Plötzlich Pflegefall – Checkliste: Was ist zu tun und wer hilft weiter

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Ein Pflegefall tritt meist unerwartet ein. Vieles ist zu erledigen aber die ganze Thematik Pflege ist den meisten gar nicht geläufig. Die wenigsten wissen, an wen sie sich wenden können um Hilfe zu bekommen oder welche Leistungen Ihnen zustehen. 

Deshalb habe ich hier eine Zusammenfassung bereitgestellt. Da nicht auf jeden Punkt ausführlich und im Einzelnen eingegangen werden kann und dies den Rahmen dieses Beitrages sprengen würde, habe ich jeweils auf bereits vorhandene Beiträge in diesem Blog  oder auf externe Beiträge verlinkt. Die Informationen sind unterteilt in:

  1. Anlaufstellen für Beratung und Information
  2. Was muss beantragt und bedacht werden
  3. Finanzielles: Welche Unterstützungen, Leistungen und Zuschüsse gibt es
  4. Sterbebegleitung 

A.   Anlaufstellen für Beratung und Information

  1. Hausarzt, Facharzt, behandelnde Klinik
  2. Gesetzliche oder private Krankenkasse / Pflegekasse
  3. Pflegestützpunkte
  4. Unabhängige Patientenberatung (UPD)
  5. Sozialstationen von Krankenhäusern, Pflegediensten, Reha-Einrichtungen usw.
  6. Bürgertelefon des Bundesministerium für Gesundheit
  7. Sozialamt
  8. Seniorenberatungen
  9. Kommunale Beratungsstellen
  10. Selbsthilfegruppen für das jeweilige Krankheitsbild
  11. Über einen Pflegeleistungsrechner ausrechnen lassen, welche Leistungen zustehen

Übrigens: In meinem Beitrag Anlaufstellen und Ansprechpartner für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige finden Sie sehr viele Ansprechpartner rund um das Thema Pflege

Bitte nicht vergessen
Mit einer Pflegestufe haben Sie Anrecht auf monatliche Pflegehilfsmittel

 

B.   Was muß beantragt und bedacht werden

Pflege allgemein

  • Wer zuhause eine Pflege übernimmt, sollte zuerst prüfen, ob er selbst in der Lage ist, physisch und psychisch die Pflege für einen Pflegefall zu übernehmen.
  • Prüfen, ob von pflegenden Angehörigen eine Pflegezeit beantragt werden muss (Freistellung von der Arbeit für einen gewissen Zeitraum)
  • Prüfen, ob eine Pflege mit den räumlichen Gegebenheiten zu Hause möglich ist.
  • Bei Demenzpatienten muß die Wohnung entsprechend sicher eingerichtet und gestaltet sein
  • Prüfen, ob Wohnung/ Bad /Haus behindertengerecht umgebaut werden muss (Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen werden ab 2015 mit 4.000 Euro pro Maßnahme von der Pflegekasse bezuschusst). Ein entsprechender Antrag muß gestellt werden.
  • Prüfen, ob eventuell in eine andere Wohnung oder ein anders Haus umgezogen werden muß
  • Prüfen ob ein Treppenlift eingebaut werden muss (= Wohnumfeldverbessernde Maßnahme)
  • Pflegetagebuch führen (falls noch keine Pflegestufe beantragt oder erteilt). Orientierungswerte für die Pflegezeiten finden Sie in diesem Beitrag
  • Pflegestufe beantragen (am besten über Sozialdienst behandelndes Krankenhaus / Rehaklinik oder ambulanter Pflegediens
  • Schriftlich mit einem formlosen Schreiben  Widerspruch einlegen, falls Pflegestufe nicht genehmigt wurde
  • Das Ihnen zustehende Pflegegeld können Sie hier berechnen lassen
  • Prüfen, ob durch eine Reha eine Verbesserung des jetzigen Zustands des Patienten erreicht werden kann
  • Prüfen, ob eine persönliche Assistenz notwendig ist.
  • Prüfen, ob während eventueller Umbaumaßnahmen der Pflegebedürftige in einer Kurzzeitbetreuung untergebracht werden muss / dann eine passende Einrichtung aussuchen

