Rente für die Pflege von Angehörigen

 

Haben Sie sich auch schon manchmal gefragt: „Wer bezahlt eigentlich meine Rentenbeiträge, solange ich einen Angehörigen pflege?“

In der Tat ist es so, dass Personen die einen Angehörigen, also zum Beispiel ein Elternteil oder den Ehepartner zu Hause pflegen, unter bestimmten Voraussetzungen die Beiträge zur Rentenversicherung von der Krankenkasse/Pflegekasse bezahlt bekommen.

Dies geschieht vor allem vor dem Hintergrund, dass pflegende Angehörige oft ihre Berufstätigkeit ganz oder teilweise aufgeben, um die pflegebedürftige Person nicht ins Heim geben zu müssen.

Wer einen Familienangehörigen im häuslichen Umfeld pflegt, sollte deshalb prüfen, ob er Anspruch auf eine Rentenbeitragszahlung durch die Pflegekasse hat. Wie pflegende Angehörige allgemein versichert sind, lesen Sie bitte in meinem Beitrag „So sind pflegende Angehörige versichert„.

Mit der Übernahme der Rentenbeitragszahlungen (RV-Beiträge)  durch die Pflegekasse erhöht sich nicht nur die Rente. Es ist damit auch sichergestellt, dass die Beitragsjahre (Rentenpunkte) weiter fortgeführt werden, was sich auf die sogenannte Wartezeit positiv auswirkt.

 

 

Wer bekommt Rentenbeitragszahlungen für die Pflege von Angehörigen

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um Rentenbeitragszahlungen von der Pflegekasse/Krankenkasse zu erhalten (gültig bis 31.12.2016).

 

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Voraussetzungen bis 31.12.2016

  1. Der Pflegebedürftige muss eine Pflegestufe haben
  2. Die Pflege muss in häuslicher Umgebung stattfinden (also nicht im Pflegeheim)
  3. Die wöchentliche Pflege muss mindestens 14 Stunden pro Woche und länger als 2 Monate im Kalenderjahr in Anspruch nehmen
  4. Die Pflegeperson muss die Pflege ehrenamtlich machen, darf für die Pflege also kein Gehalt erhalten. Dies schließt jedoch nicht aus, dass die Pflegeperson von der zu pflegenden Person das Pflegegeld erhält.
  5. Die Pflegeperson darf höchstens 30 Stunden pro Woche erwerbstätig sein. Das bedeutet, dass keine Rentenbeitragszahlungen erfolgen, wenn die Pflegeperson in ihrem Hauptberuf mehr als 30 Stunden arbeitet.

 

Änderungen ab 01.01.2017

Mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz II gelten ab dem 01.01.2017 etwas andere Voraussetzungen. Diese möchte ich hier gleich mit vorstellen.

  1. Der Pflegebedürftige muss einen Pflegegrad 2 – 5 haben.
  2. Die Pflege muss in häuslicher Umgebung stattfinden (also nicht im Pflegeheim).
  3. Die wöchentliche Pflege muss mindestens 10 Stunden pro Woche, verteilt auf 2 Tage in Anspruch nehmen.
  4. Die Höhe der Rentenbeitragszahlung ist abhängig vom Pflegegrad.
  5. Außerdem ist die Höhe der Rentenbeitragszahlung auch davon abhängig, ob die häusliche Pflege ohne weitere Unterstützung durch einen Pflegedienst durchgeführt wird oder nicht. Wer also über einen Pflegedienst die sogenannten Pflegesachleistungen oder Kombinationsleistungen in Anspruch nimmt, bei dem fallen die Rentenbeitragszahlungen niedriger aus. Wer nur Pflegegeld erhält, bekommt somit höhere Rentenbeitragszahlungen. Im Klartext: Je mehr Eigenleistung umso höher die Beiträge zur Rentenversicherung.
  6. Der MDK soll bei der Begutachtung festlegen, ob die Pflegeperson die Mindestpflegezeit von 10 Stunden für die Pflege von einer oder mehreren Personen erreicht. Bei der Begutachtung soll dies in einem persönlichen Gespräch mit den Betroffenen erörtert werden.
  7. Werden mehrere Personen gepflegt, können die Pflegezeiten addiert werden (Additionspflege).
  8. Die Pflegeperson muss die Pflege ehrenamtlich machen, darf für die Pflege also kein Gehalt erhalten. Dies schließt jedoch nicht aus, dass die Pflegeperson von der zu pflegenden Person das Pflegegeld erhält.
  9. Die Pflegeperson darf höchstens 30 Stunden pro Woche erwerbstätig sein. Das bedeutet, dass keine Rentenbeitragszahlungen erfolgen, wenn die Pflegeperson in ihrem Hauptberuf mehr als 30 Stunden arbeitet.
  10. Wer bis 31.12.2016 einen Pflegebedürftigen mit Pflegestufe 0 gepflegt hatte, bekam keine Pflegerente. Ab 01.01.2017 werden Pflegebedürftige mit Pflegestufe 0 in den Pflegegrad 2 eingestuft, somit bekommen die Angehörigen ebenfalls die Pflege-Rente.

