Richtige ErnĂ€hrung bei Schluckstörungen – mit RezeptvorschlĂ€gen

Das Schlucken ist ein natĂŒrlicher Vorgang, den bereits Ungeborene erlernen. Wir schenken diesem automatischen Schluckprozess jedoch meist keine große Beachtung.

Schluckstörungen - Essen auf RÀdern - Jeden Tag eine warme Mahlzeit
Gesundes und schmackhaftes Essen muss man nicht immer selber machen

Wird das Schlucken aufgrund massiver Schluckstörungen allerdings zur Qual, merken wir erst, wie schwer uns die Nahrungsaufnahme fallen kann.

Die Auswirkungen einer Schluckstörung, einer sogenannten Dysphagie, können unter UmstÀnden sogar lebensbedrohlich werden. Deshalb ist auch eine richtige ErnÀhrung sehr wichtig bei einer Schluckstörung.

Im zweiten Teil dieser Beitragsserie lesen Sie, warum eine Schluckstörung lebensbedrohlich sein kann.

Anmerkung: Das Thema Dysphagie ist mir sehr wichtig, allerdings bin ich nicht auf dieses Thema spezialisiert. Deshalb entstand dieser Beitrag mit hilfreicher UnterstĂŒtzung der ErnĂ€hrungswissenschaftlerinnen der Firma Apetito. FĂŒr deren Geduld und die Beantwortung all meiner Fragen bedanke ich mich hier nochmals recht herzlich.

Was ist eine Dysphagie?

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Dysphagie ist eine Schluckstörung. Die Betroffenen haben Probleme damit Nahrung jeglicher Art, GetrÀnke aber auch den Speichel vom Mund bis in den Verdauungstrakt bringen zu können.

Dies kann verschiedene Ursachen haben, zumal die Schluckprobleme nicht nur im Mundraum auftreten können, sondern auch im Bereich des Rachens oder der Speiseröhre.


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Die einzelnen Phasen des Schluckvorgangs

Wir schlucken nicht nur das Essen und die GetrĂ€nke, sondern auch den Speichel. Schluckprobleme beziehen sich deshalb nicht nur auf das Schlucken von Speisen, sondern auch auf flĂŒssige Komponenten.

  1. Bevor die Nahrung geschluckt werden kann, wird sie im Mund durch Kauen zerkleinert und eingespeichelt.
  2. Die Zunge befördert den Nahrungsbrei zum Rachen, wo der Schluckreflex ausgelöst wird.
  3. Die Nahrung gelangt jetzt ĂŒber die Speiseröhre in den Magen.

Damit die Nahrung den Weg vom Mund ĂŒber die Speiseröhre bis in den Magen so unkompliziert wie möglich passieren kann, sollten sich Dysphagiepatienten an einige Regeln halten.


Essen auf RĂ€dern - Jeden Tag eine warme Mahlzeit

Was sollte beim Essen und Trinken beachtet werden?

Prinzipiell gehört eine Dysphagie in Ă€rztliche und/oder therapeutische Behandlung, wie zum Beispiel eines LogopĂ€den. Über den Deutschen Bundesverband fĂŒr LogopĂ€den können Sie in dieser Datenbank einen adĂ€quaten LogopĂ€den in Ihrer NĂ€he suchen. Hier finden Sie einen Selbsttest zur Erkennung einer Dysphagie.

Doch man kann auch selbst einiges tun, um die Problematiken zu reduzieren.

  • Zum Beispiel ist die Sitzposition ausschlaggebend fĂŒr das Essen. Eine aufrechte Sitzhaltung mit leicht nach vorne gebeugtem Kopf erleichtert den Schluckprozess.
  • Ablenkung wĂ€hrend des Essens ist kontraproduktiv. Je besser sich der Patient auf das Essen und den Schluckvorgang konzentrieren kann und je mehr Ruhe beim Essen vorherrscht, umso weniger besteht die Gefahr des Verschluckens.
  • Menschen mit Schluckstörungen benötigen zum Essen mehr Zeit. Dysphagiepatienten sollen möglichst langsam essen und trinken. Auch geht der Kauprozess allgemein langsamer vonstatten als bei gesunden Menschen. Immer wieder mĂŒssen Pausen eingelegt oder durch ungewolltes Verschlucken muss gehustet werden.
  • Auch nach dem Essen sollte dem Patienten noch genĂŒgend Zeit gegeben werden, bis wirklich auch der letzte Bissen komplett geschluckt ist.

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Wie sollten die Speisen zubereitet sein?

Die Konsistenz der Nahrung ist ein ganz wichtiger Faktor bei Dysphagiepatienten. Ist die Nahrung zu flĂŒssig, lĂ€uft sie entweder aus dem Mund oder zu schnell in den Rachen, was ein Verschlucken auslösen kann. Sind die Speisen zu trocken, können Sie Hustenreize auslösen.

