Pflegebedürftige Menschen, die nur Pflegegeld beziehen und keinen Pflegedienst in Anspruch nehmen, sind zwingend verpflichtet, Beratungseinsätze abzurufen.

Werden diese Beratungen nicht regelmäßig in Anspruch genommen, hat die Pflegekasse das Recht, das Pflegegeld zu kürzen oder gar zu streichen.

 

 

Was ist ein Beratungseinsatz bei häuslicher Pflege

Liebevolle Pflege durch ausgesuchte 24-Stunden-Pflegekräfte

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Die Pflege eines Angehörigen wird manchmal etwas unterschätzt. Ist doch zum einen einiges Wissen in Bezug auf Pflegetechniken notwendig. Zum anderen müssen die Pflegepersonen informiert werden welche Möglichkeiten der Entlastung, wie zum Beispiel Verhinderungspflege, möglich sind.

Deshalb ist eine entsprechende Beratung bei Pflegebedürftigkeit vom Staat vorgesehen.

Der Beratungseinsatz ist eine verpflichtende Beratung für pflegende Angehörige. Es soll damit sichergestellt werden, dass die Pflegenden mit der Pflege nicht überfordert sind, dass ihnen Hilfestellungen aufgezeigt werden und ein Ansprechpartner bei Fragen vorhanden ist.

Obwohl der Beratungseinsatz verpflichtend ist, sollten Sie als pflegender Angehöriger diesen Beratungseinsatz als beratende Hilfe und Unterstützung bei der häuslichen Pflege sehen.

 

Wer muss einen Beratungseinsatz in Anspruch nehmen

Den Beratungseinsatz in der häuslichen Pflege nach § 37 SGB XI Absatz 3 müssen pflegebedürftige Menschen mit einem Pflegegrad 2 bis 5 abrufen, wenn sie NUR Pflegegeld beziehen. Dann ist der Beratungseinsatz verpflichtend.

Pflegebedürftige, die Kombipflege oder nur Pflegesachleistungen nach § 36 SGB XI in Anspruch nehmen, müssen keinen Beratungseinsatz in Anspruch nehmen.

 

Wie oft muss der Beratungseinsatz abgerufen werden?

Seit 01.01.2017 gibt es keine Pflegestufen mehr sondern nur noch Pflegegrade. Die Häufigkeit der Beratungseinsätze in den einzelnen Pflegegraden finden Sie hier:

Beratungseinsatz bei Pflegegrad 1 nicht vorgeschrieben
Beratungseinsatz bei Pflegegrad 2 1 x pro Halbjahr
Beratungseinsatz bei Pflegegrad 3 1 x pro Halbjahr
Beratungseinsatz bei Pflegegrad 4 1 x pro Vierteljahr
Beratungseinsatz bei Pflegegrad 5 1 x pro Vierteljahr

 

Kann der Beratungseinsatz auch freiwillig in Anspruch genommen werden

Pflegende Angehörige, die durch einen ambulanten Pflegedienst Pflegesachleistungen erhalten, sind nicht verpflichtet, eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Andererseits können sie bei Pflegegrad 2 bis 5 jedoch freiwillig einmal pro Halbjahr eine Beratung in Anspruch nehmen. Auch wenn ein Pflegedienst regelmäßig zur Unterstützung kommt, benötigen doch viele Angehörige auch hier eine weiterführende Beratung zur Pflege.

Die Pflegedienstmitarbeiter/Beratungspersonen können Sie dann beraten und Sie auch entsprechend schulen. Die Kosten für den Beratungseinsatz trägt auch bei einer freiwilligen Inanspruchnahme des Beratungseinsatzes die Pflegeversicherung.

 

Anspruch auf Beratungseinsatz bei Pflegegrad 1

Menschen mit Pflegegrad 1 haben prinzipiell 1 x pro Halbjahr einen Anspruch auf einen Beratungseinsatz, müssen diesen aber NICHT in Anspruch nehmen. Im Gegensatz zu den Pflegegeldempfängern der Pflegegrade 2 bis 5 ist das Abrufen des Beratungseinsatzes bei Pflegegrad 1 also freiwillig.

