Grad der Behinderung bei Migräne – Tabelle, Vorteile & Leistungen

Behinderung bei Migräne
Behinderung bei Migräne. Die Auswirkungen einer Migräne können so stark sein, dass ein Behindertenausweis beantragt werden kann.

Migräne ist mehr als nur starke Kopfschmerzen – sie kann den Alltag stark beeinflussen. Dieser Ratgeber-Artikel beschäftigt sich mit dem Thema “Behinderung bei Migräne“. Hier erfahren sie welche Schwierigkeiten auftreten können. Wir besprechen, was nötig ist, um als (schwer)behindert anerkannt zu werden und welche Unterstützung möglich ist.

Hat man bei Migräne eine Behinderung? 

Für die sogenannte „echte Migräne“ besteht, wie bei einigen anderen Krankheiten auch, die Möglichkeit ein Grad der Behinderung zu bekommen. Wie hoch der Grad der Behinderung ausfällt und ob es einen Schwerbehindertenausweis gibt, hängt von der Schwere und der Häufigkeit der Migräne ab. 

Welche Formen der Migräne gibt es? 

Migräne mit Aura: Bei der Migräne mit Aura treten vor dem eigentlichen Kopfschmerz neurologische Symptome auf, die in der Regel etwa 30 Minuten bis 60 Minuten andauern. Diese Symptome können sein: 

  • Sehstörungen, z. B. Flimmern, blinde Flecken oder Gesichtsfeldausfälle 
  • Sprachstörungen 
  • Taubheitsgefühle 
  • Kribbeln 
  • Schwindel 
  • Doppeltsehen 
  • Schwierigkeiten beim Sprechen oder Gehen 

Migräne ohne Aura: Bei der Migräne ohne Aura treten die Kopfschmerzen ohne Vorboten auf. Die Kopfschmerzen sind in der Regel einseitig und können zwischen 4 und 72 Stunden andauern. 

Weitere Formen der Migräne sind beispielsweise: 

  • Chronische Migräne: Bei der chronischen Migräne treten Kopfschmerzen an 15 oder mehr Tagen im Monat auf. 
  • Menstruelle Migräne: Die Migräne tritt nur oder vorwiegend in der Zeit um die Menstruation auf. 
  • Abdominelle Migräne: Die Kopfschmerzen sind von Bauchschmerzen begleitet. 
  • Hemiplegische Migräne: Die Migräne ist mit einer vorübergehenden Lähmung auf einer Körperseite verbunden. 
  • Retinale Migräne: Die Migräne ist mit Sehstörungen in einem Auge verbunden. 
  • Migräne mit Hirnstammaura: Die Migräne ist mit Symptomen wie Schwindel, Doppeltsehen, Sprachstörungen und Gleichgewichtsstörungen verbunden. 

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Behinderung bei Migräne – Grad der Behinderung 

Wie viel Prozent Behinderung bekommt man bei Migräne? 

Die Höhe des GdB hängt maßgeblich davon ab, wie stark die Migräne ausgeprägt ist und wie stark die Verläufe ausgeprägt sind. Es wird grundsätzlich zwischen echte Migräne mit leichten, mittleren oder schweren Verläufen unterschieden und kann einen GdB von 0 – 60 zur Folge haben. Maßgebend für die Berechnung des GdB ist dabei Schwere der Migräne und die Häufigkeit. 

Grad der Behinderung (GdB) Tabelle Migräne 

Erkrankung GdB Wert 
Echte Migräne mit leichten Verläufen: Leichte bis moderate Intensität, Anfälle mindestens 4-mal im Monat GdB 0 – 10 
Echte Migräne mit mittelschweren Verläufen: moderate bis schwere Intensität, Anfälle mindestens 4-mal im Monat GdB 20 – 40 
Echte Migräne mit schweren Verläufen: schwere Intensität, Anfälle mindestens 4-mal im Monat GdB 50 – 60 
Quelle: Bundesamt für Justiz

Merkzeichen bei Schwerbehinderung – Migräne 

Für die echte Migräne wird es in den meisten Fällen kein Merkzeichen geben. Da Migräneattacken unterschiedlich stark ausfallen und nicht zwangsläufig zu einer dauerhaften Beeinträchtigung führen, erhalten nicht alle Betroffenen automatisch ein spezifisches Merkzeichen. Die Entscheidung basiert auf einer individuellen Bewertung durch medizinische Gutachter, die den Grad der Beeinträchtigung berücksichtigen.

Behinderung bei Migräne – Vorteile und Leistungen 

Es ist wichtig zu wissen, dass die Hilfe, die jemand mit Migräne bekommt, von seiner individuellen Situation, dem Grad der Beeinträchtigung und den Gesetzen abhängt. Es ist empfehlenswert, direkt mit den entsprechenden Behörden oder Institutionen zu sprechen, um die genauen Unterstützungsmöglichkeiten zu besprechen.

Warum braucht man einen Behindertenausweis bei Migräne? 