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  • Jeder Pflegefall ist anders. Aber nicht immer ist ein klassisches Pflegebett notwendig. Manchmal reicht auch ein höhenverstellbares Seniorenbett aus. Zumal es auch sehr praktisch ist.
  • Wer versorgt den Haushalt (Essen zubereiten, einkaufen, putzen, waschen)
  • Aktuellen Medikamentenplan vom Hausarzt geben lassen. Wird bei weiteren Einweisungen ins Krankenhaus sowie Arztbesuchen benötigt
  • Krankenunterlagen am besten als Kopie zu Hause aufbewahren, um bei einer schnellen Einweisung ins Krankenhaus oder bei Facharzt-Terminen diese vorlegen zu können
  • Als pflegender Angehöriger die Vorsorge- und/oder Generalvollmacht immer zu allen Terminen im Krankenhaus, bei Ärzten, Pflegeeinrichtungen usw. mitnehmen, da die Vollmachten von den entsprechenden Stellen eingesehen werden möchten.
  • Soll für die Pflege zu Hause ein ambulanter Pflegedienst hinzugezogen werden. Pflegedienste übernehmen z. B. das Waschen des Patienten, die Zahnhygiene, helfen beim Aufstehen und Zubettgehen, verabreichen Injektionen uvm.
  • Wer den Pflegedienst in Anspruch nimmt und gleichzeitig Pflegegeld erhält, bekommt die sogenannte Kombileistung
  • Wenn nötig, vom Pflegedienst Medikamente in Dispensern vorrichten lassen
  • Klären, wer aus dem familiären Bereich bei der Pflege mithelfen und entlasten kann
  • Bei Gemeinde nachfragen, ob ehrenamtliche Mitarbeiter immer wieder bei der Betreuung aushelfen können

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  • Niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote in Anspruch nehmen
  • Bei Krankheit und Urlaub der pflegenden Angehörigen wird ein adäquater Ersatz benötigt. Falls eine Verhinderungspflege oder Kurzzeitpflege benötigt wird, muss auch hier rechtzeitig nach einer Vertretung bzw. freien Plätzen Ausschau gehalten werden.
  • Nach qualifizierten Fachärzten und Fachkliniken umsehen
  • Prüfen, welche Therapien vor Ort oder in der näheren Umgebung angeboten werden (Physiotherapie, Ergotherapie, Psychotherapie usw.)
  • Wird Essen auf Rädern oder ein anderer Lieferservice oder gar spezielle Aufbaunahrung/Astronatuenkosten benötigt (Aufbaunahrung wird bei Bedarf von Kasse übernommen)
  • Falls Essen auf Rädern in Anspruch genommen wird, zahlt das Sozialamt für Personen mit geringem Einkommen einen Zuschuss
  • Was wird benötigt, um die Mobilität zu verbessern (Rollstuhl, Rollator, Elektromobil)
  • Welche Hilfsmittel werden benötigt (Badewannenlifter, Kompressionsstrümpfe, Inkontinenzmaterial / Windeln, Gehhilfen, Spezialmatratzen usw.)
  • Muss ein Fahrzeug/PKW behindertengerecht umgebaut werden
  • Prüfen, ob für den Pflegefall/den Pflegebedürftigen eine Tages- oder Nachtpflege benötigt wird
  • Prüfen, ob eine Pflegekraft aus Osteuropa eingestellt werden soll (falls auch Haus- und Gartenarbeiten erledigt werden sollen, ist es möglich, eine männliche Pflegekraft anzufordern)
  • Eventuell einen Pflegekurs besuchen oder vom ambulanten Pflegedienst schulen lassen
  • Krankenpflege in Anspruch nehmen. Krankenpflege wird von der Krankenkasse bezahlt – unabhängig von der Pflegestufe. (zum Beispiel: An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen, Zusammenstellen von Medikamenten,
  • Falls keine Vorsorge- und Generalvollmachten, Patientenverfügungen, Testament usw. gemacht wurden, sollte dies jetzt – falls noch möglich – erledigt werden.