Anmerkung: Mir wurde schon von Lesern dieser Seite mitgeteilt, dass die Pflegekasse versehentlich keine Meldung an den Rentenversicherungsträger weitergeleitet hat.

Änderungen ab 01.07.2017

Nun werden auch für pflegende Rentner von der Pflegekasse Rentenbeiträge bezahlt. Damit kann die Rente aufgebessert werden. Die Flexirente macht’s möglich. Mehr dazu lesen Sie bitte in meinem Beitrag So wirkt sich die flexible Teilrente auch für pflegende Rentner aus.

Deshalb meine Empfehlung: Prüfen Sie jedes Jahr, ob die Rentenbeitragszahlung erfolgte.

Wichtig: Wer als pflegender Angehöriger bereits Rente bezieht, erhält keine Rentenbeiträge mehr bezahlt.

 

Wie stelle ich einen Antrag auf Rentenbeitragszahlung für die Pflege von Angehörigen

Ein Antrag muss nicht gestellt werden. Es muss lediglich ein Fragebogen ausgefüllt werden. Der Fragebogen (Fragebogen zur Zahlung der Beiträge zur sozialen Sicherung für nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen) ist bei der Krankenkasse, der Pflegekasse oder der zuständigen Rentenversicherung erhältlich.

Auch die diversen Pflegestützpunkte, die von den Krankenkassen/Pflegekassen betrieben werden, können hierzu Auskunft erteilen.

 

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Wie hoch ist die Rente für die Pflege von Angehörigen

Folgende Faktoren sind für die Höhe der Rente ausschlaggebend:

  1. Ein genehmigter Pflegegrad
  2. Wöchentlicher Stunden-Aufwand für die Pflege

 

Regelungen für die Rente für Pflegende ab 01.01.2017

Die Rentenbeitragszahlungen, welche die Pflegekasse für die pflegenden Angehörigen bezahlt, basieren auf einem fiktiven Wert. Für alle Pflegenden, egal wieviel sie verdient hatten bevor sie die häusliche Pflege übernommen haben bzw. wieviel sie noch verdienen, wird ein gleicher Wert für ein Gehalt festgelegt. Daraus errechnen sich dann die Beitragszahlungen für Ihre Pflegerente.

 

Ihr monatlicher Rentenanspruch ab Januar 2017 für ein Jahr Pflege, bei einer Mindestpflegezeit von 10 Stunden/Woche

PflegegradPflegebedürftiger erhältMonatliche Rente WestMonatliche Rente Ost
Pflegegrad 1Pflegesachleistung

Kombileistung

Pflegegeld

0 Euro0 Euro
Pflegegrad 2Pflegesachleistung

Kombileistung

Pflegegeld

5,53 €

6,72 €

7,90 €

5,18 €

6,30 €

7,41 €

Pflegegrad 3Pflegesachleistung

Kombileistung

Pflegegeld

8,81 €

10,70 €

12,58 €

8,26 €

10,03 €

11,80 €

Pflegegrad 4Pflegesachleistung

Kombileistung

Pflegegeld

14,34 €

17.41 €

20,49 €

13,44 €

16,32 €

19,20 €

Pflegegrad 5Pflegesachleistung

Kombileistung

Pflegegeld

20,49 €

24,88 €

29,27 €

19,20 €

23,32 €

27,43 €

Quelle: Deutsche Rentenversicherung / Stand September 2016
Anmerkung: Die Pflege-Rente basiert auf den Werten für das 2. Halbjahr 2016
 

 

Beispiel A

Frau Klein pflegt ihren in Frankfurt/Main lebenden Vater. Dieser hat Pflegegrad 3. Frau Klein führt die Pflege alleine aus, ohne ambulanten Pflegedienst. Deshalb bezieht sie das volle Pflegegeld. Es werden keine Pflegesachleistungen in Anspruch genommen.

