenn autistische Kinder und Erwachsene ihr tĂ€gliches Leben in Schule, Beruf oder Familie nicht meistern können und dafĂŒr UnterstĂŒtzung benötigen.

Die Liste könnte hier noch viel umfangreicher fortgefĂŒhrt werden, was jedoch den Rahmen dieser Seite sprengen wĂŒrde. Hier geht es jedoch darum zu erkennen, um wieviel höher der Zeitaufwand und die UnterstĂŒtzung bei psychisch erkrankten Menschen ist.

Eine erste unverbindliche EinschĂ€tzung, ob bei Ihrem Angehörigen eine PflegebedĂŒrftigkeit vorliegt, können Sie mit unserem kostenlosen Pflegegradrechner berechnen lassen.


Hinweis: Wer einen Pflegegrad hat und zu Hause gepflegt wird hat jeden Monat Anspruch auf kostenlose Pflegehilfsmittel. Diese können Sie hier einfach bestellen.


Pflegegrad wegen psychischer UND physischer Erkrankungen

Bedingt durch die Tatsache, dass sowohl wegen psychischer als auch physischer Erkrankungen ein Pflegegrad beantragt werden kann, wird vielleicht der einen oder anderen Erkrankung nicht genĂŒgend Aufmerksamkeit geschenkt.

Ein Beispiel:

Frau Kaufmann, 79 Jahre alt, gesund und immer noch sportlich aktiv, stĂŒrzte schwer. Im Krankenhaus stellte sich heraus, dass sie einen Oberschenkelhalsbruch hat und auch die HĂŒfte schwer in Mitleidenschaft gezogen ist. Es musste operiert werden. Leider war der Heilungsverlauf nicht wie erwĂŒnscht, es musste auch noch 2 x nachoperiert werden. Frau Kaufmann war nach den Operationen die meiste Zeit auf den Rollstuhl angewiesen. Ihr wurde ein Pflegegrad zugesprochen.

Frau Kaufmann, die immer aktiv war und auch sehr viele soziale Kontakte hatte, kann mit der neuen Situation nicht umgehen. Sie hadert mit sich und der Umwelt, trifft sich nur noch selten mit ihren Bekannten und Freunden. Sie wird zusehends depressiver, die Körperhygiene vernachlĂ€ssigt sie. Zu allem muss sie mehrfach aufgefordert werden. Vieles was sie selbst erledigen könnte, mĂŒssen die Angehörigen machen.

Was ist jetzt zu tun? Die körperliche Situation hat sich seit der Erteilung des Pflegegrades nicht geĂ€ndert. Wohl aber die psychische Situation. Aufgrund der Depressionen benötigt Frau Kaufmann viel mehr UnterstĂŒtzung von den Angehörigen, als mit dem erteilten Pflegegrad abgedeckt wird.

Jetzt ist es wichtig zu prĂŒfen, ob eine Höherstufung des Pflegegrades beantragt werden kann.


 

Faltbarer elektrischer Rollstuhl anstatt elektrische Schiebehilfe


Diese 8 Fehler sollten Sie bei der Begutachtung vermeiden

Die Feststellung der PflegebedĂŒrftigkeit erfolgt nach einem festgelegten Begutachtungssystem, das in 6 Module untergliedert ist. FĂŒr psychisch kranke Menschen (ohne körperliche BeeintrĂ€chtigungen) kommen hĂ€ufig die Module 3 bis 6 in Frage.

Es ist wichtig, dass der Betroffene, den fĂŒr seine Erkrankung richtigen Pflegegrad erhĂ€lt. Denn je höher der Pflegegrad, umso höher die Pflegeleistungen, die Ihnen zustehen. Die Höhe des Pflegegrades wird bei der MDK-Begutachtung entschieden. Wenn hier Fehler begangen werden, kann es dazu fĂŒhren, dass der Pflegegrad zu niedrig eingestuft wird oder womöglich komplett abgelehnt wird. So vermeiden Sie Fehler bei der MDK-Begutachtung.

