Achtung bei Abtretungserklärung für Entlastungsbetrag und Ersatzpflege

Wer die Entlastungsleistungen oder die Ersatzpflege in Anspruch nimmt, muss in der Regel in Vorleistung gehen und die Rechnungen erst einmal selbst bezahlen. Das ist gerade in Haushalten mit pflegebedürftigen Menschen manchmal ein Problem, da die Pflege an sich schon sehr teuer ist.

Eine Abtretungserklärung könnte da Abhilfe schaffen, trotzdem ist Vorsicht geboten. Erst vor wenigen Tagen bekam ich eine Nachricht eines Pflegenden, der schockiert war über die angeblich geleisteten Stunden einer Dienstleisterin, die über die Pflegekasse abgerechnet wurden.

 

 

Was ist eine Abtretungserklärung?

In der Regel müssen Sie für die entstandenen Kosten für die Betreuungs- und Entlastungsangebote sowie die Verhinderungspflege in Vorleistung gehen und die anfallenden Rechnungen selbst bezahlen. Danach reichen Sie die Rechnungen bei Ihrer Pflegeversicherung ein und bekommen diese erstattet, das heißt Sie haben einen Kostenerstattungsanspruch. Wenn Sie eine Abtretungserklärung unterschreiben, kann der Dienstleister direkt mit der Pflegekasse abrechnen.

In der häuslichen Pflege hat die pflegebedürftige Person ein Budget für die Verhinderungspflege von 1.612 Euro jährlich (aufgestockt 2.418 Euro) und für die zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen von monatlich 125 Euro.

Ersatzpflege und Entlastungsbetrag sind Erstattungsleistungen, das bedeutet, dass die Pflegekasse dem pflegebedürftigen Angehörigen den verauslagten Betrag gegen Vorlage einer Rechnung oder Quittung erstattet.

Weiterführende Erklärungen zu diesem Thema finden Sie hier:

  1. Mehr über Verhinderungspflege lesen Sie hier Neue Regelungen in der Verhinderungspflege.
  2. Auch eine stundenweise Verhinderungspflege ist möglich, wie Sie im Beitrag Stundenweise Verhinderungspflege – so wird Ihnen das Pflegegeld nicht gekürzt  nachlesen können.
  3. Alles was Sie über den Entlastungsbetrag wissen müssen, erfahren Sie im Beitrag PSG II verstehen: Das bringt der Entlastungsbetrag ab 2017.

 

Vorteile einer Abtretungserklärung:

Es hat durchaus seine Vorteile, wenn Sie eine Abtretungserklärung unterschreiben.

  • Sie müssen die Rechnungen des Leistungserbringers (z.B. Pflegedienst, caritative Institution, Nachbarschaftshilfe usw.) nicht selbst bezahlen und müssen nicht in Vorleistung gehen.
  • Sie müssen die Rechnungen später auch nicht bei der Pflegekasse einreichen, da der Leistungserbringer direkt mit der Pflegekasse abrechnet.
  • Sie haben keinen Schriftkram zu erledigen.
  • Eine Überwachung, ob der verauslagte Betrag auch von der Pflegekasse an Sie überwiesen wurde, entfällt mit der Abtretungserklärung ebenfalls.
  • Die Pflegekasse kann Ihnen gleich sagen, ob der Anbieter der Dienstleistung nach dem geltenden Landesrecht zugelassen ist und die Pflegeversicherung die Kosten für diesen Anbieter auch tatsächlich übernimmt.

Umfassende Informationen über die Betreuungs- und Entlastungsleistungen habe ich Ihnen in diesem Beitrag zusammengestellt: Was Sie über „Angebote zur Unterstützung im Alltag“ wissen sollten.

 

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Nachteile einer Abtretungserklärung:

Doch das Unterzeichnen einer Abtretungserklärung hat auch ihre Nachteile, die einem vielleicht erst später bewusst werden.

  • In der Regel erhalten Sie keinen Nachweis über die abgerechneten Leistungen. Sie wissen also nicht, wieviel Stunden zu welchem Betrag abgerechnet wurden. Sie haben somit keinerlei Kontrolle über die bereits verbrauchten Gelder.
  • Der Leistungserbringer rechnet direkt mit der Pflegeversicherung ab. Damit haben Sie keine Übersicht, wieviel Budget Ihnen noch zur Verfügung steht.
  • Angenommen, Sie möchten den Entlastungsbetrag für unterschiedliche Hilfen von verschiedenen Dienstleistern in Anspruch nehmen. Wenn Sie die Rechnungen selbst bezahlen, ist das möglich. Haben Sie die Leistungen abgetreten, können Sie nur einen Dienstleister in Anspruch nehmen – und zwar den, dem Sie die Abtretungserklärung unterschrieben haben. Sie sind also gebunden und auf das Leistungsspektrum eines Anbieters beschränkt.

 

Meine Buchempfehlungen zum Thema Pflege

 

Kann eine Abtretungserklärung aufgehoben werden

Wenn Sie eine Abtretungserklärung unterschrieben haben, können Sie diese jederzeit widerrufen. Sie sollten das aber unbedingt schriftlich machen und für sich eine Kopie behalten, damit Sie stets nachweisen können, dass Sie die Abtretungserklärung widerrufen haben und zu welchem Zeitpunkt. Den Widerruf können Sie formlos gestalten.

 

ExtraTIPP‘s

  1. Wenn Sie keine Abtretungserklärung unterschreiben, sollten Sie auf alle Fälle mit der Pflegeversicherung abklären, ob der von Ihnen ausgewählte Dienstleister wirklich nach geltendem Landesrecht eine Zulassung hat. Denn nur dann können Sie die Kosten auch tatsächlich erstattet bekommen.
  2. Vergleichen Sie die Angebote der einzelnen Dienstleister. Gerade der Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat kann schnell verbraucht sein, wenn Stundensätze von 30 Euro und mehr berechnet werden. Ein Pflegestützpunkt oder ein Seniorenbüro bei Ihnen vor Ort kann Ihnen sicherlich Adressen nennen, die entsprechende Betreuungsleistungen zu einem guten Preis-/Leistungsverhältnis anbieten.
  3. Pflegedienste können mit dem Unterzeichnen des ambulanten Pflegevertrags (z.B. Leistungen für die Grundpflege) auch gleich eine Abtretungserklärung für den Entlastungsbetrag vorlegen. Wenn Sie keine Abtretung des Entlastungsbetrags wünschen, sollten Sie auf keinen Fall die Abtretungserklärung unterschreiben sondern nur den eigentlichen Pflegevertrag für die ambulante Pflege.

 

Fazit

Wie immer werden hier die Dienstleister, die korrekt abrechnen, von den schwarzen Schafen der Branche automatisch in Mitleidenschaft gezogen. So schön sich die Vorteile einer Abtretungserklärung auch anhören, so sollten Sie doch für sich überlegen, ob es auch Ihren Wünschen entspricht, an einen Anbieter gebunden zu sein und auch keine Kontrolle der Abrechnung zu haben.

 

Rechtliches

  1. Die Abtretungserklärung ist im „Bürgerlichen Gesetzbuch BGB § 398“,
  2. die Verhinderungspflege ist im „Sozialgesetzbuch § 39 SGB XI Häusliche Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson“ und
  3. die Entlastungsleistungen sind im „Sozialgesetzbuch § 45b SGB XI Entlastungsbetrag“

geregelt.

 

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