Wird mir der Pflegegrad weggenommen, wenn ich Rehasport mache?

Rehasport ist auch mit Pflegegrad möglich.
In der Rehaklinik erhalten Sie genaue Anweisungen fĂŒr einen gesunden Rehasport

Vielleicht haben Sie sich auch schon einmal die Frage gestellt, ob bei Menschen, die einen Pflegegrad, haben ein Anspruch auf Rehasport besteht.

Leider haben Betroffene oft Angst davor, dass Ihnen der Pflegegrad wieder aberkannt wird, wenn Sie noch so fit sind, dass Sie Sport machen können.

Da es sich beim Rehasport um eine Ă€rztliche Verordnung handelt ist dabei der Pflegegrad nicht zwingend ausschlaggebend. Trotzdem mĂŒssen Sie einiges beachten.

Was versteht man unter Rehasport?

Rehasport ist die Kurzform von Rehabilitationssport. Es handelt sich dabei um eine Leistung fĂŒr von körperlicher Behinderung bedrohten Menschen. Dabei sollen die Betroffenen durch den Reha-Sport wieder dauerhaft ins Arbeitsleben oder in die Gesellschaft integriert werden.


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Rehasport wird ausschließlich als Gruppentraining und nicht als Einzeltraining angeboten. Die GruppengrĂ¶ĂŸe kann von 4 – 5 Teilnehmern (bei z.B. geistigen Behinderungen oder auch dementiellen Erkrankungen) bis zu max. 15 Teilnehmern variieren.

Die Vorgaben fĂŒr den Rehabilitationssport sind in einer Rahmenvereinbarung festgelegt.

Diese besagt:

  • Dass nur anerkannte und zertifizierte Einrichtungen Rehasport anbieten dĂŒrfen,
  • die GruppengrĂ¶ĂŸe abhĂ€ngig von den Erkrankungen der Betroffenen ist und
  • die Übungsleiter entsprechend ausgebildet sein mĂŒssen.

Ziel des Rehasports soll sein, dass der Teilnehmer

  • wĂ€hrend der Rehasport-Maßnahme dazu motiviert wird, die erlernten Übungen auch nach der Rehasport-Zeit weiterhin selbstĂ€ndig durchzufĂŒhren,
  • ins Berufs- und Alltagsleben eingegliedert werden kann,
  • dazu bewegt wird, dauerhaft eine gesunde Lebensweise mit sportlicher BetĂ€tigung zu fĂŒhren.
  • Außerdem sollen die Krankheitsbeschwerden gemindert und der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden.

Ist Rehasport das gleiche wie Physiotherapie?

Rehasport ist – anders als die Physiotherapie – keine Therapie, sondern ein Sportangebot, welches in Gruppen durchgefĂŒhrt wird.

Da der Reha-Sport Teil einer medizinischen Leistung ist, können Heilmittel wie Physiotherapie o.À. parallel dazu verschrieben werden.

Die grundsÀtzlichen Unterschiede sind wie folgt:

 MerkmalRehasportPhysiotherapie
VerordnungÜber das Formular 56 fĂŒr Rehasport oder Funktionstraining. Wird vom Arzt ausgefĂŒllt und muss dann vom Betroffenen bei der Krankenkasse eingereicht werden.Über ein Rezept (Heilmittelverordnung)              
Dauer der TherapieNormalerweise 50 Übungseinheiten, verteilt auf 18 Monate. Kann bis auf 120 Einheiten, verteilt auf 36 Monate erhöht sein (bei starker BeeintrĂ€chtigung oder wenn komplexe Übungen notwendig sind)Pro Heilmittelverordnung 6 Anwendungen.                
Kosten (Eigenanteil)Zuzahlungsfreie Sachleistung der Krankenkassen (bei gesetzlich Versicherten)10 Euro RezeptgebĂŒhr + 10% der Kosten fĂŒr die Behandlung (bei gesetzlich Versicherten)  

Wer hat Anspruch auf Rehasport?

Einen Anspruch haben Menschen, die bereits eine Behinderung haben oder von einer Behinderung bedroht sind. Dies kann z.B. sein bei:

  • rheumatischen Erkrankungen,
  • Asthma bronchiale,
  • Chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD),
  • Morbus Parkinson,
  • Multipler Sklerose (MS),
  • Krebserkrankungen,
  • Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch
  • nach einem Herzinfarkt,
  • nach Operationen oder
  • einer QuerschnittlĂ€hmung usw.