Liegen psychische Erkrankungen vor, sollten diese Tipps noch berĂŒcksichtigt werden:

  1. FĂŒhren Sie einige Zeit vor der Begutachtung tĂ€glich ein Pflegetagebuch. Schreiben Sie auf, wo Sie UnterstĂŒtzung leisten. Mit einem Pflegetagebuch können Sie fĂŒr sich herausarbeiten, welchen zusĂ€tzlichen Mehraufwand Sie bei der Pflege haben, z.B. weil der PflegebedĂŒrftige die Pflege verweigert. Das sind dann spĂ€ter gute Argumentationsgrundlagen bei der MDK-Begutachtung.
  2. Bei der Begutachtung durch den MDK sollte immer ein Angehöriger anwesend sein. Das hat mehrere GrĂŒnde: Der Betroffene sollte Rede und Antwort stehen können, was ihm aber vielleicht auf Grund seiner psychischen Erkrankung gar nicht so leicht möglich ist. GedĂ€chtnisstörungen, NervositĂ€t, Konzentrationsstörungen, Stress usw. können dafĂŒr sorgen, dass der Betroffene gar nicht in der Lage ist, die Tragweite der Situation zu erfassen und korrekte Antworten zu geben.
  3. Außerdem wissen die Angehörigen am besten, welche UnterstĂŒtzung der Betroffene braucht. Diese Angaben sind wichtig fĂŒr den Gutachter, um sich einen umfassenden Eindruck von der Pflegesituation zu verschaffen.
  4. Absolute Ehrlichkeit ist wichtig. Betroffene schĂ€men sich hĂ€ufig, wenn sie zugeben sollen, dass sie an einer psychischen Erkrankung leiden. FĂŒr Ă€ltere Menschen ist das heute immer noch ein Tabuthema. Deshalb muss der pflegebedĂŒrftige Mensch gut auf die MDK-Begutachtung vorbereitet sein. Nehmen Sie ihm die Angst, ĂŒber seine Erkrankung zu sprechen.
  5. Sind Sie als Angehöriger darauf vorbereitet, dass sich der Betroffene gar nicht bewusst ist, wieviel Hilfe er benötigt und deshalb sagt, dass er noch alles selbst machen kann. Oder aber auch, dass aus Scham die Situation durch den Erkrankten falsch dargestellt wird. Hier sollten Sie als Angehöriger unbedingt eingreifen und die Situation richtig darstellen, denn sonst macht sich der Gutachter ein komplett falsches Bild von der Pflegesituation.
  6. Ist die Person wegen der psychischen Erkrankung bereits in Behandlung, bitte unbedingt bei der Begutachtung alle medizinischen Unterlagen wie Diagnosen, Befunde, Bescheinigungen, Atteste und eine Liste der verordneten Medikamente vorlegen. Wurde bereits eine psychiatrische Reha in Anspruch genommen, sollten Sie den Entlassbericht mit vorlegen. Damit sieht der Gutachter, dass es sich hier um ernsthafte Probleme und eine behandlungsbedĂŒrftige Erkrankung handelt. Denn: Jeder Mensch hat mal eine depressive Phase oder auch Ängste. Beim Pflegegradantrag geht es aber um die Abgrenzung, was „normal“ ist und was krankhaft und behandlungsbedĂŒrftig ist. Im Klartext: FĂŒr eine „normale“ Angst oder schlechte Laune gibt es keinen Pflegegrad, fĂŒr eine ernsthafte Erkrankung schon.
  7. Empfehlenswert ist es, wenn eine Fachperson bei der Begutachtung mit anwesend ist. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Mitarbeiter des Pflegedienstes fachlich viel bessere AuskĂŒnfte geben kann, als die Betroffenen und ihre Angehörigen.
  8. Machen Sie sich im Vorfeld Gedanken darĂŒber, welche Hilfsmittel Sie benötigen. Der Gutachter kann das dann gleich mit ins Gutachten aufnehmen. Das erleichtert die Genehmigung des Hilfsmittels durch die Pflegekasse.

