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Über mich ➤ Ein Betroffener schreibt für andere pflegende Angehörige

Otto Beier

Otto Beier

Liebe Leserinnen und Leser,

mein Name ist Otto Beier und gerne beantworte ich Ihre Frage: „Wie kommen Sie dazu, über das Thema Pflege von Angehörigen zu schreiben?“ Ganz einfach: Ich habe bereits zum 4. Mal diese Aufgabe übernommen. Meine Frau und ich haben bei der ersten Pflege eines Angehörigen so ziemlich alles falsch gemacht.

Vielleicht kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor:

  • Pflegegrad beantragt – aber abgelehnt bekommen.
  • Der MDK kommt zur Begutachtung, aber keiner der Angehörigen ist richtig darauf vorbereitet.
  • Hilfsmittel werden selbst gekauft, obwohl sie von der Pflegekasse bezahlt werden uvm.
  • Die Leistungen vom Pflegedienst wurden nicht eingefordert, wie sie vertraglich geregelt waren.
  • Zustehende Leistungen wie Verhinderungspflege nicht in Anspruch genommen oder falsch abgerechnet.
  • Die Leistungen für den Entlastungsbetrag sind verfallen, weil man nicht wusste, dass diese Leistungen hätten anderweitig verrechnet werden können.

Mir ist es ein Anliegen, meine Erfahrungen weiterzugeben, damit Sie als Pflegende oder auch als pflegebedürftige Person nicht die gleichen Fehler begehen. Außerdem soll diese Internetseite eine Anlaufstelle für Sie sein, wo Ihre Fragen beantwortet werden.

 

 icon-info-circle Pflege-durch-Angehörige.de ist ein Informationsportal für pflegebedürftige Menschen und deren pflegenden Angehörigen. 

 

Wie kam es nun zu diesem Pflegeportal?

Anfang 2012 wurde meine Schwiegermutter pflegebedürftig, allerdings war uns nicht klar, dass ihr eine (damals noch) Pflegestufe zustehen würde. Unter pflegebedürftig verstanden meine Frau und ich, dass eine Person den ganzen Tag im Bett liegt und nichts mehr alleine machen kann. Wir wussten es nicht besser.

Wir hatten vorher noch nie mit dieser Thematik zu tun. Meine Schwiegermutter konnte ja noch das Bett verlassen. auch wenn sie in der Endphase ihrer schweren Erkrankung nicht mal mehr die paar Treppen im Haus überwinden konnte. Sie war 24 Stunden auf ein Sauerstoffgerät angewiesen. Wir baten die Krankenkasse um einen Zuschuss für einen Treppenlift. Daraufhin schickte die Krankenkasse einen Mitarbeiter des MDKs.

Wir wussten damals nicht, wie man einen Pflegegrad, Hilfsmittel und schon gar nicht, wie man einen Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Massnahmen beantragt. Deshalb war uns auch nicht klar, dass es beim Besuch des MDKs nicht primär um den Treppenlift ging, sondern um die Begutachtung zur Einstufung in eine Pflegestufe. Denn Voraussetzung für die Genehmigung eines Zuschusses für den Treppenlift ist eine Pflegebedürftigkeit. Das ging dann richtig schief.

Wie viele Pflegebedürftige, wollte auch meine Schwiegermutter beim MDK nicht jammern. Tapfer erzählte sie, was sie noch alles macht. Dass sie diese Arbeiten aber nur noch unter Aufwendung ihrer allerletzten Kraft und aktiver Mithilfe anderer Personen machen konnte, erzählte sie nicht. Diese Generation hatte den Krieg überlebt, da macht man nicht wegen ein paar Gebrechen rum. Alles gut, solange der Kopf noch auf dem Hals sitzt.

Die Pflegestufe samt Zuschuss zum Treppenlift wurde dann selbstredend abgelehnt. Wir haben dies wider besseren Wissen widerspruchslos hingenommen, weil wir einfach die Einstufungskriterien für eine Pflegestufe nicht kannten. 6 Monate später verstarb sie schwerstpflegebedürftig, als Frau die nie eine einzige Zigarette geraucht hatte, an ihrer COPD 4-Erkrankung – und zwar ohne Pflegestufe. Wir hatten kurz vor ihrem Tod nochmals einen Antrag auf eine Pflegestufe gestellt, dieser wurde dann 2 Tage nach ihrem Tod bewilligt.

Zwischenzeitlich wurde dann auch mein Schwiegervater zum Pflegefall und wenige Monate später auch noch meine beiden Eltern. Wir hatten fortan 3 Pflegefälle in 2 verschiedenen Bundesländern. Für alle mussten nun Pflegegrade, Hilfsmittel, Pflegedienste , Pflegegeld, Pflegesachleistungen und was sonst noch dazu gehört, beantragt werden.

