Was Sie ĂŒber Kurzzeitpflege wissen sollten

Kurzzeitpflege - Wenn die Pflege zu Hause nicht mehr möglich ist
Kurzzeitpflege dient zur ÜberbrĂŒckung von Fehlzeiten (wie z.B. Urlaub oder Krankheit) der Pflegeperson.

Pflegende Angehörige leisten sehr viel, sind oft rund um die Uhr im Einsatz. Aber es gibt auch Zeiten, wo die hĂ€usliche Pflege nicht erbracht werden kann. Sei es zum Beispiel durch Krankheit oder Urlaub des pflegenden Angehörigen. Die Betreuung des PflegebedĂŒrftigen kann dann mit Kurzzeitpflege ĂŒberbrĂŒckt werden.

Was ist Kurzzeitpflege?

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PflegebedĂŒrftige Menschen mit einer Pflegegrad (vormals Pflegestufe) haben die Möglichkeit, sich fĂŒr einen gewissen Zeitraum in einer Pflegeeinrichtung vollstationĂ€r betreuen zu lassen, wenn es fĂŒr die hĂ€usliche Pflege fĂŒr diesen Zeitraum keine Betreuungsmöglichkeit gibt. Die GrĂŒnde fĂŒr eine Aufnahme in eine vollstationĂ€re Kurzzeitpflege sind sehr verschieden.

Als Kurzzeitpflege bezeichnet man eine vollstationÀre Heimunterbringung welche aber von vorn herein zeitlich begrenzt ist. Die zeitliche Begrenzung betrÀgt maximal acht Kalenderwochen (56 Tage) pro Jahr. GrundsÀtzlich soll die Kurzzeitpflege zur Entlastung pflegender Angehöriger dienen.

Die Leistungen der Kurzzeitpflege in KĂŒrze

  • Es können prinzipiell 8 Wochen Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden.
  • Das Pflegegeld wird wĂ€hrend der Kurzzeitpflege zu 50 % weiterbezahlt. Leseempfehlung: Weiterzahlung des Pflegegeldes trotz Pflegeunterbrechung
  • Kurzzeitpflege können alle PflegebedĂŒrftigen mit einem Pflegegrad 2 bis 5 in Anspruch nehmen
  • Personen im Pflegegrad 1 erhalten keine Kurzzeitpflege. Es besteht jedoch die Möglichkeit, die Kurzzeitpflege mit den Leistungen aus dem Entlastungsbetrag (125 Euro) zu finanzieren. Der Begriff Entlastungsbetrag ersetzt ab 2017 den Begriff „zusĂ€tzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen“.
  • FĂŒr die Kurzzeitpflege ĂŒbernimmt die Pflegekasse Kosten in Höhe von bis zu 1.612 Euro, ab 2022 sind es 1.774 Euro.
  • Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege sind kombinierbar. FĂŒr den Kurzzeitpflege-Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung können fĂŒr die Finanzierung des Pflegeaufenthaltes somit zum einen Leistungen aus der Kurzzeitpflege als auch in vollem Umfang aus der Verhinderungspflege hinzugenommen werden – siehe Beispiel.
  • Ab 2017 gibt es einen einrichtungseinheitlichen Eigenanteil an den Kosten im Pflegeheim. Dies trifft jedoch nicht auf die Kurzzeitpflege zu. Hier ĂŒbernimmt die Pflegekasse – wie oben beschrieben – 1.612 Euro (bzw. 1.774 Euro ab 2022)

Beispiel:

  • Herr MĂŒller hat Pflegegrad 3 und ist ab August 2017 fĂŒr 8 Wochen in einer Pflegeeinrichtung.
  • FĂŒr 2 Monate berechnet das Pflegeheim insgesamt 4.000 Euro fĂŒr die Pflege und 1.200 Euro als Hotelkosten.
  • Bis zu diesem Zeitpunkt hat Herr MĂŒller noch keine Verhinderungspflege in Anspruch genommen.
  • Ebensowenig hat er EntlastungsbetrĂ€ge erhalten.
  • Die entstehenden Pflegekosten kann er zu 100 % aus der Kurzzeitpflege SOWIE zu 100 % aus der Verhinderungspflege bezahlen.
KostenartKostenErstattung
Kosten fĂŒr Pflege fĂŒr 8 Wochen4.000 Euro
Erstattung ĂŒber Kurzzeitpflege1.774 Euro
Erstattung ĂŒber Verhinderungspflege1.612 Euro
Hotelkosten1.200 Euro
Entlastungsbetrag fĂŒr 9 Monate Ă  125 Euro1.125 Euro
Gesamt5.200 Euro4.511 Euro
Von Herrn MĂŒller selbst zu bezahlender Betrag = 689 Euro
Berechnungsgrundlage: Januar 2022

Wann sollte Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden?

Hier gibt es ganz unterschiedliche Ursachen. Einer der GrĂŒnde ist auch, dass pflegende Angehörige eine Auszeit in Form von Urlaub oder einer Reha benötigen, um danach wieder gut erholt die hĂ€usliche Pflege fortfĂŒhren zu können. Deshalb sollte sich niemand scheuen, diese Möglichkeit in Anspruch zu nehmen, um vorĂŒbergehend einen gewissen Abstand zur Pflege zu bekommen. Übrigens: Diese UnterstĂŒtzungen erhalten Sie bei hĂ€uslicher Pflege.

