Menschen, die pflegebedürftig sind, erhalten einen Pflegegrad und damit verbunden entsprechende Leistungen und Vergünstigungen durch die Pflegekasse. Doch diese Leistungen erhalten Sie nicht automatisch. In der Regel müssen diese beantragt werden. Hinzu kommt, dass die Höhe der Leistungen abhängig ist vom Pflegegrad. Mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz II, das zum 01.01.2017 in Kraft trat, hat sich ja vieles geändert. Nicht nur, dass aus Pflegestufen die Pflegegrade wurden.

Mit diesem Pflegegrad-Ratgeber erhalten Sie alle Informationen rund um das Thema Pflegegrade und worauf Sie dabei unbedingt achten sollten. Die Pflegegrade sind einfach erklärt und enthalten alle wichtigen Hintergrundinformationen

 

Inhaltsverzeichnis

 

Was hat sich zum 01.01.2017 geändert

Mit der Pflegereform zum 01.01.2017 kamen einige Änderungen und Neuerungen. Die gravierendsten Änderungen waren wohl, dass aus den drei Pflegestufen fünf Pflegegrade wurden und dass die Einstufung in den Pflegegrad nicht mehr nach dem zeitlichen Pflegeaufwand berechnet wird.

Stattdessen wird die Pflegebedürftigkeit anhand der Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen festgelegt. Einfach formuliert: Je mehr Hilfebedarf eine Person in den abgefragten Modulen benötigt, umso höher wird die Einstufung in einen Pflegegrad.

Ein ganz wichtiger Punkt ist auch die Regelung: Häusliche Pflege vor stationärer Pflege. Im § 3 SGB XI heißt es, dass die Pflegeversicherung mit ihren Leistungen vorrangig die häusliche Pflege und die Pflegebereitschaft von pflegenden Angehörigen und Nachbarn unterstützen soll, damit die pflegebedürftigen Personen so lange wie möglich im häuslichen Umfeld bleiben können. Unterstützend sind dazu auch die Leistungen der Kurzzeitpflege, der Tages- und Nachtpflege und der Verhinderungspflege.

Alle Änderungen ab 2017 lesen Sie bitte in meinem Beitrag „Das neue Pflegestärkungsgesetz – Alle Änderungen auf einen Blick“ oder auch in diesem Beitrag „Reform der Pflegeversicherung 2017 – das müssen Angehörige wissen“ nach.

 

Wer ist der Ansprechpartner in Bezug auf Pflegegrade und Pflegebedürftigkeit

Wer pflegebedürftig ist und einen Pflegegrad hat, für den ist die Pflegekasse der richtige Ansprechpartner. Aber wer ist die Pflegekasse?

Im Prinzip ist es so, dass die gesetzliche Pflegekasse (gesetzliche Pflegeversicherung) das gleiche ist wie Ihre gesetzliche Krankenkasse (Krankenversicherung). Also quasi eine Versicherung, die aus zwei Töpfen die Einnahmen und Ausgaben abrechnet.

Ich möchte das gerne an einem Beispiel erklären:

  • Wenn Sie krank sind (OHNE Pflegegrad) und ein entsprechendes Krankenbett benötigen, übernimmt Ihre Krankenversicherung die Kosten für das Krankenbett.
  • Wenn Sie pflegebedürftig sind (MIT Pflegegrad) und ein Krankenbett benötigen, übernimmt die Pflegekasse Ihrer Krankenversicherung die Kosten für das Pflegebett.
  • Angenommen, Sie sind bei der AOK gesetzlich krankenversichert, dann sind Sie auch bei der AOK pflegeversichert. Sind Sie bei der Barmer krankenversichert, sind Sie auch automatisch bei der Barmer pflegeversichert.

 

Wer bekommt einen Pflegegrad

Voraussetzung um einen Pflegegrad zu erhalten ist, dass eine Pflegebedürftigkeit vorliegt. Ob bei Ihnen eine Pflegebedürftigkeit vorliegt, entscheidet der Gutachter des Medizinischen Dienstes (MDK). Seine Aufgabe ist es, den Pflegebedarf zu ermitteln und die Pflegebedürftigkeit festzustellen. Dazu führt er eine Begutachtung (meist direkt im häuslichen Umfeld) durch.

Die gängige und landläufige Meinung ist, dass ein Pflegegrad für ältere Menschen beantragt wird. Das ist jedoch nicht richtig, denn nicht nur Altersgebrechen führen zu Pflegebedürftigkeit. Schon kleine Kinder können pflegebedürftig sein und einen Pflegegrad erhalten. Junge Erwachsene können durch einen Unfall zu einem Pflegefall werden. Jeder kann durch einen Krankheit von einem Tag zum anderen zum Pflegefall werden. Die Liste ist damit noch lange nicht zu Ende.

Hier einige Beispiele an Krankheiten und körperlichen Einschränkungen bei denen – je nach Schwere der Einschränkung – eine Genehmigung für einen Pflegegrad durchaus möglich sein kann:

  • Krebserkrankungen
  • Bei schwereren Formen von Diabetes
  • Bei Dialysepatienten
  • Parkinson
  • ALS
  • Epilepsie
  • MS (Multiple Sklerose)
  • COPD (Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung)
  • nach einer Amputation
  • nach einem Unfall oder einem Oberschenkelhalsbruch
  • nach einem Schlaganfall
  • bei einer geistigen Behinderung
  • Menschen mit psychischen Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen

Übrigens: Was Sie wissen sollten, wenn Sie einen Pflegefall in der Familie haben, lesen Sie hier: Plötzlich Pflegefall – Checkliste: Was ist zu tun und wer hilft weiter.

 

Wie wird Pflegebedürftigkeit definiert

Das Pflegegesetz sieht es vereinfacht so: Wer einen Pflegegrad hat, ist auch pflegebedürftig. Doch die Pflegebedürftigkeit ist genau definiert und geregelt. Mehr dazu lesen Sie bitte in meinem Beitrag  „Wer ist per Definition pflegebedürftig“.