Pflegegrad selbst beantragen oder Hilfe in Anspruch nehmen

Den „Antrag auf Pflegeleistungen“ können sie in der Regel selbst stellen. Da passiert noch nicht viel. Allerdings können ab der Begutachtung schnell Fehler passieren. Das haben Sie sicherlich schon beim Durchlesen der vorherigen Abschnitte bemerkt. Ab jetzt sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, wenn Sie sich mit der Begutachtung durch den MDK nicht auskennen. Das hat folgende GrĂŒnde:

  • Ist der pflegebedĂŒrftige Mensch allein bei der Begutachtung oder nur mit den Angehörigen, fĂ€llt die Einstufung in den Pflegegrad hĂ€ufig niedriger aus. Sind ausgebildete PflegefachkrĂ€fte bei der Begutachtung anwesend, können diese bessere fachliche Argumente zum tatsĂ€chlichen Gesundheitszustand des Betroffenen geben.
  • Mit dem Bescheid der Krankenkasse, ob der Pflegegrad anerkannt oder abgelehnt wurde, erhalten Sie ein Pflegegutachten. Dieses ist zu prĂŒfen, ob alle gesundheitlichen EinschrĂ€nkungen im Gutachten aufgenommen wurden. Wenn nicht, ist auch hier unter UmstĂ€nden eine falsche Pflegegradeinstufung erfolgt.
  • Oftmals fehlen nur 1 oder 2 Punkte fĂŒr einen höheren Pflegegrad. Hier muss geprĂŒft werden, ob nicht doch der höhere Pflegegrad gerechtfertigt gewesen wĂ€re.
  • Ist der Pflegegrad falsch, sollte Widerspruch eingelegt werden. Es ist erwiesen, dass selbst formulierte WidersprĂŒche seltener zum Erfolg fĂŒhren, wohingegen professionelle WidersprĂŒche wesentlich erfolgversprechender sind.
  • Wenn Sie fĂŒr den Widerspruch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, wird ein verantwortungsbewusster Pflegegutachter immer eine kostenlose ErsteinschĂ€tzung abgeben, ob ein Widerspruch zum Erfolg fĂŒhren wird.

Warum der richtige Pflegegrad so wichtig ist, möchte ich Ihnen hier noch mit Zahlen belegen. In der untenstehenden Tabelle haben wir Ihnen die Pflegeleistungen der Pflegekasse fĂŒr die Pflegegrad 1 – 3 zusammengestellt. Daraus ist ersichtlich, dass Sie mit Pflegegrad 2 jĂ€hrlich 17.496 Euro an Pflegeleistungen erhalten, im Gegensatz zu Pflegegrad 1 nur noch 2.220 Euro. Ich denke, fĂŒr diesen Betrag lohnt es sich zu kĂ€mpfen.

Eine AusfĂŒhrliche Auflistung der BetrĂ€ge finden Sie in meinem Beitrag zum PflegesachverstĂ€ndigen.

LeistungenPG 1PG 2PG 3
Gesamtanspruch Geld- und Sachleistungen im Monat185 €1.458 €2.296 €
Gesamtanspruch Geld- und Sachleistungen im Jahr2.220 €17.496 €27.552 €

   ☛  Favoriten:   

✚ Badumbau Wanne zur Dusche – Mit Pflegegrad 4.000 Euro Zuschuss
✚ Antirutsch-Beschichtung – FĂŒr Dusche, Fliesen und Badewanne
✚ Senkrechtlift - Die moderne Alternative zum Treppenlift
✚ Abrechnungsservice fĂŒr PKV + Beihilfe – Nie wieder selbst mit Krankenversicherung abrechnen

Fazit: Begutachtung und richtige EinschĂ€tzung der PflegebedĂŒrftigkeit

FĂŒr einen Laien ist es nicht einfach herauszufinden, welche EinschrĂ€nkungen fĂŒr die Einstufung in einen Pflegegrad wichtig sind und welche nicht. Dazu ein sehr einfaches Beispiel:

Herr Koch wohnt aufgrund einer Demenz bei seiner Tochter. Seine Wohnung wurde bereits vor vielen Monaten verkauft. Er glaubt jedoch, er wĂŒrde noch in seiner eigenen Wohnung leben und will bei jeder Gelegenheit zu sich nach Hause. (Weglauf-/Hinlauftendenz). Seine Tochter hat alle HĂ€nde voll zu tun, den Vater zu beschwichtigen, ihn am Weglaufen zu hindern und sinnvoll zu beschĂ€ftigen, damit er sein Vorhaben (das ZurĂŒckgehen in seine eigene Wohnung) vergisst.