Mögliche GrĂŒnde sind zum Beispiel:

  • Nach einem Krankenhausaufenthalt fĂŒr Personen, die krankheitsbedingt noch nicht alleine leben können und zu Hause niemanden haben, der die Pflege ĂŒbernehmen kann
  • Nach einem Krankenhausaufenthalt fĂŒr Personen, deren Angehörige mit einer fachgerechten Pflege ĂŒberfordert wĂ€ren
  • Krankheit, Urlaub oder Rehauaufenthalt des pflegenden Angehörigen
  • Zur vorĂŒbergehenden ÜberbrĂŒckung und Auszeit, wenn die pflegenden Angehörigen physisch/psychisch ĂŒberfordert sind
  • Verschlimmerung der Krankheit, so dass vorĂŒbergehend eine intensivere Betreuung durch Fachpersonal notwendig wird
  • Zur ÜberbrĂŒckung, wenn ein langfristiger Heimaufenthalt geplant, aber noch kein geeigneter Platz gefunden ist.
  • Die PflegebedĂŒrftigkeit plötzlich eintrat und zu Hause alles organisiert oder ein Bad oder gar die ganze Wohnung behindertengerecht umgebaut werden muss, damit eine Pflege im hĂ€uslichen Umfeld reibungslos durchgefĂŒhrt werden kann. Hier finden Sie eine einfache Lösung zum barrierefreien Badumbau.

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Wer hat Anspruch auf Kurzzeitpflege?

Es muss ein Pflegegrad vorliegen (Pflegegrad 2 bis 5).

GesetzesĂ€nderung: Seit Januar 2016 ist es jedoch auch möglich, nach einem Krankenhausaufenthalt und/oder schwerer Krankheit eine Kurzzeitpflege ohne Pflegestufe zu erhalten. DafĂŒr mĂŒssen aber gewisse Voraussetzungen erfĂŒllt sein.

Ab 01.01.2017 können bis zu 8 Wochen Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden. Die Inanspruchnahme der Kurzzeitpflege schließt nicht aus, auch eine Verhinderungspflege in Anspruch zu nehmen.

Beides ist innerhalb eines Jahres möglich.

Wer stellt den Antrag auf Kurzzeitpflege?

Der Antrag muss vom PflegebedĂŒrftigen oder von dessen Vertretungsberechtigten unterschrieben werden. Das AusfĂŒllen des Antrages können aber unter anderem

ĂŒbernehmen.

Am besten ist es, den Antrag vor Beginn der Kurzzeitpflege zu stellen. Da aber eine Kurzzeitpflege auch sehr schnell, zum Beispiel durch eine Krisensituation, nötig werden kann, reicht auch die Aussage der Pflegeperson, eines Pflegedienstes oder Sozialdienstes aus, um die Notwendigkeit zu belegen.

Der Antrag ist ĂŒber die Pflegekasse erhĂ€ltlich. Sozialdienste von KrankenhĂ€usern, Pflegeheimen usw. haben aber in der Regel auch Antragsformulare vorliegen. Einige Krankenkassen bieten Downloadmöglichkeiten fĂŒr ein Antragsformular an.

Welche Leistungen beinhaltet die Kurzzeitpflege?

Die Leistungen der Kurzzeitpflege in einer stationĂ€ren Einrichtung erstrecken sich ĂŒber

  • Unterkunft und Verpflegung im Pflegeheim.
  • Grundpflege und Behandlungspflege (Duschen, baden, waschen, Hilfe beim An- und Ausziehen, Wechseln von VerbĂ€nden, Kontrolle von Wunden, Mobilisierung durch GehĂŒbungen, SprachĂŒbungen, Messen von Blutzucker / Blutdruck usw., sowie alle anderen notwendigen oder vom Arzt verordneten medizinischen und pflegerischen Leistungen).
  • Teilnahme an hausintern angebotenen TĂ€tigkeiten wie: BeschĂ€ftigungsprogramm, Gymnastik, Mobilisierung, Gesundheitsschulungen, SpaziergĂ€nge, Kopf- und Körpertraining usw.).
  • Inanspruchnahme von Sozialdienstmitarbeitern.
  • Inanspruchnahme von anderen (von Pflegeeinrichtung zu Pflegeeinrichtung unterschiedlichen) zur VerfĂŒgung stehenden Angeboten.

Beachten Sie jedoch, dass nicht alle Leistungen von der Pflegekasse ĂŒbernommen werden. So mĂŒssen Sie zum Beispiel Unterkunft und Verpflegung selbst bezahlen.


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Welche Einrichtung darf Kurzzeitpflege ausfĂŒhren?

Die Pflegeeinrichtung benötigt eine Zulassung zur Kurzzeitpflege.

