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Pflegegrade – Alle Informationen im Überblick

Pflegegrade – Alle Informationen im Überblick

Menschen, die pflegebedürftig sind, erhalten einen Pflegegrad und damit verbunden entsprechende Leistungen und Vergünstigungen durch die Pflegekasse. Doch diese Leistungen erhalten Sie nicht automatisch. In der Regel müssen diese beantragt werden. Hinzu kommt, dass die Höhe der Leistungen abhängig ist vom Pflegegrad. Mit dem Pflegestärkungsgesetz II, das zum 01.01.2017 in Kraft trat, hat sich ja vieles geändert. Nicht nur, dass aus Pflegestufen die Pflegegrade wurden.

Mit diesem Pflegegrad-Ratgeber erhalten Sie alle Informationen rund um das Thema Pflegegrade und worauf Sie dabei unbedingt achten sollten. Die Pflegegrade sind einfach erklärt und enthalten alle wichtigen Hintergrundinformationen.

 

 

Aus Pflegestufe wurde Pflegegrad ⇒ Was hat sich zum 01.01.2017 geändert?

Mit der Pflegereform zum 01.01.2017 kamen einige Änderungen und Neuerungen.

Die gravierendst Änderung war wohl, dass aus den

drei Pflegestufen ⇒ fünf Pflegegrade

wurden. Mit der Abschaffung der drei Pflegestufen sollte erreicht werden, dass die notwendige Hilfe besser differenziert werden kann. Bei den Pflegestufen wurde zum Beispiel die Hilfsbedürftigkeit von Menschen mit Demenz nur sehr wenig berücksichtigt. Häufig bekamen dann die dementen Menschen keine Pflegestufe zuerkannt, obwohl sie stark auf Hilfe angewiesen waren. Die Pflegestufe errechnete sich bis Ende 2016 aus dem zeitlichen Pflegeaufwand.

📌 Lese-TiPP: So wird Ihre Pflegestufe in die neuen Pflegegrade umgerechnet.

 

Alle Hilfebedürftigen, die bereits eine Pflegestufe hatten, wurden zum 01.01.2017 nach einem vorgegebenen Schema in einen Pflegegrad übergeleitet.

Verbunden mit der Umstellung von der Pflegestufe zum Pflegegrad wird die Einstufung in den Pflegegrad nicht mehr nach dem zeitlichen Pflegeaufwand berechnet. Die Pflegebedürftigkeit wird nun anhand der Selbstständigkeit des auf Hilfe angewiesenen Menschen festgelegt. Einfacher formuliert: Je mehr Hilfebedarf für eine Person in den abgefragten Modulen festgestellt wird, umso höher wird die Einstufung in einen Pflegegrad.

Ein ganz wichtiger Punkt ist auch die Regelung: Häusliche Pflege vor stationärer Pflege. Im § 3 SGB XI heißt es, dass die Pflegeversicherung mit ihren Leistungen vorrangig die häusliche Pflege und die Pflegebereitschaft von pflegenden Angehörigen und Nachbarn unterstützen soll, damit die pflegebedürftigen Personen so lange wie möglich im häuslichen Umfeld bleiben können.

 

Wer bekommt einen Pflegegrad?

Voraussetzung um einen Pflegegrad zu erhalten ist, dass eine Pflegebedürftigkeit vorliegt. Ob diese bei Ihnen vorliegt, entscheidet der Gutachter des Medizinischen Dienstes (MDK). Seine Aufgabe ist es, den Pflegebedarf zu ermitteln und die Pflegebedürftigkeit festzustellen. Dazu führt er eine Begutachtung (meist direkt im häuslichen Umfeld) durch.

Die gängige und landläufige Meinung ist, dass ein Pflegegrad für ältere Menschen beantragt wird. Das ist jedoch nicht richtig, denn nicht nur Altersgebrechen führen dazu, dass jemand hilfebedürftig wird. Schon kleine Kinder können pflegebedürftig sein und einen Pflegegrad erhalten. Junge Erwachsene können durch einen Unfall zu einem Pflegefall werden. Jeder kann durch eine Krankheit von einem Tag zum anderen zum Pflegefall werden. Die Liste ist damit noch lange nicht zu Ende.