Meine Buchempfehlungen rund um das Thema Pflege

Eine Empfehlung von www.Pflege-durch-Angehoerige.de

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  • Ambulante Pflegedienste übernehmen auch Hausarbeiten
  • Der gesundheitliche Zustand kann sich bei jeder Person plötzlich rapide verschlechtern. Dies kann zur Folge haben, daß die Pflege zu Hause nicht mehr gewährleistet werden kann und eine Pflege im Heim notwendig wird. Es ist nicht immer ganz einfach, schnell einen Platz in einem guten Pflegeheim zu bekommen. Für diesen Fall ist es sinnvoll, unter Umständen bei einem favorisierten Pflegeheim auf der Warteliste zu stehen. Ein entsprechend klärendes Gespräch mit der Heimleitung, ob eine Aufnahme in die Warteliste möglich ist, wäre dann zu führen.

Pflege im Heim

  • Prüfen, ob eine Pflege im Pflegeheim erforderlich ist
  • Prüfen, mit welchen Kosten für das Pflegeheim zu rechnen ist
  • Mehrere Pflegeheime besichtigen und auswählen (Beitrag + Pflegefinder)
  • Wer sich nicht gleich für ein Pflegeheim entscheiden kann, hat auch die Möglichkeit des Probewohnens
  • Bei Demenzpatienten mit Weglauftendenz ist unter Umständen ein Pflegeheim mit einer Spezialstation für Demenzpatienten notwendig (geschlossene Station)
  • Welche Möbel werden im Heim benötigt
  • Bei Unterbringung im Pflegeheim fallen keine GEZ-Gebühren an – deshalb Pflegebedürftigen/Pflegefall bei der GEZ abmelden
  • Bei einem Umzug ins Heim muß einiges beachtet werden. Schauen Sie deshalb meine Checkliste an
  • Wer den Umzug nicht selbst durchführt, sollte rechtzeitig eine Umzugsfirma beauftragen. Einen Kostenvergleich von verschiedenen Anbietern können Sie sich hier kostenlos und unverbindlich anfordern.
  • Daß Kinder für die Pflegeheimkosten der Eltern nicht Haus und Hof verkaufen müssen, dazu erfahren Sie hier mehr. Außerdem kann ich Ihnen das Buch „Ratgeber Elternunterhalt – Pflege und Heim, wann müssen Kinder zahlen“ dazu sehr empfehlen.“

Hilfsmittel im Pflegeheim

Auch Bewohner von Pflegeheimen haben Anspruch auf Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel. Mehr dazu hier

C.   Finanzielles: Welche Unterstützungen, Leistungen und Zuschüsse gibt es

  • Alle notwendigen Leistungen wie Tagespflege, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, zusätzliche Betreuungsleistungen usw. beantragen
  • Hilfsmittel beantragen. Die Krankenkassen/Pflegekassen genehmigen Hilfsmittel, individuell nach Bedarf des einzelnen Patienten. Hilfsmittel können sein: Pflegebett, Rollstuhl, Inkontinenzartikel (Windeln), usw. Eine Auflistung über die einzelnen Hilfsmittel erhalten Sie hier
  •  Widerspruch einlegen, falls Hilfsmittel nicht genehmigt wurden. Die Mitarbeiter der Pflegekassen kennen den Patienten/Pflegefall meist nicht persönlich. Deshalb müssen Anträge oftmals auf Aktenlage entschieden werden. Da passiert es leicht, daß dringend benötigte Hilfsmittel abgelehnt werden. Ein klärendes Gespräch mit dem zuständigen Sachbearbeiter hilft unter Umständen schon weiter.
  • Pflegegeld und Pflegesachleistungen errechnen lassen. Das Bundesministerium für Gesundheit hat dazu einen Pflegeleistungs-Rechner (gültig ab 2015) veröffentlicht
  • Pflegehilfsmittel beantragen. Jedem Patienten mit Pflegestufe stehen monatlich Pflegehilfsmittel im Wert von 31 Euro (bis Ende 2014) bzw. 40 Euro (ab 01.01.2015) zu. Pflegehilfsmittel sind z.B. Bettschutzeinlagen, Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, Mundschutz, Einmalschürzen usw.

