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Eigentlich sollte man davon ausgehen, daß diejenigen die ihren Job aufgeben um Angehörige zu pflegen, auch anständig versichert sind. Für die Pflegenden fällt also nicht nur das Gehalt weg, es ergibt sich auch die Frage „Wie sind pflegende Angehörige versichert“. Wer übernimmt die Beitragszahlungen zur Sozialversicherung?

Was ist, wenn etwas passiert? Ein Unfall, eine Krankheit! Und was ist mit der Rente? Wie es versicherungstechnisch tatsächlich aussieht, habe ich für Sie hier zusammengefaßt. Ganz besondere Vorsicht ist bei der Krankenversicherung geboten, wie Sie weiter unten noch lesen können.

Wer als Angehöriger, Verwandter oder Freund in häuslicher Umgebung eine pflegebedürftige Person betreut, und deshalb seinen Job ganz oder teilweise aufgegeben bzw. Pflegezeit oder Familienpflegezeit beantragt hat, der ist wie folgt versichert.

 

 

Sozialversicherung für pflegende Angehörige

Viele Angehörige geben für die häusliche Pflege den Job ganz oder teilweise auf. Manchmal kann höchstens noch einem Minijob nachgegangen werden. Das Gehalt fällt weg, wer bezahlt dann die Sozialversicherung? Wie sind die pflegenden Angehörigen versichert? Damit die pflegenden Angehörigen wenigstens eine Grundabsicherung haben, bezahlt die Pflegekasse unter gewissen Umständen die Beiträge zu der Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung, Rentenversicherung und Unfallversicherung.

Um diese Leistungen zu erhalten, müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen eingehalten werden. Bitte prüfen Sie, ob bei Ihnen auch alle Voraussetzungen erfüllt sind oder ob Sie noch irgendwelche Änderungen vornehmen müssen, damit auch für Sie die Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden.

Rentenversicherung für pflegende Angehörige

Ein wichtiger Stein der Sozialversicherung für pflegende Angehörige ist, dass die Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt werden. Die Beiträge zur Rentenversicherung für die Pflegeperson bezahlt die Pflegekasse. Dazu muss ein Antrag gestellt werden. Welche Voraussetzungen dafür nötig sind und wie die Abwicklung funktioniert, lesen Sie bitte in meinem BeitragRente für die Pflege von Angehörigen“.

 

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Warum ist es wichtig, als Pflegeperson rentenversichert zu sein

Wichtig für Sie zu wissen: Die Pflegezeit ist für die Rentenversicherung eine Pflichtbeitragszeit.

Zugegeben, die Rentenbeiträge, welche die Pflegekasse für Sie einbezahlt, sind nicht gerade berauschend. ABER:

  • Es werden damit auf alle Fälle die Beitragsjahre weitergezählt!
  • Beitragsjahre bringen Beitragspunkte in der Rentenversicherung.
  • Die Pflegezeit ist eine Pflichtbeitragszeit, die Ihre Rentenansprüche erhöht.
  • Sie haben als Pflegeperson Ansprüche aus der Rentenversicherung wie z.B. eine medizinische Rehabilitationsmaßnahme.

 

Worauf Sie bei der Rentenversicherung achten sollten?

Die Höhe der Rentenversicherungsbeitragszahlung der Pflegekasse ist davon abhängig, ob Sie alleine pflegen oder ob Sie einen Pflegedienst hinzunehmen bzw. vom Pflegegrad.

  • Je mehr Leistungen Sie von einem Pflegedienst in Anspruch nehmen, umso geringer sind die Beitragszahlungen zur Rentenversicherung über die Pflegekasse.
  • Je höher der Pflegegrad umso höher die Beitragszahlungen zur Rentenversicherung.
  • Nur Pflegepersonen, die einen Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 2 – 5 pflegen, erhalten von der Pflegekasse Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt.
  • Für die Pflege von Personen mit Pflegegrad 1 werden von der Pflegekasse KEINE Rentenbeiträge für die Pflegeperson bezahlt.
  • Die Zahlung der Rentenbeiträge durch die Pflegekasse erfolgt NICHT automatische sondern muss beantragt werden!
  • Seit dem 01.07.2017 werden nun auch für pflegende Rentner von der Pflegekasse Rentenbeiträge bezahlt. Damit kann die bestehende Rente aufgebessert werden. Mehr dazu lesen Sie bitte in meinem Beitrag So wirkt sich die flexible Teilrente auch für pflegende Rentner aus.

 

Unfallversicherung für pflegende Angehörige

Wer Angehörige pflegt ist als Pflegeperson gesetzlich nach § 44 SGB XI unfallversichert. Allerdings müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden. Außerdem deckt die Unfallversicherung nicht jeden Unfall ab.