Die Tochter von Herrn Koch betreut ihren Vater gerne und sieht das auch als selbstverstÀndlich an. Doch wird hier der enorme pflegerische Mehraufwand bei der Begutachtung nicht angegeben, wird der Betreuungsaufwand von Herrn Koch komplett falsch eingeschÀtzt. Das bedeutet dann, dass Herr Koch entweder gar keinen oder einen zu niedrigen Pflegegrad erhÀlt. Das wÀre schade.

Wir können Ihnen nur raten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Pflegegradantrag bei Depressionen

Depressionen – und oftmals damit einhergehend auch Angsterkrankungen – gehören mit zu den hĂ€ufigsten psychischen Erkrankungen. Da Depressionen auch gerade bei pflegebedĂŒrftigen Menschen oft anzutreffen sind, möchten wir hier nĂ€her auf die Thematik Pflegeantrag bei Depressionen eingehen.

Depressionen können bei Ă€lteren und pflegebedĂŒrftigen Menschen ganz spezielle Ursachen haben:

  • Menschen werden depressiv, wenn sie sich ihrer PflegebedĂŒrftigkeit und damit ihrer AbhĂ€ngigkeit von anderen Personen bewusst werden. Stellen Sie sich halbseitig gelĂ€hmte Schlaganfallpatienten vor, die sehr viel auf Hilfe angewiesen sind. Oder Demenzpatienten im Anfangsstadium, die genau wissen, wohin ihre Krankheit sie fĂŒhren wird. Patienten mit COPD (einer chronischen Lungenerkrankung) haben Angst, zu ersticken. So kommen zu den eigentlichen Krankheitssymptomen auch noch eine Depression und Angststörungen hinzu.
  • Sie wohnen alleine, vereinsamen, haben keine Ansprache und pflegen auch keine sozialen Kontakte mehr. Im tĂ€glichen Leben gibt es dann nur noch wenige „Stimmungsaufheller“ – also Vorkommnisse, die den Betroffenen Freude machen und aus der Lethargie herausreißen.
  • Der Verlust des Partners hinterlĂ€sst meist eine große LĂŒcke im Leben von Ă€lteren Menschen. Oft fehlt die Kraft, die LĂŒcke wieder sinnvoll auszufĂŒllen und sich auf ein neues Leben einzustellen. Die Betroffenen verlieren jeglichen Lebensmut. Manche Betroffene entscheiden sich in ihrer Trauer sogar fĂŒrs Sterbefasten.
  • Ältere Menschen haben oft multimorbide Erkrankungen. Da geht es nicht mehr um „es zwickt hier – und es zwackt dort“, sondern darum, dass diese Menschen durch ihre vielen Erkrankungen deutliche EinschrĂ€nkungen ihrer LebensqualitĂ€t erleiden und zum Teil starke Schmerzen haben.
  • Nicht vergessen werden darf, dass auch Medikamente eine Depression auslösen können. Je Ă€lter wir werden, desto mehr Krankheiten haben wir in der Regel. Je mehr Krankheiten, umso mehr Medikamente sind nötig. Bei einer auftretenden Depression lohnt es sich also durchaus, einmal einen Blick auf den Medikamentenplan zu werfen und zu prĂŒfen, ob vielleicht ein Medikament dabei ist, das eine Depression auslöst. Mein Tipp: Apotheker prĂŒfen auf Wunsch auch die Medikamente auf Neben- und Wechselwirkungen.

Worauf Familienmitglieder achten sollten: Wenn Ihnen auffĂ€llt, dass Ihr unterstĂŒtzungsbedĂŒrftiger Angehöriger sich verĂ€ndert, seinen Haushalt nicht mehr fĂŒhren kann, stĂ€ndig Anleitung benötigt, sein Leben nicht mehr eigenstĂ€ndig und nur noch mit fremder UnterstĂŒtzung fĂŒhren kann, dann ist womöglich eine Depression dafĂŒr verantwortlich. Dann sollten Sie prĂŒfen, ob ein Pflegegrad beantragt werden kann.