Hier einige Beispiele an Krankheiten und körperlichen Einschränkungen bei denen – je nach Schwere der Einschränkung – eine Genehmigung für einen Pflegegrad durchaus möglich sein kann:

  • Krebserkrankungen
  • Bei schwereren Formen von Diabetes
  • Bei Dialysepatienten
  • Parkinson
  • ALS
  • Epilepsie
  • MS (Multiple Sklerose)
  • COPD (Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung)
  • nach einer Amputation
  • nach einem Unfall oder einem Oberschenkelhalsbruch
  • nach einem Schlaganfall
  • bei einer geistigen Behinderung
  • Menschen mit psychischen Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen

📌 Lese-TiPP: Plötzlich Pflegefall – Checkliste: Was ist zu tun und wer hilft weiter.

 

 

Wie wird ein Pflegegrad beantragt?

Pflegegrad bzw. Pflegestufe beantragen. Es gibt einiges zu beachten.

Pflegegrad beantragen

Um einen Pflegegrad zu beantragen reicht im Grunde genommen ein Anruf bei der Pflegekasse. Dies kann schon als Antrag auf Pflegeleistungen anerkannt werden.

Doch was passiert, wenn der Sachbearbeiter Ihrer Krankenversicherung den Antrag versehentlich in den Papierkorb geworfen oder geschreddert hat? Das ist sicherlich nicht die Regel, aber es kann passieren. Damit ist dann Ihr telefonischer Antrag auf Pflegeleistungen nicht mehr nachweisbar. Und das Nachweisen des Antragsdatums ist wichtig, denn die Leistungen von der Pflegekasse erhalten Sie schließlich ab dem Tag der Antragstellung. Rufen Sie also nach drei Wochen bei Ihrer Pflegeversicherung an und fragen nach, was Ihr Pflegegrad-Antrag macht, wird man diesen nicht finden und Sie können nicht nachweisen, dass Sie unter Umständen eigentlich schon viel länger ein Recht auf Leistungen aus der Pflegekasse hätten.

Das ist nur einer von vielen Fehlern, der beim Beantragen eines Pflegegrades passieren kann.

📌 Lese-TiPP: „Pflegegrad beantragen – So vermeiden Sie Fehler“.

 

Nehmen Sie sich auch unbedingt professionelle Hilfe bei der Beantragung eines Pflegegrades in Anspruch. Pflegestützpunkte helfen Ihnen gerne weiter. Aber auch Sozialdienste von Krankenhäusern oder Pflegedienste helfen.

Eine persönliche Einschätzung, ob bei Ihnen ein Pflegegrad vorliegen könnte, erhalten Sie über meinen kostenlosen Pflegegradrechner. Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei nur um eine ungefähre Einschätzung handeln kann. Die endgültige Entscheidung über die Erteilung eines Pflegegrades / einer Pflegestufe trifft die Pflegekasse.

 

 

Wo wird ein Pflegegrad beantragt? Den Antrag auf Pflegeleistungen (Pflegegeldantrag) stellen Sie bei Ihrer Krankenversicherung. Sie können diesen telefonisch (nicht ratsam) oder schriftlich einreichen. Sie erhalten dann über die Krankenkasse einen Termin zur Begutachtung durch den MDK. Das bedeutet, ein Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung kommt zu Ihnen nach Hause und stellt fest, ob Sie hilfebedürftig sind oder nicht. Der Gutachter verfasst daraufhin ein Gutachten auf Basis seiner Einschätzungen, welches dann der Krankenversicherung vorgelegt wird. Letztendlich entscheidet die Krankenversicherung/Pflegeversicherung über die Genehmigung oder Ablehnung des Pflegegrades.

 icon-exclamation-triangle  Übrigens: Es ist nicht möglich, rückwirkend einen Pflegegrad zu beantragen. Wie sollte beispielsweise der Gutachter des MDKs den genauen Termin der Pflegebedürftigkeit feststellen. Er kennt ja den Pflegefall nicht und weiß auch nicht, seit wann er in welchem Umfang auf Hilfe angewiesen ist.

📌 Lese-TiPP: Kann ein Pflegegrad rückwirkend beantragt werden.