Ein Grad der Behinderung wird nicht zwingend benötigt, allerdings gehen mit einem Grad der Behinderung gewisse Nachteilsausgleiche (umgangssprachlich auch häufig Vorteile genannt) einher. Je höher der GdB, desto höher ist beispielsweise die Steuererleichterung durch den Behindertenpausch-Betrag.   

Was bringt ein Behindertenausweis bei Migräne? 

Ab einem GdB von 50, der bei einer schweren Migräne erreicht werden kann erhält man einen Schwerbehindertenausweis. Neben dem Steuervorteil gibt es noch 5 Tage mehr Urlaub für Erwerbstätige, 2 Jahre früherer Renteneintritt, vergünstigte Eintrittspreise für öffentliche Einrichtungen etc. 

Was bringt mir der jeweilige Grad der Behinderung bei Migräne? 

GdB Nachteilsausgleich 
GdB 20 Steuerlicher Pauschbetrag 384 € 
GdB 30 Steuerlicher Pauschbetrag 620 € 
GdB 40 Steuerlicher Pauschbetrag 860 € 
GdB 50 Steuerlicher Pauschbetrag 1140 €, Sonderurlaub, Kündigungsschutz, Ermäßigte Eintrittsgelder, Erleichterungen bei der Ausbildung und Beschäftigung, Zugang zu speziellen Einrichtungen und Diensten 
GdB 60 Steuerlicher Pauschbetrag 1440 €, wie bei GdB 50 jedoch zusätzlich Berücksichtigung bei der Arbeitsplatzgestaltung  

Welche Nachteile bringt ein Behindertenausweis bei Migräne? 

Nachteile kann es beispielsweise im Arbeitsleben geben, wenn ein behinderter Mensch einen neuen Arbeitsplatz sucht. Zwar sind die Betriebe dazu angehalten Menschen mit einer Behinderung einzustellen, dennoch können Gründe vorgeschoben werden, die eine Einstellung dann verhindern. 

Behinderung bei Migräne – Voraussetzungen 

Wann kann man bei Migräne einen Behindertenausweis beantragen? 

Bei einer schweren Migräne ist es durchaus möglich, dass ein Schwerbehindertenausweis beantragt und bewilligt werden kann. In der schweren Form bekommt man bei einer Migräne einen GdB bis zu 60 und somit auch den Schwerbehindertenausweis. 

Wann lohnt es sich, bei Migräne einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen? 

Ab einer mittelschweren Migräne. Bereits ab einem GdB von 20, der bei der mittelschweren Migräne erreicht werden kann gibt es einen Steuervorteil, den sogenannten Behinderten-Pauschbetrag. 


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Behinderung bei Migräne – Antrag 

Wie beantrage ich einen Schwerbehindertenausweis bei Migräne? 

Die Antragstellung ist relativ einfach. Sie müssen lediglich den Antrag auf die „Feststellung einer Behinderung“ bei Ihrem zuständigen Versorgungsamt downloaden oder sich diesen zuschicken lassen. In der Regel müssen Sie im Antrag neben den Angaben zur Person auch Angaben zur Krankheit machen. Seit wann besteht die Krankheit, welche Ärzte sind bei der Behandlung involviert etc. den ausgefüllten Antrag senden Sie dann an das zuständige Versorgungsamt zurück. 

TIPP: Sprechen Sie vorher mit den behandelten Ärzten über Ihr Vorhaben, die können dann Ihre Berichte bei Bedarf noch fehlende, relevante Untersuchungen durchführen und den Bericht ergänzen. 

Welche Unterlagen brauche ich, um einen Schwerbehindertenausweis bei Migräne zu beantragen? 

Selbst müssen Sie in der Regel keine Unterlagen bereitstellen. Das Versorgungsamt schreibt die zuständigen Ärzte an, die Sie genannt haben und fordert zu der Krankheit die Berichte an. 

Wie funktioniert die Feststellung bzw. Einstufung der Behinderung bei Migräne? 

Die Feststellung des GdB bei Migräne funktioniert so, dass das Versorgungsamt die Berichte und Unterlagen von den behandelten Ärzten erhält und beurteilt. Meist geben die Ärzte in den Berichten den Schweregrad bereits an, also beispielsweise „mittelschwere Migräne mit Aura“. So kann das Versorgungsamt anhand der „GdB-Tabelle“ den Grad der Behinderung festlegen. 

Behinderung bei Migräne – Dauer der Gültigkeit 

Wie lange gilt die Schwerbehinderung bei Migräne? 

Der GdB, der je nach Schwere der Migräne festgestellt wurde gilt in der Regel für 5 Jahre und muss dann verlängert werden 

Kann der Grad der Behinderung bei Migräne aberkannt werden? 

Ja durchaus kann der Grad der Behinderung bei echter Migräne wieder aberkannt werden. Es kann sein, dass die Migräne irgendwann entweder schwächer wird oder ganz „geheilt“ ist, und keine weiteren Anfälle auftreten. In dem Fall wird der GdB angepasst oder ganz gestrichen. 

Welchen GdB hat man bei Migräne nach Heilungsbewährung? 

Nach der Heilungsbewährung von 5 Jahren wird der GdB erneut festgelegt. Sollte die Migräne schwächer geworden sein wird der entsprechende GdB dafür vergeben.  