Ob ein Pflegegrad genehmigt wird, ist abhÀngig vom Schweregrad der Depression. Hierbei wird unterschieden zwischen:

  • Leichte depressive Episode
  • Mittelschwere Depression
  • Schwere Depression

Die AbklÀrung und Einstufung der Depression nimmt der Arzt vor.

Warum wurde der Antrag auf Pflegegrad bei psychischer Erkrankung abgelehnt?

Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der von einer psychischen Erkrankung betroffenen Personen. Liegt eine erhebliche BeeintrĂ€chtigung der SelbststĂ€ndigkeit vor, sollte ein Pflegegrad beantragt werden. Doch hĂ€ufig wird der erste Antrag auf Pflegeleistungen von der Pflegekasse abgelehnt. Das hat unterschiedliche GrĂŒnde, wie z.B:


Mobiler Notruf - fĂŒr zuhause & unterwegs
  • BeeintrĂ€chtigung nicht schwer genug: Wenn die EinschrĂ€nkungen durch die Erkrankung sehr gering oder nahezu nicht vorhanden sind, gibt es in der Regel keinen Pflegegrad, da nur sehr wenig UnterstĂŒtzung erforderlich ist.
  • Nicht richtig auf die MDK-Begutachtung vorbereitet: Bei der MDK-Begutachtung kann vieles falsch laufen. Deshalb mĂŒssen PflegebedĂŒrftige und die Angehörigen auf die MDK-Begutachtung richtig vorbereitet sein. Hier lesen Sie, wie Sie Fehler bei der MDK-Begutachtung vermeiden.
  • PflegebedĂŒrftigkeit falsch dargestellt: Bei psychischen Erkrankungen haben die Betroffenen gute und schlechte Tage. Tage, an denen sie fast gar nichts selbst erledigt bekommen und Tage, an denen es irgendwie dann doch geht. Um nun am Tag der Begutachtung nicht als Messie, hilfloser oder gar fauler Mensch dazustehen, werden alle KrĂ€fte mobilisiert. Es wird die nötige Kraft und Konzentration gesammelt und versucht, alle Faktoren so deutlich wie möglich dem Gutachter zu erklĂ€ren. Womöglich lĂ€sst man die Wohnung noch ordentlich herrichten, rĂ€umt alles auf, stellt sich im besten Licht dar. Nun kommt der Gutachter und sieht eine ordentliche Wohnung und einen Menschen vor sich sitzen, der den Anschein hat, dass er sein tĂ€gliches Leben im Griff hat und seine sozialen Kontakte pflegen kann. In so einer Situation ist die Ablehnung des Pflegegrades vorprogrammiert. Das bedeutet auf keinen Fall, dass die Wohnung unordentlich sein soll und dass sich der Betroffene schlechter darstellen soll als sein Gesundheitszustand tatsĂ€chlich ist. Es bedeutet, dass die Begutachtung sowohl fĂŒr den Pflegegrad-Antragsteller als auch den Gutachter zur Herausforderung werden kann.
  • FehleinschĂ€tzung des Begutachters: Ein anderer Grund ist, dass psychische Erkrankungen fĂŒr den Begutachter sehr schwierig einzuschĂ€tzen sind. Banal gesagt, wenn jemandem ein Bein fehlt, sieht man das. Wenn jemand Ängste hat oder sich selbst nicht motivieren kann, ist das oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich. FĂŒr den Gutachter ist es nun schwer zu erkennen ob tatsĂ€chlich eine BeeintrĂ€chtigung vorliegt und in welchem Ausmaß, oder ob das GegenĂŒber versucht sich Leistungen zu erschleichen, die nicht gerechtfertigt sind. Hier ist der Begutachter gefordert und muss versuchen so gut es geht die Situation einzuschĂ€tzen.
  • Fehlende Unterlagen: Es wurden wichtige medizinische Krankenunterlagen nicht vorgelegt.
  • Die Gesamtproblematik der Erkrankung wurde nicht in vollem Umfang dargestellt. Vielleicht wollte sich der Betroffene einfach keine BlĂ¶ĂŸe geben und zeigen, dass alles noch funktioniert.
  • Es wurde keine professionelle Hilfe in Anspruch genommen.
  • Uvm.