 

Was ist bei der Unfallversicherung für Pflegepersonen zu beachten?

  1. Die Unfallversicherung für pflegende Angehörige greift nur zu den Zeiten, zu denen gepflegt. Siehe nächster Absatz. Ebenso gehören zu den Pflegezeiten noch die Wegezeiten, das heißt wenn Sie auf dem Weg zum Pflegebedürftigen sind oder nach der häuslichen Pflege wieder nach Hause gehen.
  2. Die Person die pflegt, darf keine erwerbsmäßig tätige Pflegeperson sein. Das bedeutet, die Pflegeperson darf kein Gehalt für die Pflege erhalten. Erlaubt ist jedoch die Überlassung des Pflegegeldes an die Pflegeperson.
  3. Die Pflegeperson muß nicht zwingend verwandt sein. Auch Freunde, Nachbarn oder Bekannte können eine Pflegeperson sein.
  4. Die Pflege muß verteilt auf zwei Tage wöchentlich mindestens 10 Stunden in der Woche betragen.
  5. Der Pflegebedürftige muß einen Pflegegrad 2 bis 5 haben.
  6. Die Pflege muß zu Hause durchgeführt werden. Das häusliche Umfeld kann die Wohnung des Pflegebedürftigen, aber auch die Wohnung der Pflegeperson sein. Außerdem ist auch eine Seniorenresidenz oder das Betreute Wohnen als häusliche Pflege zu sehen.

 

 

 

Welche Pflegeleistungen deckt die Unfallversicherung ab?

Die gesetzliche Unfallversicherung deckt leider nicht alle Zeiten ab, die man mit dem zu Pflegenden verbringt. Für die nachfolgenden Tätigkeiten sind Sie unfallversichert:

  1. Der direkte Weg zur Wohnung der zu betreuenden Person und wieder nach Hause
  2. Unfälle bei der Pflege. Hierzu zählen
  • die Körperpflege wie z. B. waschen, duschen, baden, rasieren usw.
  • die Behandlungspflege wie z.B. Verbände wechseln, Verabreichen von Medikamenten
  • die hauswirtschaftliche Versorgung wie einkaufen, spülen, Wäsche waschen oder putzen. Diese Tätigkeiten müssen jedoch fast ausschließlich für die Pflegebedürftigen sein und nicht überwiegend für Personen, die zwar mit im Haushalt leben aber nicht pflegebedürftig sind.
  • die Ernährung wie z. B. das Zubereiten von Mahlzeiten und das Verabreichen von Mahlzeiten sowie
  • der Mobilität wie z. B. das Helfen beim Aufstehen und Setzen, an- und ausziehen, das Verlassen der Wohnung. Die Unterstützung beim Verlassen und Aufsuchen der Wohnung z. B. für einen Arztbesuch oder einen Behördengang ist nur dann versichert, wenn es für die Lebensführung des zu Pflegenden notwendig ist.

Extra-Tipp: Wer einen Pflegegrad hat und zu Hause gepflegt wird, hat jeden Monat Anspruch auf kostenlose Pflegehilfsmittel. Diese können Sie hier einfach bestellen.

 

Welche Pflegeleistungen deckt die Unfallversicherung NICHT ab?

  • Wer seinen Angehörigen zur Freizeitgestaltung auf einen Spaziergang oder zu einem Theaterbesuch begleitet und während dieser Zeit verunglückt, ist nicht unfallversichert.

 

Was ist zu tun, wenn bei der häuslichen Pflege ein Unfall eingetreten ist?

  • Als erstes müssen Sie sich bei einem Arzt vorstellen. Sagen Sie ihm gleich, dass der Unfall bei der häuslichen Pflege erfolgte.
  • Falls der Arzt den Unfall nicht der zuständigen gesetzlichen Unfallversicherung meldet, müssen Sie das machen.
  • Die Krankenkasse ist selbst auch daran interessiert festzustellen, ob es sich um einen Unfall im Rahmen der Pflege im häuslichen. Umfeld handelt. Sie kann dann die entstehenden Kosten an die Unfallversicherung weitergeben.

 

Welche Leistungen erhält die Pflegeperson von der Unfallversicherung?

Verunglückt eine Pflegeperson bei der Pflege, können nachfolgend aufgeführte Ansprüche an die Unfallversicherung gestellt werden.

  • Alle notwendigen Behandlungen durch einen Arzt, ein Krankenhaus. Außerdem Rehamaßnahmen, Übernahme der Heilmittel, Fahrtkosten usw., wie Sie sonst von einer Krankenkasse auch übernommen werden
  • Sollte der Unfall so schwerwiegend gewesen sein, dass weiterführende Maßnahmen unternommen werden müssen, werden auch diese bezahlt. Das können zum Beispiel auch Umschulungen auf einen anderen Beruf sein.
  • In ganz schweren Fällen kann auch geprüft werden, ob die Unfallversicherung eine Rente bezahlen muss.