Extra-Tipp: Wer einen Pflegegrad hat und zu Hause gepflegt wird, hat jeden Monat Anspruch auf kostenlose Pflegehilfsmittel. Diese können Sie hier einfach bestellen.

 

Wie wird ein Pflegegrad beantragt

WIE Sie den Pflegegrad beantragen und wie GUT Sie darauf vorbereitet sind, ist ganz wichtig, ob Sie den Pflegegrad auch genehmigt bekommen. Um einen Pflegegrad zu beantragen reicht im Grunde genommen ein Anruf bei der Pflegekasse. Dies kann schon als Antrag auf Pflegeleistungen anerkannt werden.

Doch was passiert, wenn der Sachbearbeiter Ihrer Krankenversicherung den Antrag versehentlich in den Papierkorb geworfen oder geschreddert hat? Das ist sicherlich nicht die Regel, aber es kann passieren. Damit ist dann Ihr telefonischer Antrag auf Pflegeleistungen nicht mehr nachweisbar. Und das Nachweisen des Antragsdatums ist wichtig, denn Pflegeleistungen erhalten Sie schließlich ab dem Tag der Antragstellung. Rufen Sie also nach drei Wochen bei Ihrer Pflegeversicherung an und fragen nach, was Ihr Pflegegrad-Antrag macht, wird man diesen nicht finden und Sie können nicht nachweisen, dass Sie unter Umständen eigentlich schon viel länger ein Recht auf Pflegeleistungen hätten.

Das ist nur einer von vielen Fehlern, der beim Beantragen eines Pflegegrades passieren kann. Mehr dazu lesen Sie in meinem Beitrag „Pflegegrad beantragen – So vermeiden Sie Fehler“.

Nehmen Sie sich auch unbedingt professionelle Hilfe beim Beantragen eines Pflegegrades. Pflegestützpunkte helfen Ihnen gerne weiter. Aber auch Sozialdienste von Krankenhäusern oder Pflegedienste helfen.

Eine persönliche Einschätzung, ob bei Ihnen ein Pflegegrad vorliegen könnte, erhalten Sie über meinen kostenlosen Pflegegradrechner. Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei nur um eine ungefähre Einschätzung handeln kann. Die endgültige Entscheidung über die Erteilung eines Pflegegrades trifft die Pflegekasse.

 

 

Wo wird ein Pflegegrad beantragt

Den Antrag auf Pflegeleistungen (Pflegegeldantrag) stellen Sie bei Ihrer Krankenversicherung. Sie können diesen telefonisch (nicht ratsam) oder schriftlich einreichen. Sie erhalten dann über die Krankenkasse einen Termin zur Begutachtung durch den MDK. Das bedeutet, ein Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung kommt zu Ihnen nach Hause und stellt fest, ob Sie pflegebedürftig sind oder nicht. Der Gutachter verfasst daraufhin ein Gutachten auf Basis seiner Einschätzungen, welches dann der Krankenversicherung vorgelegt wird. Letztendlich entscheidet die Krankenversicherung/Pflegeversicherung über die Genehmigung oder Ablehnung des Pflegegrades.

 

Erhöhung des Pflegegrades

Am gesundheitlichen Zustand einer pflegebedürftigen Person kann sich schnell mal etwas ändern. Gerade in der häuslichen Pflege ist es wichtig, dass dann ein Antrag auf Erhöhung des Pflegegrades gestellt wird. Die Höherstufung in einen anderen Pflegegrad hat zur Folge, dass Sie auch höhere Pflegeleistungen wie z.B. Pflegegeld usw. erhalten.

 

Pflegegrad über das Krankenhaus oder einen Pflegedienst beantragen

Wie bereits erwähnt, ist es sinnvoll, sich für das Beantragen eines Pflegegrades professionelle Hilfe zu nehmen. Ist der Antragsteller jedoch im Krankenhaus oder in einer Reha, gibt es die Möglichkeit, dass der Pflegegrad gleich dort über den Sozialdienst beantragt wird. Das macht Sinn, weil dann gleich alle wichtigen Arztberichte mit beigelegt werden und die Mitarbeiter des Sozialdienstes in der Regel sehr versiert sind. Der Sozialdienst kann auch gut einschätzen, ob Chancen auf die Erteilung eines Pflegegrades bestehen oder nicht. Das gleiche geht auch über einen Pflegedienst. Mehr dazu in diesem Beitrag „Pflegestufe über Sozialdienst eines Krankenhauses beantragen“.

 

Ist es möglich, rückwirkend einen Pflegegrad zu beantragen

Viele Menschen merken oft zu spät, dass sie eigentlich schon längere Zeit pflegebedürftig wären. Dadurch hatten sie vielleicht einen finanziellen Aufwand für ihre Pflege, aber keine Kostenerstattung durch die Pflegekasse, weil eben kein Pflegegrad vorlag. Aber ist es möglich, nachträglich noch einen Pflegegrad zu beantragen?

Nein, das funktioniert nicht. Wie sollte beispielsweise der Gutachter des MDKs den genauen Termin der Pflegebedürftigkeit feststellen. Er kennt ja den Pflegebedürftigen nicht und weiß auch nicht, seit wann er in welchem Umfang pflegebedürftig ist.

Die Pflegeleistungen werden jedoch rückwirkend ab dem Tag der Antragstellung bezahlt. Mehr dazu hier: „Kann ein Pflegegrad rückwirkend beantragt werden“.

 

Was tun, wenn der Pflegegrad abgelehnt wurde

Oftmals wird ein Pflegegrad beim ersten Antrag abgelehnt. Dafür gibt es verschiedene Ursachen. Vielleicht konnte dem Gutachter die Pflegebedürftigkeit nicht richtig vermittelt werden, vielleicht wurden wichtige Punkte vergessen mitzuteilen. Die Gründe können aber ebenso gut bei der Pflegeversicherung liegen. Gründe, die wir hier nicht kennen.