Widerspruch einlegen: Ihre Chance, wenn der Pflegegrad abgelehnt wurde

Wurde Ihr Antrag auf Pflegeleistungen abgelehnt, haben Sie die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen. Das macht in vielen FÀllen Sinn, denn eine hohe Zahl an Ablehnungen sind nicht berechtigt. Hier erfahren Sie mehr, wie Sie einen Widerspruch bei Ablehnung des Pflegegrads einlegen. Beim Widerspruch sollten zusÀtzlich noch beachten:

  • Sie haben die Möglichkeit, innerhalb der im Ablehnungsschreiben angegebenen Frist einen Widerspruch einzulegen. Es reicht, wenn Sie fristgerecht schreiben, dass Sie Widerspruch einlegen, danach können Sie die BegrĂŒndung nachreichen. Falls Sie mit dem Ablehnungsschreiben das Gutachten des MDKs nicht erhalten haben, sollten Sie dieses unbedingt gleich mit anfordern.
  • Die BegrĂŒndung muss dann aber sitzen. Hier mĂŒssen die Defizite des Betroffenen – und wie sich diese auf das tĂ€gliche Leben auswirken – klar herausgearbeitet werden. Sie mĂŒssen die Problematiken benennen, die auch als Kernpunkte des Begutachtungssystems anerkannt werden. Das ist keine leichte Aufgabe und fĂŒr einen Laien oft schwer durchfĂŒhrbar. Nehmen Sie spĂ€testens jetzt professionelle Hilfe in Anspruch, um den Ihnen zustehenden Pflegegrad zu erhalten.

Anzeige
Lassen Sie sich beim Beantragen eines Pflegegrades unterstĂŒtzen
Die Firma Familiara hat sich darauf spezialisiert, Sie bei AntrĂ€gen, Höherstufungen von Pflegegraden und Widerspruchsverfahren zu unterstĂŒtzen und zu begleiten. Das Angebot ist zwar kostenpflichtig, macht den Prozess aber fĂŒr Sie leichter und erhöht Ihre Aussicht auf Erfolg.
UnterstĂŒtzung beim Beantragen eines Pflegegrades anfordern
UnterstĂŒtzung bei der Höherstufung eines Pflegegrades anfordern
UnterstĂŒtzung beim Widerspruch gegen einen falschen Bescheid anfordern

Kostenlose telefonische Erstberatung
030 - 22 37 60 66
(Montag - Freitag 09:00 - 18:00 Uhr)

Wo können Angehörige von psychisch Kranken Hilfe erhalten?

Da psychische Erkrankungen auch die Angehörigen stark belasten können, ist es wichtig, dass auch sie Hilfe in Anspruch nehmen.

  • Pflegeschulung: Pflegende Angehörige haben Anspruch auf kostenlose Pflegeschulungen, speziell auch auf Schulungen zum Thema psychische Erkrankungen. Diese Schulungen können individuell auf Ihre persönliche Pflegesituation angepasst und bei Ihnen zu Hause durchgefĂŒhrt werden. Von den individuellen Pflegeschulungen profitieren die Angehörigen mehr als von reinen Standardschulungen.
  • Pflegedienst: Wenn die Pflege des Angehörigen schwierig wird, kann ein Pflegedienst hilfreich sein. Die PflegekrĂ€fte des ambulanten Pflegedienstes können dem Betroffenen mit der nötigen Distanz begegnen, damit dieser die Pflege zulĂ€sst. Gleichzeitig können sie den Angehörigen auf die persönliche Situation angepasste Hilfestellungen und Tipps geben. Ab Pflegegrad 2 werden die Leistungen des Pflegedienstes ĂŒber die Pflegesachleistungen direkt mit der Pflegekasse abgerechnet.
  • Selbsthilfegruppen: Auch fĂŒr Angehörige von psychisch kranken Menschen gibt es Selbsthilfegruppen, die mit Rat und Tat zur Seite stehen können.