Es kommt also auf den ursprünglichen Schweregrad an und welcher Grad nach den 5 Jahren durch den Arzt bestätigt wird. 

Wann bekommt man bei Migräne einen Schwerbehindertenausweis unbefristet? 

Einen unbefristeten Schwerbehindertenausweis für Migräne gibt es aktuell nicht. Der Ausweis ist auf 5 Jahre befristet. Um den Ausweis zu verlängern muss der „Antrag auf Verlängerung“ beim Versorgungsamt angefragt werden. Dieser Antrag wird vom Arzt bestätigt, wenn sich der Zustand nicht gebessert hat.   

Behinderung bei Migräne – Schwerbehinderung und Rente 

Wie wirkt sich Schwerbehinderung auf die Rente aus? 

Wenn im Falle einer schweren Migräne ein GdB ab 50 festgestellt wird, gilt man als schwerbehindert. In dem Fall kann man 2 Jahre früher und ohne Abzüge in Rente gehen. Somit wirkt sich die Schwerbehinderung positiv auf das Renteneintrittsalter aus. 

Bekommt man mehr Rente bei einer Schwerbehinderung? 

Nein, als Mensch mit einer Schwerbehinderung kann man unter gewissen Voraussetzungen zwar früher in Rente gehen, allerdings bekommt die Person nicht mehr Rente.  

Wann kann ein Schwerbehinderter in Rente gehen? 

Durch den Nachteilsausgleich den schwerbehinderte Menschen haben ist es möglich zwei Jahre früher in die Regelrente zu gehen. Abzüge müssen sie auch nicht befürchten, denn durch den Nachteilsausgleich gibt es für die zwei Jahre keine Abzüge. Wer noch früher in Rente gehen möchte hat als schwerbehinderte Person geringere Abzüge als nicht behinderte Personen. 

Neues Rentenpaket für Schwerbehinderte 2023 – Tabelle 

Baustein Leistung 
Abschlagsfreie Rente für Schwerbehinderte ab 60 Schwerbehinderte Menschen, die vor 1952 geboren sind, können ab dem 1. Juli 2023 abschlagsfrei in Rente gehen. Dies gilt für Menschen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 und einer Wartezeit von mindestens 35 Jahren 
Geringfügige Rentenabschläge bei vorzeitigem Renteneintritt  Schwerbehinderte Menschen, die vorzeitig in Rente gehen, müssen künftig nur noch geringfügige Rentenabschläge in Kauf nehmen. Die Abschläge werden auf maximal 10,8 Prozent begrenzt. 
Höhere Rente für Schwerbehinderte  Die Rente für Schwerbehinderte wird ab dem 1. Juli 2023 um 0,7 Prozent erhöht. Dies gilt für alle Schwerbehinderten, unabhängig vom Grad der Behinderung. 
Weitere Verbesserungen  – Erhöhung der Freibeträge für schwerbehinderte Menschen bei der Einkommensanrechnung  – Erhöhung des Zuschlags für Schwerbehinderte an die Rente wegen Erwerbsminderung 

FAQ – Häufige Fragen zum Grad der Behinderung bei Migräne

Welchen GdB hat man bei Migräne nach 5 Jahren?

Es kommt darauf an, ob sich die Migräne verbessert oder verschlechtert hat. Für die echte Migräne kann ein GdB von 10 – 60 vergeben werden. 

Bringt ein Schwerbehindertenausweis bei Migräne Steuervorteile?

Ja, wer einen Schwerbehindertenausweis für die Migräne erhalten hat, hat den GdB von mindestens 50. Der Steuervorteil bei einer Schwerbehinderung wegen Migräne beträgt daher zwischen 1.140 € und 1.440 €. Bitte beachten Sie, dass ein GdB von weniger als 50 keine Schwerbehinderung ist, aber auch für unter GdB 50 gibt es den Behinderten-Pauschbetrag. 

Welche finanziellen Hilfen gibt es bei Migräne noch?

Neben den Nachteilsausgleichen gibt es unter Umstände noch: 
– Erwerbsminderungsrente, sofern aufgrund der Behinderung kein Arbeiten im erlernen Beruf oder einem Beruf, der den Fähigkeiten und Kenntnissen entspricht, mehr möglich ist. 
– Schwerbehindertenrente, sofern die Voraussetzung der 35 Beitragsjahre zur Rentenkasse und der GdB von mindestens 50 erfüllt sind. 
– Zuschuss zum Arbeitsgerät, wenn für die Ausübung der Arbeit ein spezielles Arbeitsgerät benötigt wird. 
– Zuschuss zur Hausarbeit, sofern aufgrund der Einschränkungen die Arbeiten im Haushalt nicht mehr selbst verrichtet werden können 

Gibt es für Migräne einen Pflegegrad?

Unter gewissen Voraussetzungen kann es bei einer schweren Migräne zu Beeinträchtigung der Selbstständigkeit kommen und die Fähigkeiten im Alltag negativ beeinflussen. Es ist daher unter Umständen möglich einen Pflegegrad für Migräne zu erhalten. 

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Fachautor

Michael Beier

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