Frau Klein würde dann monatlich eine Pflegerente von 12,58 Euro erhalten.

Würde die Pflege in Frankfurt an der Oder stattfinden, bekäme Frau Klein lediglich 11,80 Euro Pflegerente.

Beispiel B

Der gesundheitliche Zustand vom Vater von Frau Klein hat sich verschlechtert. Er wird in den Pflegegrad 4 hochgestuft. Frau Klein ist es nicht mehr möglich, ihren Vater alleine zu pflegen und benötigt einen Pflegedienst. Die Kosten des Pflegedienstes nehmen die vollen Pflegesachleistungen in Anspruch. Somit erhält sie kein Pflegegeld.

Frau Klein würde dann monatlich eine Pflegerente von 14,34 Euro erhalten.

 

Meine Buchempfehlungen

 

Was ist eine Additionspflege

Unter Additionspflege versteht man die Zusammenfassung von mehreren Pflegefällen. Pflegt ein pflegender Angehöriger zum Beispiel beide pflegebedürftigen Elternteile (jeweils mit einem anerkannten Pflegegrad) in der häuslichen Umgebung, werden die Zeitaufwendungen für beide Elternteile addiert. Werden also für den Vater 15 Stunden und für die Mutter 13 Stunden wöchentlich benötigt, ergibt dies einen Zeitaufwand von 28 Stunden für beide Pflegepersonen.

Extra-Tipp: Wer einen Pflegegrad hat und zu Hause gepflegt wird, hat jeden Monat Anspruch auf kostenlose Pflegehilfsmittel. Diese können Sie hier einfach bestellen.

 

Weitere Informationen zur Rente für Pflegepersonen

Mehr zu diesem Thema finden Sie in der Broschüre RENTE FÜR PFLEGEPERSONEN – IHR EINSATZ LOHNT SICH von der Deutschen Rentenversicherung.

In dieser Broschüre erfahren Sie auch

  • welche Personen versicherungsfrei sind
  • was zu tun ist, wenn eine Beurlaubung oder Freistellung von der Arbeit benötigt wird
  • weitere Beispiele für eine Additionspflege
  • ob auch dann Rentenbeiträge bezahlt werden, wenn nur am Wochenende gepflegt wird, weil die zu betreuende Person unter der Woche in einer Tagespflege oder in einem Pflegeheim untergebracht ist
  • wieviel Urlaubsanspruch für die pflegenden Angehörigen besteht
  • wie lange die Versicherungspflicht beibehalten bleibt, wenn der Pflegebedürftige in eine Reha oder ins Krankenhaus kommt

 

Gesetzestext

Die Rentenzahlungen sind im § 44 SGB XI – Leistungen zur sozialen Sicherung der Pflegepersonen – geregelt.

 

Weitere Beiträge rund um das Thema Pflege

 

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KOMMENTARE ZU DIESEM BEITRAG

KOMMENTARE

  • Malgorzata 21. November 2017 at 13:57

    meiner Mutter (aus Polen ) liebt seit März 2017 bei mir in Deutschland und ich Pflege Sie Zuhause , ist hier versichert hat Pflegegrad 4, hat Anspruch auf Pflegesachleistung aber kein Anspruch auf Pflegegeld. Hab ich Anspruch auf…. Rentenbeitrag für die Pflege von Angehörigen ?
    Hab grade telefoniert mit der Krankenkasse aber da hat mich abgewimmelt , und ich werde nicht so leicht aufgeben.
    in voraus bedank mich herzlich für weitere Informationen.

  • Otto Beier 21. Mai 2017 at 8:43

    Die Rente für pflegende Angehörige wird von der Pflegekasse Ihrer Mutter bezahlt. Deshalb müssen Sie sich als erstes dort erkundigen. Die Pflegekasse/Krankenversicherung hilft Ihnen im Normalfall auch beim Ausfüllen der Formulare.