 

Erhöhung des Pflegegrades – Wie geht das? Am gesundheitlichen Zustand einer pflegebedürftigen Person kann sich schnell mal etwas ändern. Gerade in der häuslichen Pflege ist es wichtig, dass dann ein Antrag auf Erhöhung des Pflegegrades gestellt wird. Die Höherstufung in einen anderen Pflegegrad hat zur Folge, dass Sie auch höhere Leistungen wie z.B. Pflegegeld usw. erhalten.

 

Pflegegradantrag über das Krankenhaus oder einen Pflegedienst stellen

Wie bereits erwähnt, ist es sinnvoll, sich für das Beantragen eines Pflegegrades professionelle Hilfe zu nehmen. Ist der Antragsteller jedoch im Krankenhaus oder in einer Reha, gibt es die Möglichkeit, dass der Pflegegrad / die Pflegestufe gleich dort über den Sozialdienst beantragt wird. Das macht Sinn, weil dann gleich alle wichtigen Arztberichte mit beigelegt werden und die Mitarbeiter des Sozialdienstes in der Regel sehr versiert sind.

Der Sozialdienst kann auch gut einschätzen, ob Chancen auf die Erteilung eines Pflegegrades bestehen oder nicht. Das gleiche geht auch über einen Pflegedienst.

📌 Lese-TiPP:  „Pflegestufe über Sozialdienst eines Krankenhauses beantragen“.

 

Was tun, wenn der Pflegegrad abgelehnt wurde?

Was tun wenn der Pflegegrad abgelehnt wurde? Wenn der Pflegegrad oder die Pflegestufe abgelehnt wurde, sollten Sie Widerspruch einlegen

Pflegegrad abgelehnt

Oftmals wird ein Pflegegrad beim ersten Antrag abgelehnt. Dafür gibt es verschiedene Ursachen. Vielleicht konnte dem Gutachter die Pflegebedürftigkeit nicht richtig vermittelt werden, vielleicht wurden wichtige Punkte vergessen mitzuteilen.

Die Gründe können aber ebenso gut bei der Pflegeversicherung liegen. Gründe, die wir hier nicht kennen.

Oftmals ist es so, dass bei einem berechtigten Anspruch auf einen Pflegegrad, dieser nach dem Widerspruch doch noch genehmigt wird. Deshalb sollten Sie unbedingt sofort Widerspruch gegen die Ablehnung des Pflegegrades einlegen, wenn Sie einen ablehnenden Bescheid bezüglich Ihres Pflegegradantrages erhalten haben.

 

 

 icon-exclamation-triangle  Bitte unbedingt die Widerspruchsfrist einhalten. Diese steht auf Ihrem Ablehnungsbescheid.

Gerne können Sie sich aber auch an unsere kostenlose Pflegeberatung wenden. Man wird Ihnen bei der Antragstellung bzw. Einreichung eines Widerspruchs gerne helfen.

📌 Lese-TiPP: Pflegeberatung für Pflegebedürftige & pflegende Angehörige.

 

Was tun, wenn in einen zu niedrigen Pflegegrad eingestuft wurde? Auch das ist möglich, dass Sie nämlich in einen zu niedrigen Pflegegrad eingestuft werden. Nehmen Sie dafür unbedingt Hilfe in Anspruch. Ein Pflegedienst oder ein Pflegestützpunkt können Ihnen richtungsweisend sagen, ob Sie zu gering eingestuft wurden. Es ist zum Beispiel wichtig, dass Sie zumindest in einen Pflegegrad 2 eingestuft werden, wenn Sie entsprechende Einschränkungen haben. Denn erst im Pflegegrad 2 erhalten Sie die vollen Pflegeleistungen und auch Pflegegeld.

 

Wer kann einen Pflegegrad beantragen?

Nur der Pflegebedürftige selbst kann einen Pflegegrad mit seiner Unterschrift beantragen. Das bedeutet, weder ein Krankenhaus noch ein Pflegeheim kann einfach mal so ohne die Einwilligung des Anspruchsberechtigten einen Pflegegrad beantragen. Ist er selbst nicht mehr dazu in der Lage, kann sein gesetzlicher Vertreter den Antrag auf Pflegeleistung stellen und unterschreiben.