Bereits wenn man sich die Diagnosen anschaut, könnte man schon vermuten, dass der eine oder andere Betroffene einen Pflegegrad haben könnte.

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Zusammengefasst kann man sagen: Rehabilitations-Sport ist fĂŒr Menschen in jedem Alter geeignet, sofern eine BeeintrĂ€chtigung körperlicher Funktionen vorliegt. Dazu zĂ€hlen z.B. auch RĂŒckenschmerzen, Schulter- und Nackenschmerzen, Erkrankungen der Gelenke, Osteoporose usw.

Gibt es Reha-Sport „auf Rezept“?

Die Rehasport-Maßnahme ist eine Kassenleistung und wird vom Hausarzt verordnet. Er stellt dem Betroffenen das Formular 56 (Antrag auf KostenĂŒbernahme) aus. Die Verordnung muss dann bei der jeweiligen Krankenkasse eingereicht und genehmigt werden. Nach der Genehmigung kann der Betroffene mit dem Rehasport beginnen.

Eine vom Arzt verordnete Rehasportmaßnahme, wird nach der Bewilligung zu 100 % von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Denn der Rehasport gehört laut dem Sozialgesetzbuch § 64 SGB IX zu den ergĂ€nzenden Maßnahmen und somit zu den gesetzlichen LeistungsansprĂŒchen.

Bei gesetzlich versicherten Teilnehmern erfolgt die Abrechnung direkt zwischen dem Rehabilitationssport-Anbieter und der Krankenkasse.

Private Versicherungen: Hierbei wird der Vertrag fĂŒr den zwischen dem Anbieter und dem Teilnehmer geschlossen. Das heißt, dass die Rechnung nach Beendigung der Rehasport-Maßnahme an den Teilnehmer ausgehĂ€ndigt wird und dieser muss die Rechnung dann selbst bei der Kasse einreichen.

Um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben (falls es zu einer Ablehnung der KostenĂŒbernahme kommt) sollte man sich vorab die KostenĂŒbernahme fĂŒr die Rehasport-Maßnahme von der privaten Pflegeversicherung bestĂ€tigen lassen.

Wo kann ich den Rehasport ausĂŒben?

Rehasport wird von

  • SportverbĂ€nden,
  • Physiotherapeutischen Therapiezentren,
  • Gesundheitszentren oder sogar von
  • Fitnessstudios

angeboten.

Reha-Sport Anbieter mĂŒssen gemĂ€ĂŸ § 64 SGB IX und Rahmenbedingungen zertifiziert sein, damit sie mit den Krankenkassen abrechnen können (außer bei privaten Versicherungen). Die Übungsleiter mĂŒssen ĂŒber eine qualifizierte Weiterbildung verfĂŒgen.

Manchmal kann Ihnen auch schon der Hausarzt entsprechende Stellen nennen, bei denen Sie die Rehamaßnahme ausĂŒben können.

Zum Teil haben Krankenkassen auf ihrer Homepage verschiedene VerbÀnde zusammengestellt, aber auch Selbsthilfegruppen können Ihnen evtl. weiterhelfen, um einen geeigneten Anbieter in ihrer NÀhe zu finden. Eine weitere Anlaufstelle wÀre der Rehasport Deutschland e.V.


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Bekommt man nun trotz Pflegegrad Rehasport verordnet?

Vorab ist festzuhalten, dass es sich beim Antrag auf Reha-Sport um eine Ă€rztliche Verordnung handelt. Der Pflegegrad wird nicht vordergrĂŒndig berĂŒcksichtigt. Vorrangig soll bei der Rehasport-Maßnahme das Therapieziel im Vordergrund stehen.

Jedoch werden neben dem Ziel der Maßnahme auch die Reha-FĂ€higkeit bei der Genehmigung berĂŒcksichtigt. Damit eine Reha-Maßnahme zum Erfolg fĂŒhrt und die Ziele erreicht werden können, muss der Teilnehmer entsprechende körperliche und psychische Voraussetzungen erfĂŒllen. Außerdem wird bei der Entscheidung ĂŒber die Bewilligung der Maßnahme die Belastbarkeit und die Motivation des Antragstellers berĂŒcksichtigt.