 

Einkaufen?   Zum Arzt?   Freunde besuchen?

 

Oftmals ist es so, dass bei berechtigter Pflegebedürftigkeit beim 2. Antrag der Pflegegrad genehmigt wird. Deshalb sollten Sie unbedingt sofort Widerspruch einlegen, wenn Sie einen ablehnenden Bescheid bezüglich Ihres Pflegegradantrages erhalten haben.

ACHTUNG: Bitte unbedingt die Widerspruchsfrist einhalten. Diese steht auf Ihrem Ablehnungsbescheid.

Mehr zum Thema Widerspruch bei einem abgelehnten Pflegegrad lesen Sie hier: „Pflegegrad abgelehnt – sofort Widerspruch einlegen“. Und hier erhalten Sie den passenden „Musterbrief: Widerspruch gegen Einstufung Pflegegrad“.

 

Was tun, wenn Sie in einen zu niedrigen Pflegegrad eingestuft wurden

Auch das ist möglich, dass Sie nämlich in einen zu niedrigen Pflegegrad eingestuft werden. Nehmen Sie dafür unbedingt Hilfe in Anspruch. Ein Pflegedienst oder ein Pflegestützpunkt können Ihnen richtungsweisend sagen, ob Sie zu gering eingestuft wurden. Es ist zum Beispiel wichtig, dass Sie zumindest in einen Pflegegrad 2 eingestuft werden, wenn Sie entsprechende Einschränkungen haben. Denn erst im Pflegegrad 2 erhalten Sie die vollen Pflegeleistungen und auch Pflegegeld.

 

Wer kann einen Pflegegrad beantragen

Nur der Pflegebedürftige selbst kann einen Pflegegrad mit seiner Unterschrift beantragen. Das bedeutet, weder ein Krankenhaus noch ein Pflegeheim kann einfach mal so ohne die Einwilligung des Pflegebedürftigen einen Pflegegrad beantragen. Ist er selbst nicht mehr dazu in der Lage, kann sein gesetzlicher Vertreter den Antrag auf Pflegeleistung stellen und unterschreiben.

Mehr dazu finden Sie in diesem Beitrag „Wer darf einen Pflegegrad beantragen?

 

Meine Buchempfehlungen zum Thema Pflege

 

Welche Pflegegrade gibt es

Aus den 3 Pflegestufen wurden zum 01.01.2017 fünf Pflegegrade. Die Pflegegrade 2 bis 5 sind „vollwertige Pflegegrade“, wohingegen es beim Pflegegrad eins deutlich weniger Leistungen gibt.

Personen, die bis 2016 bereits eine Einstufung in eine Pflegestufe hatten, wurden automatisch in einen vorgegebenen Pflegegrad übergeleitet. Wie diese Überleitung stattfand, habe ich in meinem Beitrag „PSG II verstehen: So wird Ihre Pflegestufe in die neuen Pflegegrade umgerechnet“ beschrieben.

Für Personen, die zum 01.01.2017 noch keinen Pflegegrad hatten und bereits nach dem neuen Begutachtungssystem begutachtet wurden, wird der Pflegegrad anhand von Punkten berechnet.

Was Sie über die fünf Pflegegrade wissen sollten – Hier eine Übersicht über die Pflegegrade:

 

Pflegegrad 1

Wie bereits erwähnt, gibt es im Pflegegrad eins nicht die vollen Leistungen wie in den anderen Pflegegraden. Er ist von der Art her auch neu und ist nicht zu vergleichen mit einer vorherigen Pflegestufe.

Mehr über die Besonderheiten des Pflegegrad 1 lesen Sie bitte in meinem Beitrag „Pflegegrad 1 – Chance für finanzielle Unterstützung bei geringer Pflegebedürftigkeit“.

 

Voraussetzung für Pflegegrad 1

Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit.

 

 

Pflegeleistungen in Pflegegrad 1

Welche Pflegeleistungen gibt es nun bei Pflegegrad 1 von der Pflegekasse? Beim Pflegegrad 1 erhalten Sie Geldleistungen, Pflegesachleistungen und Zuschüsse. Außerdem haben Sie einen Anspruch auf Pflegeberatung und kostenlose Pflegekurse der Pflegekasse sowie Pflegehilfsmittel.

Leistungsbeschreibung Pflegegrad einsLeistung in €
Pflegegeld0 € / mtl.
Pflegesachleistung (z.B. Pflegedienst)0 € / mtl.
Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Pflege)0 € / mtl.
Kurzzeitpflege0 € / mtl.
Verhinderungspflege0 € / mtl.
Betreuungs- und Entlastungsleistungen125 € / mtl.
Stationäre Pflege (z.B. Pflegeheim)125 €
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel40 € / mtl.
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen4.000 € / Maßn.
Wohngruppenzuschlag für ambulante WGs0 €

Pflegegrad 2

Der Pflegegrad zwei ist quasi der kleinste, vollwertige Pflegegrad. Hier erhalten Sie alle regulären Leistungen der Pflegeversicherung.

Wer bis zum 31.12.2016 Pflegestufe 1 oder Pflegestufe 0 mit eingeschränkter Alltagskompetenz hatte, wurde 2017 automatisch in Pflegegrad 2 übergeleitet.

 

Voraussetzung für Pflegegrad 2

Um die Leistungen des Pflegegrades 2 zu erhalten, muss eine erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit vorliegen. Dazu sind bei der Begutachtung durch den MDK 27 bis unter 47,5 Punkte notwendig.