📌 Lese-TiPP: „Wer darf einen Pflegegrad beantragen?

 

Meine Buchempfehlungen zum Thema Pflege

 

Welche Pflegegrade gibt es?

Aus den 3 Pflegestufen wurden zum 01.01.2017 fünf Pflegegrade. Die Pflegegrade 2 bis 5 sind „vollwertige Pflegegrade“, wohingegen es beim Pflegegrad eins deutlich weniger Leistungen gibt. Für Personen, die zum 01.01.2017 noch keinen Pflegegrad hatten und bereits nach dem neuen Begutachtungssystem begutachtet wurden, wird der Pflegegrad anhand von Punkten berechnet.

Was Sie über die fünf Pflegegrade wissen sollten – Hier eine Übersicht über die Pflegegrade:

 

Seit 01.01.2017 wurden die die 3 Pflegestufen durch 5 Pflegegrade abgelöst.

Aus 3 Pflegestufen wurden 5 Pflegegrade. Die Einteilung in einen Pflegegrad erfolgt nun über das neue Begutachtungssystem NBA

 

✚ Pflegegrad 1

Wie bereits erwähnt, gibt es im Pflegegrad eins nicht die vollen Leistungen wie in den anderen Pflegegraden. Er ist von der Art her auch neu und ist nicht zu vergleichen mit einer vorherigen Pflegestufe.

📌 Lese-TiPP:  „Pflegegrad 1 – Chance für finanzielle Unterstützung bei geringer Pflegebedürftigkeit“.

 

Voraussetzung für Pflegegrad 1: Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit.

 

 

Pflegeleistungen in Pflegegrad 1

Welche Pflegeleistungen gibt es nun bei Pflegegrad 1 von der Pflegekasse? Beim Pflegegrad 1 erhalten Sie Geldleistungen, Pflegesachleistungen und Zuschüsse. Außerdem haben Sie einen Anspruch auf Pflegeberatung und kostenlose Pflegekurse der Pflegekasse sowie Pflegehilfsmittel.

Leistungsbeschreibung Pflegegrad eins Leistung in €
Pflegegeld 0 € / mtl.
Pflegesachleistung (z.B. Pflegedienst) 0 € / mtl.
Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Pflege) 0 € / mtl.
Kurzzeitpflege 0 € / mtl.
Verhinderungspflege 0 € / mtl.
Betreuungs- und Entlastungsleistungen 125 € / mtl.
Stationäre Pflege (z.B. Pflegeheim) 125 €
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel 40 € / mtl.
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen 4.000 € / Maßn.
Wohngruppenzuschlag für ambulante WGs 0 €

 

✚ Pflegegrad 2

Der Pflegegrad zwei ist quasi der kleinste, vollwertige Pflegegrad. Hier erhalten Sie alle regulären Leistungen der Pflegeversicherung.

Wer bis zum 31.12.2016 Pflegestufe 1 oder Pflegestufe 0 mit eingeschränkter Alltagskompetenz hatte, wurde 2017 automatisch in Pflegegrad 2 übergeleitet.

Voraussetzung für Pflegegrad 2: Um die Leistungen des Pflegegrades 2 zu erhalten, muss eine erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit vorliegen. Dazu sind bei der Begutachtung durch den MDK 27 bis unter 47,5 Punkte notwendig.

 

Pflegeleistungen in Pflegegrad 2

Beim Pflegegrad 2 haben Sie Anspruch auf folgende Geldleistungen, Pflegesachleistungen und Zuschüsse. Außerdem haben Sie einen Anspruch auf Pflegeberatung und kostenlose Pflegekurse der Pflegekasse sowie Pflegehilfsmittel.

Leistungsbeschreibung Pflegegrad zwei Leistung in €
Pflegegeld 316 € / mtl.
Pflegesachleistung (z.B. Pflegedienst) 689 € / mtl.
Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Pflege) 689 € / mtl.
Kurzzeitpflege 1.612 € / Jahr
Verhinderungspflege 1.612 € / Jahr
Betreuungs- und Entlastungsleistungen 125 € / mtl.
Stationäre Pflege (z.B. Pflegeheim) 770 € / mtl.
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel 40 € / mtl.
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen 4.000 € / Maßn.
Wohngruppenzuschlag für ambulante WGs 214 €

 

✚ Pflegegrad 3

In den Pflegegrad drei wurden zum Jahreswechsel 2016/2017 Menschen übergeleitet, die vorher die Pflegestufe 2 oder Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz hatten.