 

 

Was Sie sonst noch über die Unfallversicherung wissen sollten

  • Die Unfallversicherung muss von der Pflegeperson nicht beantragt werden. Wer Angehörige pflegt ist automatisch unfallversichert und muss deshalb keinen Antrag stellen. Voraussetzung ist natürlich, dass Sie bei der Pflegekasse als Pflegeperson gemeldet sind. 
  • Was kostet die Unfallversicherung? Der Pflegeperson sowie dem Patienten entstehen durch die Unfallversicherung keine Kosten.

 

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Krankenversicherung für pflegende Angehörige

Prinzipiell sind pflegende Angehörige nicht automatisch krankenversichert, wie zum Beispiel bei der Unfallversicherung. Deshalb müssen pflegende Angehörige prüfen, welchen Status sie haben und was zu tun ist.

Wer keiner sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgeht und nicht in der Familienversicherung integriert ist, muss sich selbst freiwillig krankenversichern. Hier ist deshalb absolute Aufmerksamkeit geboten

► Es gibt folgende Möglichkeit

  • Krankenversicherung über die Familienversicherung. Das heißt, die Pflegeperson ist in der Familienversicherung der Eltern oder des Partners mitversichert.
  • Krankenversicherung über eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit. Dies betrifft Personen, die zusätzlich zur Pflege noch einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit (Vollzeit oder Teilzeit) nachgehen, über die sie krankenversichert sind.
  • Freiwillige Krankenversicherung. Wer weder über eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit noch über die Familienversicherung versichert ist, muss sich freiwillig krankenversichern. Die freiwillige Krankenversicherung kann auch bei einer gesetzlichen Krankenversicherung abgeschlossen werden.

 

Arbeitslosenversicherung für Pflegepersonen

Seit 2017 werden für pflegende Angehörige auch Beiträge zur Arbeitslosenversicherung bezahlt. Diese Sozialversicherung ist ein ganz wichtiger Punkt, wie ich weiter unten noch erklären werde.

 

Wer bezahlt für pflegende Angehörige die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung?

So wie die Beiträge zur Rentenversicherung von der Pflegekasse bezahlt werden, so werden ab 2017 auch die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung von der Pflegekasse bezahlt und zwar an die Bundesagentur für Arbeit. Mehr über die Arbeitslosenversicherung für pflegende Angehörige erfahren Sie hier.

 

Unter welchen Voraussetzungen werden für Pflegende die Arbeitslosenversicherungsbeiträge bezahlt?

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt werden, damit Sie von der Pflegekasse vollumfassend in der Arbeitslosenversicherung versichert werden:

  • Sie pflegen mindestens regelmäßig 10 Stunden an mindestens 2 Tagen pro Woche.
  • Wie bei der Rentenversicherung, können Sie die Pflegezeiten auch bei der Arbeitslosenversicherung für mehrere Personen addieren. Angenommen Sie pflegen Ihre Schwiegermutter und Ihren Vater, dann können Sie die Pflegezeiten zusammenfassen.
  • Die pflegebedürftige Person hat mindestens Pflegegrad 2.
  • Sie haben unmittelbar bevor Sie die Pflege übernommen hatten ein arbeitslosenversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. Jobs, bei denen Sie oder Ihr Arbeitgeber keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung bezahlt haben, können somit nicht anerkannt werden.
  • Sie haben Ihre Berufstätigkeit aufgegeben, um die Pflege zu übernehmen. Das bedeutet: Wenn Sie zusätzlich zur Pflege noch z.B. eine Teilzeitbeschäftigung haben für die Arbeitslosenversicherung bezahlt wird, bezahlt die Pflegeversicherung für Sie keine Beiträge mehr zur Arbeitslosenversicherung.

 

Warum ist es wichtig, als Pflegeperson arbeitslosenversichert zu sein

Für eine Pflegeperson kann die Pflegetätigkeit von heute auf morgen beendet sein. Wer für die Pflege seinen Job aufgegeben hat, findet nicht so schnell wieder etwas Neues. Wer dann während der Pflegezeit arbeitslosenversichert war, kann jetzt vollumfänglich Arbeitslosengeld 1 sowie den Zugang zu allen Leistungen der aktiven Arbeitsförderung erhalten.

WICHTIG:

Sprechen Sie auf alle Fälle mit Ihrer Pflegekasse durch, ob bei Ihnen Versicherungslücken vorhanden sind und was Sie tun müssen.

 

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