Extra-Tipp: Wer einen Pflegegrad hat und zu Hause gepflegt wird, hat jeden Monat Anspruch auf kostenlose Pflegehilfsmittel. Diese können Sie hier einfach bestellen.

 

Warum ist der Beratungseinsatz verpflichtend

Die Pflegeberatung nach § 37 SGB XI Absatz 3 soll zum einen den Pflegebedürftigen schützen und zum anderen die Pflegeperson unterstützen. Die Pflegekasse möchte sichergehen, dass die Qualität der Pflege gesichert ist und der Pflegebedürftige optimal versorgt und nicht vernachlässigt wird. Über einen Beratungseinsatz kann auch auf eventuelle Pflegefehler aufmerksam gemacht und diese behoben werden.

Wird bei einem Beratungseinsatz festgestellt, dass in der Pflege schwerwiegende Fehler begangen wurden oder der pflegebedürftige Mensch vernachlässigt wird, kann die Pflegekasse das Pflegegeld in eine Pflegesachleistung umwandeln.

Das bedeutet, dass die Pflege zusätzlich durch einen Pflegedienst mit ausgeführt wird und der Pflegegeldbezug somit teilweise oder ganz entfällt.

 

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Welche Leistungen umfasst der Beratungseinsatz

Die Beratungseinsätze sollten individuell auf die häusliche Pflegesituation des Pflegebedürftigen abgestimmt sein. Dabei können folgende Themen besprochen und geklärt werden.

Weitere wichtige Punkte der Beratungseinsätze sind aber auch

  • das Erkennen, ob der Pflegebedürftige verwahrlost ist oder unzureichend gepflegt wird,
  • das Überlegen, ob vielleicht ein Betreuer eingesetzt werden muss.

 

Wer führt den Beratungseinsatz durch

Die Beratung in der eigenen Häuslichkeit wird durch anerkannte Beratungsstellen und zugelassene Pflegeeinrichtungen, wie zum Beispiel einem ambulanten Pflegedienst, durchgeführt. Aber auch durch anerkannte Pflegekräfte.

Es macht Sinn, wenn Sie immer den gleichen Pflegedienst beauftragen. Die Mitarbeiter des Pflegedienstes kennen dann bereits Ihre häusliche Pflegesituation. Der Pflegebedürftige oder die Pflegeperson kann selbst bestimmen, wer das Beratungsgespräch ausführen soll. Niemand ist daher für die Pflegeberatung an einen bestimmten Pflegedienst oder eine bestimmte anerkannte Beratungsstelle gebunden.

 

Wo findet der Beratungseinsatz statt

Die Pflegeberatung nach § 37 SGB XI Absatz 3 findet zu Hause statt. Der Pflegeberater kann sich somit einen guten Überblick über die häusliche Pflegesituation machen und kann damit auch viel besser und zielgerichteter beraten.

 

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Erkennt der Pflegeberater zum Beispiel, dass für die häusliche Pflege nicht genügend oder nicht die optimalen Hilfsmittel zur Verfügung stehen, kann hier viel schneller und umfassender reagiert werden.

 

Was kostet der Beratungseinsatz

Die Kosten für den Beratungseinsatz sind für die Pflegenden sowie für die Pflegebedürftigen kostenlos. Die Kosten werden bei gesetzlich Versicherten von der Pflegekasse, bei privat Versicherten von der zuständigen Privaten Krankenversicherung und bei Beihilfeberechtigten von der zuständigen Beihilfestelle übernommen.

Die Kosten für den Beratungseinsatz werden von den Beratungsstellen direkt mit den Kostenträgern (Pflegeversicherung usw.) abgerechnet. Das bedeutet, dass Sie (mit Pflegegrad 1 bis 5) nicht in Vorleistung gehen müssen und Sie persönlich den Beratungseinsatz auch nicht in Rechnung gestellt bekommen.