 

Pflegeleistungen in Pflegegrad 2

Beim Pflegegrad 2 haben Sie Anspruch auf folgende Geldleistungen, Pflegesachleistungen und Zuschüsse. Außerdem haben Sie einen Anspruch auf Pflegeberatung und kostenlose Pflegekurse der Pflegekasse sowie Pflegehilfsmittel.

Leistungsbeschreibung Pflegegrad zweiLeistung in €
Pflegegeld316 € / mtl.
Pflegesachleistung (z.B. Pflegedienst)689 € / mtl.
Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Pflege)689 € / mtl.
Kurzzeitpflege1.612 € / Jahr
Verhinderungspflege1.612 € / Jahr
Betreuungs- und Entlastungsleistungen125 € / mtl.
Stationäre Pflege (z.B. Pflegeheim)770 € / mtl.
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel40 € / mtl.
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen4.000 € / Maßn.
Wohngruppenzuschlag für ambulante WGs214 €

Pflegegrad 3

In den Pflegegrad drei wurden zum Jahreswechsel 2016/2017 Menschen übergeleitet, die vorher die Pflegestufe 2 oder Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz hatten.

 

Voraussetzung für Pflegegrad 3

In den Pflegegrad 3 werden Menschen mit schweren Beeinträchtigungen in der Selbstständigkeit bzw. der Fähigkeiten eingestuft. Dies gilt erfüllt, wenn über das neue Begutachtungsinstrument bei der Begutachtung eine Punktzahl von 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkte festgestellt wurde.

 


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Pflegeleistungen in Pflegegrad 3

Beim Pflegegrad 3 haben Sie Anspruch auf Geldleistungen, Pflegesachleistungen und Zuschüsse. Außerdem haben Sie einen Anspruch auf Pflegeberatung und kostenlose Pflegekurse der Pflegekasse sowie Pflegehilfsmittel.

Leistungsbeschreibung Pflegegrad dreiLeistung in €
Pflegegeld545 € / mtl.
Pflegesachleistung (z.B. Pflegedienst)1.298 € / mtl.
Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Pflege)1.298 € / mtl.
Kurzzeitpflege1.612 € / Jahr
Verhinderungspflege1.612 € / Jahr
Betreuungs- und Entlastungsleistungen125 € / mtl.
Stationäre Pflege (z.B. Pflegeheim)1.262 € / mtl.
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel40 € / mtl.
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen4.000 € / Maßn.
Wohngruppenzuschlag für ambulante WGs214 €

Pflegegrad 4

Personen, die bis zum 31.12.2016 eine Pflegestufe 3 oder eine Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz hatten, erhielten 2017 den Pflegegrad vier.

Voraussetzung für Pflegegrad 4

Um den Pflegegrad 4 zu erhalten, ist bei der Begutachtung durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkasse) eine Punktzahl von 70 bis unter 90 Punkte erforderlich. Dies entspricht einer schwersten Beeinträchtigung der Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Menschen.

 

Pflegeleistungen in Pflegegrad 4

Beim Pflegegrad 4 haben Sie Anspruch auf Geldleistungen, Pflegesachleistungen und Zuschüsse. Außerdem haben Sie einen Anspruch auf Pflegeberatung und kostenlose Pflegekurse der Pflegekasse sowie Pflegehilfsmittel.

Leistungsbeschreibung Pflegegrad vierLeistung in €
Pflegegeld728 € / mtl.
Pflegesachleistung (z.B. Pflegedienst)1.612 € / mtl.
Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Pflege)1.612 € / mtl.
Kurzzeitpflege1.612 € / Jahr
Verhinderungspflege1.612 € / Jahr
Betreuungs- und Entlastungsleistungen125 € / mtl.
Stationäre Pflege (z.B. Pflegeheim)1.775 € / mtl.
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel40 € / mtl.
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen4.000 € / Maßn.
Wohngruppenzuschlag für ambulante WGs214 €

Pflegegrad 5

Wer bis Ende Dezember Pflegestufe 3 mit Härtefall oder eingeschränkter Alltagskompetenz hatte, erhält seit 2017 die höchste Pflegeeinstufung, nämlich den Pflegegrad fünf.

 

Voraussetzung für Pflegegrad 5

Beim Pflegegrad 5 liegt eine schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung vor.

Der Pflegegrad 5 wird erreicht, wenn bei der MDK-Begutachtung eine Gesamtpunktzahl von mindestens 90 erreicht wurde.

Beim Pflegegrad 5 gibt es jedoch eine Ausnahme: Wer eine besondere Bedarfskonstellation mit einem außergewöhnlich hohen Hilfebedarf und besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung hat, kann in den Pflegegrad 5 eingestuft werden, auch wenn er die erforderliche Gesamtpunktzahl in der Begutachtung nicht erreicht hat.

 

Pflegeleistungen in Pflegegrad 5

Beim Pflegegrad 5 haben Sie Anspruch auf Geldleistungen, Pflegesachleistungen und Zuschüsse. Außerdem haben Sie einen Anspruch auf Pflegeberatung und kostenlose Pflegekurse der Pflegekasse sowie Pflegehilfsmittel.

Leistungsbeschreibung Pflegegrad zweiLeistung in €
Pflegegeld901 € / mtl.
Pflegesachleistung (z.B. Pflegedienst)1.995 € / mtl.
Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Pflege)1.995 € / mtl.
Kurzzeitpflege1.612 € / Jahr
Verhinderungspflege1.612 € / Jahr
Betreuungs- und Entlastungsleistungen125 € / mtl.
Stationäre Pflege (z.B. Pflegeheim)2.005 € / mtl.
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel40 € / mtl.
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen4.000 € / Maßn.
Wohngruppenzuschlag für ambulante WGs214 €

Anspruch auf Zuschuss wohnumfeldverbessernde Maßnahmen

Wie Sie aus den obigen Tabellen in den einzelnen Pflegegraden ersehen, haben Sie bereits ab dem Pflegegrad 1 Anspruch auf Zuschüsse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Doch was genau ist das?