Psychische Erkrankungen und Schwerbehinderung

Menschen die psychische Erkrankungen haben, können nicht nur einen Pflegegrad beantragen, sondern auch – wenn die Voraussetzungen gegeben sind, einen Schwerbehindertenausweis. Denn auch bei der Einstufung in einen Grad der Behinderung (GdB) werden nicht nur körperliche Behinderungen berĂŒcksichtigt, sondern auch psychische Erkrankungen.

So können z.B. Menschen mit einem schweren BurnOut, Depressionen, Neurosen, Zwangsstörungen, Suchtkrankheiten wie z.B. Alkohol- oder Drogensucht, uvm. durchaus einen Schwerbehindertenausweis erhalten.

Meine Lese-Empfehlung:

Wichtige Tipps:

  • Der Antrag auf Schwerbehinderung und der Antrag auf Pflegegrad haben nichts miteinander zu tun. Sie können sowohl einen Pflegegrad beantragen, also auch einen Schwerbehindertenausweis, oder auch nur eines von beiden.
  • Wurde Ihnen der Pflegegrad abgelehnt, heißt das nicht zwangslĂ€ufig, dass Ihnen gleichzeitig auch der Schwerbehindertenausweis abgelehnt wird.
  • Sollten Sie noch andere physischen oder psychischen EinschrĂ€nkungen haben, mĂŒssen Sie auch diese unbedingt beim Antrag auf Schwerbehinderung mit angeben. Somit können Sie evtl. einen höheren Grad der Behinderung erreichen. Das ist dann wichtig, wenn es um einen Schwerbehindertenausweis geht, den es erst ab einem GdB 50 gibt.
  • Wie sich der GdB zusammensetzt, welche Nachteilsausgleiche Sie haben usw., lesen Sie bitte in meinem Beitrag zur Feststellung einer Behinderung.
  • Je nach Höhe des Grades der Behinderung genießen Sie auch Sonderregelungen im Arbeitsleben, wie z.B. gesonderter KĂŒndigungsschutz, andere Arbeitszeitenregelungen usw.

Fragen und Antworten

Was sind psychische Erkrankungen?

Es gibt physischer (körperliche) Erkrankungen und psychische (seelische) Erkrankungen. Wer psychisch gesund ist, fĂŒhlt sich wohl, ist belastbar, kann sein Lebensbelastungen bewĂ€ltigen und pflegt soziale Kontakte.

Menschen mit einer psychischen Erkrankung hingegen haben VerĂ€nderungen in ihren Gedanken, sie fĂŒhlen sich nicht mehr wohl in der Gesellschaft, mit ihrer Arbeit und ihrer Umgebung. Das Denken, FĂŒhlen, Handeln und auch die Wahrnehmung ist verĂ€ndert. Diese VerĂ€nderungen fĂŒhren zu psychischen Krankheiten wie Depressionen, AngstzustĂ€nde, Selbstverletzung uvm.

Psychische Krankheiten

  • kann man nicht sehen,
  • bleiben hĂ€ufig unentdeckt,
  • sind medizinisch nicht wirklich messbar und
  • wirken sich auf alle Lebensbereiche aus.
Statistik zu psychischen Erkrankungen
  • Psychische Störungen sind die zweithĂ€ufigste Krankheit fĂŒr ArbeitsunfĂ€higkeit und der hĂ€ufigste Grund fĂŒr eine FrĂŒhverrentung
  • Ca. 800.000 Menschen sind jĂ€hrlich in stationĂ€rer Behandlung
  • Frauen ab 65 leiden doppelt so hĂ€ufig an einer Depression als MĂ€nner
  • Frauen sind deutlich hĂ€ufiger von psychischen Krankheiten betroffen als MĂ€nner
Psychische Erkrankungen wÀhrend der Corona-Pandemie

Seit der Corona-Pandemie steigen die Zahlen fĂŒr psychische Krankheiten sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern und Jugendlichen rapide an. Auch hier ist der Anstieg bei erwachsenen Frauen wieder deutlich höher als bei MĂ€nnern.

GrĂŒnde fĂŒr den Anstieg sind unter anderem:

Hatten Frauen vor Corona schon die Doppelbelastung mit Haushalt und Beruf, kamen jetzt auch noch dazu, Homeschooling, Homeoffice, Kinderbetreuung usw. unter einen Hut zu bringen.