 

Was passiert, wenn die verpflichtende Pflege-Beratung nicht in Anspruch genommen wird

Wer verpflichtet ist, eine Pflegeberatung in Anspruch zu nehmen, sollte dies auch wirklich regelmäßig im vorgeschriebenen Turnus machen.

Im Bewilligungsbescheid für das Pflegegeld wird Ihnen mitgeteilt, wie häufig Sie verpflichtet sind, einen Beratungseinsatz in Anspruch zu nehmen. 

WICHTIG: Sie müssen sich selbst um den Beratungseinsatz kümmern. Sie werden von der Pflegekasse nicht darauf hingewiesen, dass wieder eine Beratung ansteht. Wenn Sie regelmäßig den gleichen Beratungsdienst (z.B. Pflegedienst) für die Pflegeberatung in Anspruch nehmen, können Sie vereinbaren, dass dieser automatisch zu den vorgeschriebenen Terminen die Beratung durchführt.

Auch wenn sich bei Ihnen in der häuslichen Pflegesituation eine Veränderung ergeben hat und die Beratungspflichtbesuche häufiger durchgeführt werden müssen, müssen Sie aktiv werden und den Pflegeberater/Pflegedienst usw. benachrichtigen.

Wird die Pflegeberatung nicht fristgemäß in Anspruch genommen, kann Ihnen die Pflegekasse das Pflegegeld kürzen oder im Wiederholungsfall sogar ganz streichen.

 

Nachweis über die Durchführung eines Beratungseinsatzes

Wurde die Beratung durch einen anerkannten Pflegedienst oder einen Pflegeberater durchgeführt, muss die Durchführung der Beratung gemäß § 37 Abs. 3 SGB XI nachgewiesen werden. Dies geschieht folgendermaßen:

Der Pflegedienst oder die Beratungsstelle muss den Beratungseinsatz dokumentieren und leitet dann die Dokumentation an die Pflegekasse weiter.

 

Welche Rückschlüsse zieht die Pflegekasse aus dem Beratungseinsatz

Nachdem die Pflegekasse die Dokumentation über den Beratungseinsatz erhalten hat, wird sie diesen auswerten. Wenn der Bericht keine Auffälligkeiten zeigt, wird die Pflegekasse keine weiteren Schritte einleiten. Besteht jedoch Verdacht, dass die häusliche Pflege nicht ordnungsgemäß erfolgt, wird die Pflegekasse, wenn nötig, entsprechende Maßnahmen einleiten.

  • Falls erkennbar ist, dass die häusliche Pflege nicht sachgemäß durchgeführt wird, kann die Pflegekasse veranlassen, dass zusätzlich ein Pflegedienst für die häusliche Pflege hinzugezogen wird. Die Pflegekasse kann dann das Pflegegeld komplett streichen und nur noch Pflegesachleistungen bezahlen oder teilweise streichen und damit das Pflegegeld in eine Kombipflege umwandeln. Wenn Sie ausrechnen möchten, wieviel Pflegegeld Ihnen bei einer Kombinationspflege zusteht, können Sie dies gerne über meinen kostenlosen Pflegegeldrechner machen.
  • Ist die Beratungsperson der Meinung, dass der Pflegebedürftige in einen zu geringen Pflegegrad eingeteilt ist, wird dies ebenfalls im Bericht vermerkt. Unter Umständen kann dadurch eine Höherstufung in einen anderen Pflegegrad erfolgen. Dazu wird der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) hinzugezogen, um ein entsprechendes Gutachten zu erstellen.
  • Ferner besteht die Möglichkeit, dass veranlasst wird, dass über das Amtsgericht ein Betreuer bestellt wird. Dies kann zum Beispiel dann eintreten, wenn die Beratungsperson davon überzeugt ist, dass die Pflegeperson in Teilen oder ganz mit der Pflege überfordert ist.
  • Besteht Grund zur Annahme von häuslicher Gewalt oder einer Verwahrlosung, muss die Gesundheitsbehörde eingeschaltet werden.

 

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