Demenz verstehen – Teil 1: Wenn Oma glaubt, dass sie bestohlen wurde

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Ein Beitrag von Brita Wellnitz, eine Fachfrau rund um das Thema DEMENZ.

Menschen mit Demenz verändern sich. Im Anfangsstadium der Erkrankung werden die Veränderung oft gar nicht der Demenz zugerechnet.

Eher wird das veränderte Verhalten mit boshaftem Altersstarrsinn betitelt. Die Demenz kann aus den liebsten Menschen zickige und streitsüchtige Personen machen, wie man es sich hätte nie vorstellen können.Die frühen Anzeichen werden oft falsch verstanden.

Nur wer versteht, wie der Verlauf einer Demenz ist und sich dann in den Erkrankten hineinversetzen kann, wird den richtigen Umgang mit dem Patienten finden.

„Herausforderndes Verhalten“ bei Personen mit einer demenziellen Erkrankung

Sehr oft kann man beobachten, dass Menschen mit Demenz ein Verhalten zeigen, welches in der Tat als „auffällig“, aber keinesfalls als „herausfordernd“ bezeichnet werden kann.

Besonders in Fachkreisen wird gern von eben diesem herausfordernden Verhalten gesprochen. Tatsächlich will in den allermeisten Fällen der erkrankte Mensch keineswegs „böse“ sein, jemanden mit seinem Verhalten gar ärgern.

Man muß die Gegebenheiten der erkrankten Person im Ganzen sehen, seine Umgebung, die Menschen, die mit ihm zusammen sind, seinen Tagesablauf, den Fortschritt seiner Erkrankung und viele Dinge mehr. Und man muß sich nach Kenntnisgewinnung der Krankheitsentwicklung Demenz die Mühe machen, sich in die Situation des Erkrankten zu versetzen.

Gelingt es, dem Menschen mit Demenz vorbehaltlos und empathisch zu begegnen, sich ernsthaft mit seinem Problem zu beschäftigen, dann gelingt der gesamte Kommunikationsprozess leichter, stressfreier und für beide Seiten zufriedenstellend.

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Pflegewiki erklärt „herausforderndes Verhalten“ so:

Im Zusammenhang mit „Demenz“ wird eine besonders typische, bei verschiedenen Erkrankten wiederkehrende Verhaltensauffälligkeit beschrieben, die als Belastung der Pflegenden und der Personen in der Umgebung wahrgenommen wird. Als herausforderndes Verhalten wird oft beschrieben, wenn sich eine Person über lange Zeiten des Tages nicht situationsgerecht, sozial unangepasst verhält. Es heißt dann oft, dass sich die betreffende Person – trotz geduldigem Erklären – der Pflege widersetzt oder andere „stört.“ Die Verhaltensauffälligkeit kann beispielsweise als durchdringendes Hilferufen, ständiges „Herumlaufen“ oder in Form von „Schreiattacken“ beobachtet werden.

Quelle: http://www.pflegewiki.de/wiki/Herausforderndes_Verhalten

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Beispiel: Beschuldigung eines Diebstahls

Wer weiß, wie Demenzpatienten „ticken“, kann sich viel leichter in deren Situation versetzen und entsprechend gegensteuern. Unnötige Auseinandersetzungen und Eskalationen können mit dem nötigen Wissen vermieden werden.

Was also geht in einem Demenzpatienten vor, wenn er jemand anderen des Diebstahls beschuldigt:

 „Du hast mir meine Geldbörse geklaut!“ „Mein Schlüssel ist weg! Den kannst nur du haben!“ „Meine ganze Bettwäsche hast du letztens mitgenommen!“ „Jetzt hat der Nachbar meine Mülltonne geklaut! Der war schon immer so komisch!“

So oder so ähnlich lauten die Vorwürfe, mit denen zumeist Töchter und Schwiegertöchter in der häuslichen Pflege oder Pflegepersonal im Altenheim konfrontiert werden, also ein Personenkreis, der es eher gut mit dem zu Pflegenden meint – und sich nun auch noch beschimpfen lassen muss.

