Die Bedeutung der Therapietreue für Schlaganfall-Patienten

Therapietreue ist die Art und Weise, wie ein Schlaganfallpatient mitarbeitet, um einen erneuten Schlaganfall zu vermeiden. Die Therapietreue bestimmt zu einem großen Prozentsatz den Erfolg der Behandlung.


Gastbeitrag von

Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen


Was ist ein Schlaganfall?

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Ein Schlaganfall ist, wie der Name sagt, eine schlagartig bzw. akut auftretende Funktionsstörung des Gehirns, verursacht durch eine Durchblutungsstörung. 85 Prozent der Schlaganfälle entstehen durch Blutmangel in einer umschriebenen Hirnregion. Die Folge ist ein sog. ischämischer Hirninfarkt.

Andere Ursachen sind Blutungen in das Gehirngewebe (Hirnblutung bzw. hämorrhagischer Schlaganfall) oder aus einer geplatzten, dünnwandigen Gefäßaussackung einer Hirnarterie (Subarachnoidalblutung).

Laut Experten der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) werden 90 Prozent aller Schlaganfälle durch 10 behandelbare Risikofaktoren wie Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Vorhofflimmern oder Rauchen verursacht.

Daher ist die vordringlichste Frage, wie Schlaganfälle verhindert werden können (Primärprophylaxe) oder erneut auftretende Schlaganfälle, sog. Rezidive, durch gezielte Behandlung von Risikofaktoren vermieden werden können (Sekundärprophylaxe).

Therapietreue: Der Schlüssel zum therapeutischen Erfolg

Die Therapietreue (Adhärenz) bei einem Schlaganfall ist aus Sicht der Therapeuten und Patienten der “Schlüssel zum therapeutischen Erfolg”, um das Risiko eines Schlaganfalls oder erneuten Schlaganfalls zu reduzieren. Adhärenz beschreibt das Ausmaß in Prozent, in welchem die Patienten mit dem Arzt gemeinsam getroffene Vereinbarungen zur Therapie und zur Lebensführung einhalten.

Im Praxisalltag zeigt sich jedoch, dass viele Schlaganfall-Betroffene mit den teilweise komplexen Vereinbarungen und Empfehlungen überfordert sind. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich nur etwa jeder zweite Patient therapietreu verhält*.

Vor allem ist der Bluthochdruck als Hauptrisikofaktor für Schlaganfälle, von dem in Deutschland ca. 30 Millionen Menschen betroffen sind, nur bei der Hälfte der Betroffenen ausreichend kontrolliert**.

Mangelhafte Therapietreue ist ein riesiges Problem für das Gesundheitssystem. Abgesehen von unnötigem Leiden, Behinderung und reduzierter Lebensqualität, verursacht sie enorme Behandlungskosten, welche verhindert werden könnten.

Das Konzept der Adhärenz in der Theorie

Das Konzept der Adhärenz beruht auf Vertrauen und Kooperation: Das Einhalten von Therapieplänen und damit auch der Therapieerfolg liegt in der gemeinsamen Verantwortung von Patient und seinen Ärzten und Therapeuten.

Aus Sicht der Patienten bedeutet Therapietreue: 

  • ein aktives Mitwirken am Genesungsprozess, insbesondere die Bereitschaft, ärztlichen und therapeutischen Empfehlungen, wie z. B. die Einnahme von Medikamenten, zu folgen.
  • die Einhaltung eines gesunden Lebensstils.
  • die Umsetzung von Therapiemaßnahmen.

Aus Sicht der behandelnden Ärzte und Therapeuten beinhaltet Therapietreue:

  • Aufklärung und Information über die Ziele der Behandlung, die Risikofaktoren und über die verordneten Medikamente.
  • Anpassung der Therapie an die individuellen Möglichkeiten und Bedürfnisse des Patienten.
  • Vernetzung bzw. Informationsaustausch innerhalb des behandelnden Fachpersonals.

Das Konzept der Therapietreue in der Praxis

Bei der Umsetzung der Therapietreue (Adhärenz) im Alltag geht es nicht darum, dass der Patient die Anweisungen von Ärzten und Therapeuten stur befolgen soll. Vielmehr soll gemeinsam vereinbart werden, wie vorgegangen wird. Dabei ist es sehr wichtig, dass der Patient die auf ihn abgestimmten Behandlungsempfehlungen versteht. Dieses Verständnis zu erreichen erfordert Zeit und Vertrauen als Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung der Empfehlungen.