WĂ€hrend der Ausgangssperren saßen alle zuhause, es gab quasi keine Entzerrung der hĂ€uslichen Situation. Kinder konnten nicht zu ihren Freunden, Schulunterricht und Hausaufgaben wurden zuhause gemacht, Schulessen viel weg dafĂŒr musste zuhause gekocht werden.

Auch die Kinder sind durch die Pandemie stark angegriffen. Besuche bei Freunden, im Freizeitverein, auf dem Spielplatz oder von kulturellen Veranstaltungen waren nicht möglich. DafĂŒr war den Kindern langweilig und sie vermissten tatsĂ€chlich den PrĂ€senzunterricht in der Schule.

Sind psychische Störungen vererbbar?
Stand heute geht man davon aus, dass psychische Krankheiten vererbt werden können. Es muss jedoch nicht sein, dass die Krankheit trotz Veranlagung durchbricht.
Wer behandelt psychische Erkrankungen?
Meist ist immer der Hausarzt mit einbezogen. Wichtig sind aber die FachĂ€rzte wie Psychiater, Psychologen, Neurologen, Psychotherapeuten. Außerdem ist es möglich, entweder vollstationĂ€r oder teilstationĂ€r in einer Fachklinik behandelt zu werden.
Wie werden psychische Störungen behandelt?

Welche Behandlung am sinnvollsten ist, entscheidet der Arzt. Folgende Behandlungsmöglichkeiten können in Frage kommen:

  • Medikamentöse Behandlung
  • Psychotherapie
  • Psychoanalyse
  • Verhaltenstherapie
  • Hypnose
Sind psychische Krankheiten heilbar?

Viele psychische Erkrankungen sind heilbar. Aber auch wenn die Krankheit nicht ganz geheilt werden kann, so können doch meist die Symptome gut behandelt und deutlich gelindert werden.

Es ist wichtig, fachÀrztliche Behandlung in Anspruch zu nehmen, denn die Selbstmordquote bei Menschen mit psychischen Erkrankungen ist hoch.

Co-Autorin

Exam. Krankenschwester
Autor: Sandra LĂ€pple
Erste Anlaufstelle im Fachbereich Kranken- und Altenpflege bei unseren Pflegelotsen

Frau LĂ€pple ist stĂ€ndige Mitarbeiterin bei Pflege-durch-Angehörige.de und Ansprechpartnerin fĂŒr unseren Pflegelotsen-Service im Bereich Kranken- und Altenpflege. Als examinierte Krankenschwester arbeitete sie auf diversen Krankenhausstationen, zuletzt als Pflegefachkraft in der Geriatrie. Somit kommt sie direkt von der Pflege-Front und kennt die Probleme der pflegebedĂŒrftigen Menschen und ihrer Angehörigen in allen Lebenslagen.

Mit ihrem medizinischen und geriatrischen Fachwissen unterstĂŒtzt sie uns professionell mit ihren Fach-BeitrĂ€gen. Frau LĂ€pple ist es ein großes Anliegen, endlich den PflegebedĂŒrftigen und ihren Familien wirklich mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können, was leider im Pflegealltag im Krankenhaus immer mehr verloren ging.“
Pflege-durch-Angehoerige

Quelle Bildmaterial:#Canva-Member © for free von seventyFour Getty Images

Inkontinenzmaterial auf Rezept - Jetzt kostenloses Musterpaket anfordern

 

Weitere BeitrÀge zum Thema Pflege

Unser Newsletter
fĂŒr Sie!

Tipps zur Pflegekasse & Pflegegeld,
Kurzzeit- u. Verhinderungspflege, Fehler bei MDK-Begutachtung, Entlastungsbetrag, GesetzesÀnderungen uvm.

Tragen Sie sich jetzt fĂŒr unseren kostenlosen Newsletter ein. Er erscheint 1-2 Mal pro Monat und hat das Ziel, dass Sie sich zukĂŒnftig im Pflegedschungel zurechtfinden und die Pflege erleichtert wird!

Diesen Beitrag in Ihrem Netzwerk teilen