Wenn all diese Voraussetzungen erfĂŒllt sind, ist die Person rehafĂ€hig.


Hinweis: Wer einen Pflegegrad hat und zu Hause gepflegt wird hat jeden Monat Anspruch auf kostenlose Pflegehilfsmittel. Diese können Sie hier einfach bestellen.


Wie hÀngen die Reha-FÀhigkeit und der Pflegegrad zusammen?

Um die RehafÀhigkeit mit dem Pflegegrad in Verbindung bringen zu können, schauen wir uns zunÀchst die Definitionen der Pflegegrade genauer an.

PflegegradBeeintrÀchtigungen
Pflegegrad 1Geringe BeeintrÀchtigung der SelbstÀndigkeit
Pflegegrad 2Erhebliche BeeintrÀchtigung der SelbstÀndigkeit
Pflegegrad 3Schwere BeeintrÀchtigung der SelbstÀndigkeit
Pflegegrad 4Schwerste BeeintrÀchtigung der SelbstÀndigkeit
Pflegegrad 5Schwerste BeeintrĂ€chtigung der SelbstĂ€ndigkeit mit besonderen Anforderungen fĂŒr die pflegerische Versorgung

Wenn man die Kriterien der Reha-FĂ€higkeit nun mit den Definitionen der Pflegegrade in Verbindung bringt, erfĂŒllen Personen mit dem Pflegegrad 1 die Anforderungen fĂŒr eine Reha. Auch bei Personen mit Pflegegrad 2 ist davon auszugehen, dass diese noch in der Lage sind, erfolgreich an einer Rehasport-Maßnahme teilzunehmen.


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Ab Pflegegrad 3 und der damit verbundenen „schweren BeeintrĂ€chtigung der SelbstĂ€ndigkeit“ muss im Bedarfsfall individuell entschieden werden, ob die körperlichen Voraussetzungen und die Belastbarkeit noch ausreichend sind, um die Reha Ziele erreichen zu können.

Hierbei kann der Arzt bei der Antragstellung die medizinische Notwendigkeit begrĂŒnden, wenn er die Maßnahme als erforderlich sieht.

Fazit Rehasport versus Pflegegrad:

Auch Personen mit einem Pflegegrad haben Anspruch auf Rehasport, welcher das Ziel verfolgt, Übungen zu erlernen, die im Anschluss an die Maßnahme weitergefĂŒhrt werden können, die Krankheitsbeschwerden mindert, den Verlauf der Krankheit positiv beeinflusst und sie in die Gesellschaft oder auch ins Berufs- und Arbeitsleben eingliedert.

Einen Pflegegrad zu haben bedeutet nicht gleich pflegebedĂŒrftig im Bett zu liegen. Es gibt Personen, die einen Pflegegrad haben und voll berufstĂ€tig sind.

Entscheidend bei der Genehmigung ist nicht der Pflegegrad, sondern die RehafÀhigkeit.

Denn „in der Bewegung liegt die Kraft“.

Infos zur Autorin dieses Beitrags

Exam. Krankenschwester
Autor: Sandra LĂ€pple
Erste Anlaufstelle im Fachbereich Kranken- und Altenpflege bei unseren Pflegelotsen

Frau LĂ€pple ist stĂ€ndige Mitarbeiterin bei Pflege-durch-Angehörige.de und Ansprechpartnerin fĂŒr unseren Pflegelotsen-Service im Bereich Kranken- und Altenpflege. Als examinierte Krankenschwester arbeitete sie auf diversen Krankenhausstationen, zuletzt als Pflegefachkraft in der Geriatrie. Somit kommt sie direkt von der Pflege-Front und kennt die Probleme der pflegebedĂŒrftigen Menschen und ihrer Angehörigen in allen Lebenslagen.

Mit ihrem medizinischen und geriatrischen Fachwissen unterstĂŒtzt sie uns professionell mit ihren Fach-BeitrĂ€gen. Frau LĂ€pple ist es ein großes Anliegen, endlich den PflegebedĂŒrftigen und ihren Familien wirklich mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können, was leider im Pflegealltag im Krankenhaus immer mehr verloren ging.“
Pflege-durch-Angehoerige

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