 

Pflegebetten / Krankenbetten mit Komfortfunktion

Krankenbetten mit Komfortfunktion

 

Wer pflegebedürftig ist, soll so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben können. Doch die wenigsten Wohnungen und Häuser sind barrierefrei oder barrierearm und es müssen erst einmal Umbaumaßnahmen durchgeführt werden, um das Wohnumfeld an die besonderen Belange des Pflegebedürftigen anzupassen. Dafür können Sie bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme erhalten.

Unter anderem können Sie zum Beispiel folgende Umbaumaßnahmen damit voll- oder teilweise finanzieren:

Komplettsanierung des Badezimmers zu einem behindertengerechten Bad
Einbau einer behindertengerechten Küche

Die Umbaumaßnahmen sollten Sie aber zuerst bei der Pflegeversicherung genehmigen lassen, bevor Sie mit den Umbauarbeiten beginnen. Mehr über dieses Thema lesen Sie bitte hier: „Zuschuss wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“.

 

Anspruch auf Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel

Mit einem Pflegegrad haben Sie ebenso Anspruch auf Hilfsmittel entsprechend Ihrer Beeinträchtigung. Hier finden Sie ein Hilfsmittelverzeichnis.

Zu den Hilfsmitteln zählen zum Beispiel:

Rollstühle
Toilettenstühle

Wie Hilfsmittel beantragt werden, lesen Sie bitte in dem Beitrag „So werden Hilfsmittel beantragt“. Auch bei den Hilfsmittel gilt: Wurde das Hilfsmittel abgelehnt, haben Sie die Möglichkeit, innerhalb der vorgegebenen Frist einen Widerspruch einzulegen. „Hilfsmittel abgelehnt – Widerspruch und Klage“.

 

Pflegehilfsmittel

Pflegehilfsmittel erhalten alle pflegebedürftigen Menschen mit einem Pflegegrad 1 – 5 pauschal für maximal 40 Euro pro Monat. Sie können sich diese Pflegehilfsmittel mittlerweile schon bequem per Abo kostenlos nach Hause zusenden lassen. Ein guter Versender bietet Ihnen die Möglichkeit, innerhalb des Abos die Pflegehilfsmittel dem Bedarf anzupassen und auszuwechseln. Ein weiteres Merkmal eines guten Anbieters ist, dass er die Beantragung der Pflegehilfsmittel direkt mit Ihrer Pflegekasse abwickelt, so dass Sie selbst – außer dem Unterschreiben des Antrags – nicht mehr viel mit der Beantragung zu tun haben.

Mehr dazu hier: „Pflegehilfsmittel zum Verbrauch“.

 

Wie werden die Pflegegrade berechnet

Anstatt nach Minuten Pflegezeit, wie es noch bis Ende 2016 der Fall war, wird nun nach einem Punktesystem gearbeitet. Doch dieses neue System zur Berechnung der neuen Pflegegrade ist nicht gerade einfach. Trotzdem möchte ich in kurzen Worten zusammenfassen, wie die Pflegegrade berechnet werden:

 

Die Alternative, wenn das Kochen oder Einkaufen schwerfällt

 

  • Der Gutachter des MDKs kommt (in der Regel) zu Ihnen nach Hause und führt eine Begutachtung nach dem neuen Begutachtungsassessment (NBA) durch, um zu prüfen, ob eine Pflegebedürftigkeit vorliegt.
  • Über einen Fragebogen wird die Selbstständigkeit anhand von Modulen abgefragt.
  • Für jedes Modul erhalten Sie Punkte, die sich aus Ihrer persönlichen Selbstständigkeit ergeben.
  • Jedes Modul hat eine eigene prozentuale Gewichtung. So hat zum Beispiel das Modul 1 eine maximale Gesamtgewichtung von 10 %. Haben Sie jedoch in Modul 1 (Mobilität) nur eine geringe Beeinträchtigung Ihrer Selbstständigkeit, erhalten Sie nicht die maximale Prozentzahl von 10 % sondern nur 2,5 gewichtete Punkte.

Eine sehr ausführliche Erklärung dazu finden Sie in meinem Beitrag „Pflegestärkungsgesetz II: Wie wird der Pflegegrad berechnet?

Einfacher geht es jedoch mit meinem kostenlosen Pflegegradrechner.

 

Was ist das NBA – Neues Begutachtungsassessment

Mit dem neuen Pflegereformgesetz wurde ein neues Begutachtungsinstrument und vor allem eine neue Begutachtungsphilosophie eingeführt. Hier die grundsätzlichen Neuerungen der Pflegebegutachtung:

  • Wurde seither die Pflegebedürftigkeit daran gemessen, wieviel Zeit für die Pflege notwendig war, hat sich mit der Einführung der neuen Pflegegrade auch die Bewertung der Pflegebedürftigkeit geändert.
  • Seit 2017 wird die Pflegebedürftigkeit anhand der Selbstständigkeit des Pflegegrad-Antragstellers ermittelt. Dabei werden jetzt auch mehr die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und Menschen mit geistigen oder psychischen Einschränkungen berücksichtigt.
  • Ab 2017 werden zusätzlich zu den Bereichen Körperpflege, Mobilität, Ernährung und hauswirtschaftliche Versorgung auch die kommunikativen und kognitiven Fähigkeiten, die Verhaltensweisen und psychischen Probleme der Antragsteller berücksichtigt.

Mehr dazu in meinem Beitrag „Die neuen Pflegegrade: So erfolgt die MDK-Prüfung mit den neuen Modulen“.

 

Welche Module gibt es im neuen Begutachtungssystem

In den neuen Begutachtungsrichtlinien gibt es 6 Module, die in die Bewertung für den Pflegegrad einfließen. Außerdem gibt es noch 2 weitere Module, die jedoch nicht in die Empfehlung für einen Pflegegrad direkt mit einfließen. Diese Module dienen dazu, eine Pflege- und Versorgungsplanung an die Pflegekasse zu geben.