Diese Tipps können fĂŒr Erleichterung sorgen:

  • Gerade bei PflegebedĂŒrftigen die nicht mehr genĂŒgend Nahrung zu sich nehmen, gilt der Grundsatz: „Das Auge isst mit“. Appetitlosigkeit und Angst vor dem Essen werden durch lieblos zubereitete Gerichte noch verstĂ€rkt. Wohingegen ein appetitlich angerichtetes MenĂŒ eher zum Zugreifen animiert.
  • Wer den Aufwand fĂŒr das Anrichten scheut, kann auch optisch attraktive TiefkĂŒhlmenĂŒs nutzen – damit macht das Essen auch wieder Freude und der Dysphagiepatient fĂŒhlt sich bei Tisch nicht mehr ausgegrenzt.
  • Mittlerweile gibt es auch pĂŒrierte Salate und Brote, was eine willkommene Abwechslung in der ErnĂ€hrung sein kann, denn die Salate sind sehr frisch und geschmacksintensiv und das Brot gehört sowieso zu unserer ErnĂ€hrungskultur. Mehr dazu in meinem Beitrag „Schluckstörungen: Abwechslungsreiche PĂŒrierkost fĂŒr FrĂŒhstĂŒck, Mittag- und Abendessen„.
  • FĂŒr Patienten mit dysphagischen EinschrĂ€nkungen gibt es geeignete und ungeeignete Nahrungsmittel. Je nach Schwere der Erkrankung und Konsistenz der Nahrung, wird diese entweder nur zerdrĂŒckt, breiig gekocht, klein geschnitten, geraspelt, oder pĂŒriert verabreicht.
  • Die Konsistenz der Speisen kann der Problematik des Patienten angepasst werden. Bei manchen Speisen wird es nötig sein, diese mit Wasser zu verdĂŒnnen, andere mĂŒssen evtl. mit entsprechenden Mitteln angedickt werden, um das Schlucken zu erleichtern.
  • Um keine MangelernĂ€hrung entstehen zu lassen, ist eine ausgewogene, energie- und nĂ€hrstoffreiche ErnĂ€hrung notwendig. Deshalb sollten hochkalorische, energiereiche Speisen und Zwischenmahlzeiten angeboten werden.

Entsprechende Rezepte fĂŒr schmackhafte, kalorienreiche Zwischenmahlzeiten finden Sie hier:

  • Bei einer bereits bestehenden MangelernĂ€hrung können PĂŒreemenĂŒs,welche mit lebenswichtigen Vitalstoffen angereichert sind, verabreicht werden.
  • Auf ungeeignete Nahrungsmittel (zum Beispiel Körnerbrot, Rohkostsalate, Reis, krĂŒmelige und trockene Speisen usw.) sollte komplett verzichtet werden.
  • Geeignete Nahrungsmittel sind von der Konsistenz her glatt und gleitfĂ€hig.
  • Zitrone und andere sĂ€uerliche Lebensmittel regen den Speichelfluss an. Die Nahrungsmittel lassen sich dann leichter „befördern“.
  • Nur kleine Portionen in den Mund schieben. Um ein GespĂŒr fĂŒr kleine Portionen zu erhalten, bietet es sich an, anstatt mit einem Suppenlöffel mit einem Teelöffel oder einem speziellen Dysphagielöffel zu essen.

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Wie werden Schluckstörungen festgestellt?

Es gibt verschiedene Symptome und Anzeichen fĂŒr Schluckstörungen und –beschwerden.

Zum einen gibt es Merkmale, die direkt bei der Nahrungsaufnahme beobachtet werden können, wie zum Beispiel

  • Vermehrt Probleme mit dem Kauen der Nahrung
  • Vermehrte Unbeweglichkeit der Zunge
  • HĂ€ufigeres Verschlucken
  • RĂ€uspern und husten
  • WĂŒrgereiz
  • Langsames Essen
  • Nahrung kommt wieder aus dem Mund heraus
  • Das Essen wandert nicht in die Speiseröhre sondern in die Nase
  • Speichel kann nicht im Mund behalten werden und fließt aus dem Mund
  • Reduzierung der Essensmenge bis hin zur kompletten Verweigerung der Nahrung und GetrĂ€nke
  • Angst vor dem Essen
  • Husten- und ErstickungsanfĂ€lle durch angesammelte und/oder steckengebliebene Nahrungsteile
  • Komplette UnfĂ€higkeit, Nahrung aufzunehmen

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Zum anderen kann es durch die oben erwÀhnten Problematiken dann als Folgeerscheinung zu weiteren problematischen Symptomen und Erkrankungen kommen, wie zum Beispiel

  • DruckgefĂŒhl oder KloßgefĂŒhl im Hals
  • Gewichtsverlust
  • MangelernĂ€hrung aufgrund von zu geringer Zufuhr von Nahrung und/oder NĂ€hr- und Vitalstoffen
  • Austrocknung (Dehydration) des Körpers aufgrund von FlĂŒssigkeitsmangel
  • FieberschĂŒbe
  • LungenentzĂŒndungen durch Essensreste in der Luftröhre
  • Atemwegserkrankungen
  • VerĂ€nderung der Stimme wie z.B. gurgelnde oder sehr leise (flĂŒsternde) Stimme
  • Schlechte Aussprache / Sprechstörungen

Mein persönliches Fazit

Eine Schluckstörung sollte nie auf die leichte Schulter genommen werden, da die gesundheitlichen BeeintrĂ€chtigungen und Folgeerkrankungen die LebensqualitĂ€t stark beeintrĂ€chtigen können (z.B. ist die LungenentzĂŒndung / Aspirationspneumonie hĂ€ufig auf Verschlucken durch Schluckstörungen zurĂŒck zu fĂŒhren und kann leider auch zum Tode fĂŒhren).

Die Optik der Nahrung ist sehr wichtig. Denn es soll Freude machen, trotz der Dysphagie etwas leckeres und optisch ansprechendes zu essen.

Beitragsbild: Â© by Apetito


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