Voraussetzung für Pflegegrad 3: In den Pflegegrad 3 werden Menschen mit schweren Beeinträchtigungen in der Selbstständigkeit bzw. der Fähigkeiten eingestuft. Dies gilt erfüllt, wenn über das neue Begutachtungsinstrument bei der Begutachtung eine Punktzahl von 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkte festgestellt wurde.

 

 

Pflegeleistungen in Pflegegrad 3

Beim Pflegegrad 3 haben Sie Anspruch auf Geldleistungen, Pflegesachleistungen und Zuschüsse. Außerdem haben Sie einen Anspruch auf Pflegeberatung und kostenlose Pflegekurse der Pflegekasse sowie Pflegehilfsmittel.

Leistungsbeschreibung Pflegegrad drei Leistung in €
Pflegegeld 545 € / mtl.
Pflegesachleistung (z.B. Pflegedienst) 1.298 € / mtl.
Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Pflege) 1.298 € / mtl.
Kurzzeitpflege 1.612 € / Jahr
Verhinderungspflege 1.612 € / Jahr
Betreuungs- und Entlastungsleistungen 125 € / mtl.
Stationäre Pflege (z.B. Pflegeheim) 1.262 € / mtl.
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel 40 € / mtl.
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen 4.000 € / Maßn.
Wohngruppenzuschlag für ambulante WGs 214 €

 

✚ Pflegegrad 4

Personen, die bis zum 31.12.2016 eine Pflegestufe 3 oder eine Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz hatten, erhielten 2017 den Pflegegrad vier.

Voraussetzung für Pflegegrad 4: Um den Pflegegrad 4 zu erhalten, ist bei der Begutachtung durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkasse) eine Punktzahl von 70 bis unter 90 Punkte erforderlich. Dies entspricht einer schwersten Beeinträchtigung der Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Menschen.

 

Pflegeleistungen in Pflegegrad 4

Beim Pflegegrad 4 haben Sie Anspruch auf Geldleistungen, Pflegesachleistungen und Zuschüsse. Außerdem haben Sie einen Anspruch auf Pflegeberatung und kostenlose Pflegekurse der Pflegekasse sowie Pflegehilfsmittel.

Leistungsbeschreibung Pflegegrad vier Leistung in €
Pflegegeld 728 € / mtl.
Pflegesachleistung (z.B. Pflegedienst) 1.612 € / mtl.
Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Pflege) 1.612 € / mtl.
Kurzzeitpflege 1.612 € / Jahr
Verhinderungspflege 1.612 € / Jahr
Betreuungs- und Entlastungsleistungen 125 € / mtl.
Stationäre Pflege (z.B. Pflegeheim) 1.775 € / mtl.
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel 40 € / mtl.
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen 4.000 € / Maßn.
Wohngruppenzuschlag für ambulante WGs 214 €

 

✚ Pflegegrad 5

Wer bis Ende Dezember Pflegestufe 3 mit Härtefall oder eingeschränkter Alltagskompetenz hatte, erhält seit 2017 die höchste Pflegeeinstufung, nämlich den Pflegegrad fünf.

Voraussetzung für Pflegegrad 5:

  • Beim Pflegegrad 5 liegt eine schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung vor.
  • Der Pflegegrad 5 wird erreicht, wenn bei der MDK-Begutachtung eine Gesamtpunktzahl von mindestens 90 erreicht wurde.
  • Beim Pflegegrad 5 gibt es jedoch eine Ausnahme: Wer eine besondere Bedarfskonstellation mit einem außergewöhnlich hohen Hilfebedarf und besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung hat, kann in den Pflegegrad 5 eingestuft werden, auch wenn er die erforderliche Gesamtpunktzahl in der Begutachtung nicht erreicht hat.