Modul 1: Mobilität
Modul 2: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
Modul 4: Selbstversorgung
Modul 5: Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
Modul 7: Außerhäusliche Aktivitäten (wird nicht gewertet)
Modul 8: Haushaltsführung (wird nicht gewertet)

 

Was ist bei der Begutachtung durch den MDK zu beachten

Die neuen Begutachtungsverfahren sind sehr umfangreich. Eigentlich müssen die Gutachter des MDKs innerhalb kürzester Zeit unglaublich viele Fragen abarbeiten und den Antragsteller bewerten. In der Regel bleiben für die Begutachtung lediglich 60 Minuten, was für den Umfang an Fragen sehr wenig ist. Deshalb gilt:

1 Sie müssen gut auf die Begutachtung vorbereitet sein. DENN: 1. Es kann bei der MDK-Begutachtung sehr viel falsch gemacht werden und 2. Die MDK-Begutachtung entscheidet darüber, ob und in welcher Höhe Sie einen Pflegegrad anerkannt bekommen.

2 Gut vorbereiten können Sie sich zum Beispiel mit einem Pflegetagebuch. Schreiben Sie dazu alles auf, was mit den täglichen Pflegehandlungen zu tun hat. Vergessen Sie nichts. Wie wichtig es ist, ein Pflegetagebuch zu schreiben, habe ich Ihnen in diesem Beitrag zusammengefasst: „Warum es wichtig ist, ein Pflegetagebuch zu führen“.

Eine Vorlage für ein Pflegeprotokoll finden Sie hier.

3 Bei der Begutachtung sollten Sie sich auf das Wesentliche (nämlich die Krankheiten und die Pflegebedürftigkeit) beschränken. Ältere Menschen erzählen gerne von früher und wie toll damals noch alles geklappt hat. Das hat jedoch bei der Begutachtung nichts verloren. Hier geht es um gesundheitliche Probleme und körperliche Einschränkungen.

Viele weitere Tipps, wie Sie Fehler vermeiden, lesen Sie bitte in meinem Beitrag: Tipps, wie Sie Fehler bei der MDK-Begutachtung vermeiden.

Der Gutachter kann im Gutachten auch gleich festhalten, welche Hilfsmittel benötigt werden. Auch hier sollten Sie schon im Vorfeld genau wissen, ob Sie zum Beispiel ein Pflegebett, einen Rollator oder Rollstuhl oder andere Hilfsmittel benötigen. Sind die benötigten Hilfsmittel im Gutachten festgehalten, gilt das als Antrag bei der Pflegekasse und muss nur noch genehmigt werden. Das bedeutet, Sie müssen dann eigentlich keinen weiteren Antrag mehr stellen.

Ein weiterer Punkt im Gutachten ist auch, dass die Zeit erfasst wird, die pflegende Angehörige für die Pflege aufbringen. Hier sollten Sie ganz besonders aufpassen. Schreibt der Gutachter, dass Sie wöchentlich circa 9 Stunden für die Pflege benötigen, sind Sie nicht mehr versichert. Nur wer mindestens 10 Stunden pro Woche pflegt, erhält auch Rentenbeiträge über die Pflegeversicherung bezahlt. Mehr dazu siehe weiter unten.

 

Was ist ein Pflegegrad nach Aktenlage

In der Regel wird die Prüfung auf Vorliegen einer Pflegebedürftigkeit durch den Medizinischen Dienst nach § 18 SGB XI im häuslichen Umfeld des Antragstellers durchgeführt. Damit kann sich der Gutachter einen Überblick über die häusliche Situation und die häusliche Pflege verschaffen. Wird ein Antrag auf stationäre Leistungen gestellt, wird die Begutachtung in der Regel in der Pflegeeinrichtung stattfinden.

Bei der Begutachtung finden eine Befragung des pflegebedürftigen Menschen und eine körperliche Untersuchung durch den Gutachter statt.

 

Pflegebedürftig und viele Fragen?
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Ist die pflegerische und medizinische Situation aufgrund der Aktenlage eindeutig, kann auch eine Einstufung in einen Pflegegrad ohne körperliche Untersuchung (also ohne Begutachtung) stattfinden. Dies ist allerdings bei der ersten Beantragung auf Pflegebedürftigkeit eher selten der Fall. Bei einer Höherstufung des Pflegegrades kann dagegen dann auf eine Begutachtung verzichtet werden, wenn zum Beispiel über Krankenhausberichte nachvollziehbar ist, dass eine deutliche Verschlechterung beim Antragsteller eingetreten ist.

Hatte der Antragsteller zum Beispiel bereits Pflegegrad 1 und hat im hohen Alter nun einen komplizierten Oberschenkelhalsbruch erlitten, welcher im Krankenhaus operativ behandelt wurde und weiterhin mit erheblichen Bewegungseinschränkungen zu kämpfen hat, kann es möglich sein, dass auf eine erneute Begutachtung verzichtet wird und ein höherer Pflegegrad nach Aktenlage erteilt wird.

Eine weitere Möglichkeit, einen Pflegegrad nach Aktenlage zu erteilen ist, wenn für den Pflegebedürftigen ein Pflegegrad beantragt wurde, es aber zu einer Begutachtung nicht mehr kam, da der Antragsteller zwischenzeitlich verstarb. Dann kann ab Antragstellung noch nachträglich auf Aktenlage ein Pflegegrad genehmigt werden.