Es besteht aber auch die Möglichkeit die Kurzzeitpflege an einer stationĂ€ren Rehaeinrichtung ohne Zulassung zur pflegerischen Versorgung nach dem SGB XI in Anspruch zu nehmen. DafĂŒr ist jedoch Voraussetzung, dass der pflegende Angehörige in der gleichen Reha-Einrichtung (oder in der NĂ€he) untergebracht ist und wĂ€hrend dieser Zeit eine Reha-Maßnahme absolviert. Somit ist gewĂ€hrleistet, dass der pflegende Angehörige an einer Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen teilnehmen kann wĂ€hrend der PflegebedĂŒrftige gleichzeitig in der gleichen Einrichtung untergebracht ist.

In diesem Fall ist dann darauf zu achten, dass das Zimmer des PflegebedĂŒrftigen entsprechend barrierefrei oder der Behinderung entsprechend eingerichtet und ausgestattet ist.

Welche Kosten entstehen fĂŒr die Kurzzeitpflege?

Die Pflegekasse ĂŒbernimmt einen festen Beitrag fĂŒr die Kurzzeitpflege – siehe Kostenzuschuss der Pflegekasse. Dieser Kostenzuschuss ist rein nur fĂŒr die eigentliche Pflege.

FĂŒr Kost und Logis (Unterbringungskosten/Hotelkosten) sowie die Investkosten muss der PflegebedĂŒrftige selbst aufkommen. (siehe: Kosten Pflegeheim).

Die Hotelkosten können auch mit den nicht in Anspruch genommenen zusĂ€tzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen verrechnet werden. 

Jede Pflegeeinrichtung hat unterschiedliche TagessÀtze. Deshalb empfehle ich, sich vorher zu erkundigen wie hoch die TagessÀtze sind und dann zu vergleichen.

Nicht in jedem Bundesland dĂŒrfen die Kurzzeitpflege-Einrichtungen Investkosten berechnen. Das ist eine große Erleichterung, denn die Investkosten können schnell mal bei 20 oder 25 Euro pro Tag liegen. Wenn Sie 30 Tage in Kurzzeitpflege sind, mĂŒssen Sie allein schon fĂŒr die Investkosten 750 Euro bezahlen.


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Gibt es einen Kostenzuschuss der Pflegekasse fĂŒr Kurzzeitpflege?

Die Pflegekasse zahlt fĂŒr Pflegegrad 2 bis 5 jeweils 1.612 Euro (bzw. ab 2022 insgesamt 1.774 Euro) jĂ€hrlich. Mehr dazu auch in meinem Beitrag: PflegestĂ€rkungsgesetz – Die Pflegeleistungen

Was ist, wenn die Zusatzkosten nicht selbst bezahlt werden können?

Wenn die zusĂ€tzlich zu bezahlenden Kosten fĂŒr die Kurzzeitunterbringung vom PflegebedĂŒrftigen nicht erbracht werden können, kann unter UmstĂ€nden ĂŒber das Sozialamt eine (teilweise) Kostenerstattung beantragt werden. Wie hoch die Kostenbeteiligung des Sozialamtes ist und ob evtl. unterhaltspflichtige Familienmitglieder an den Heimkosten beteiligt werden, wird vom Sozialamt fallbezogen errechnet.

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Was ist der Unterschied zwischen Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege?

In einem Jahr kann sowohl Kurzzeitpflege als auch Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden. Der gravierendste Unterschied zwischen Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege ist jedoch der, dass

  • eine Verhinderungspflege nur in Anspruch genommen werden kann, wenn der zu Pflegende mindestens sechs Monate zuvor durch eine Pflegeperson im hĂ€uslichen Umfeld betreut wurde. Diese mindestens 6monatige Pflegezeit nennt sich auch „Vorauspflege“
  • Verhinderungspflege erfolgt in der Regel nicht in einem Pflegeheim sondern ambulant
  • Bei der Kurzzeitpflege entfĂ€llt die Frist von sechs Monaten. Jeder PflegebedĂŒrftige mit einer Pflegestufe hat Anspruch auf Kurzzeitpflege

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Muss ein Vertrag mit der Pflegeeinrichtung abgeschlossen werden?

FĂŒr die Zeit der Kurzzeitunterbringung wird mit der Pflegeeinrichtung ein Unterbringungsvertrag abgeschlossen. Wie bei allen VertrĂ€gen gilt auch hier: Vertrag gut durchlesen.

Steuerliche AbzugsfĂ€higkeit der eigenen Kosten fĂŒr die Kurzzeitbetreuung?

Prinzipiell sollten alle selbst ĂŒbernommenen Kosten, die im Zusammenhang mit der Pflege stehen, mit dem Steuerberater abgeklĂ€rt werden. Er wird individuell prĂŒfen, welche Kosten steuerlich (zum Beispiel als außergewöhnliche Belastung) abzugsfĂ€hig sind.

Extra-Tipp

Pflegeheime haben oft nur eine begrenzte Anzahl von KurzzeitpflegeplÀtzen. Deshalb sollte rechtzeitig nach einem geeigneten Platz gesucht werden. Vor allem wÀhrend den Ferienzeiten sind die KurzzeitpflegeplÀtze noch begehrter als sonst.

Gesetzestexte

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Quelle Bildmaterial: Fotolia#96959616  Â© nmann77

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