Anders herum formuliert: Verhält sich ein Patient nicht therapietreu, hält er sich also nicht an die gemeinsam vereinbarten Abmachungen, kann sich kein Therapieerfolg einstellen. Eine Genesung oder eine Besserung von Leiden wird somit verzögert oder sogar verhindert.


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9 Gründe für mangelhafte Therapietreue

Um die Therapietreue zu verbessern, bedarf es einer Analyse der Gründe für mangelnde Therapietreue, diese sind:

  • Fehlendes Wissen über die Erkrankung.
  • Fehlendes Vertrauen zum Arzt oder in die Therapie.
  • Fehlende Unterstützung von Seiten des sozialen Umfelds.
  • Vergesslichkeit.
  • Angst vor Medikamenten-Nebenwirkungen.
  • Fehlende Motivation.
  • Depression.
  • Dauer der Behandlung.
  • Vergiftungsangst durch die Vielzahl notwendiger Medikamente.

Lösungsansätze zur Verbesserung der Therapietreue bei Schlaganfall-Patienten

Einige der erwähnten Gründe, wie beispielsweise Vergesslichkeit oder eine depressive Verstimmung können Folgen eines Schlaganfalls sein. Dies bedeutet, dass auch kognitive und / oder psychische Störungen nach einem Schlaganfall von Seiten der Ärzte und Therapeuten beachtet und dem Betroffenen und seinem Umfeld erklärt werden müssen.

Ärzte und Therapeuten sind daher aufgefordert, in verständlicher Sprache und vertrauensvoll mit dem Patienten und seinen Angehörigen zu reden und auf alle Fragen und individuellen Bedürfnisse einzugehen. Eine schriftliche Mitteilung (“Patientenbrief”) in verständlicher Sprache ist für Patienten sehr wichtig, damit sie zu Hause  in Ruhe noch einmal nachlesen und bei Bedarf nachfragen können.

Für Patienten und Angehörige: 10 Praktische Tipps zur Verbesserung der Therapietreue

Sie selbst können sehr viel tun, um Ihre Therapietreue nach dem Schlaganfall zu verbessern. Es lohnt sich! Die Empfehlungen lauten:

  • Informieren Sie sich über die Risikofaktoren für Schlaganfall-Patienten und bestimmen Sie dann Ihr persönliches Risikoprofil: „Wie viele der Risikofaktoren treffen auf mich zu?“ Besprechen Sie das anschließend mit Ihrem Arzt.
  • Überprüfen Sie kritisch Ihren Lebensstil, bezogen auf Ihre Gesundheit. Wie gehen Sie mit Suchtmitteln wie Nikotin und Alkohol um?
  • Finden Sie einen für Sie passenden Rhythmus, Ihre verordneten Medikamente pünktlich einzunehmen, z.B. immer direkt mit dem Frühstück.
  • Lassen Sie sich regelmäßig von Ihrem Behandlungsteam kontrollieren.
  • Falls Sie zu Hause ein Blutdruckmessgerät haben, können Sie Ihren Blutdruck leicht selbst messen oder sich von Ihren Angehörigen messen lassen. Schreiben Sie sich Ihre Werte auf.
  • Öffnen Sie sich für fremde Hilfe. Es wäre zu viel verlangt, müssten Sie mit Ihrer Erkrankung allein klarkommen.
  • Führen Sie ein Gesundheitstagebuch.
  • Fragen Sie Ihren Arzt, welche Tipps er Ihnen noch geben kann, um Ihnen die Therapietreue zu erleichtern.
  • Hüten sie sich vor unqualifizierten Ratschlägen aus dem Internet oder ihrer Umgebung.
  • Versuchen Sie, größtmögliches Vertrauen zu Ihren Ärzten und Therapeuten aufzubauen.

Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen
Unser Gastautor, Prof. von Büdingen, arbeitet im Neurozentrum Ravensburg als niedergelassener Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Er hat sich spezialisiert auf die Diagnostik und Behandlung von degenerativen Erkrankungen des Gehirns wie z. B. Morbus Parkinson, Demenz sowie Hirndurchblutungsstörungen, wie dies bei Schlaganfällen vorkommt.

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Quellenangabe:

*Sabaté, Eduardo/World Health Organization (Hrsg.) (2003): Adherence to long-term therapies: evidence for action. Geneva: World Health Organization.

** Quaschning, Katharina/Körner, Mirjam/Wirtz, Markus (2019): Entwicklung und psychometrische Prüfung des „Freiburger Fragebogens zur Medikamentenadhärenz (FF-MedAd)“ bei Rehabilitanden mit kardiologischen Erkrankungen. In: Die Rehabilitation, DOI: 10.1055/a-0883-3856.