 

Pflegeleistungen in Pflegegrad 5

Beim Pflegegrad 5 haben Sie Anspruch auf Geldleistungen, Pflegesachleistungen und Zuschüsse. Außerdem haben Sie einen Anspruch auf Pflegeberatung und kostenlose Pflegekurse der Pflegekasse sowie Pflegehilfsmittel.

Leistungsbeschreibung Pflegegrad zwei Leistung in €
Pflegegeld 901 € / mtl.
Pflegesachleistung (z.B. Pflegedienst) 1.995 € / mtl.
Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Pflege) 1.995 € / mtl.
Kurzzeitpflege 1.612 € / Jahr
Verhinderungspflege 1.612 € / Jahr
Betreuungs- und Entlastungsleistungen 125 € / mtl.
Stationäre Pflege (z.B. Pflegeheim) 2.005 € / mtl.
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel 40 € / mtl.
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen 4.000 € / Maßn.
Wohngruppenzuschlag für ambulante WGs 214 €

 

Welche Leistungen gibt es mit einem Pflegegrad?

Pflegebedürftige Menschen erhalten folgende Leistungen von der Pflegekasse:

 

 

Wie werden die Pflegegrade berechnet?

Anstatt nach Minuten Pflegezeit, wie es noch bis Ende 2016 der Fall war, wird nun nach einem Punktesystem gearbeitet. Doch dieses neue System zur Berechnung der Pflegegrade ist nicht gerade einfach. Trotzdem möchte ich in kurzen Worten zusammenfassen, wie die Pflegegrade berechnet werden:

 

 

  • Der Gutachter des MDKs kommt (in der Regel) zu Ihnen nach Hause und führt eine Begutachtung nach dem neuen Begutachtungsassessment (NBA) durch, um zu prüfen, ob eine Pflegebedürftigkeit vorliegt.
  • Über einen Fragebogen wird die Selbstständigkeit anhand von Modulen abgefragt.
  • Für jedes Modul erhalten Sie Punkte, die sich aus Ihrer persönlichen Selbstständigkeit ergeben.
  • Jedes Modul hat eine eigene prozentuale Gewichtung. So hat zum Beispiel das Modul 1 eine maximale Gesamtgewichtung von 10 %. Haben Sie jedoch in Modul 1 (Mobilität) nur eine geringe Beeinträchtigung Ihrer Selbstständigkeit, erhalten Sie nicht die maximale Prozentzahl von 10 % sondern nur 2,5 gewichtete Punkte.

Eine sehr ausführliche Erklärung dazu finden Sie in meinem Beitrag „Pflegestärkungsgesetz II: Wie wird der Pflegegrad berechnet?

Einfacher geht es jedoch mit meinem kostenlosen Pflegegradrechner.

 

Was ist das NBA – Neues Begutachtungsassessment?

Mit dem neuen Pflegereformgesetz wurde ein neues Begutachtungsinstrument und vor allem eine neue Begutachtungsphilosophie eingeführt. Hier die grundsätzlichen Neuerungen der Pflegebegutachtung:

  • Wurde seither die Pflegebedürftigkeit daran gemessen, wieviel Zeit für die Pflege notwendig war, hat sich mit der Einführung der Pflegegrade auch die Bewertung der Hilfsbedürftigkeit geändert.
  • Seit 2017 wird die Pflegebedürftigkeit anhand der Selbstständigkeit des Pflegegrad-Antragstellers ermittelt. Dabei werden jetzt auch mehr die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und Menschen mit geistigen oder psychischen Einschränkungen berücksichtigt.
  • Ab 2017 werden zusätzlich zu den Bereichen Körperpflege, Mobilität, Ernährung und hauswirtschaftliche Versorgung auch die kommunikativen und kognitiven Fähigkeiten, die Verhaltensweisen und psychischen Probleme der Antragsteller berücksichtigt.

📌 Lese-TiPP:  „Die neuen Pflegegrade: So erfolgt die MDK-Prüfung mit den neuen Modulen“.

 

Welche Module gibt es im neuen Begutachtungssystem?

