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Die Betreuung in häuslicher Gemeinschaft, die sogenannte 24-Stunden-Betreuung, wurde von den Medien vielfach kritisch dargestellt. Die Vorwürfe lauten: Osteuropäische Betreuungskräfte arbeiten 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, unter schlechten Bedingungen, bei einem Nettoverdienst von gerade mal 900 Euro im Monat. Eine Studie zu den Arbeitsbedingungen der 24-Stunden-Betreuungskräfte soll Aufschluss geben.

Sind diese Vorwürfe berechtigt?

Um Fragen nach dem genauen Tätigkeitsprofil der Betreuungskräfte, einer gerechten Vergütung, der Zufriedenheit zu beantworten und somit auch den Ausbeutungsvorwürfen auf den Grund zu gehen, wurde eine breit angelegte Studie vom Verband für häusliche Betreuung und Pflege (VHBP e.V.) und der Hausengel PflegeAllianz e.V. in Auftrag gegeben.

Der erschienene Forschungsbericht der Berufsakademie für Gesundheits- und Sozialwesen Saarland (BAGSS) stellt heraus, dass die Betreuungspersonen mit ihrer Tätigkeit in deutschen Haushalten überwiegend zufrieden sind und sich fair behandelt fühlen.

 

Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse der Studie aufgelistet

  • Die effektive Arbeitszeit der Betreuungskräfte liegt bei knapp 7 Stunden am Tag (bei etwa 200 Arbeitstagen im Jahr)
  • Durchschnittlich werden 3 bis 4 Einsätze im Jahr getätigt, bei einer Dauer von circa 8 Wochen.
  • Das Tätigkeitsfeld umfasst: hauswirtschaftliche Tätigkeiten, die Betreuung der Pflegebedürftigen und die Übernahme der Grundpflege.
  • Die Betreuungskräfte erhalten eine feste monatliche Netto-Vergütung von circa 1.200 Euro.
    (Unter Berücksichtigung freier Kost und Logis ist das Einkommen mit einem deutschen Arbeitnehmer vergleichbar, der 2.000 Euro brutto im Monat verdient.)
  • Die Deutschkenntnisse beeinflussen auch die Höhe des Gehaltes.
  • Der Großteil der Betreuungskräfte fühlt sich respektvoll behandelt.
  • Ausbeutungsvorwürfe konnten nicht bestätigt werden.

Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass Einzelfälle vorkommen können, in denen die Betreuungskraft aus den verschiedensten Gründen unzufrieden ist. Gerade im Bereich der illegal Beschäftigten lassen sich die Zustände der Betreuungskräfte nur schwer überprüfen.

 

Meine Buchempfehlungen zum Thema Pflege

 

Um die Zufriedenheit der Betreuungsperson und auch die der zu betreuenden Person gewährleisten zu können, führen seriöse Vermittlungsagenturen im Vorfeld Bedarfsanalysen durch, um festzustellen, welche Betreuungskraft am besten zu der hilfsbedürftigen Person passen könnte. Die Betreuungskräfte können eigenmächtig entscheiden, ob sie einen vorgeschlagenen Arbeitsplatz annehmen möchten oder nicht.

Wichtig ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass Sie als Auftraggeber für diese Dienstleistung, der Betreuungskraft gegenüber nicht weisungsbefugt sind. Sie sollten also die Anforderungen an die Hilfskraft detailliert mit der Agentur vorab und anschließend im Vertrag festhalten.

Was noch zur Zufriedenheit aller Beteiligten beitragen kann, erläutert Marzena Brinkmann, Geschäftsführerin der gleichnamigen Pflegevermittlung: „Wichtig ist, dass die deutschen Arbeitsgesetze eingehalten und die osteuropäischen und deutschen Mindestlohnbedingungen erfüllt werden. Häufige Nachteinsätze zum Beispiel werden mit einem Zuschlag vergütet. Natürlich muss in diesem Fall auch gewährleistet sein, dass die Betreuungskraft entsprechend ihre ausgleichenden Ruhephasen erhält und über genügend Freizeit verfügt. Allerdings kann diese individuell an die örtliche Situation in Absprache mit der Betreuungskraft angepasst werden.“

Gute Vermittlungsagenturen stehen allen Beteiligten jederzeit für Fragen zur Verfügung, um eventuelle Missstände so schnell wie möglich zu klären. Gegenseitige Offenheit und Vertrauen ist eine unerlässliche Grundlage, damit alle Beteiligten von dieser Art der Betreuung profitieren können.

 

Wenn Sie sich für die sogenannte 24-Stunden-Betreuung entscheiden, achten Sie also darauf, dass Sie eine professionell arbeitende Vermittlungsagentur auswählen. Die Schaffung von guten Rahmenbedingungen durch den Auftraggeber kann erheblich dazu beitragen, ob sich die Betreuungskraft wohl und wertgeschätzt fühlt.

 

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