Überlegen wir also Schritt für Schritt, was hier passiert. Nehmen wir das erste Beispiel. „Du hast mir meine Geldbörse geklaut. Vielleicht kommt sogar noch ein Satz wie dieser hinterher: “War ja klar, du hast ja eh gesagt, dass du zur Zeit knapp bist!“

Die Fakten:

  • Der kranke Mensch ist empört, entsetzt und aufbrausend, wahrscheinlich wütend, denn sein Geld ist weg. Diese Reaktion ist NORMAL! Wir wären auch wütend, wenn unser Geld weg wäre und wir an einen Diebstahl denken würden.
  • Die Geldbörse ist weg, auch Sie können sie nicht auf Anhieb finden.
  • Verzweiflung macht sich breit, auch bei Ihnen, jedoch haben Sie kein Argument dagegen, Sie wissen nur, SIE haben das Geld nicht.

 

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Die Erklärung – Was kann passiert sein:

Tatsächlich hat der demente Mensch seine Geldbörse seit Jahren immer am selben Platz, zum Beispiel bei Frauen in der Handtasche. Das ist der feste Platz, da kommt das Geld immer hin, da wird es aufbewahrt und im Bedarfsfall natürlich auch gefunden.

  • Eines Tages – der demente Mensch hat seine Unzulänglichkeiten bezüglich seines Gedächtnisses schon längst selbst bemerkt!!! – kommt ihm der Platz in der Handtasche nicht mehr sicher genug vor. Die Tasche hängt ja auch immer an der Garderobe, das ist eigentlich viel zu nah am Eingangsbereich, da könnte ja schnell ein in der Tür stehender Fremder zugreifen…. Solche Gedanken gehen dem Erkrankten durch den Kopf.
  • Das Ende dieser für ihn sehr anstrengenden Überlegungen: Ein anderer Platz, der mehr Sicherheit bietet, muss her!
  • Nun wird überlegt: wo könnte dieser Platz sein?
  • Das Ergebnis ist vielleicht der Schuhschrank. Im Winterstiefel – da ist die Geldbörse sicher! Das ist auch nahe an der Tür, wenn man die Wohnung verläßt, kommt man schnell heran, aber niemand vermutet dort die Geldbörse. Also ein bombensicherer Platz.
  • Zufrieden versteckt der Erkrankte also seine Geldbörse im Winterstiefel im Schuhschrank.

Die Auswirkungen

Wenn gesunde Menschen sich für einen Gegenstand einen anderen Aufbewahrungsplatz suchen, wissen sie in der Regel nach mehreren Tagen noch, wo dieser ist. Nicht so bei Demenzerkrankten.

  • Am nächsten Tag sind diese Überlegungen von gestern nämlich wie weggeblasen. Wie nie dagewesen. Das bringt die Demenz mit dem Verlust des Kurzzeitgedächtnisses mit sich.
  • Der erkrankte Mensch möchte sich die Zeitung kaufen, greift in seine Handtasche, denn da ist ja immer die Geldbörse – und – oh Schreck – da ist sie nicht! Aber da war sie doch IMMER?
  • Wieder zu Hause angelangt kommen Sie als Angehöriger in diese Situation, daß die Geldbörse weg ist. Und flugs sind Sie auch noch die Beschuldigte. Sie waren ja gestern auch zu Besuch und da haben Sie sie weggenommen – so die Vorwürfe.
  • Der Mensch mit Demenz wird sich wahrscheinlich NIEMALS an seine Überlegungen vom Vortag erinnern. Also wird er den „Fehler“ auch nicht bei sich suchen.
  • Aber er wird eine Erklärung finden wollen. Und dazu ist jede denkbare Idee recht.
  • Je mehr Sie nun wiedersprechen, desto mehr wird der Erkrankte erst Recht an Ihre Schuld glauben.

 

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Was kann man in so einer Situation tun?

Die Situation muß entschärft werden. Die pflegenden Angehörigen müssen sich in den Patienten hineinversetzen.