Seit Januar 2017 gibt es in den Begutachtungsrichtlinien 6 Module, die in die Bewertung für den Pflegegrad einfließen. Außerdem gibt es noch 2 weitere Module, die jedoch nicht in die Empfehlung für einen Pflegegrad direkt mit einfließen. Diese Module dienen dazu, eine Pflege- und Versorgungsplanung an die Pflegekasse zu geben.

Modul 1: Mobilität
Modul 2: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
Modul 4: Selbstversorgung
Modul 5: Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
Modul 7: Außerhäusliche Aktivitäten (wird nicht gewertet)
Modul 8: Haushaltsführung (wird nicht gewertet)

Die neuen Begutachtungsverfahren sind sehr umfangreich. Eigentlich müssen die Gutachter des MDKs innerhalb kürzester Zeit unglaublich viele Fragen abarbeiten und den Antragsteller bewerten. In der Regel bleiben für die Begutachtung lediglich 60 Minuten, was für den Umfang an Fragen sehr wenig ist. Deshalb gilt:

📌 Lese-TiPP: Tipps, wie Sie Fehler bei der MDK-Begutachtung vermeiden.

 

Was ist ein Pflegegrad nach Aktenlage?

Ein Pflegegrad kann auch auf Aktenlage erteilt werden

Die Erteilung eines Pflegegrades auf Aktenlage ist eher die Ausnahme, trotzdem kommt es unter gewissen Voraussetzungen vor.

In der Regel wird die Prüfung auf Vorliegen einer Pflegebedürftigkeit durch den Medizinischen Dienst nach § 18 SGB XI im häuslichen Umfeld des Antragstellers durchgeführt. Damit kann sich der Gutachter einen Überblick über die häusliche Situation und die häusliche Pflege verschaffen. Wird ein Antrag auf stationäre Leistungen gestellt, wird die Begutachtung in der Regel in der Pflegeeinrichtung stattfinden.

Bei der Begutachtung finden eine Befragung des auf Hilfe angewiesenen Menschen und eine körperliche Untersuchung durch den Gutachter statt.

 

 

Ist die pflegerische und medizinische Situation aufgrund der Aktenlage eindeutig, kann auch eine Einstufung in einen Pflegegrad ohne körperliche Untersuchung (also ohne Begutachtung) stattfinden. Dies ist allerdings bei der ersten Beantragung auf Pflegebedürftigkeit eher selten der Fall. Bei einer Höherstufung des Pflegegrades kann dagegen dann auf eine Begutachtung verzichtet werden, wenn zum Beispiel über Krankenhausberichte nachvollziehbar ist, dass eine deutliche Verschlechterung beim Antragsteller eingetreten ist.

Hatte der Antragsteller zum Beispiel bereits Pflegegrad 1 und hat im hohen Alter nun einen komplizierten Oberschenkelhalsbruch erlitten, welcher im Krankenhaus operativ behandelt wurde und weiterhin mit erheblichen Bewegungseinschränkungen zu kämpfen hat, kann es möglich sein, dass auf eine erneute Begutachtung verzichtet wird und ein höherer Pflegegrad nach Aktenlage erteilt wird.

Eine weitere Möglichkeit, einen Pflegegrad nach Aktenlage zu erteilen ist, wenn zwar ein Pflegegrad beantragt wurde, es aber zu einer Begutachtung nicht mehr kam, da der Antragsteller zwischenzeitlich verstarb. Dann kann ab Antragstellung noch nachträglich auf Aktenlage ein Pflegegrad genehmigt werden.

 

Gibt es spezielle Pflegegrade für Menschen mit Demenz?

Seit 2017 gibt es keinen speziellen Pflegegrad mehr für Menschen mit Demenz. Bis Ende 2016 konnten Menschen mit Demenz zum Beispiel die Pflegestufe 0 erhalten. Diese wurde auf Grundlage der eingeschränkten Alltagskompetenz zugesprochen. Auch bei höheren Pflegestufen war ein Zusatz „mit eingeschränkter Alltagskompetenz“ möglich, was sich dann bei den Geldleistungen (wie zum Beispiel die doppelte Höhe bei den Betreuungs- und Entlastungsleistungen) auswirkte.