 

 

  • Prüfen ob ein Hausnotruf nötig ist (Kassenleistung – bei Bedarf)
  • Evtl. Schwerbehindertenausweis beantragen (finanzielle Vorteile, steuerliche Vorteile usw.)
  • Finanzierung der Pflege durchkalkulieren / Diese Leistungen stehen Ihnen zu. Hier können Sie ausrechnen, wieviel Pflegegeld Ihnen nach Abzug der Rechnungen für den ambulanten Pflegedienst usw. bleibt. 
  • Prüfen, ob die finanziellen Mittel für die Bezahlung ausreichen oder ob beim Sozialamt Hilfe zur Pflege beantragt werden muss
  • Krankenfahrten (Fahrten zum Arzt, Zahnarzt, Physiotherapie, Dialyse, ins Krankenhaus, zur Reha): Fahrkosten werden unter bestimmten Voraussetzungen von der Kasse übernommen. Fahrkostenzuschuss beantragen
  • Chronisch kranke Patienten haben eine Zuzahlungspflicht von 1 % des Brutto-Familieneinkommens anstatt von 2 %. Antrag auf chronisch krank stellen
  • Befreiung von zuzahlungspflichtigen verordneten Hilfsmitteln, Anwendungen, Medikamente usw. beantragen (Zuzahlungsbefreiung).
  • Alle Rechnungen und Belege von verordneten Medikamenten, Hilfsmitteln und Anwendungen usw. sammeln und bei Erreichen der Belastungsgrenze Befreiung von Zuzahlungspflicht beantragen
  • Bankvollmacht geben lassen (falls noch möglich), um im Notfall alle Bankgeschäfte tätigen zu können
  • GEZ-Gebühren befreien lassen. Hier können Sie nachlesen, wer sich befreien lassen kann

Hier kostenlos Pflegehilfsmittel anfordern

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  • Stromkostenerstattung für von der Krankenkasse bezahlte, elektrisch betriebene Hilfsmittel beantragen
  • Für Diabetiker kann medizinische Fußpflege beantragt werden
  • Unter bestimmten Voraussetzungen bezahlt die Pflegekasse für die pflegenden Angehörigen die Rentenbeiträge / muss beantragt werden. Werden mehrere Personen gepflegt (Additionspflege) können die Pflegezeiten addiert werden.
  • Bei Pflegebedürftigkeit durch Unfall ist zu prüfen, ob durch eine Unfallversicherung Kostenübernahmen getätigt werden
  • Steuer: Pflegende Angehörige können eine Steuerpauschale bei der Steuer geltend machen
  • Steuer: Für alle Kosten, welche im Zusammenhang mit der Pflege selbst getragen werden müssen (Eigenkosten Umbau Wohnung/Haus, Eigenanteile für Pflegedienst oder Pflegeheim, Eigenanteile Medikamente, Elektromobil, Fahrzeugumbauten, Treppenlift usw.) die Belege aufheben und bei der Steuer des Pflegebedürftigen/Pflegefalls mit einreichen. Klären Sie mit Ihrem Steuerberater, welche Kosten als außergewöhnliche Belastung steuerlich abzugsfähig sind.
  • Pflegeheimkosten, welche von den Pflegebedürftigen nicht selbst getragen werden können, müssen nicht ohne weiteres von den Angehörigen bezahlt werden

 

D:   Sterbebegleitung

ExtraTipp: Was Sie über stundenweise Verhinderungspflege wissen sollten und was zu tun ist, damit Ihnen das Pflegegeld nicht gekürzt wird, lesen Sie bitte in diesem Beitrag

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Training für Kopf und Körper für den Alltag

Kopr- und Körpertraining für den Alltag

66 comments for “Plötzlich Pflegefall – Checkliste: Was ist zu tun und wer hilft weiter

  1. 25. Juni 2016 at 21:16

    Sie sollten sich gut beraten lassen. Unter Umständen kann Ihnen ein guter Pflegedienst weiter helfen und Sie beraten, was Sie machen können. Diese Situation ist nämlich gar nicht so selten, daß Pflegebedürftige die Hilfe von anderen ablehnen. Vielleicht kann Ihnen auch Ihre Krankenkasse Beratungsstellen nennen.

  2. Renate Schwarz
    25. Juni 2016 at 20:15

    Mein Mann ist Pflegebedürftig (Stufe II) er kann alleine die Wohnung nicht mehr verlassen, er liegt und schläft fast nur noch auf dem Sofa und ab und zu mal im Sessel. Hilfe von Pflegebetreuern lehnt er ab. Ich weiß mir bald auch nicht mehr zu helfen. Er ist geistig völlig fit und ich kann und will ihn auch nicht ins Altenheim bringen lassen. Was kann ich in solch einem Fall machen? So kann es nicht weiter gehen.

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