  • Als erstes nimmt man ernst, was passiert zu sein scheint. Nämlich: Das Geld ist weg  –  das ist was ganz Schreckliches! Diese Feststellung sollte man mit dem Betroffenen teilen.
  • Dann kann man Tatsachen sprechen lassen: „Du hast immer sehr auf deine Geldbörse acht gegeben, du bist ein sehr zuverlässiger Mensch. Umso schlimmer ist jetzt der Verlust!“ Zeigen Sie, dass Sie genauso betroffen sind, wie die Person, die vergessen hat, wo ihr Geld ist.
  • Gehen Sie nicht auf Defizite ein oder machen gar Vorwürfe.
  • Sagen Sie NIEMALS „Na das war ja nur eine Frage der Zeit, bis auch noch dein Geldbeutel weg ist…“ „Hab ich ja gleich gesagt, das kommt als nächstes…“ oder „So schusslig, wie du geworden bist, da ist es ja kein Wunder!“
  • Versetzen Sie sich in die Lage des Menschen mit Demenz. Vermuten Sie evtl. laut, was passiert sein könnte: „Du hast bestimmt einen sehr sicheren Platz gesucht, weil du so verantwortungsbewusst bist!“
  • Eventuell kann man fragen, wo derjenige denn JETZT etwas sehr wichtiges verstecken würde. Vielleicht kommt der Schuhschrank doch wieder in den Sinn.
  • Sie kommen jedenfalls ums Suchen nicht herum. Möglicherweise hilft es Ihnen, sich in den Erkrankten hineinzuversetzen, um eine Idee zu bekommen. Sollten Sie aber fündig werden, empfehle ich, die Suchaktion so zu gestalten, dass der Betroffene das Gesuchte selbst wiederfindet. Ersparen Sie sich mit diesem kleinen Trick viel Ärger.
  • Sie könnten helfen, indem Sie z.B. sagen „Ich schau jetzt mal auf dem Schrank, guck du schon mal im Schuhschrank….“
  • Rufen Sie nicht „Ich habs!“, denn das könnte bedeuten, dass der Mensch mit Demenz sich nun bestätigt fühlt und tatsächlich glaubt, Ihr schlechtes Gewissen hat Sie zu diesem „Fund“ gebracht.
  • Kann die Geldbörse nun also vom Betroffenen selbst gefunden werden, wird die Situation meist entschärft, eventuell weiß der Erkrankte auch, dass er schon öfter Sachen „verlegt“ hat und ist schlußendlich einfach nur glücklich, dass seine Börse wieder da ist. So, wie auch wir glücklich sind wenn sich alles zum Guten wendet.

Wo kann man verloren gegangenes in der Wohnung finden?

Hier noch einige Such-Empfehlungen, die auf persönlichen Erfahrungen mit vielen Menschen mit Demenz basieren. Die Aufzählung zeigt, an welchen immer wieder gleichen Orten bei verschiedenen Menschen verloren geglaubte Dinge wiedergefunden wurden:

  • Unter dem Kopfkissen oder sogar unter der Bettmatratze (Geldbörse, Brieftasche, Schlüsselbund)
  • im Kleiderschrank, zwischen Bettwäsche, Tischwäsche oder anderen großen geraden Wäsche-Stücken (Papiere, Testament, Vorsorgevollmachten, Schriftkram)
  • im Kühlschrank, Geschirrspüler (Brille, Geldbörse, Hörgerät, Schlüssel)
  • in der Wäschekommode zwischen Unterwäsche, Socken und / oder Strümpfen (Geld)
  • im Spiegelschrank im Bad (Brille)
  • in der Jackentasche einer anderen Jacke (Schlüssel, Geld, Brieftasche)

Anschaffungsempfehlung (verringert ungemein die Suchzeiten!!)

Brita Wellnitz empfiehlt für genau diese Fälle die Anschaffung eines „Loc8tor“.

Mit einem kleinen Suchdetektor findet man in über 100 Metern Reichweite den zuvor an den Dingen befestigten kleinen Anhänger. Ideal für Geldbörse, Brieftasche, Fernbedienung, Schlüsselbund.

Zu guter Letzt gibt es auch noch die – zugegebenrmaßen billigere – Möglichkeit, z.B. das Schlüsselbund mit einem Anhänger zu versehen, der einen Piepton hervorbringt, wenn man pfeift oder ruft. Man muss allerdings hier bedenken, dass dieser Piepton unter Umständen auch ohne dass gepfiffen wird ertönt, weil die Geräuschkulisse einfach gerade mal so hoch ist. Und man darf das Batterie wechseln natürlich nicht vergessen.

Die einzelnen Demenz-Erkrankungen

  • Alzheimer-Erkrankung
  • Vaskuläre Demenz
  • Frontotemporale Demenz
  • Lewy-Körperchen-Demenz
  • Korsakow-Syndrom
  • Creutzfeld-Jakob-Demenz
  • Parkinson-Demenz

Dieser Beitrag ist Teil unserer Demenz-Serie. Weitere Beiträge:

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* Dieser Beitrag stammt von Brita Wellnitz, Leiterin der Demenz-WG Schwarzachhaus. Ihr Beitrag entstand aus dem täglichen Umgang mit demenziell erkrankten Menschen.

 

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15 comments for “Demenz verstehen – Teil 1: Wenn Oma glaubt, dass sie bestohlen wurde

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