Wer ist per Definition pflegebedürftig

WOKON_Banner_300x250
Nicht nur alte Menschen können pflegebedürftig sein, sondern auch junge Menschen und Kinder.

Um klare Verhältnisse zu schaffen, wer pflegebedürftig ist und wer nicht, hat der Gesetzgeber dies im Sozialgesetzbuch SGB XI klar geregelt. 

Warum muss eine Pflegebedürftigkeit festgestellt werden

Mit der Feststellung einer Pflegebedürftigkeit erfolgt auch eine Einstufung in eine Pflegestufe (Pflegestufe I, II, III).

Wer in eine Pflegestufe eingestuft ist, hat dann auch Anspruch auf Pflegesachleistungen, Pflegegeld, Pflegehilfsmittel, Hilfsmittel, Zuschüsse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen usw. gemäß dem neuen, ab 2015 geltenden Pflegestärkungsgesetz.

Übrigens: Hier finden Sie einen Pflegeleistungsrechner, mit dem Sie alle Ihnen zustehenden Leistungen berechnen lassen können.

 

Bitte nicht vergessen
Mit einer Pflegestufe haben Sie Anrecht auf monatliche Pflegehilfsmittel

 

Wie wird Pflegebedürftigkeit definiert

Pflegebedürftig im Sinne der Pflegeversicherung ist, wer aufgrund körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheiten oder Behinderungen für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens 6 Monate, in erheblichem oder höherem Maße Hilfe benötigen. 

Krankheiten oder Behinderungen in diesem Sinne sind:

  • Verluste, Lähmungen oder andere Funktionsstörungen am Stütz- und Bewegungsapparat
  • Funktionsstörungen der inneren Organe oder der Sinnesorgane
  • Störungen des Zentralnervensystems wie Antriebs-, Gedächtnis– oder Orientierungsstörungen sowie endogene Psychosen, Neurosen oder geistige Behinderungen 

Mein Buchtipp zu diesem Thema

Bezüglich der richtigen Einstufung in die Pflegestufe möchte ich Ihnen das Buch100 Fehler bei der Einstufung von Pflegebedürftigenempfehlen.

Was gehört zu den Verrichtungen des täglichen Lebens

Wer sich nicht mehr selbst versorgen kann, also auf pflegerische Hilfeleistung angewiesen ist, wird nach bestimmten Kriterien als pflegebedürftig eingestuft. Zu den täglichen Verrichtungen des täglichen Lebens zählen:

  1. Die Körperpflege (Waschen, duschen, baden, Zähne putzen, reinigen der Zahnprothese, kämmen, rasieren, Darm und Blase entleeren)
  2. Die Ernährung (mundgerechte Zubereitung der Nahrung, Hilfe bei der Aufnahme der Nahrung)
  3. Die Mobilität (selbständiges Aufstehen, selbständiges Zu-Bett-Gehen, Ankleiden, Auskleiden, Gehen, stehen, Treppen steigen, Verlassen und wiederaufsuchen der Wohnung)
  4. Das Führen des Haushalts (Reinigen und beheizen der Wohnung, spülen, kochen, einkaufen, Wechseln und waschen der Wäsche und Kleidung)

Die Punkte 1. bis 3. gelten als Grundpflege

 


Homelift: Der Leichtbaulift für innen und außen
Günstig und individuell. Auch für nachträglichen Einbau

 

Hilfebedarf für alle weiteren Verrichtungen wird bei der Anerkennung der Pflegebedürftigkeit nicht berücksichtigt. (Mit Ausnahme bei eingeschränkter Alltagskompetenz)

Wie wird Pflegebedürftigkeit festgestellt

Wer pflegebedürftig ist und somit Anspruch auf eine Pflegestufe hat, sollte einen Antrag auf Einstufung in eine Pflegestufe stellen. Der Medizinische Dienst der Krankenkasse (MDK) begutachtet den Antragsteller und verfaßt ein Gutachten/einen Bericht. Er empfiehlt mit diesem Gutachten die Einstufung in eine Pflegestufe oder die Ablehnung des Pflegestufen-Antrags.

Voraussetzung für die Anerkennung einer Pflegestufe ist ein Hilfebedarf von mindestens 90 Minuten täglich. Diese Zeit ist notwendig, um Pflegestufe I zu bekommen. Mehr als die Hälfte dieser Zeit, also mehr als 45 Minuten, muss die Grundpflege (Punkt 1-3 aus dem vorhergehenden Absatz „Was gehört zu den Verrichtungen des täglichen Lebens“).

Wer zwar seinen Haushalt nicht mehr selbst führen kann, für die Verrichtungen des täglichen Lebens (Punkt 1-3) jedoch Hilfe von weniger als 45 Minuten benötigt, kann nicht in eine Pflegestufe eingestuft werden.

 

24-Stunden-Pflege durch legales, osteuropäisches Pflegepersonal
kann eine gute Alternative zu einem Pflegeheim sein

 

Was ist, wenn mehr Pflege als Pflegestufe III benötigt wird

Wer einen außergewöhnlich hohen Pflegeaufwand benötigt, kann als Härtefall eingestuft werden. Mehr dazu in meinem Beitrag: Was ist eine Härtefallregelung. Dies wird wiederum vom MDK im Gutachten mit aufgenommen.

Übrigens: Sie sollten beim MDK auch gleich darauf hinweisen, daß Sie monatlich kostenlose Pflegehilfsmittel bekommen.

Was ist, wenn keine Pflegebedürftigkeit anerkannt wird

Wenn Ihnen die Pflegestufe nicht zugestanden wird, sollten Sie als erstes einen Widerspruch einlegen. Bitte unbedingt die im Schreiben der Pflegekasse angegebenen Widerspruchsfrist einhalten. Mit diesem Schreiben müssen Sie noch keine Begründung angeben.

Es reicht, wenn Sie formlos dem Bescheid widersprechen und mitteilen, dass Sie eine Begründung nachreichen. Ein Musteranschreiben für einen Widerspruch gegen die Einstufung der Pflegestufe erhalten Sie hier.

Falls Sie kein Gutachten vom MDK erhalten haben, fordern Sie dieses bitte gleichzeitig mit dem Widerspruch an.

Setzen Sie sich mit einem Pflegestützpunkt, dem Sozialdienst des behandelnden Krankenhauses oder Pflegedienstes usw. in Verbindung (weitere Ansprechpartner finden Sie auch in meinem Beitrag: Plötzlich Pflegefall – Checkliste: Was ist zu tun und wer hilft weiter) um abzuklären, welche Möglichkeiten Sie haben, doch eine Pflegestufe anerkannt zu bekommen

Nachzulesen sind die Regelungen der Pflegebedürftigkeit im § 14 SGB XI

 

Sie möchten immer die neuesten Beiträge dieses Blogs lesen?
Hier können Sie sich in unseren kostenlosen Newsletter eintragen

© by www.Pflege-durch-Angehoerige.de

66 comments for “Wer ist per Definition pflegebedürftig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*