  • O.Schulz 20. Mai 2017 at 10:05

    Meine Mutter befindet sich seit 2014 in meinem Haus zur Pflege. Anfangs mit Pflegestufe 2 hat sie inzwischen Pflegegruppe 3. In 2014 und 2015 bedurfte sie einer zusätzlichen täglichen medizinischen Behandlung, die durch einen -im Übrigen sehr guten- Pflegedienst abgesichert wurde. Seit 2016 werden durch diesen Pflegedienst wöchentlich 1x Medikamente gesetzt und 1x monatlich eine Injektion verabreicht.
    Ich selbst bin EU-Rentner, darf monatlich bis zu 450 EUR hinzu verdienen, wobei ich diesen Betrag wegen der zeitaufwendigen Pflege und meiner gesundheitlichen Einschränkungen noch nie erreicht habe. Habe ich Anspruch auf eine Rente für pflegende Angehörige, ab wann müsste diese gezahlt werden, wie hoch wäre diese Rente und wo kann man sich informieren, ob alle notwendigen Anträge für eine solche Rente eingereicht wurden ?

  • Lydia Kraft 30. Januar 2017 at 20:28

    Hallo ich habe 70% behinderun G ich kann mich nicht putzen ich brauche hilfe bei fahren . Kan ich einen park platz beantragen am Haus ,vom meinem Lebensgefährte, und putzen treppen und haus hald dürch Krankenkasse
    beantragen ,weill ich kleine rente habe

  • Borys 12. Januar 2017 at 12:12

    Wann erfolgt eine Wiederholungsbegutachtung?t Habe gelesen erst ab 1.1.19
    Stimmt das?

  • Otto Beier 17. November 2016 at 10:28

    Sie sollten das von einem Fachanwalt, spezialisiert auf Sozialrecht, prüfen lassen. Unter Umständen kann Ihnen auch ein Pflegestützpunkt helfen.

  • Weber 16. November 2016 at 17:36

    10 Jahre habe ich meine Eltern gepflegt. Für diese ehrenamtliche Pflege habe ich meine volle Arbeitszeit auf 15 Std. wöchentlich gekürzt.Seit 2008 erhalte ich ene Mindestpension.Ab 1.1.2017 erhalte ich aus der Pflegetätigkeit 95,78 € Rente. Dieser Rentenbetrag kürzt meine Mindestpension genau um diesen Betrag, da es sich bei den Einzahlungen der Pflegekasse um Pflichtbeiträge handelt. Somit wurden also keine höheren Einnahmen durch die Pflegetätigkeit für meine Pensionsbeiträgeerwirtschaftet. M.E. sind diese Einzahlungen aber freiwillige erwirtschaftete Beiträge aufgrund der ehrenamtlichen Pflege, die die Pensionbezüge nicht kürzen dürften.
    Während der 10-jährigen Pflege hatte ich einen mtl.Verlust von ca. 1000,– € Einkommen

  • Otto Beier 10. Oktober 2016 at 9:08

    Ich darf Sie aus rechtlichen Gründen nicht beraten.
    Bitte setzen Sie sich unbedingt mit Ihrer zuständigen Pflegekasse in Verbindung. Diese kann Ihnen genau sagen, wie Sie weiter vorgehen sollen. Ansonsten kann Ihnen vielleicht auch ein Pflegestützpunkt helfen. Pflegestützpunkte beraten kostenlos.

  • Scherer Andreas 9. Oktober 2016 at 20:08

    Ich habe eine Frage zur Rente bei der Pflege von Angehörigen:
    Meine Frau und ich pflegen schon seit 7 Jahren meine Mutter. Sie hat mittlerweile die Pflegestufe 2. Einen Pflegedienst nehmen wir ganz selten bisher in Anspruch. Durch Zufall haben wir erfahren, daß pflegende Angehörige einen Betrag von der Pflegekasse in die Rentenversicherung bezahlt bekommen. Meine Frage wäre nun, ob der Betrag erst ab Antragstellung eingezahlt wird, oder ob der Betrag auch rückwirkend bezahlt wird. Für eine Antwort auch sehr dankbar. Mit freundlichen Grüßen Scherer Andreas