 

Gibt es einen speziellen Pflegegrad für Menschen mit Demenz

Seit 2017 gibt es keinen speziellen Pflegegrad mehr für Menschen mit Demenz. Bis Ende 2016 konnten Menschen mit Demenz zum Beispiel die Pflegestufe 0 erhalten. Diese wurde auf Grundlage der eingeschränkten Alltagskompetenz zugesprochen. Auch bei höheren Pflegestufen war ein Zusatz „mit eingeschränkter Alltagskompetenz“ möglich, was sich dann bei den Geldleistungen (wie zum Beispiel die doppelte Höhe bei den Betreuungs- und Entlastungsleistungen) auswirkte.

Seit 2017 wird die Demenz in den Pflegegraden berücksichtigt und nicht mehr speziell honoriert. Wichtige Infos zu den Betreuungs- und Entlastungsleistungen für Menschen mit einem Pflegegrad erfahren Sie hier:

 

Wie wird das Pflegegeld berechnet

Das Pflegegeld ist gesetzlich festgelegt für jeden einzelnen Pflegegrad. Je höher der Pflegegrad umso höher das Pflegegeld. Die Höhe des Pflegegeldes können Sie meiner obigen Auflistung der einzelnen Pflegegrade entnehmen. Alles Wichtige zum Pflegegeld, lesen Sie bitte hier nach „Pflegegeld – Was Sie wissen und beachten sollten“.

Wer die pflegebedürftige Person selbst pflegt und keinen Pflegedienst in Anspruch nimmt, erhält das volle Pflegegeld. Anders verhält es sich, wenn zusätzlich noch ein Pflegedienst in Anspruch genommen wird. Dann werden die Pflegesachleistungen anteilig mit dem Pflegegeld verrechnet. Man spricht dann von Kombinationsleistung.

ACHTUNG: Wenn Sie nur Pflegegeld in Anspruch nehmen und keinen Pflegedienst, fordert die Krankenkasse, dass Sie regelmäßig eine Pflegeberatung in Anspruch nehmen. Wichtig zu wissen ist, dass diese Pflegeberatung verpflichtend ist und dass Sie diese auch selbst organisieren müssen. Was Sie tun müssen und wie häufig Sie die Pflegeberatung absolvieren müssen, lesen Sie in meinem Beitrag „Verpflichtender Beratungseinsatz für Pflegegeldempfänger“.

 

Sonderform: Kombinationsleistung

Von Kombinationspflege spricht man, wenn in der häuslichen Pflege sowohl eine Pflegeperson pflegt und zusätzlich noch ein Pflegedienst in Anspruch genommen wird. Wenn Sie einen Pflegedienst in Anspruch nehmen, bezahlt die Pflegekasse die Pflegesachleistungen bis zu einem festgelegten Höchstbetrag. Nehmen Sie die vollen Pflegesachleistungen in Anspruch, steht Ihnen kein Pflegegeld mehr zu. Mehr über die Pflegesachleistungen erfahren Sie in diesem Beitrag „Was Sie über Pflegesachleistungen wissen sollten“.

Nehmen Sie die Pflegesachleistungen nicht in vollem Umfang in Anspruch, steht Ihnen ein anteiliges Pflegegeld zu. Die Berechnung ist jedoch etwas kompliziert, weshalb Sie auch gerne über meinen kostenlosen Pflegegeldrechner Ihr anteiliges Pflegegeld ausrechnen lassen können.

Im Prinzip ist es jedoch so: Pflegegeld und Pflegesachleistung müssen als ein Gnzes von 100 % angesehen werden. Wenn Sie 60 % der Pflegesachleistungen in Anspruch nehmen, erhalten Sie nur noch 40 % anteiliges Pflegegeld. Ganz einfach lässt sich das aber über meinen kostenlosen Pflegegeldrechner ausrechnen.

Mehr dazu und worauf Sie bei der Kombipflege unbedingt achten sollten, lesen Sie bitte in meinem Beitrag „Kombinationspflege: Pflegegeld und Pflegesachleistung als Kombinationsleistung beantragen“.

Meine Tipps:

1 Auch wenn Sie die Pflegesachleistungen in vollem Umfang ausnutzen, sollten Sie Kombinationspflege beantragen. Und zwar aus folgenden Grund: Angenommen, Ihr pflegebedürftiger Angehöriger muss für zwei oder drei Wochen ins Krankenhaus. Dann benötigen Sie während dieser Zeit keinen Pflegedienst, das heißt Ihre Pflegesachleistungen werden nicht in vollem Umfang ausgeschöpft. Aber Sie würden während dieser Zeit Pflegegeld erhalten. Also macht es Sinn, wenn Sie die Kombinationspflege für solche Fälle beantragen.

2 Wenn Sie länger als 10 Stunden in der Woche pflegen, bezahlt Ihnen die Pflegekasse Beiträge zur Rentenversicherung. Nehmen Sie allerdings einen Pflegedienst in Anspruch, werden Ihnen diese Beitragszahlungen gekürzt. Wie hoch die Rentenkürzungen sind, lesen Sie in meinem Beitrag: „Rente für die Pflege von Angehörigen“.

 

Sonderform: Persönliches Budget

Eine weitere Sonderform des Pflegegeldbezugs ist das Persönliche Budget. Beim Persönlichen Budget erhalten die pflegebedürftigen Personen ein frei verfügbares Budget, dafür werden die Pflegepersonen, Hilfsmittel usw. selbst besorgt und bezahlt. Das soll den Pflegebedürftigen mehr Freiheiten im täglichen Leben ermöglichen. Mehr über das Persönliche Budget erfahren Sie hier: „Selbstbestimmt leben mit dem Persönlichen Budget“.

 

Wann wird das Pflegegeld erhöht

Eine Erhöhung des Pflegegeldes gibt es nur dann, wenn entweder eine allgemeine, gesetzliche Erhöhung der Pflegeleistungen erfolgt ODER wenn Sie einen höheren Pflegegrad erhalten.