Für meine Frau und mich war es schwer zu akzeptieren, dass wir bei meiner Schwiegermutter so viele Fehler bezüglich der organisatorischen Abwicklung ihrer Pflegebedürftigkeit gemacht hatten. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt niemanden, der uns weiterhalf oder uns Tipps gegeben hätte. Keiner der uns an die Hand genommen und uns durch den Pflegedschungel geführt hätte. Das Pflegegesetz war für uns ein Buch mit sieben Siegeln.

Ab dem nächsten Pflegefall beschlossen wir: Das darf uns nicht mehr passieren! 3 Pflegefälle gleichzeitig – das musste erst mal finanziert und organisiert werden. Ganz schnell mussten wir deshalb lernen, wie wir einen Pflegegrad oder auch Hilfsmittel richtig beantragen und wer uns dabei hilft. Ebenso schnell haben wir aber auch verstanden, dass es Sinn macht, bei der MDK-Begutachtung professionelle Hilfe hinzuzunehmen.

Wir haben aber auch gelernt, uns zur Wehr zu setzen und wenn nötig einen Widerspruch einzulegen, wenn wir davon überzeugt waren, dass die Einstufung in den Pflegegrad zu niedrig oder die Ablehnung des dringend benötigten Hilfsmittels nicht gerechtfertigt war. Wir haben uns durchgebissen durch die Gesetze, haben uns erkundigt und uns durchgefragt. Und das eine oder andere Mal haben wir sogar von unserer Pflegekasse richtig gute Tipps und Unterstützung bekommen.

Nun – nach 4 Pflegefällen wissen wir, welche Leistungen es gibt, wem sie zustehen und wie man sie beantragt. Und ich spreche hier nicht nur von Pflegegeld oder Sachleistungen, sondern auch von anderen Leistungen, die man erst erfährt, wenn man ganz oft und hartnäckig nachfragt. Wir haben den Behörden-Dschungel überstanden.

Leider haben wir anfangs viel Lehrgeld bezahlt und manchmal auch nicht das für unsere Eltern erhalten, was ihnen zugestanden wäre. Damit es Ihnen nicht so geht wie uns, habe ich mich entschlossen, meine Erfahrungen weiterzugeben und habe im Oktober 2013 angefangen, diese Seite ins Netz zu stellen. Mein Informationsportal soll Ihnen helfen, schnell und einfach an wichtige Informationen zu gelangen.

Ich erzähle Ihnen all das hier nicht, um mich zu beweihräuchern, was wir nach 4 Pflegefällen alles erfahren und erreicht hatten. Nein, ich möchte, dass Sie wissen, dass auch andere Fehler bei diesem Thema machen. Aber ich möchte auch, dass Sie selbst den Mut aufbringen, Ihre Rechte einzufordern, wenn nötig auch einen Widerspruch einzulegen und sich auch nicht scheuen, professionelle Hilfe in Form von Pflegeberatungen oder Sozialdienstmitarbeitern in Anspruch zu nehmen. Das Pflegegesetz ist so umfangreich und verwirrend, da ist es keine Schande, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Im Dezember 2018 verstarb meine Mutter als letzte unserer 4 Pflegefälle. Doch die Thematik liegt mir weiterhin sehr am Herzen. Was wir in all diesen Jahren erlebt hatten, hat zu viele Emotionen in uns freigesetzt. Zum einen die Situation, plötzlich für die Eltern verantwortlich zu sein, für sie entscheiden zu müssen, alles in ihrem Sinne zu erledigen und letztendlich bis zum letzten Atemzug an ihrer Seite zu sein.

Zum anderen bringt diese Aufgabe aber auch die unendliche Hilflosigkeit und fachliche Unwissenheit mit sich, die wohl jeder Mensch erlebt, wenn er von einem Tag auf den anderen zum pflegenden Angehörigen wird. Wir sind nicht darauf vorbereitet, zu pflegen. Wir haben dafür keine Ausbildung absolviert. Und trotzdem sind wir für unsere Angehörigen da und stemmen das.

Auch wenn unsere aktive Pflegezeit vorüber ist, werde ich trotzdem mein Informationsportal für pflegende Angehörige weiterführen. Das Pflegegesetz ist so umfangreich. Ganz ehrlich: Ich kann gar nicht so lange leben, wie ich über diese Thematik schreiben könnte.

Und nun, um es mit den Worten eines Fernsehmoderators zu sagen:
Bleiben oder werden Sie gesund.

 

Ihr

Otto Beier

 

Bei meinen Beiträgen handelt es sich um private Berichte und Tipps und sind deshalb keine rechtlichen Ratschläge. So wie Sie bei Beipackzetteln stets den Arzt oder Apotheker fragen sollten, so bitte ich Sie, bei rechtlichen Fragen stets einen Fachanwalt zu Rate zu ziehen.

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