Seit 2017 wird die Demenz in den Pflegegraden berücksichtigt und nicht mehr speziell honoriert. Wichtige Infos zu den Betreuungs- und Entlastungsleistungen für Menschen mit einem Pflegegrad erfahren Sie hier:

 

Mit Pflegegrad im Pflegeheim – Eigenanteil Pflegekosten

Auch hier hat sich mit dem Pflegestärkungsgesetz ab 2017 einiges geändert. Bei der vollstationären Pflege in einem Pflegeheim sind die Pflegekosten nicht mehr abhängig vom Pflegegrad, so wie es noch bis Ende Dezember 2016 war. Jetzt bezahlt jeder Heimbewohner einen einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE), unabhängig vom Pflegegrad. Das heißt, Herr Müller mit Pflegegrad 2 hat den gleichen Eigenanteil (EA) an den Pflegekosten zu leisten wie Herr Meier mit Pflegegrad 5, obwohl Herr Meier einen viel höheren Pflegebedarf hat.

 

 

Vor 2017 war es für die Angehörigen wichtig, dass der Pflegebedürftige im Pflegeheim nicht in eine höhere Pflegestufe eingestuft wurde, denn je höher die Pflegestufe war, umso höher waren die Pflegekosten. Dadurch wurden auch die Zuzahlungen/Eigenleistungen zu den Pflegekosten für den Pflegebedürftigen höher. Pflegeheime drängten auf eine Höherstufung, die Angehörigen hingegen wollten keine Erhöhung, um nicht noch mehr Kosten bezahlen zu müssen. Mit dem neuen System soll also die Zuzahlung zur stationären Pflege für alle gleich sein und die Auseinandersetzungen mit den Heimbetreibern somit verhindert werden.

Der einrichtungseinheitlichen Eigenanteil bezieht sich nur auf die Pflegekosten und nicht auf die Unterbringungskosten (Kost und Logis sowie Investitionskosten).

Weitere Beiträge zum Thema Pflegeheim:

 

Sonderform: Kurzzeitpflege ohne Pflegegrad

Im Normalfall wird die Pflege in einem Seniorenheim von der Pflegekasse nur bezahlt, wenn ein Pflegegrad vorliegt. Mittlerweile gibt es aber auch hier eine neue Regelung, dass unter bestimmten Voraussetzungen eine Kurzzeitpflege ohne Pflegegrad genehmigt wird.

Hier finden Sie mehr zum Thema „Kurzzeitpflege auch ohne Pflegegrad

 

Autofahren trotz Pflegegrad

Auch das gehört zum Thema Pflegegrad. Darf man mit einem Pflegegrad überhaupt noch Auto fahren? Ja, warum auch nicht. Auf was Sie jedoch achten sollten, wenn Sie als pflegebedürftiger Mensch mit dem Auto fahren, lesen Sie bitte in diesem Beitrag „Autofahren trotz Pflegestufe/Pflegegrad – Was Sie beachten sollten“.

 

Hilfe von der Pflegekasse

Wer hilfebedürftig ist und einen Pflegegrad hat, für den ist die Pflegekasse der richtige Ansprechpartner. Aber wer ist die Pflegekasse?

Im Prinzip ist es so, dass die gesetzliche Pflegekasse (gesetzliche Pflegeversicherung) das gleiche ist wie Ihre gesetzliche Krankenkasse (Krankenversicherung). Also quasi eine Versicherung, die aus zwei Töpfen die Einnahmen und Ausgaben abrechnet.

Ich möchte das gerne an einem Beispiel erklären:

  • Wenn Sie krank sind (OHNE Pflegegrad) und ein entsprechendes Krankenbett benötigen, übernimmt Ihre Krankenversicherung die Kosten für das Krankenbett.
  • Wenn Sie pflegebedürftig sind (MIT Pflegegrad) und ein Krankenbett benötigen, übernimmt die Pflegekasse Ihrer Krankenversicherung die Kosten für das Pflegebett.
  • Angenommen, Sie sind bei der AOK gesetzlich krankenversichert, dann sind Sie auch bei der AOK pflegeversichert. Sind Sie bei der Barmer krankenversichert, sind Sie auch automatisch bei der Barmer pflegeversichert.

 

Weitere Beiträge zum Thema Pflege

 

 

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