 

Muss das Pflegegeld versteuert werden

Das Pflegegeld ist eine Sozialleistung und muss in der Regel nicht versteuert werden. Mehr dazu lesen Sie jedoch bitte hier nach: „Wann muss das Pflegegeld versteuert werden“.

 

Wie teuer ist Pflegebedürftigkeit

Jeder Pflegefall ist anders, daher sind auch die Kosten, die für die Pflege entstehen, überall anders. Die Höhe der Kosten kann sich auch schnell ändern, wenn sich am gesundheitlichen Zustand des Pflegebedürftigen etwas ändert.

Wer jedoch zum ersten Mal mit dem Thema Pflegefall bzw. Pflegebedürftigkeit zu tun hat, muss sich einen Überblick über die möglichen Kosten machen. Deshalb habe ich dazu die Kostenarten in einem separaten Beitrag erfasst. Mehr lesen: Mit diesen Kosten ist bei Pflegebedürftigkeit zu rechnen.

 

Mit Pflegegrad im Pflegeheim – Eigenanteil Pflegekosten

Auch hier hat sich mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz ab 2017 einiges geändert. Bei der vollstationären Pflege in einem Pflegeheim sind die Pflegekosten nicht mehr abhängig vom Pflegegrad, so wie es noch bis Ende Dezember 2016 war. Jetzt bezahlt jeder Heimbewohner einen einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE), unabhängig vom Pflegegrad. Das heißt, Herr Müller mit Pflegegrad 2 hat den gleichen Eigenanteil (EA) an den Pflegekosten zu leisten wie Herr Meier mit Pflegegrad 5, obwohl Herr Meier einen viel höheren Pflegebedarf hat.

 

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Vor 2017 war es für die Angehörigen wichtig, dass der Pflegebedürftige im Pflegeheim nicht in eine höhere Pflegestufe eingestuft wurde, denn je höher die Pflegestufe war, umso höher waren die Pflegekosten. Dadurch wurden auch die Zuzahlungen/Eigenleistungen zu den Pflegekosten für den Pflegebedürftigen höher. Pflegeheime drängten auf eine Höherstufung, die Angehörigen hingegen wollten keine Erhöhung, um nicht noch mehr Kosten bezahlen zu müssen. Mit dem neuen System soll also die Zuzahlung zur stationären Pflege für alle gleich sein und die Auseinandersetzungen mit den Heimbetreibern somit verhindert werden.

Der einrichtungseinheitlichen Eigenanteil bezieht sich nur auf die Pflegekosten und nicht auf die Unterbringungskosten (Kost und Logis sowie Investitionskosten).

Weitere Beiträge zum Thema Pflegeheim:

 

Sonderform: Kurzzeitpflege ohne Pflegegrad

Auch das sollten Sie zu den Pflegegraden wissen: Im Normalfall werden Pflegeleistungen in einem Pflegeheim von der Pflegekasse nur bezahlt, wenn ein Pflegegrad vorliegt. Mittlerweile gibt es aber auch hier eine neue Regelung, dass unter bestimmten Voraussetzungen eine Kurzzeitpflege auch ohne Pflegegrad genehmigt wird.

Hier finden Sie mehr zum Thema „Kurzzeitpflege auch ohne Pflegegrad

 

Sozialleistungen für pflegende Angehörige

Wenn ihr pflegebedürftiger Angehöriger einen Pflegegrad hat, dann haben Sie als Pflegeperson auch Ansprüche auf gewisse Sozialleistungen wie zum Beispiel Beitragszahlungen zur Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Unfallversicherung. Dafür sind jedoch gewisse Voraussetzungen notwendig. Alles was Sie dazu wissen müssen, habe ich Ihnen in diesen Beiträgen zusammengefast:

Achtung: Diese Leistungen werden nicht automatisch bezahlt. Sie müssen beantragt werden.

 

Gibt es eine Rentenkürzung bei Pflegebedürftigkeit

Wer pflegebedürftig ist erhält Pflegegeld (oder Pflegesachleistungen). Ist ein Pflegebedürftiger in Rente, wird diese trotz Bezug des Pflegegeldes nicht gekürzt. Denn: Pflegegeld ist eine Sozialleistung. Ausführliche Informationen dazu lesen Sie bitte hier „Keine Rentenkürzung bei Pflegestufe“.

 

Was kostet die gesetzliche Pflegeversicherung

Die soziale, gesetzliche Pflegeversicherung besteht seit 1995. Damals lag der Beitragssatz bei 1,0 %. Über die Jahre hinweg stiegen die Beiträge an. Zum 01.01.2017 hat sich die soziale Pflegeversicherung wiederum von 2,35 % auf 2,55 % erhöht. Kinderlose Versicherte entrichten 2,8 % in die gesetzliche Pflegeversicherung. In Sachsen gibt es noch eine Sonderregelung.

Doch auch mit der Erhöhung der Beiträge und höheren Leistungen der Pflegekasse wird bei den meisten Menschen eine Pflegelücke bleiben. Das heißt, das was Sie über die gesetzliche Pflegeversicherung an Leistungen erhalten, wird die effektiven Kosten der Pflege nicht decken.

Wie hoch Ihre persönliche Pflegelücke sein kann, können Sie mit meinem kostenlosen Pflegelückenrechner berechnen.

Gesetzestext: § 55 SGB XI

 

Autofahren trotz Pflegegrad und Pflegebedürftigkeit

Auch das gehört zum Thema Pflegegrad. Darf man mit einem Pflegegrad überhaupt noch Auto fahren? Ja, warum auch nicht. Auf was Sie jedoch achten sollten, wenn Sie als pflegebedürftiger Mensch mit dem Auto fahren, lesen Sie bitte in diesem Beitrag „Autofahren trotz Pflegestufe/Pflegegrad – Was Sie beachten sollten“.

 

Weitere Beiträge zum Thema Pflege

Bildquelle: Fotolia 132856762 | Urheber: Jenny Sturm

 

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